Komödie | USA 2025 |

Regie: Andrew DeYoung

Ein pflichtbewusster Büroangestellter landet bei einer öffentlichen Präsentation auf dem Hinterteil, als sein Stuhl unter ihm kollabiert; die Peinlichkeit nimmt er sich so zu Herzen, dass er sich in der Folge in die Überzeugung hineinsteigert, hinter dem defekten Möbel stehe ein kriminelles Netzwerk. Die achtteilige Comedyserie lässt ihren zunehmend nervlich überforderten Protagonisten durch ein Labyrinth aus vermeintlichen Hinweisen und Demütigungen stolpern und zeichnet dabei ein scharfes Porträt der Verletzlichkeit moderner Mittelschichtsexistenzen. Auch wenn nicht jede Eskalation trägt und manche Episoden gestreckt wirken, gelingt eine präzise Zeitgeistsatire über Kränkungskultur, Verschwörungsdenken und den Wunsch nach Kontrolle in einer unübersichtlichen Welt. - Ab 14.
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Filmdaten

Originaltitel
THE CHAIR COMPANY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2025
Produktionsfirma
Hyperobject Industries/Zanin Corp/HBO Entertainment
Regie
Andrew DeYoung · Aaron Schimberg
Buch
Tim Robinson · Zach Kanin · Gary Richardson
Kamera
Ashley Connor
Musik
Keegan DeWitt
Schnitt
Andrew Fitzgerald · Stacy Moon
Darsteller
Tim Robinson (William Ronald Trosper) · Lake Bell (Barb Trosper) · Sophia Lillis (Natalie Trosper) · Will Price (Seth Trosper) · Joseph Tudisco (Mike Santini)
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Komödie | Satire | Serie
Externe Links
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Comedyserie um einen braven Büroangestellten, den ein öffentliches Malheur auf die Spur einer vermeintlichen Verschwörung bringt.

Veröffentlicht am
25.11.2025 - 11:13:26
Diskussion

Ron Trosper – ein Mann in seinen mittleren Jahren – ist eigentlich ein gewissenhafter Büroangestellter, wie er im Buche steht. Diensteifrig, zuverlässig und stets gewissenhaft. Soeben wurde ihm die Projektleitung zur Entwicklung eines Einkaufszentrums in einer kleinstädtischen Gemeinde im US-Bundesstaat Ohio übertragen, die auch der Heimatort seiner vierköpfigen Familie ist. An Rons großem Tag – der Präsentation zum Baustart des Projekts – aber ereignet sich ein recht folgenreicher Reinfall.

Als Familienvater Ron (gespielt von Tim Robinson) nach absolvierter Rede im Hintergrund Platz nehmen will, kollabiert der Stuhl unter dem Mann und sendet den Protagonisten auf direktem Weg auf die Bühnenbretter. Zwar gibt es im Firmenpublikum ein paar vorhersehbare Lacher, wirklich zum Gespött macht Ron sich aber nicht, vielmehr zeigen die Kollegen Anteilnahme am kleinen Fauxpas ihres Abteilungsleiters. Ron aber lässt sein unverschuldetes Missgeschick, das ihn auf dem Hosenboden landen ließ, nicht los. Er beginnt systematisch – schnell stellt sich heraus geradezu obsessiv – nach den Ursachen für den vermaledeiten Bürostuhl-Kollaps zu suchen.

Der Biedermann wittert eine weitreichende Verschwörung

Rons akribische Recherchen fördern ungewöhnliche Zusammenhänge und etwaige Verstrickungen zutage. Im Zentrum der seltsamen Begebenheiten steht ein vorgeblicher Büroartikelhersteller, hinter dessen Agieren, so vermutet Ron bald, ein weitreichendes kriminelles Netzwerk stecken könnte. Doch reimt sich Ron diesen Zusammenhang nur zusammen? Oder ist der Mittfünfziger tatsächlich einer heißen Verschwörung auf der Spur?

In der neuen Comedyserie „The Chair Company“ für den US-Sender HBO spüren die Serienmacher Tim Robinson und Zach Kanin dem Zeitgeist der Internetära mit all seinen paranoiden Tendenzen und potenziell wahnhaften Kaninchenlöchern nach, die beizeiten selbst aufgeräumte Bürgerexistenzen in ihren langen, verhängnisvollen Abgrund zu locken vermögen. Seine Sporen verdiente sich der Komödienfachmann Robinson beim beliebten Comedyformat „Saturday Night Live“, und er hauchte ab 2019 der Gattung Sketch-Show mit dem Publikumsliebling „I Think You Should Leave“ bei Netflix neues Leben ein.

In „The Chair Company“ führt Robinson in acht teils skurrilen halbstündigen Episoden seinen Protagonisten vom Genre der aberwitzigen Workplace Comedy in die erzählerisch verschlungenen Gefilde eines Mystery-Thrillers, in dem der Protagonist an der Seite einiger Mitstreiter wie auch Kontrahenten der vermuteten Verschwörung auf der Spur ist. Zentrales Thema von „The Chair Company“ sind die zahlreichen kleinen, aber zersetzenden Ungerechtigkeiten und Demütigungen des Alltags, denen wohl die allermeisten Zeitgenossen ausgesetzt sind. Tim Robinsons Protagonist und Alter Ego aber nimmt sie sich mehr zu Herzen als die Durchschnittsexistenz und gerät so in eine teils absurde Unglücksspirale, die für den allzu sensiblen Mann zunehmende nervliche Zerrüttung bedeuten.

Existenzdruck als Motor der Paranoia

Als bei einem Dinnerabend mit seiner Familie die Kellnerin ein paar aus Rons Sicht despektierliche Kommentare über Einkaufszentren macht, reagiert der Familienvater auf ausgesprochen pampige Art und verwickelt die arglose junge Angestellte in eine ausufernde Diskussion über Wesen und Zukunft derart zentralisierter Einkaufsgelegenheiten. Natürlich liegt es in der Natur der Sache, dass ein Entwickler für Shopping-Malls im Zeitalter von Onlinehändlern einen zunehmend schweren Stand hat. Ron droht mittelfristig das gesellschaftliche Abstellgleis, das bedeutet massiven Existenzdruck und macht den zentralen Akteur dünnhäutig und empfangsbereit dafür, jede Begebenheit des Alltags persönlich zu nehmen.

Ein Nährboden für den Einstieg ins Verschwörer-Mindset, in dem auf selbstverständliche Weise alles mit allem zusammenzuhängen scheint. Die empfundene öffentliche Demütigung lässt Ron umso mehr in seiner Rolle des Privatermittlers aufgehen, der einem vermeintlichen Drogenschmugglerring hinterherermittelt.

Gelungene Zeitgeist-Satire

Natürlich geht im Laufe der acht Episoden alles schief, was nur schiefgehen kann – stets mit recht peinlichem Ausgang für den Protagonisten. Neben Tim Robinson taucht in der auf hohem Niveau unterhaltsamen Comedy-Produktion viel schauspielerisches Talent auf. In weiteren Rollen sind unter anderem Lake Bell (als Rons Gattin), Sophia Lillis (seine Tochter), Will Price (sein Sohn) sowie Joseph Tudisco zu sehen, der sich von einer zentralen Gestalt der von Ron vermuteten Verschwörung zu einer Art Kompagnon entwickelt. Die aberwitzigen Begebenheiten und sich steigernden Handlungseskapaden lassen bisweilen den Wunsch aufkommen, Tim Robinson und seine Kreativen hätten sich ein wenig sketchkonformer kurzgefasst. Insgesamt aber erweist sich „The Chair Company“ als überaus pointierte Zeitgeistsatire und Gesellschaftskomödie, die den politisch-sozialen Ist-Zustand auf hellsichtige Weise und in jeder Menge gelungenen Slapstick-Einlagen bloßlegt.

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