Krimi | USA 2025 | 107 Minuten

Regie: Darren Aronofsky

Ein abgehalfterter Barkeeper aus New York gerät Ende der 1990er-Jahre ins Fadenkreuz rivalisierender Gangster, die allesamt auf der Suche nach ihrem Geld sind. Die schwarze Gangsterkomödie orientiert sich an Genrefilmen wie „After Hours“ und „Snatch“, fällt jedoch wesentlich düsterer als ihre Vorbilder aus. Dabei überzeugen vor allem die atmosphärischen Momentaufnahmen der Stadt sowie die beiden Hauptdarsteller. Für eine temporeiche Gangsterfarce ist der Film allerdings zu schwergewichtig; an den entscheidenden Momenten fehlt es an Timing und dramaturgischem Feingefühl. - Ab 16.
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Filmdaten

Originaltitel
CAUGHT STEALING
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2025
Produktionsfirma
Protozoa Pictures
Regie
Darren Aronofsky
Buch
Charlie Huston
Kamera
Matthew Libatique
Musik
Idles
Schnitt
Andrew Weisblum
Darsteller
Austin Butler (Hank Thompson) · Zoë Kravitz (Yvonne) · Regina King (Roman) · Matt Smith (Russ) · Liev Schreiber (Lipa)
Länge
107 Minuten
Kinostart
28.08.2025
Fsk
ab 16; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Krimi | Literaturverfilmung | Thriller
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Heimkino

Verleih DVD
Sony/Plaion
Verleih Blu-ray
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Eine schwarzhumorige Gangstergeschichte um einen abgebrannten Barkeeper aus New York, der Ende der 1990er-Jahre zwischen die Fronten unterschiedlicher Verbrecher gerät, die auf der Suche nach ihrer Beute sind.

Veröffentlicht am
27.08.2025 - 16:49:57
Diskussion

In „Caught Stealing“ prallt ein Haufen skurriler Figuren auf engstem Raum so lange aufeinander, bis alles eskaliert. Das ist ein ebenso bekanntes wie bewährtes Konzept. Die Probleme für Hank (Austin Butler) und Yvonne (Zoë Kravitz) beginnen damit, dass ihr Nachbar, der britische Punker Russ (Matt Smith), die Stadt verlässt und sie bittet, seine Katze zu füttern. Am nächsten Tag stehen russische Gangster, die jüdische Mafia, ein schießwütiger Mann aus Puerto Rico und das Drogendezernat Schlange, um Hank zu bedrohen, zu verprügeln oder noch Schlimmeres anzutun. Bald darauf gibt es die ersten Leichen. Es werden nicht die letzten sein.

New York aus der Sicht von Darren Aronofsky

Als Kulisse für diese Eskapaden wählt Regisseur Darren Aronofsky das New York der 1990er-Jahre. Es wirkt authentisch und abgetragen. Die stickige Luft in dreckigen U-Bahnhöfen und der Alkoholgeruch in überfüllten Bars sind beinahe physisch spürbar. Das zentrale Paar wirkt hingegen etwas zu jung und zu sexy für diese schmierige Welt. Ihre intimen Szenen erinnern an Jeans-Werbespots, in denen zwei attraktive Menschen die Finger nicht voneinander lassen können – aber immerhin stimmt die Chemie. Austin Butler bringt genügend Energie mit, um den Großteil des Films zu schultern, und Zoë Kravitz ist ein derart charmanter Gegenpart, dass es fast ein Ärgernis ist, wie klein ihre Rolle im Vergleich zu seiner ausfällt. Die Handlung fokussiert auf Hank, seine verlorene Baseballkarriere, verdrängte Traumata und künftige Lebensentscheidungen. Dadurch werden alle anderen Figuren weitgehend zu Stichwortgebern reduziert, die dazu dienen, seine Story vorantreiben. In bekannter Hollywood-Tradition ist das Ensemble hauptsächlich dazu da, einem „All-American White Guy“ dabei zu helfen, seine Probleme zu überwinden und seine Träume zu verwirklichen. Auch das fühlt sich mehr nach 1998 als nach Gegenwart an.

Allerdings scheint eine flippige Gangsterkomödie wie „Caught Stealing“ nicht ganz in die Filmografie des Regisseurs Darren Aronofsky zu passen. Bisher hat Aronofsky weder Actionfilme noch Komödien gedreht. Jedenfalls nicht freiwillig. Mit seinen pessimistischen Charakterstudien grenzte er sich stets von dieser Art kurzweiligen Popcornkinos ab; von „Requiem for a Dream“ bis zu „The Whale“ zerschellten seine Figuren in unterschiedlicher Intensität an Paranoia, Drogen, Erfolgsdruck, höheren Mächten oder menschlichem Fehlverhalten. Als Regisseur ist Aronofsky routiniert genug, um „Caught Stealing“ kompetent zu inszenieren; doch seine mangelnde Erfahrung in dem für ihn neuen Genre ist in unzähligen Details spürbar. Die Stärke seiner bisherigen Filme bestand darin, das Leid der Protagonisten erfahrbar zu machen; auch in „Caught Stealing“ verfällt er immer wieder der Versuchung, schmerzhafte Momente einzustreuen, die der Gangsterfarce unnötigen Ballast auflasten.

Der zynische Humor, der dabei entsteht, ist offensichtlich seinen Vorbildern geschuldet. Ein Gastauftritt von Griffin Dunne deutet an, dass die schwarze Komödie „After Hours“ von Martin Scorsese über die Missgeschicke eines Losers in New York ebenfalls als Blaupause diente. Die Grundstruktur eines chaotischen Gangster-Ensembles, das sich gegenseitig auf die Füße tritt, erinnert an die Frühwerke von Guy Ritchie, an „Bube, Dame, König, grAS“ und „Snatch“. Doch Ritchie wie auch Scorsese wussten, dass Mord und Totschlag nur unter bestimmten Umständen komisch wirken. Bei Ritchie sind die Figuren so überlebensgroß, dass sie zu Karikaturen werden, und bei Scorsese sind die Unglücke so unwahrscheinlich absurd, dass der Bezug zum echten Leben nahezu verlorengeht. Bei ihnen entsteht der Spaß durch gezielte Überhöhungen. „Caught Stealing“ wirkt hingegen an vielen Stellen völlig verkrampft. Die dunkle Vergangenheit, die Hank einholt, und die Menschen, die er im Laufe der Handlung verliert, lassen den Film oftmals unverdient bitter wirken. Aronofsky möchte zwar die Lacher mitnehmen, besitzt aber nicht genug Disziplin, um dem Publikum den Schmerz zu ersparen, den er so gerne zur Schau stellt.

Ein bisschen Punk-Rock

Ein etwas pubertärer Anarchismus zieht sich wie ein blutroter Faden durch „Caught Stealing“. Wenn Aronofsky humoristisch nicht mehr weiterweiß, gibt es eine Reaktion der Katze; wenn die Action nicht weiterkommt, muss jemand sterben. Es wird viel geflucht und unvermittelt gemordet; in den Dialogen geht es um Lieblingssnacks und darum, wann man jemandem in die Genitalien schießen darf. Die britischen Punkrocker der Band „Idles“ steuern mehrere Songs zum Soundtrack bei und dürfen im Abspann mit ihren dröhnenden Gitarrenriffs die Credits zerfetzen. Es scheint, als ob Aronofsky mit diesen kleinen Provokationen sein eigenes Punk-Konzert auf die Leinwand bringen wollte. „Caught Stealing“ wird damit zu einem Film, der sich nicht an Regeln hält, mit schrägen Figuren um sich wirft und Menschen, die sich durch solche Eskapaden vor den Kopf gestoßen fühlen, den Mittelfinger zeigt.

Was dem Film fehlt, um diesen rebellischen Ansatz zu rechtfertigen, ist jedoch jene Leichtigkeit, die andere Genrebeiträge an den Tag legen. Aronofskys Grenzüberschreitungen wirken nicht verspielt, sondern kalkuliert. Der wilde Ritt durch die New Yorker Nacht ist zwar amüsant und unterhaltsam, doch man spürt die Mühe, die Aronofsky aufbringen muss, um seinen Ambitionen gerecht zu werden. Was er dabei kreiert, fühlt sich für eine temporeiche Gangsterfarce zu gewollt und für echten Punkrock zu kalkuliert an – es reicht aber zumindest für eine stimmungsvolle Coverversion.

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