Katastrophenfilm | USA 1996 | 113 Minuten

Regie: Jan de Bont

Zwei Wissenschaftler begeben sich immer wieder in den Pfad vernichtender Wirbelstürme, um neue Methoden der Wettervorhersage zu erkunden. Ein einzig und allein auf die Überwältigungskraft verblüffend realistischer technischer Effekte abgestellter Thriller, in dem Menschen nur noch Staffage sind. Teuer und hochperfektioniert, aber letztlich auf dem Niveau eines Videospiels. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
TWISTER
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
1996
Regie
Jan de Bont
Buch
Michael Crichton · Anne-Marie Martin
Kamera
Jack N. Green
Musik
Mark Mancina
Schnitt
Michael Kahn
Darsteller
Helen Hunt (Jo Harding) · Bill Paxton (Bill Harding) · Cary Elwes (Dr. Jonas Miller) · Jami Gertz (Melissa) · Lois Smith (Tante Meg)
Länge
113 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Katastrophenfilm

Heimkino

Die Extras des USA-Imports umfassen im Gegensatz zur deutschen DVD u.a. einen Audiokommentar des Regisseurs und des Special Effects Supervisors Stefan Fangmeier.

Verleih DVD
Universal (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.), USA Import: Warner (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl.)
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Diskussion
Twister ist de r Kooperation des Bestseller-Autors Michael Crichton, des Erfolgsproduzenten Steven Spielberg und des "Speed"-Regisseurs Jan De Bont zu verdanken. Ein Film, dem sein Platz in der Filmgeschichte sicher ist. Nicht nur wegen des Kassenrekordes, den er bei seiner US-Premiere aufgestellt hat, sondern vor allem, weil er Anlaß gibt, die Definition des Kino-Thrillers für das Computerzeitalter endgültig neu zu fassen. Von "True Lies" (fd 30 923) bis zu "Jurassic Park" (fd 30 396) lebten auch andere Actionfilme der letzten Jahre vorwiegend von der Überzeugungskraft und technischen Effizienz computergesteuerter Effekte, doch kaum ein Film hat bisher den Menschen so konsequent zum uniformen Stichwortgeber degradiert wie "Twister". Ein amerikanischer Kritiker vermerkte mit Recht, daß jedes Kind in der Lage sein müßte, die Entwicklung vorauszusehen. Wer häufiger ins Kino geht, kennt die Bausteine, aus denen die "Konflikte" grob zusammengezimmert sind. Und wer angesichts des Ausbleibens emotionaler Anteilnahme das Kino enttäuscht verlassen sollte, der darf sich immerhin zum Trost sagen, daß er der Geburtsstunde eines neuen Filmgenres beigewohnt hat, des hundertprozentigen Techno-Thrillers.

Daß es in "Twister" überhaupt noch Menschen gibt, werden die Kreatoren vermutlich mit der Entschuldigung beantworten, daß sich die Ergebnisse hochkultivierter optischer Zerstörungstechnik nur an ihren Auswirkungen auf lebende Wesen demonstrieren lassen. Folgerichtig - und damit bewegt er sich auf dem von Spielberg schon bei "Jurassic Park" eingeschlagenen Weg - ist "Twister" nicht mehr mit teuren Stars besetzt, sondern mit Darstellern der zweiten Hollywood-Garde. Die Hauptrolle spielt nur noch der Sturm und mit ihm das Genie der Techniker von George Lucas' Industrial Light and Magic. Die Konsequenz reicht weiter: von Handlung kann keine Rede mehr sein. Was immer ssich in "Twister" zwischen den beiläufigen Personen abspielt, gibt nicht mehr dramatischen Hintergrund her als die simplen Vorgaben eines Videospiels. Vielleicht ist "Twister" der Vorbote einer exklusiven Filmgattung für Computer-Freaks. Dann möchte sich der Fan aber zukünftige Erzeugnisse bitteschön interaktiv wünschen.

Wie nähert man sich der Inhaltsbeschreibung eines Films ohne Inhalt? Damit, daß man erwähnt, wie zwei in Scheidung lebende Wissenschaftler Wirbelstürmen nachlaufen, um kleine silberne Kügelchen (= Meßgeräte) in deren Zentrum zu applizieren? Damit, daß man nicht ausspart, wie eine naive und zu Tode erschrockene Psychotherapeutin erst im Angesicht von Tornados erkennt, daß sie und der das Abenteuer liebende Wetterkundler nicht zusammenpassen? Damit, daß man erläutert, welche Konkurrenz auch auf solch abgelegenem Gebiet bestehen kann, obwohl die hochgespielte Rivalität letztlich zu nichts führt? In "Twister" sind solche Vorkommnisse, aus denen sich eine Handlung konstituieren könnte, nur Stolpersteine auf dem Zerstörungspfad der Stürme, deren schlimmste ganze Häuser in die Luft heben und zertrümmern können.

Der einzige Augenblick humanen Interesses für die Opfer einer aus Rand und Band geratenen Natur ereignet sich ganz zu Anfang des Films, als durch den Zugriff des Wirbelsturms eine Familie auseinandergerissen wird. Danach sind es nicht mehr die Menschen, sondern ist es die Materie, an der man Anteil nimmt. Was unter Aufbietung aller erdenklichen Möglichkeiten heutiger Technik während des Films durch die Luft befördert wird, ist gewiß erstaunlich. Doch nichts übertrifft die Bilder von fliegenden Kühen, nicht einmal ein federleicht erscheinender explodierender Tanklastzug. Es pfeift und donnert und berstet und blitzt auf der Leinwand, aber auch mit digitaler Wucht aus sämtlichen Lautsprechern. Dennoch hat zumindest der Rezensent - einst ein begeisterter Anhänger der originalen "Erdbeben-Effekte - das Kino weniger überwältigt als frustriert verlassen. Er wird das Gefühl nicht los, daß Film hier nur noch das Merchandising der nächsten Publikumsattraktion von Univeral City oder Disneyworld ist.
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