Down Cemetery Road
Drama | USA 2025 | 413 Minuten (8 Folgen)
Regie: Samuel Donovan
Filmdaten
- Originaltitel
- DOWN CEMETERY ROAD
- Produktionsland
- USA
- Produktionsjahr
- 2025
- Produktionsfirma
- 60Forty Films/Apple Studios
- Regie
- Samuel Donovan · Börkur Sigþorsson · Natalie Bailey
- Buch
- Morwenna Banks
- Kamera
- Nick Cooke · Annika Summerson
- Schnitt
- Oral Norrie Ottey · Daniel Greenway · Edel McDonnell
- Darsteller
- Emma Thompson (Zoë Boehm) · Ruth Wilson (Sarah) · Adeel Akhtar (Hamza) · Nathan Stewart-Jarrett (Downey) · Fehinti Balogun (Amos)
- Länge
- 413 Minuten (8 Folgen)
- Kinostart
- -
- Pädagogische Empfehlung
- - Ab 16.
- Genre
- Drama | Literaturverfilmung | Serie | Thriller
- Externe Links
- IMDb | TMDB | JustWatch
Schwarzhumorig grundierte Thrillerserie um eine Oxforder Restrauratorin und eine Privatdetektivin, die mit Agenten und Killern aneinandergeraten, als sie auf die Spur brisanter Militärgeheimnisse kommen.
Der gewaltige Rumms, der eine Dinnerparty der Oxforder Restauratorin Sarah (Ruth Wilson) und ihres Ehemanns rüde unterbricht, scheint zunächst nur ein Haus in der Nachbarschaft zu betreffen: Eine Gasleitung sei explodiert, heißt es. Das Gebäude liegt in Trümmern, eine Frau und ein Mann sind ums Leben gekommen, nur ein kleines Mädchen hat wie durch ein Wunder überlebt. Doch auch Sarahs ruhige Existenz wird bald in ihren Grundfesten erschüttert werden. Als sie kurz nach der Explosion eine Gute-Besserung-Karte zu dem aus den Trümmern geborgenen Mädchen ins Krankenhaus bringen will, tut sie damit, ohne es zu ahnen, den ersten Schritt in den Kaninchenbau, der sie aus ihrer bürgerlichen Normalität und der beschaulichen englischen Universitätsstadt hinausführen wird in ein düsteres Wunderland voller moralisch fragwürdiger Geheimdienst-Aktivitäten, Profikiller und hässlichen militärischen Geheimnissen.
Zwei Frauen im Clinch mit dubiosen Geheimdienst-Kräften
Nach der köstlichen Agentenserie „Slow Horses“ präsentiert Apple TV+ mit „Down Cemetery Road“ eine weitere Adaption nach einem Werk von Autor Mick Herron. Einmal mehr geht es darin um ein Großbritannien, in dem was faul ist und diese Fäulnis gerade dort wurzelt, wo man eigentlich für den Schutz der Nation zuständig ist.
Zunächst ist es nur ein vager Verdacht, der in Sarah aufkeimt. Die Leute in der Klinik, in die das Kind eingeliefert wurde, verhalten sich seltsam abweisend. Als Sarah kurz darauf zur Polizei geht, um mehr übers Schicksal der kleinen Waise zu erfahren, heißt es, die Infos seien Verschlusssache. Und dann fällt ihr als Kunstexpertin, die einen genauen Blick für Bilddetails hat, auf, dass an einem Pressefoto zur Explosion herumretuschiert wurde. Offensichtlich soll hier etwas vertuscht werden, weswegen Sarah den Fall einem kauzigen Privatdetektiv (Adam Godley) anvertraut – und bald nehmen die Dinge eine mörderische Wendung. Sarah gerät ins Visier von Leuten, die keine Skrupel haben, über Leichen zu gehen. Doch an ihrer Entschlossenheit, das Mädchen zu finden, ändert das nichts.
Und sie ist nicht allein: Neben ihr verbeißt sich auch eine gewisse Zoe Boehm (Emma Thompson), die Partnerin und Ehefrau des Detektivs, den Sarah mit dem Fall beauftragt hat, in die Ermittlungen wie ein grimmiger Mungo, der die Kobra, die er einmal am Schlafittchen hat, keinesfalls wieder loslassen will, Giftzähne hin oder her.
Eine gelungene Fusion von Suspense und schrägem Humor
Die Zuschauerinnen erfahren schon wesentlich früher als die beiden Protagonistinnen, mit was für Kräften sich die beiden anlegen. Ein Nebenstrang kreist um einen Agenten der „Military Intelligence“, Hamza (Adeel Akhtar), der von seinem Boss C (Darren Boyd) gedrängt wird, sämtliche Spuren rund um die angebliche Gasexplosion, bei der es sich in Wahrheit um einen geheimdienstlich sanktionierten Bombenanschlag handelt, zu beseitigen. Dumm nur, dass das Brüder-Duo, das als Freelancer-Killer das Attentat organisiert hat, sich als so psychopathisch entpuppt, dass es zum Teil der Probleme wird, für deren Vertuschung es eigentlich engagiert wurde.
Der Agenten-Stoff, den „Down Cemetery Road“ in acht Folgen aufrollt, ist zwar von der Substanz her weder besonders originell noch politisch brisant, aber ähnlich wie „Slow Horses“ so bestechend erzählt, dass man an der Serie bis zum Ende dranbleibt. Denn Autorin Morwenna Banks und die Regisseure schaffen es bestens, Mick Herrons Geschick dabei, Suspense und schrägen Humor zu fusionieren, auch hier zum Glänzen zu bringen.
Ein trefflich gespieltes Figuren-Ensemble
Die Basis dafür liefern pointiert gezeichnete, vortrefflich gespielte Figuren. Ruth Wilson als bildungsbürgerlicher „Fish out of Water“, der von den gefährlichen Entwicklungen ziemlich überrollt wird, aber eine heroische Hartnäckigkeit beweist, gibt ein charismatisches emotionales Zentrum ab, würdig flankiert von Emma Thompson, die als Private Eye mit punkig anmutender, grauer Igel-Frisur mit der kratzbürstigen Coolness einer Jessica Jones zu wetteifern scheint. Und die Nebendarsteller bis hin zu Fehinti Balogun, der als Killer Amos ein bisschen an Javier Bardem in „No Country for Old Men“ denken lässt, stehen den Hauptdarstellerinnen in nichts nach.
Die Genre-übliche physische Action bleibt zwischen ihnen nicht aus – grandios etwa eine Sequenz, in der Zoe Boehm Amos erst in den Nachtzug nach Schottland hinein verfolgt, um dann während der nächtlichen Fahrt in den engen Abteilen selbst zur Gejagten zu werden. Mindestens genauso wichtig aber ist die dialogische Action, vor allem das, was man im Englischen als „Banter“ bezeichnet: Die Figuren kabbeln und sticheln sich während der ganzen Serie hingebungsvoll, wobei vor allem Zoe Boehm eine so entwaffnende Schlagfertigkeit an den Tag legt, dass es an verbale Martial Arts grenzt. Köstlich geschrieben und gespielt ist aber auch das Verhältnis des schwer geprüften Geheimdienst-Manns Hamza zu seinem dominant-arroganten Boss, das sich sprachlich zur regelrechten SM-Beziehung auswächst.
„Down Cemetery Road“ führt in eine Geheimdienstwelt, die anders als im 007-Franchise keine gut geölte, glamouröse Maschine ist, sondern in der gerade die Manie, alles unter Kontrolle halten zu müssen, Chaos produziert. Bei aller kolportagehaften Zuspitzung, die Handlung und Figuren dabei erfahren, punktet die Serie aber auch damit, sich nicht Guy-Ritchie-mäßig ganz im ironischen Spektakel-Spiel mit den Genrestandards zu verschanzen. Die Figuren bleiben liebenswert menschlich; und bei aller Lakonie gibt es Raum für zartere Momente, für echte Angst, echten Schmerz und echte Trauer. Eine Folie, vor der der Zynismus der Strippenzieher, die sich selbst im Sumpf der Geheimdienst-Arbeit die Maßanzüge nie dreckig machen, umso deutlicher zutage tritt.