Ex-Tennis-Ass Dusty Boyd (Jake Johnson) hat einen Spitznamen, den außer ihm selbst niemand mehr benutzt. Als seine Aufschläge in den Juniorenturnieren noch wie Geschosse einschlugen und der Weg zu einer Profi-Karriere reine Formsache zu sein schien, hieß er „The Hammer“. Heute steht dieser Name nur noch auf dem Kennzeichen seines Wagens. Dusty selbst steht auf dem Center Court eines exklusiven kalifornischen Tennisklubs und erklärt verwöhnten Neunjährigen die Vorhand, die ihm dabei keinen Funken Respekt entgegenbringen. Er ist mürrisch, dauerhaft beleidigt und in der Mitte seines Lebens als einer angekommen, der hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.
Weil die Gegenwart wenig hergibt, schwelgt Dusty in der Vergangenheit und bereitet seine Spiele gegen die Weltstars von damals anekdotisch für den Nachwuchs auf. Gerne verliert er sich im Archiv seiner VHS-Aufzeichnungen früherer Begegnungen. Auch die Handgelenksverletzung, die seine Karriere beendete, gehört zu seinem anekdotischen Repertoire.
Pickleball breitet sich überall aus
Der kalifornische Club, in dem Dusty seine Tage verbringt, wird von seinem Vater Chuck (Ed Harris) geleitet, was die schwierige Konstellation der Charaktere schon andeutet. Chuck ist einer von der hartgesottenen Sorte, der die Karriere des Sohnes als sein eigenes Projekt betrieb. Dustys Vaterkomplex ist dementsprechend leicht nachvollziehbar. Dass er seine Ex-Freundin überredet, ihn zur Party seines Vaters zu begleiten, entspringt weniger romantischen Gefühlen als dem Bedürfnis, vor dem eigenen Erzeuger etwas vorweisen zu können.
In diese Statik bricht eine Trendsportart ein. Pickleball, eine Mischung aus Tennis, Badminton und Tischtennis, bei dem mit einem größeren Schläger und einem perforierten Plastikball gespielt wird, steht auch bei den Mitgliedern des gehobenen Tennis hoch im Kurs. Chuck sieht darin ein „Coronavirus des Sports“, was zugleich auch für den Niedergang der Menschheit verantwortlich sei, weil die profane Freizeitdisziplin die ästhetische Kunstform Tennis bedrohe. Tatsächlich breiten sich die kleinen Pickleball-Felder überall aus; auch in Deutschland ist die Bewegung inzwischen angekommen.
Um die wachsende Pickleball-Fraktion in die Schranken zu weisen, ersinnt Chuck ein Duell. Ein Tennisspieler soll gegen einen Pickleballspieler antreten; der Ausgang entscheidet dann, welchem Sport die Plätze des Clubs künftig gehören. Dusty will unbedingt antreten, verletzt sich aber erneut am Handgelenk. Der Arzt (Ben Stiller) empfiehlt ihm statt Schmerzmittel jedoch ausgerechnet Pickleball. Der schnellste Weg zurück zum Tennis führe über das Paddle.
Im Doppel mit einer gestandenen Frau
So landet Dusty bei einer Gruppe smarter Pickleball-Ladies, die mit ihren Meinungen auf erfrischende Weise nicht hinter dem Berg halten, und findet in Candace (Mary Steenburgen) eine Spielpartnerin. Sie hat eine Scheidung hinter sich und nimmt die Enttäuschungen des Lebens mit einer Würde, die Steenburgen in eine Rolle von großer Klasse verwandelt. Zwischen den beiden liegen mehrere Jahrzehnte, und der Film von Josh Greenbaum weiß sehr wohl, auf welchen Filmklassiker damit angespielt wird. Ein Telefonat über „Die Reifeprüfung“ macht die erzählerische Matrix explizit deutlich, nur dass „The Dink“ die Konstellation um eine ganze Lebensspanne nach hinten verlegt. Später schauen die beiden den Film gemeinsam an; diese Szene gehört zu den zärtlichsten Momenten der leichtfüßigen Sportkomödie.
Ihre Freundschaft und nicht so sehr die mögliche Liaison werden zum eigentlichen Motor der Handlung. Dusty diskutiert mit seinem Kumpel PJ (Aaron Chen), ob eine Beziehung mit einer deutlich älteren Frau in Ordnung gehe. Ein Treffen in einer Country-Bar, bei dem Candace ihrem Ex und dessen jüngerer Begleitung gegenübersitzt, sorgt für lange Gesichter. In seinen besten Momenten erzählt der Film liebevoll-zärtlich von einem ungewöhnlichen Paar und wagt sich an die Frage, was Freundschaft in einem Lebensabschnitt bedeutet, in dem viele Verbindungen brüchig werden und die Trauer über verloren gegangene Träume unübersehbar ist?
Eine Brise Milieuspott
Regisseur Josh Greenbaum hält die Lakonie durchgängig stabil, ohne ins Verzagt-Melancholische zu kippen. Das verleiht dem Film eine warmherzige Grundstimmung, die dramaturgisch lange trägt. Als Sportkomödie steht „The Dink“ in der Tradition der „silly sports comedies“ wie „Happy Gilmore“ oder „Voll auf die Nüsse“ und teilt mit ihnen die Lust am Milieuspott. Viel Humor entsteht in der ersten halben Stunde aus dem Standesdünkel der Tennispuristen; dass sich der Klub der Realität am Ende doch beugt und Felder umwidmet, ist eine der besseren Pointen. Andy Roddick und John McEnroe spielen sich selbst und geben sich dabei – dramaturgisch betrachtet – erfreulich unsportlich.
Ein „Dink" ist im Pickleball ein bewusst weich gespielter Ball, der flach über das Netz segelt und direkt dahinter aufkommt, in der Zone, in der man nicht volley zurückspielen darf. Kein Kraftschlag also, sondern eine Finesse, bezeichnend für die federleichte, bisweilen in die Nachdenklichkeit abgleitende Comedy.
Ganz durchhalten kann die Produktion den Schwung des Anfangs nicht. Der Film hat einen latenten Sitcom-Vibe und besitzt dialoglastige Vorzüge, doch er tut sich etwas schwer, daraus einen Spielfilmrhythmus zu entwickeln, weshalb sich die hundert Minuten Laufzeit stellenweise länger anfühlen. Der Kampf um die Anerkennung des harschen Vaters aber weiß einen mitzunehmen, und das finale Match, eine Revanche im falschen Sport, löst den erzählerischen Bogen mit angemessener Selbstironie ein. Übrig bleibt eine charmante, kurzweilige Komödie, getragen von einem exzellenten Ensemble und von zwei Hauptdarstellern, deren Chemie den Film über jede Formelhaftigkeit hinausträgt.