Made in Korea
Action | Südkorea 2025 | (6 Folgen)
Regie: Woo Min-ho
Filmdaten
- Originaltitel
- MEIDEU IN KORIA
- Produktionsland
- Südkorea
- Produktionsjahr
- 2025
- Produktionsfirma
- Hive Media
- Regie
- Woo Min-ho
- Buch
- Park Eun-gyo · Park Joon-suk
- Musik
- Jo Yeong-wook
- Darsteller
- Hyun Bin (Baek Ki-tae) · Jung Woo-sung (Jang Geon-young) · Woo Do-Hwan (Baek Ki-hyeon) · Cho Yeo-Jeong (Bae Geum-ji) · Seo Eun-soo (Oh Ye-jin)
- Länge
- (6 Folgen)
- Kinostart
- -
- Pädagogische Empfehlung
- - Ab 16.
- Genre
- Action | Drama | Krimi | Mystery | Serie | Thriller
- Externe Links
- IMDb | TMDB | JustWatch
Im Südkorea der 1970er angesiedelte Politthriller-Serie um einen korrupten Geheimdienst-Agenten und einen Staatsanwalt, der gegen ihn ermittelt.
Die Zentrale, in die Baek Ki-tae (Hyun Bin) zurückkehrt, ist ein rechteckiger Bunker aus Sichtbeton. Im Inneren schreitet der KCIA-Agent durch einen Korridor mit Folterzellen, der in seiner funktionalen Kargheit und Grausamkeit an die Hallen der Massentierhaltung erinnert. Die Schreie und das Wimmern, die aus diesen dunklen Kammern hallen, entlocken dem Agenten keine Regung. Sein Ziel ist das opulente Büro am Ende des Ganges. Noch sitzt dort sein Chef, KCIA-Leiter Hwang Guk-pyeong (Park Yong-woo), noch reicht Baek ihm den Aschenbecher. Doch der junge Agent ist ambitioniert. Das gemeinsame Geschäft – Hwang und Baek schmuggeln Crystal Meth in Zusammenarbeit mit den japanischen Yakuza und einem lokalen Syndikat der Hafenstadt Busan – lässt bald die ein oder andere Aufstiegschance für den jungen Agenten.
Die KCIA, der berüchtigte südkoreanische Geheimdienst, bildet das erzählerische Zentrum von „Made in Korea“. In den 1970ern, der Zeit der Handlung, diente sie dem Präsidenten als Instrument der Machtausweitung, das Staatsfeinde und Volk gleichermaßen mit Willkür, Mord und Folter terrorisierte. Die Geschichte, die die Showrunner Park Eun-gyo und Park Joon-suk erzählen, basiert nicht unmittelbar auf wahren Begebenheiten, spielt aber zu Zeiten der de facto Diktatur von Park Chung Hee. Für die Regie zeichnet Woo Min-ho verantwortlich, der bereits mit seinem letzten Film „Das Attentat – The Man Standing Next“ aus dem historischen Korea der 1970er erzählte.
Ein eiskalter Engel im korrupten Geheimdienst
Protagonist Baek Ki-tae ist das Gesicht der KCIA: glatt, gutaussehend, kalt. Ein Todesengel, der die Ermittlerin Oh Ye-jin (Seo Eun-soo) nicht zufällig an Alain Delon erinnert. Tatsächlich vermag selbst eine Flugzeugentführung, die die Handlung der Serie eröffnet, seine Pläne nur bedingt zu durchkreuzen. Er entführt kurzerhand die Entführer, um nicht, wie von den Terroristen geplant, in Nordkorea landen zu müssen, sondern sicher nahe Seoul aus dem Flieger steigen zu können. Das Crystal Meth, das Baek im Auftrag des KCIA-Bosses aus Japan schmuggelt, verliert er allerdings auf dem Weg. Sein Widersacher, von der für ihn arbeitenden Ermittlerin ebenfalls als ein Alain-Delon-Lookalike betitelt (in diesem Fall allerdings weniger treffend), ist Staatsanwalt Jang Geon-young (Jung Woo-sung): Die Gang in der Hafenstadt Busan, die der KCIA-Agent ursprünglich aus Japan beliefern wollte, hat der Staatsanwalt bereits ins Visier genommen. Auf den korrupten Agenten Baek stößt er wenig später, als dieser sein Büro durchsuchen und verwanzen lässt.
Jang ist gewissermaßen das Gegenstück zum gutaussehenden aalglatten Karrieretypen: schlicht gekleidet, von Hausmannskost genährt und von unberechenbarer, manischer Kraft (die wieder und wieder in hysterischem Gelächter aus ihm herausbricht) getrieben. Der Staatsanwalt sucht im autoritären System der vierten Republik Koreas nicht persönlichen Gewinn, sondern beharrt als rechtschaffener Querschläger, der auf ewig auf seinem Posten in Busan abgestellt bleibt, auf einer im Staatsapparat kaum mehr sichtbaren Idee der Rechtsstaatlichkeit. Die eigentliche Geschichte beginnt, als der Boss des Verbrechersyndikats von Busan ermordet wird – jener Mann, gegen den Staatsanwalt Jang bereits ermittelt und mit dem KCIA-Agent Baek Drogengeschäfte macht.
Eine harsche Geschichtslektion aus der vierten Republik Koreas
Die Ästhetik des innerbehördliche Machtgerangels, das bald um die dadurch hervorgerufene Dynamik entsteht, spiegelt gleichermaßen das Genre des Agenten-Thrillers und die Sitten der vierten Republik Koreas: Hornbrillen, gestriegelte Anzüge, Pomade-Frisuren, konspirative Hinterzimmer-Treffen; Schatten und im Hintergrund schleichender Jazz dominieren die Erzählung. Einzig die Escort-Dame und Mutter Bae Geum-ji (Cho Yeo-jeong) sticht mit bunt strahlenden Kleidern aus der kalten Slickness der Staatsdiener heraus. Als Liebhaberin des Sicherheitsdienstleiters und vielleicht sogar Mutter seines Sohns ist sie, obwohl oder gerade weil sie nicht zum Geheimdienst gehört, die enigmatischste Figur der Erzählung.
„Made in Korea“ ist eine harsche Geschichtslektion, die von Flaggen-Zeremonien, Ausgangssperren, Mini-Rock-Verbot, Deportationen, Mord, Folter und anderen Erfindungen des „lieben Präsidenten“ erzählt. Zugleich ist die Serie modernes koreanisches Genrekino: glatt inszeniert, langsam gärend erzählt. Die dazugehörigen Szenen umspielen elegant Etikette und Machtdynamiken, ankern sich um schlichte Fragen wie: Wer schält wem die Shrimps, wer reicht wem den Aschenbecher und wer hält wessen Schminkspiegel. Hinter den Antworten verbirgt sich eine brutale Geschichtslektion. Und ein gleichermaßen trockener, verschachtelter und spannender Polit-Thriller.