Little Disasters
Drama | Großbritannien 2025 | 281 Minuten (6 Folgen)
Regie: Eva Sigurdardottir
Filmdaten
- Originaltitel
- LITTLE DISASTERS
- Produktionsland
- Großbritannien
- Produktionsjahr
- 2025
- Produktionsfirma
- Fremantle/Paramount Pictures UK/Roughcut TV
- Regie
- Eva Sigurdardottir
- Buch
- Amanda Duke · Ruth Fowler
- Musik
- Ragnar Ólafsson
- Schnitt
- Anil Griffin · Caitlin Spiller
- Darsteller
- Diane Kruger (Jess) · Jo Joyner (Liz) · Shelley Conn (Charlotte) · Emily Taaffe (Mel) · Jax James (Frankie)
- Länge
- 281 Minuten (6 Folgen)
- Kinostart
- -
- Pädagogische Empfehlung
- - Ab 14.
- Genre
- Drama | Literaturverfilmung | Serie
- Externe Links
- IMDb | TMDB | JustWatch
Sechsteilige Serie um eine Freundschaft zwischen vier Müttern, die erschüttert wird, als von ihnen ihr verletztes Baby in die Klinik bringt, in der eine der anderen als Ärztin arbeitet.
„Kleine Katastrophen“ durchziehen jeden Eltern-Alltag: Das Kind nässt sich ein. Es spuckt die Sofagarnitur voll. Ab und an fällt es bei den ersten Stehversuchen auf den Hinterkopf. Im Fall der zehn Monate alten Betsey und ihrer Mutter Jess Carrisford (Diane Kruger) ist die kleine Katastrophe allerdings eine große, als die Frau, die im Freundeskreis als perfekte Mutter gilt, mit dem dauerbrüllenden Säugling in der Notaufnahme auftaucht. Schichtärztin in dieser Nacht ist zufällig Liz (Jo Joyner), Jess’ ehemals beste Freundin – und die ordnet sogleich eine CT an. Ergebnis: Schädelfraktur am kleinen Hinterkopf – lebensgefährlich, wenn das Mädchen nicht sofort liegend zur Ruhe kommt und ihre aufkommenden Krämpfe auf der Intensivstation überwacht werden. Sehr zum Unmut von Jess, die ihren Kindern jedes Ungemach aus dem Weg räumt, der klassischen Medizin inklusive Impfungen und Medikation jedoch zutiefst misstraut.
Die Freundschaft zwischen vier Müttern wird erschüttert
Doch damit nicht genug: Liz steht als verantwortungsvolle Ärztin vor einer schweren Entscheidung zwischen der Loyalität zu ihrer Freundin und der beruflichen Pflicht. Denn eigentlich muss sie die Verletzung der kleinen Betsey, die auf Misshandlung hindeutet, den Behörden melden. Letztlich tut sie das auch. Und mit diesem Telefonat zieht die Katastrophe weitere Kreise, die bald auch den engsten Freundinnenkreis erschüttern. Das Jugendamt greift ein, die Polizei beginnt zu ermitteln, und bald steht Jess, die definitiv etwas verheimlicht, im Mittelpunkt der Ermittlungen – und im Zentrum der Klatschgespräche zwischen Ärztin Liz, Anwältin Charlotte und Hausfrau Mel.
Die Serie der isländischen Regisseurin Eva Sigurđadóttir faltet in sechs Folgen mittels Rückblenden die Geschichte einer Frauenfreundschaft zwischen Müttern und deren allmählicher Erosion auf. Wie der kleine Freundinnenkreis mitsamt Partnern während eines Geburtsvorbereitungskurses zusammenfand. Und wann erste Friktionen ersichtlich wurden. Warum Charlotte die Nähe zu Jess’ hitzig aufbrausendem Mann Ed sucht. Wie schwierig der Alltag von Familie Carrisford wurde, als zur Autismus-Erkrankung und der fehlenden Impulskontrolle der beiden Söhne auch noch Schrei-Baby Betsey hinzukam. Wie zerrüttet die Ehe von Rob und Mel ist, die sich von ihrem Mann finanziell und emotional demütigen lässt. Und dass Ärztin Liz bei weitem nicht nur als engagierte Halbgöttin in Weiß über allem thront, sondern in den Alkoholismus abzustürzen droht.
Die Figuren krachen gegen selbst und fremd angelegte Mutterschafts-Messlatten
Das sind spannende Themen in einer geschickt zwischen Gegenwart und Rückblenden switchenden Narration. Der eitle Sonnenschein wohlhabender Großstadt-Familien soll getrübt erscheinen, die Tatsache, dass Kindesmisshandlung nichts mit dem sozialen Status zu tun hat, herausgestrichen werden. Vor allem aber will Sigurđadóttirs Dramaserie davon erzählen, wie vier Mütter aus unterschiedlichen sozialen Schichten gegen die Mutterschafts-Messlatten krachen, die gesellschaftlich gesetzt sind und die die Frauen auch selbst an sich anlegen. Und wie sogar ein eingeschworener Freundeskreis unter bestimmten Umständen mehr Druck als Abfederung bietet – auch wenn man nicht, wie Jess, unter postnatalen Belastungsstörungen leidet. Die deprimierenden Effekte von Mummy-Blogs und Instagram-Profilen, die elterliche Perfektion vorgaukeln, wo doch nur Improvisation herrschen kann, sind bekannt.
Die Geschichte basiert auf einem Buch der britischen „Guardian“-Journalistin Sarah Vaughan, die auch die Vorlage für die Miniserie „Anatomie eines Skandals“ schrieb und hier ihre eigenen Erfahrungen mit einer perinatalen Zwangsstörung verarbeitete. Ständig wird in den Dialogen der viel zu hohe gesellschaftliche Anspruch an perfekte Mutterschaft und die daraus resultierende Überforderung verbalisiert – die perfekt aufgeräumten und gestylten Wohnzimmer, Outfits und Frisuren aller Beteiligten, die von dieser Überforderung rein gar nichts durchblicken lassen, konterkarieren diesen kritischen Ansatz allerdings etwas. Authentizität vermitteln sollen stattdessen Szenen, in denen die Figuren die vierte Wand durchbrechen und die vier Freundinnen sich frontal an die Kamera wenden, um ihre Gedanken und Beweggründe ad publico zu schildern.
Spannend aufbereitet
Auf der anderen Seite versucht „Little Disasters“ in der Tradition von Serien wie „Big Little Lies“ dem Anspruch an ein spannendes „Whodunit“-Krimi-Narrativ gerecht zu werden. Und auch wenn die Inszenierung in der übergriffigen Darstellung von Jugendamt, Exekutive und Justiz mitunter übers Ziel hinausschießt, sind die Geschehnisse rund um Betseys dramatische Verletzung doch spannend aufbereitet und kann man mit den versierten Darstellerinnen mitfühlen. Das liegt vor allem am gekonnten (Gegen-)Spiel von Diane Kruger und Jo Joyner in einer vielfach belasteten Ex-Freundschaft zweier Mütter.
„Little Disasters“ ist großartig darin, die „kleinen Katastrophen“ des Alltags so zu zeigen, dass sie sich für Eltern schnell nachempfinden lassen, vergrößert sie dann aber so weit, dass sie überaus dramatische Dimensionen annehmen. Hier scheint denn auch das Glaubwürdigkeits-Manko einer Serie auf, die eigentlich psychologisch tief liegende Themen aufwühlen und ans Licht bringen will. Doch gerade diese realistischen Schattenseiten von Mutterschaft können im zunehmenden Abdriften ins Krimi-Genre mit seinen schnellatmigen Auflösungen nur noch kurze Schatten werfen.