Ein fast perfekter Antrag

Romantische Komödie | Deutschland 2026 | 105 Minuten

Regie: Marc Rothemund

Ein Mann ist nie darüber weggekommen, dass er den Heiratsantrag bei seiner Jugendliebe vermasselt hat. Nach 40 Jahren trifft der mittlerweile verwitwete Rentner die Frau zufällig wieder, die im Gegensatz zu ihm weltoffen und ungebunden geblieben ist. Als er sich in einen Kurs der Professorin für Kunstgeschichte einschreibt, reagiert nicht nur sie zuerst ablehnend; auch seine jungen Kommilitonen stoßen sich an seinen Ansichten. Eine romantische Komödie um eine späte zweite Chance auf ein gemeinsames Glück, die mit der Reintegration eines alten weißen Mannes in die Gesellschaft verbunden wird. Diese Kombination ist nicht immer erfolgreich, doch das Zusammenspiel der Hauptdarsteller funktioniert hervorragend. - Ab 14.
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Filmdaten

Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2026
Produktionsfirma
Studio Zentral/Leonine Studios/ARD Degeto
Regie
Marc Rothemund
Buch
Richard Kropf
Kamera
Ahmet Tan
Musik
Andrej Melita · Jörg Magnus Pfeil
Schnitt
Hans Horn · Chris Mühlbauer
Darsteller
Heiner Lauterbach (Walter Adler) · Iris Berben (Alice) · Jonathan Perleth (Zero) · Maya Lauterbach (Flora) · Janina Kreuz (Rike)
Länge
105 Minuten
Kinostart
26.02.2026
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Romantische Komödie
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Romantische Komödie um einen Mann, der sich in den Kunstgeschichtskurs jener Frau einschreibt, der er vor 40 Jahren einen gründlich misslungenen Hochzeitsantrag machte.

Aktualisiert am
13.02.2026 - 23:26:05
Diskussion

Rund 40 Jahre ist es her, dass Walter (Heiner Lauterbach) Alice (Iris Berben) einen Heiratsantrag machte – mit einer von ihm penibel aufgebauten Rube-Goldberg-Maschine, die am Ende eine Bowlingkugel ins Rollen brachte, durch die Alice mit gebrochenem Fuß ins Krankenhaus befördert wurde. Mit der Abweisung, die er sich dadurch einfuhr, hat sich Walter sein ganzes Erwachsenenleben herumgeschlagen. Möglicherweise ist sie der Grund, warum er zum Nörgler im Gewand eines vermeintlichen Weltverbesserers geworden ist. Jemand, der die Hotline des Pizzadienstes nur deswegen anruft, um penibel den Unterschied zwischen Scampi und Shrimps zu erklären, und im gleichen Atemzug auch noch das Konzept des „Plant-Based Meat“ sehr grundsätzlich anzweifelt.

Die kleine und die immer offene Welt

Am Anfang der Komödie „Ein fast perfekter Antrag“ von Marc Rothemund steht es nicht gut um diesen ältlichen Witwer. Wenn er spricht, schneidet der Film wiederholt auf das routiniert reagierende Gesicht seines Hundes Barney, um immer wieder zu markieren: So ein Leben ist das, in dem einem nur noch das Haustier wirkliche Beachtung schenkt! Nach mehreren Jahrzehnten, die Walter ausschließlich in seinem Heimatort Regensburg verbrachte, nach dem Tod seiner Frau (ins Bewusstsein gerufen durch Bilder der Schauspielerin Katja Flint, der tatsächlichen Exfrau von Lauterbach), ist seine Welt immer enger und kleiner geworden. Die von Alice hingegen blieb offen: Sie erlangte eine Professur für Kunstgeschichte, lehrte in Paris und Boston und lehnte, nachdem die durch den verhängnisvollen Antrag verursachten Platzwunden wieder verheilt waren, auch alle weiteren Heiratsofferten dankend ab. Der Film zeigt sie zunächst in einer Wohngemeinschaft, wo sie einen ganzen Tisch voller Freunde bespaßt.

In einem Sushi-Restaurant, in dem zeitgleich Walter das Essen anhand unterschiedlicher Kategorien auswertet und Alice mit Kollegen eine von ihr neu angetretene Gastdozentur an der Universität Regensburg bespricht, treffen beide schließlich wieder aufeinander. Eine solche (Wieder-)Begegnung zwischen gegensätzlichen Menschen gehört seit jeher zum erzählerischen Standardrepertoire romantischer US-Komödien. 1989 bekam sie durch „Harry und Sally“ ihre mustergültige Form. Dessen süffisant geschliffener Humor und seine kontrastreiche Schauspieldynamik werden bis heute immer wieder variiert und belehnt.

Ein Genre im Rentenalter

Regisseur Marc Rothemund weiß nur allzu gut um diese Kinotradition, wie auch um deren spezifisch deutschsprachige Spielart. Nicht von ungefähr ist die männliche Hauptrolle mit Heiner Lauterbach besetzt, der Mitte der 1980er-Jahre durch „Männer“ zu einem der populärsten Gesichter der deutschen Beziehungskomödie wurde. „Ein fast perfekter Antrag“ spielt, darin liegt seine Stärke, bewusst mit Lauterbachs Image und legt zugleich unwillentlich offen, dass gemeinsam mit den einst umschwärmten Schauspielern auch das Genre selbst längst ins Rentenalter eingetreten ist. Entstanden ist so eine zwar generische, aber allemal souverän-routinierte Komödie.

„Ich bin ein Best Ager. Very Best Ager“, sagt Walter stolz über sich – eine Formulierung, die möglicherweise einen adäquateren Filmtitel abgegeben hätte als das eher unverbindliche „Ein fast perfekter Antrag“. Um die Beziehung zu Alice wieder aufnehmen zu können, schreibt er sich flugs in ihr Seminar „Der Blick auf die Frau in der Kunst des 19. Jahrhunderts“ an der Uni ein und wird dabei im Lesesaal mit einer jüngeren Generation konfrontiert, die von Walters Boomer-Nonchalance schnell befremdet ist. Sein Verhalten und seine Sichtweisen werden für ihn erklärungsbedürftig. Bei einer Bildbetrachtung eines Gemäldes von Édouard Manet in der Wiener Albertina versucht er etwa zu erklären, durch welche Strategien die Intimität des Körpers dem Blick des Zuschauenden entzogen werden soll – und wieso der dennoch bewusst hinschaut.

Kulturkampf und klassisches Lustspiel

Eine solche Reintegration des sogenannten alten weißen Mannes in die Gegenwart ist eines der Kernprojekte im aktuellen deutschen Komödienkino. Aber Marc Rothemund und dem Drehbuchautor Richard Kropf, die sich schon bei „Wochenendrebellen“ (2023) als kreatives Team bewährt haben, gelingt es letztlich nicht so ganz, zeitgeistigeren Kulturkampf und klassisches Lustspiel zusammenzubringen. Gelungen bleibt gleichwohl, wie versiert der Film den Charme seiner Hauptdarsteller ausspielen kann: das amüsierte Lächeln von Berben und der selbstironisch gebrochene Machismo von Lauterbach. Einem Leinwandpaar, bei dem es verwundert, dass es so viele Jahrzehnte gedauert hat, bis sie gemeinsam im Kino auftreten konnten.

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