Star Trek: Starfleet Academy

Science-Fiction | USA 2026 |

Regie: Alex Kurtzman

Nach einer verheerenden galaktischen Katastrophe nimmt im 32. Jahrhundert die neu gegründete Akademie der Sternenflotte ihre Arbeit auf und bildet junge Kadetten in Diplomatie, Ethik und Verteidigung aus. Schüler und Ausbilder sind mit einer Galaxis konfrontiert, in der die föderale politische Ordnung und interstellare Allianzen zerfallen sind und es gilt, eine neue Zukunft aufzubauen. Auch die ganz normalen Probleme des Erwachsenwerdens wollen gemeistert sein. Als direktes Sequel von „Star Trek: Discovery“ ist die Serie eine Mischung aus Science-Fiction-Saga und Coming-of-Age-Stoff mit zwischenmenschlichen Konflikten, moralischen Dilemmata und jugendlichen Reibungen. Trotz gelegentlicher Längen, seifenopernhafter Tendenzen und eines sehr glatten Looks, gelingt eine gute Balance zwischen frischen Ansätzen und bewährten Traditionslinien. - Ab 14.
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Filmdaten

Originaltitel
STAR TREK - STARFLEET ACADEMY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2026
Produktionsfirma
Amblin Television/CBS Television Studios/Roddenberry Ent.
Regie
Alex Kurtzman
Buch
Gaia Violo · Kirsten Beyer · Eric Anthony Glover · Jane Maggs · Kiley Rossetter
Kamera
Philip Lanyon
Musik
Jeff Russo
Schnitt
Bartholomew Burcham
Darsteller
Holly Hunter (Nahla Ake) · Sandro Rosta (Caleb Mir) · Karim Diane (Jay-Den Kraag) · Kerrice Brooks (Sam) · George Hawkins (Darem Reymi)
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Science-Fiction | Serie
Externe Links
IMDb | TMDB

Coming-of-Age im Weltall: Im neuen Serien-Ableger des „Star Trek“-Universums ziehen nach langer Auszeit Kadetten in die Sternenflotten-Akademie ein.

Veröffentlicht am
16.01.2026 - 09:20:30
Diskussion

Fortsetzungen vielgeliebter Film- und Serien-Franchises stehen oftmals vor dem Problem eine Erwartungslast schultern zu müssen. Jede Neu- und Weitererzählung steht nicht nur vor der Aufgabe, für sich selbst zu funktionieren, sondern muss sich zugleich potenziell zu Jahrzehnten Serien-, Film- und Ideengeschichte ins Verhältnis setzen. Jede Weitererzählung trägt so das Gewicht des gesamten Kanons auf ihren Schultern mitsamt den Ansprüchen einer Fangemeinde, die notorisch zwischen Traditionsbewusstsein auf der einen und Erneuerungssehnsucht auf der anderen Seite oszilliert. Diese Bürde liegt auch auf „Starfleet Academy“, der jüngsten Serie aus dem „Star Trek“-Universum, die an einem besonderen Moment erscheint, nämlich seinem 60. Geburtstag, nachdem alles im Jahr 1966 mit dem Jungfernflug des Raumschiff Enterprise startete.

Die Galaxis nach dem „Brand“

In den vergangenen Jahren sorgte eine ganze Reihe von Ablegern des Science-Fiction-Urstoffs um Captain Kirk, Mr. Spock und Doktor „Pille“ McCoy auf Streaming-Plattformen für Aufmerksamkeit – und teils für hitzige Fan- und Kritikerdiskussionen. Produktionen wie „Star Trek: Discovery“, „Star Trek: Picard“ und „Star Trek: Strange New Worlds“ definierten die erzählerischen Parameter der Weltraum-Narration neu und versuchten dabei neue, jüngere Zuschauerschichten zu erreichen. Zugegebenermaßen mit wechselhaftem künstlerischem Erfolg.

„Starfleet Academy“ ist als direktes Sequel von „Star Trek: Discovery“ konzipiert und setzt im 32. Jahrhundert an, einer Epoche, die durch die galaxienweite Katastrophe des sogenannten „Burn“ (oder zu Deutsch „Brand“) geprägt ist. Dieses Ereignis hatte schlagartig die Funktionsfähigkeit nahezu aller Warp-Antriebe außer Kraft gesetzt und damit nicht nur die Mobilität der Raumschiffe, sondern die gesamte föderale Ordnung der Galaxis zerstört. Politischer Fortschritt, interstellare Diplomatie und die zivilisatorische Selbstverständlichkeit der Föderation brachen zusammen. „Discovery“ erzählte in seinen späteren Staffeln vom mühsamen Wiederaufbau dieser Ordnung und markierte zugleich eine neue erzählerische Ära: Durch einen Unfall war das Raumschiff aus dem vertrauten 23. Jahrhundert in eine ferne Zukunft geschleudert worden.

Diesen Schritt nahmen viele Zuschauer als zu wagemutig wahr. Das geliebte 24. Jahrhundert der Serien „The Next Generation“, „Deep Space Nine“ und „Voyager“ schien endgültig hinter sich gelassen. Aus kreativer Perspektive erwies sich der radikale Zeitsprung jedoch als Befreiungsschlag. Enervierende Kanonfragen, die sich zuletzt bis in mikroskopische Erzählfragen verästelt hatten, verloren an Relevanz. Stattdessen eröffneten sich neue gestalterische Möglichkeiten: Ein veränderter Look, neue Uniformen, neue Raumschiffe, eine sichtbar aktualisierte Technologie. Manche Errungenschaften, etwa die programmierbare Materie, muten dabei wie pure Magie an.

Eine junge Generation muss fit für die Zukunft gemacht werden

Genau in diesem neu formierten, magisch anmutenden Universum ist „Starfleet Academy“ angesiedelt, wählt jedoch einen gänzlich anderen erzählerischen Ansatz als die teils sehr düstere und pathosgeladene Vorgängerserie. Zentraler Schauplatz ist die nach 120 Jahren neu gegründete Akademie der Sternenflotte, die zur Ausbildungsstätte einer jungen Generation von Kadettinnen und Kadetten wird. Hier werden die Weltraum-Studenten in den elementaren Katalog intergalaktischer Gepflogenheiten eingeführt: Diplomatie, Ethik, Verteidigung, wissenschaftliche Neugier und politische Verantwortung. Der Lehrkörper vereint bewusst unbekannte Figuren mit vertrauten Gesichtern: unter anderem der aus „Star Trek: Voyager“ bekannte holografische Doktor (Robert Picardo), ein resoluter weiblicher Drill-Sergeant, halb Klingonin, halb Jem-Hardar-Kriegerin (für Nicht-Trekkies: das sind zwei ausgesprochen kampfbetonte Alienrassen), ein zu stets trockenem Witz aufgelegter non-binärer Chefingenieur (Tig Notaro), der Sternenflotten-Präsident Charles Vance (Oded Fehr) und die Co-Heldin der Serie, Captain Nahla Ake, verkörpert von Holly Hunter.

Parallel existiert im föderalen Hauptquartier ein Kriegskolleg, das die kämpferische Elite von morgen heranbilden soll. Die Welt nach dem Burn ist eine Welt ohne funktionierende intergalaktische Ordnung. Alte Allianzen gelten nicht mehr, einstige Freunde sind zu Rivalen oder Feinden geworden. Kooperation ist zur Verhandlungssache, Misstrauen zur Grundhaltung geworden. Internationale Spezies begegnen einander in einem Modus des „Fressen oder gefressen werden“ – ein Szenario, das unverkennbar an die entfesselte Logik einer zerbröselnden internationalen Ordnung erinnert, wie sie sich realiter in zahlreichen aktuellen globalen Konflikten widerspiegelt.

Weltraumdiplomatie und College-Freundschaften

Vor diesem Hintergrund werden die Kadetten – allen voran der Protagonist Caleb Mir (Sandro Rosta) – in die hohe Kunst der Weltraumdiplomatie eingeführt. Doch wie es sich für junge Menschen gehört, beschränkt sich ihr Alltag nicht auf politische Theorie und strategisches Denken. Freundschaften müssen gepflegt, Romanzen nachgegangen und Rivalitäten ausgefochten werden. Besonders auffällig sind dabei jene Kampfhähne, die zur Überschätzung der eigenen Fähigkeiten neigen und zugleich die Kompetenzen ihrer weiblichen Mitwelt unterschätzen – ein Konfliktfeld, das die Serie bewusst aufgreift.

Anknüpfend an die betont weiblich geprägte Besetzung von „Discovery“ präsentiert sich auch „Starfleet Academy“ sehr emanzipatorisch. Dabei verweist die Serie zugleich auf lange Traditionslinien. Bereits in den 1960er-Jahren saß Nichelle Nichols als Lieutenant Uhura auf der Brücke der Enterprise; in den 1990er-Jahren führte „Voyager“ mit Captain Janeway eine Frau an der Spitze eines Raumschiffs ein. Doch während Janeway als hochdisziplinierte, kontrollierte Figur gezeichnet war – stets perfekt frisiert, hochgeschlossen, pflichtbewusster als jeder Mann um sie herum und ohne erkennbares Privatleben –, entwirft Starfleet Academy mit Captain Nahla Ake ein bewusstes Gegenbild.

Ein Freigeist jenseits klassischer militärischer Strenge

Gespielt von Holly Hunter, lümmelt Ake gerne barfuß im Captain’s Chair des Raumschiffs Athena, das sie für Forschungs- und Ausbildungszwecke kommandiert, wirkt meist leger, bisweilen ungekämmt, lässig, schnoddrig, beinahe undiszipliniert. Sie ist selten um einen flotten oder ironischen Spruch verlegen und verkörpert einen Freigeist, der sich den klassischen Vorstellungen militärischer Strenge entzieht. Doch diese Lässigkeit erweist sich nicht als Schwäche. Wenn es hart auf hart kommt – etwa im Weltraumduell mit dem Antagonisten und Weltraumpiraten Nus Braka, formvollendet in „Star Trek“-Bösewichtmanier von Paul Giamatti verkörpert –, zeigt sich Ake hochpräsent, entschlossen und entscheidungsfreudig. An ihrer Figur wird sichtbar, wie sehr sich die kulturellen Diskussionen um weibliche Führungsqualitäten verändert haben.

„Starfleet Academy“ ist damit also keineswegs nur als Young-Adult-Serie angelegt, sondern generationenübergreifend. Neben Hunter spielt Sandro Rosta mit Caleb Mir eine zentrale Figur, die mit Ake ein ambivalentes Verhältnis verbindet. Einst hatte sie als Sternenflotten-Ermittlerin seine rebellische Mutter in Haft gebracht, der von der Föderation schwere Verbrechen zur Last gelegt wurden. Sowohl Ake als auch Mir wirken weniger wie Vorzeigeoffiziere als wie Repräsentanten wider Willen, eine Grundspannung, die der Serie eine interessante dramaturgische Basis verleiht.

Sympathisch überschaubare Konflikte & ein leichtfüßiger Erzähltonfall

Auffällig ist zudem der erzählerische Kurswechsel innerhalb des „Star Trek“-Kosmos. In den vergangenen Serien wurden häufig staffelübergreifende, das gesamte Universum bedrohende Szenarien ausgebreitet. Diese verliehen Produktionen wie „Picard“ oder „Discovery“ mitunter einen übermäßig gewichtigen, teils schwerfälligen Tonfall. „Starfleet Academy“ schlägt hier einen erfrischend bescheideneren Weg ein. Die Episoden konzentrieren sich auf überschaubare, zwischenmenschliche oder klar eingegrenzte Konflikte: ein Debattierwettbewerb zwischen Kadetten, ein sportlich-kämpferischer Wettstreit zwischen Kriegskolleg und Akademie oder moralische Entscheidungssituationen im Kleinen. Eine diplomatische Mission etwa handelt von der Wiedereingliederung des einst befreundeten Planeten Betazed und zeigt die Fallstricke verschieden gearteter politischer Interessenlagen auf.

Leichtfüßig wirken die rund 60-minütigen Episoden, die ernste Themen häufig mit komödiantischen Akzenten verbinden. Der Tonfall ist jugendlicher als in früheren Serien, gelegentlich bewusst frech. Geflucht wird offen, inklusive des F-Wortes – ein Novum im Sternenflottenkosmos. Ebenfalls neu ist eine explizite Sexszene. Showrunnerin Gaia Violo unterzieht das 60 Jahre alte Franchise einer Frischzellenkur, ohne dessen Kern aus dem Blick zu verlieren. Zwar driften einige der leicht überlangen Episoden bisweilen in seifenopernhafte Gefilde ab und der Look der Produktion wirkt ein bisschen zu gefällig, doch insgesamt bleibt die wesentliche Essenz von „Star Trek“ gewahrt: der optimistische, hoffnungsfrohe Blick in die Zukunft.

Gerade in Zeiten großer politischer Umwälzung und gesellschaftlicher Ungewissheit ist dieser Blick keine Selbstverständlichkeit mehr. „Starfleet Academy“ erinnert daran, dass „Star Trek“ immer auch ein Projekt des Zukunftsvertrauens war – und versucht, dieses Versprechen unter veränderten Bedingungen neu einzulösen.

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