Comicverfilmung | USA 2026 | (acht Folgen)

Regie: Tiffany Johnson

Ein aufstrebender Vollblut-Schauspieler kämpft darum, seine Hollywood-Karriere endlich in Schwung zu bringen. Bei einer Begegnung mit einem älteren Kollegen mit zweifelhafter Vergangenheit erfährt er, dass ein ambitionierter Regisseur eine Neuverfilmung des Superheldenstoffs „Wonder Man“ plant, und beiden Darsteller tun sich zusammen, um eine Rolle in dem Film zu ergattern. Dass einer von ihnen tatsächlich über übermenschliche Kräfte verfügt und der andere von einer Regierungsbehörde auf ihn angesetzt wurde, um Beweise dafür zu beschaffen, macht die Sache noch komplizierter, als eine Schauspielkarriere in der Traumfabrik eh schon ist. Die komödiantisch grundierte Serie aus dem „Marvel Cinematic Universe“ setzt nur dezent auf fürs Superhelden-Genre typische Action , sondern entfaltet sich primär als köstliche Showbiz-Satire und Hommage ans Kino und die Superkraft großer Schauspieler, mit ihren Rollen die Menschen zu bewegen. - Ab 12.
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Filmdaten

Originaltitel
WONDER MAN
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2026
Produktionsfirma
Family Owned/Marvel Television/Onyx Collective/The Walt Disney Company
Regie
Tiffany Johnson · Stella Meghie · James Ponsoldt · Destin Daniel Cretton
Buch
Andrew Guest · Destin Daniel Cretton
Kamera
Armando Salas · Brett Pawlak
Darsteller
Yahya Abdul-Mateen II (Simon Williams/Wonder Man) · Ben Kingsley (Trevor Slattery) · Arian Moayed (Agent Cleary) · X Mayo · Zlatko Buric (Von Kovak)
Länge
(acht Folgen)
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 12.
Genre
Comicverfilmung | Komödie | Serie
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IMDb | TMDB

Eine komödiantisch grundierte MCU-Serie rund um einen Schauspieler, der auf seinen Hollywood-Durchbruch hofft und sehnlichst die Titelrolle in einem neuen Superheldenfilm-Remake ergattern will. Dass er im Geheimen tatsächlich über übermenschliche Fähigkeiten verfügt, ist indes keineswegs hilfreich, sondern eine Gefahr.

Veröffentlicht am
27.01.2026 - 15:26:15
Diskussion

Schauspielerei ist nicht nur ein Job, sie ist eine Berufung! Um zu merken, wie ernst es Simon Williams (Yahya Abdul-Mateen II) damit ist, reicht ein Blick auf die Drehbuchseiten, mit denen sich der Held der neuen MCU-Serie „Wonder Man“ in der ersten Folge auf ein Casting vorbereitet: Sie sind vollgekritzelt mit Notizen, denn Williams lernt nicht einfach Text auswendig, er arbeitet so akribisch an seinen Rollen wie Michelangelo an einer Skulptur. Den ersehnten Durchbruch in Hollywood hat der etwa 40-jährige Afroamerikaner damit bisher leider nicht gepackt; im pragmatischen Alltagsgeschäft geht er den Leuten mit seinen künstlerischen Ambitionen eher auf den Wecker (wie man in einer köstlichen Szene sieht, in der Williams das Vorsprechen für eine TV-Rolle fulminant in den Sand setzt).

Dann aber trifft er einen älteren Gleichgesinnten und erfährt durch diesen von einem Projekt, das die Erfüllung all seiner Träume sein könnte: Trevor Slattery (Ben Kingsley) ist ebenfalls ein Vollblut-Mime, und er erzählt Williams, dass ausgerechnet die visionäre Arthouse-Ikone Von Kovak (Zlatko Buric) ein Remake eines Superhelden-Klassikers namens „Wonder Man“ plant, den Williams als kleiner Knirps einst mit leuchtenden Augen im Kino sah – ein cineastisches Schlüsselerlebnis, da Williams sich aus triftigen Gründen, die in der Serie noch eine wichtige Rolle spielen, auf besondere Weise mit dem Helden identifiziert. In der Neuverfilmung die Titelfigur zu spielen, wäre die Rolle seines Lebens!

Über Hollywood-Underdogs und die Liebe zum Kino

Die neue MCU-Serie von Destin Daniel Cretton und Andrew Guest ist keineswegs eine brave Comicverfilmung um die in den 1960er-Jahren von Stan Lee und Jack Kirby geschaffene „Wonder Man“-Figur, sondern ein schräger Meta-Stoff und vor allem eine Love Story: um die „Bromance“ zweier Hollywood-Underdogs und vor allem um die Liebe zum Kino und zur Schauspielerei. Und als solche ziemlich unwiderstehlich.

Das MCU ist zwar seit „Avengers: Endgame“ daran gescheitert, mehr zu sein als die Summe seiner Einzelteile, aber es ist nach wie vor gut darin, die Fans auf den Spuren einzelner (Neben-)Figuren auf abseitigen Genrepfaden gut zu unterhalten. Vor allem Serien wie „WandaVision“, „Loki“, „Agatha All Along“ oder „Daredevil: Born Again“, die mehr erzählerischen Freiraum als die Spielfilmformate haben, konnten in den letzten Jahren trotz der allgemeinen Superhelden-Übersättigung durchaus noch mitreißen. Und „Wonder Man“ gelingt das ebenfalls – obwohl oder gerade weil Superkräfte darin eine ganze Weile keine große Rolle spielen.

Das Comeback einer der schrägsten MCU-Figuren

Mit Trevor Slattery (Ben Kingsley) beschert die Serie den Fans ein Wiedersehen mit einer der schrägsten Figuren des MCU: In „Iron Man 3“ erschien sie zunächst als Erzschurke Mandarin, bis sie sich am Ende als exzentrischer Schauspieler entpuppte, der den Superterroristen und „Ten Rings“-Anführer lediglich sehr überzeugend mimte. Der folgende Marvel-Kurzfilm „All Hail the King“ spielte während der Gefängnisstrafe, die Slattery für dieses heikle Engagement kassierte, und enthüllte, dass er es im Knast mit den echten „Ten Rings“ zu tun bekam. Schließlich folgte noch ein Auftritt in „Shang-Chi“, der ausspann, wie Slattery wieder aus den Händen des Ten-Rings-Anführers entkommen konnte. In „Wonder Man“ ist er, zerzauselt mit langen, grauen Haaren, zurück in den USA und versucht an der traurigen Tatsache, dass seine berühmteste Rolle immer noch der fragwürdige Mandarin-Auftritt ist, etwas zu ändern. In Kovaks „Wonder Man“ den Bösewicht zu spielen, könnte ihn als Schauspieler rehabilitieren. Und so tut er sich mit Simon Williams zusammen, um Kovak zu überzeugen.

Die Sache hat nur einen Haken: Auf die Freundschaft mit dem jüngeren Kollegen lässt sich Slattery, wie die Zuschauer frühzeitig erfahren, mit unschönen Hintergedanken ein. Denn Simon Williams hütet ein heikles Geheimnis: Er verfügt über Kräfte, die ihm, sollten sie publik werden, jede Menge Ärger einbringen können. Die für die Beseitigung beziehungsweise Verwahrung außerirdischer und übermenschlicher Unruhestifter verantwortliche US-Bundesbehörde, das „Department of Damage Control“, ist Williams aber auf die Spur gekommen und hat Slattery unter Androhung einer weiteren Gefängnisstrafe zur Undercover-Mitarbeit gezwungen: Er soll Beweise dafür sammeln, dass sein Kollege über gefährliche übermenschliche Kräfte verfügt, und dem Department damit das Material liefern, den Afroamerikaner einzukerkern. Was Slattery in eine üble Zwickmühle bringt zwischen der aufkeimenden Sympathie für Williams, der ihn nichtsahnend als Freund und Mentor ins Herz schließt, und der Furcht vor den Drohungen der übereifrigen DoDC-Leute.

Vorm Spektakel kommt die Showbiz-Satire

Klar, dass die Serie irgendwann darauf hinausläuft, dass Williams’ Superkräfte virulent werden, für ein Ansteigen des Action-Pegels sorgen und Slattery sich wird entscheiden müssen zwischen der Loyalität zu seinem neuen Partner oder dem Retten der eigenen Haut. Aber bis es so weit ist, haben es die Serienmacher durchaus nicht eilig! Erstmal verweilen sie vergnügt dabei, wie die beiden Schauspieler aus Leidenschaft sich finden (unter anderem bei einem gemeinsamen Kinobesuch von John Schlesingers „Asphalt Cowboy“ mit Method-Actor-Ikone Dustin Hoffman) und mit dem herumschlagen, was aufstrebende Schauspieler in Hollywood über sich ergehen lassen müssen. Herrlich etwa eine Episode, die sich ganz einem extravaganten Casting widmet, zu dem Williams und Slattery in die pompöse Villa Kovaks geladen werden, um sich dort gegen eine Schar von Konkurrenten für die Rollen in dem „Wonder Man“-Remake zu qualifizieren: Eine Steilvorlage, um Ben Kingsley und Yahya Abdul-Mateen II in kleinen Improvisationsaufgaben zeigen zu lassen, was ihre Charaktere draufhaben.

Außerdem lassen es sich die Serienmacher nicht nehmen, ausführlicher zu beleuchten, wie es eigentlich innerhalb des MCU aussieht mit Hollywood und den Superkräften und warum Simon Williams triftige Gründe hat, seine besonderen Fähigkeiten tunlichst geheim zu halten, um seine Karriere als Schauspieler nicht zu gefährden: Eine in stylischem Schwarz-weiß gehaltene, skurrile Rückblenden-Episode erläutert, dass Leute mit übernatürlichen Fähigkeiten von Filmberufen kategorisch ausgeschlossen sind, weil es da einst gewisse traumatische Erfahrungen mit einem Superhelden namens „Doorman“ und Comedian Josh Gad gab.

All das sorgt dafür, dass „Wonder Man“ mindestens so sehr eine liebevolle Showbiz-Satire ist wie eine MCU-Erweiterung und sich entsprechend nicht nur Fans der Marvel-Stoffe bestens dabei amüsieren dürften, sondern vor allem Liebhaber von Serien wie „The Studio“ oder „The Franchise“. Dass der typische Marvel’sche Special-Effects-Bombast dabei ziemlich kurz kommt, wird niemand vermissen – die Superkraft versierter Schauspieler wie Ben Kingsley, die Zuschauer mit ihren Rollen um den Finger zu wickeln, ist Spektakel genug.

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