The Abandons
Drama | USA 2025 | 296 Minuten (7 Folgen)
Regie: Otto Bathurst
Filmdaten
- Originaltitel
- THE ABANDONS
- Produktionsland
- USA
- Produktionsjahr
- 2025
- Produktionsfirma
- SutterInk
- Regie
- Otto Bathurst · Stephen Surjik
- Buch
- Kurt Sutter
- Kamera
- Aske Foss · Boris Mojsovski · Jarrett Craig
- Musik
- Jeff Danna
- Schnitt
- Jordan Goldman · Hunter M. Via · Joaquin Elizondo · Tamara Luciano · Nick Towle
- Darsteller
- Lena Headey (Fiona Nolan) · Gillian Anderson (Constance Van Ness) · Nick Robinson (Elias Teller) · Diana Silvers (Dahlia Teller) · Lucas Till (Garret Van Ness)
- Länge
- 296 Minuten (7 Folgen)
- Kinostart
- -
- Pädagogische Empfehlung
- - Ab 16.
- Genre
- Drama | Serie | Western
- Externe Links
- IMDb | TMDB | JustWatch
Westernserie um zwei Matriarchinnen im Washington-Territorium von 1854, deren ungleiche Familien - die eine arm, die andere reich - in einen tödlichen Konflikt geraten.
Angel’s Ridge liegt zwar auf einem Bergkamm, doch könnte das aufstrebende Industriestädtchen dem Himmel nicht ferner sein. Denn die Gier nach Silber und Macht hält einige Bewohner fest im Griff. Inmitten dieser Pionierstimmung im Wilden Westen treffen zwei Frauen aufeinander, die für das Wohl ihrer Familien bis ans Äußerste gehen. Der gottesfürchtigen Fiona Nolan (Lena Headey) blieben eigene Kinder verwehrt, weshalb sie eine Familie aus Waisenkindern und Verstoßenen um sich sammelte. Sie leben arm, jedoch glücklich auf einem Stück Land in Jasper Hollow – dessen Boden reich an Silber ist. Silber, das Constance Van Ness (Gillian Anderson) begehrt; die Matriarchin einer europäisch-stämmigen Unternehmerdynastie, die sich Einfluss und Reichtum auf dem amerikanischen Kontinent sichern will.
Die Unterwerfung des Wilden Westens
Was passiert, wenn eine unaufhaltbare Kraft auf ein unbewegliches Objekt stößt, spielt Serienschöpfer Kurt Sutter in seinem Westerndrama „The Abandons“ durch. Im Zentrum stehen zwei Familien mit unterschiedlichen Ausgangspunkten, aber derselben Entschlossenheit, ihre Interessen um jeden Preis zu verteidigen.
Angesiedelt in den 1850er-Jahren mitten in der Einöde des Washington Territory, macht die Neowestern-Serie die existenziellen Krisen der Bewohner in immer neuen Facetten greifbar. Der Boden bringt kaum Essbares hervor, der reißende Fluss an der Talsohle entpuppt sich gleichermaßen als Lebensquelle wie nasses Grab – und selbst der korrupte Bürgermeister fällt einem blutdürstigen Grizzly zum Opfer. Eine noch weitgehend unberührte Landschaft, die den Siedlern gegenüber gnadenlos ist, der die Kamera aber zugleich etwas Majestätisches verleiht, wenn sich die Sonne wie flüssiges Gold über die Steppe ergießt. In diesen Momenten wird die Hoffnung greifbar, die die Menschen antreibt, sich dieses wilde Land Untertan machen zu wollen.
Mehr als nur gierige Bösewichte
Erzählerisch fokussiert sich „The Abandons“ vollends auf die Fehde der beiden Familien, die bereits seit Jahren schwelt. Ein Konflikt, in dem sich in nicht gerade subtiler, aber durchaus effektiver Form der Bruch widerspiegelt, der durch die US-Gesellschaft geht, in der seit den 1970er-Jahren die Mittelschicht schrumpft und die Schere zwischen Arm und Reich immer drastischer auseinanderklafft. Kurt Sutters Westernserie verlegt diesen Bruch zurück in die amerikanische Gründerzeit, sozusagen in die US-DNA. Die Familie Van Ness demonstriert ihren Machtanspruch auf verschiedenen Wegen. Sie residiert in einer opulenten Villa mitsamt Dienerschaft auf einem Hügel über der Stadt, Ausflüge hinab erfolgen stets hoch zu Ross. Ein bildhafter Kontrast zwischen Patriziat und dem Plebs, der sich seinen Weg zu Fuß durch Schlamm und Kohle-Smog bahnen muss.
Gillian Anderson verkörpert die Matriarchin des Van-Ness-Clans mit Eleganz und Härte. Im Glauben, dass jeder käuflich sei, treibt sie die Erweiterungspläne für das Familienunternehmen voran. Anstatt sie jedoch zur verkörperten kapitalistischen Gier zu machen, platzieren die Serienmacher einige Risse in der unverwüstlich erscheinenden Fassade dieser Frau aus Eis. Ihre ganze Liebe gilt ihren beiden Söhnen Garret (Lucas Till) und Willem (Toby Hemingway), die sie nach dem Tod des Vaters zu starken Stammhaltern heranzieht; Tochter Trisha (Aisling Franciosi) fristet derweil ein abseitiges Dasein als Ziervögelchen im Schatten ihrer Brüder. Da die Van Ness-Familie unter Expansionsdruck eines reichen Investors gerät, der binnen kurzer Zeit neues Land erschließen will und ansonsten den Van Ness mit dem wirtschaftlichen Untergang droht, sieht sich Constance gezwungen, mit allen Mitteln die Interessen der Ihren durchzusetzen.
Kein Platz für Liebe
Wo „The Abandons“ es somit schafft, eine widerwillige Sympathie mit dem Van-Ness-Clan als Bösewichtern der Story aufzubauen, fällt das emotionale Fundament für Fiona Nolans Patchwork-Familie zunächst eher nüchtern aus. Die zusammengewürfelten Außenseiter haben sich zur Solidargemeinschaft zusammengefunden, um gemeinsam den Widrigkeiten ihrer Umwelt zu trotzen. Eine demokratisch organisierte Zweckgemeinschaft, die füreinander einsteht; Loyalität tritt hier an die Stelle der Blutsbande, die die Mitglieder des Van-Ness-Clans miteinander verbinden.
Die Last, als Wärmezentrum dieser Außenseiter-Gruppe zu fungieren, trägt Lena Headey, die sich als Übermutter vor all ihre Kinder stellt und zur Not mit Zähnen wie Fäusten gegen Eindringlinge und Bedrohungen vorgeht. Eine Figur wie in Erz gegossen; Nolans persönliche Geschichte bleibt bewusst im Dunkeln, und im Lauf der Handlung wird ihr wenig an Entwicklung zugestanden. Zu Serienbeginn begeht die knurrige Irin einen Mord an einem Sohn der Van-Ness-Familie, der ihre Ziehtochter vergewaltigen wollte. Anstatt für Reue stimmt die Gemeinschaft für Geheimniswahrung und verscharrt die Leiche unter einem toten Hund. Was sich als Pulverfass erweist, das die Spannungen zwischen den Familien eskalieren lässt.
Nick Robinson als wortkarger, jedoch beherzter Ziehsohn Elias verschärft die Lage durch eine Liaison mit Trisha Van Ness, was nicht nur ein bisschen Romeo-und-Julia-Romantik ins Spiel bringt, sondern auch seine eigene Familie ins Fadenkreuz korrupter Outlaws rückt und die Spannungskurve auch dank des herrlich undurchschaubaren Söldners Xavier Roche (Michiel Huisman) nochmal ordentlich nach oben treibt.
Mit dieser episch angelegten Mischung aus Familiensaga, Western-Motiven, schwelgerischen Bildern und drastischer Härte in der Zeichnung der US-Gründungsära variiert „The Abandons“, ähnlich wie schon die Netflix-Serie „American Primeval“, durchaus solide das Erfolgsmuster, das Taylor Sheridans „Yellowstone“-Universum vorgegeben hat. Starke Frauen, die in älteren Western eher Mangelware waren, spielten durchaus auch in diesen beiden Serien schon eine Rolle. In „The Abandons“ treten sie nun, souverän verkörpert von Gillian Anderson und Lena Headey, alles überstrahlend in den einst männlich geprägten Genre-Ring.