Während du schliefst...

Komödie | USA 1995 | 103 Minuten

Regie: Jon Turteltaub

Eine junge Chicagoer Bahnangestellte rettet am Weihnachtstag das Leben des Mannes, in den sie heimlich verliebt ist. Als sie für seine Verlobte gehalten wird, klärt sie die Verwechslung nicht auf, sondern wird als Schwiegertochter in spe in dessen Familie integriert. Eine amüsante Verwechslungs- und Liebeskomödie, die ganz vom bezaubernden Spiel ihrer Hauptdarstellerin lebt. Einen zwiespältigen Eindruck hinterläßt die völlig unkritisch vermittelte Familienideologie des Films. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
WHILE YOU WERE SLEEPING
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
1995
Regie
Jon Turteltaub
Buch
Daniel G. Sullivan · Fredric Lebow
Kamera
Phedon Papamichael
Musik
Randy Edelman
Schnitt
Bruce Green
Darsteller
Sandra Bullock (Lucy) · Bill Pullman (Jack Callaghan) · Peter Gallagher (Peter Callaghan) · Jack Warden (Saul) · Michael Rispoli (Joe Jr. Fusco)
Länge
103 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie | Liebesfilm

Heimkino

Verleih DVD
Buena Vista (1.85:1, DD2.0 engl./dt.)
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Diskussion
Mitten im Hochsommer läuft eine Lovestory an, die eine gehörige Portion ihres Reizes daraus bezieht, daß sie mit Weihnachten, seinen Bräuchen und Stimmungen sowie der winterlichen Kälte spielt. Wie will man als Single mit Herz sich auch anders entscheiden, wenn die verheirateten Kollegen betreten zu Boden blicken, als die Rede auf den Dienstplan für Heilig Abend kommt. Also sitzt Lucy auch am 24. Dezember am Fahrkartenschalter der Chicagoer Stadtbahn. Doch das Schicksal meint es gut mit Lucy: Der schöne Fremde, den sie seit drei Monaten heimlich anhimmelt, schenkt ihr ein Lächeln zu Christmas und läßt sich wenige Augenblicke später von ihr sogar das Leben retten, als er, von Rowdies bewußtlos geschlagen, auf die Bahngleise fällt. Im Krankenhaus wird die beherzte Angestellte nur deswegen vorgelassen, weil man sie für die Verlobte des Patienten hält, der im Koma liegt. Ein Irrtum mit Folgen, denn ehe Lucy sich versieht, wird sie von Peters Familie freudestrahlend in die Mitte genommen. Während ihr Traummann die Tage zwischen den Jahren im Krankenhaus verschläft, wird die Schwiegertochter in spe in die Familie integriert - zur sichtlichen Freude von Lucy, die ihr schlechtes Gewissen angesichts der Herzlichkeit und Wärme gut im Zaum halten kann. Nur Peters Bruder Jack kommt die Sache nicht ganz geheuer vor.

Jon Turteltaub hätte sich bei dieser winterlich-witzigen Verwechslungskomödie ganz auf die solide Konstruktion verlassen können: Armes Mädchen vom Land flüchtet aus der Anonymität der Großstadt in jugendliche Schwärmerei, träumt von Reisen nach Europa und verschaut sich in einen coolen Aufsteiger. Bis der sich am Ende willig zeigt, hat sie, wenn auch widerstrebend, ihr Herz für dessen weniger erfolgreichen, aber natürlicheren Bruder entdeckt. Daß daraus mehr als eine turbulente Klamotte wurde, liegt an der faszinierenden Hauptdarstellerin Sandra Bullock, die ihrer Figur nicht nur einen stimmigen Charakter verleiht, sondern auch viel Herzlichkeit und einen gehörigen Schuß Selbstironie abgewinnt. Ihrem sprühenden Charme ist es zu verdanken, daß manche Holprigkeit des Drehbuchs und einige allzu platte psychologische Weisheiten dem amüsanten Vergnügen keinen Abbruch tun. Mit mädchenhafter Nonchalance, manchmal ein wenig Backfisch, manchmal ganz Dame, meistert Lucy alle Fallen, die Jack ihr stellt, um hinter das vermutete Geheimnis zu kommen. Entweder kommt Lucy der Zufall oder ihre Unbekümmertheit zu Hilfe, und selbst als Peter aus dem Koma erwacht, weiß Onkel Saul, der Lucys wahre Identität kennt, die "richtige" Antwort: Der Patient leide an partiellem Gedächtnisschwund, wenn er seine Verlobte nicht wiedererkenne.

Trotz vieler liebevoller Details und herrlich schräger Einfälle hinterläßt der Film nach der ersten Euphorie ein zwiespältiges Gefühl, das mit der Familienideologie zusammenhängt. Wohl gibt es am Rande Hinweise auf Spannungen im Hause Callaghan: Peter, der Juppie-Anwalt, hat sich in die Upperclass davongestohlen, Oma Midge droht allenthalben mit Herzinfarkt, und Jack hat schon lange keine Lust mehr, das Nachlaßgeschäft seines Vaters Ox weiterzuführen - doch dies alles verhindert nicht die Glorifizierung einer heilen Welt. "Willst du mich heiraten", ist deshalb die folgerichtige Frage, die Jack am Ende Lucy stellt, bevor er sie zum erstenmal richtig küßt. Daß Verlangen und Sehnsucht nach körperlicher Manifestation drängen, zwischen Faszination, zärtlicher Annäherung und einem gemeinsamen Leben Monate oder Jahre liegen, ist dem Film ebenso fremd wie es ihm an plausiblen Erklärungen fehlt, warum sowohl Jack als auch Lucy einsam sind. Auch einer beherzten, kurzweiligen Liebesgeschichte bekommt es schlecht, wenn zentrale Grundelemente der Erzählung mißachtet werden. Ihr ergeht es dann wie der Filmstadt Chicago: bis auf die Szenen in der Bahnstation kann man sich nur selten des Gefühls erwehren, als bewegten sich die Figuren in den kunstvoll nachgebauten, aber eben nicht authentischen Studiokulissen.
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