Heimweg - The Road Home

- | VR China 1999 | 89 Minuten

Regie: Zhang Yimou

Ein chinesischer Geschäftsmann kehrt in sein Heimatdorf zurück, um gemeinsam mit der Mutter seinen Vater zu beerdigen. Während die Mutter die Einhaltung der alten Beerdigungsrituale fordert, erinnert sich der Sohn an die Liebesgeschichte seiner Eltern. Eine farbige und poetische Rückblende schildert die Liebe der jungen Dorfschönheit zu dem aufs Land verbannten Lehrer. Gegen die lange Rückblende, die die Zeit der Kulturrevolution verklärt, setzt die Rahmenhandlung einen düsteren Kontrast, der Rückständigkeit und Armut nicht ausspart und die Widersprüche in einem Land im Umbruch andeutet. Ein politisch zurückhaltender Film mit starken Bildern und großen Emotionen. (OCIC-Preis "Berlinale" 2000) - Ab 14.
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Filmdaten

Originaltitel
WO DE FU QIN MU QIN | THE ROAD HOME
Produktionsland
VR China
Produktionsjahr
1999
Produktionsfirma
Guangxi Film/Columbia Pictures Film Production
Regie
Zhang Yimou
Buch
Bao Shi
Kamera
Hou Yong
Musik
San Bao
Schnitt
Zhai Ru
Darsteller
Zhang Ziyi (Zhao Di als junge Frau) · Sun Honglei (Luo Yusheng) · Zheng Hao (Luo Changyu) · Zhao Yuelin (Zhao Di als alte Frau) · Chang Guifa (Bürgermeister als alter Mann)
Länge
89 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Externe Links
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Heimkino

Verleih DVD
Columbia TriStar Home (16:9, 2.35:1, DD5.1 mand./dt.)
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Diskussion
Das Heute und das Gestern spielen in „Heimweg“ die Hauptrolle, die Ungleichzeitigkeit im modernen China. Der chinesische Starregisseur Zhang Yimou (u.a. „Rotes Kornfeld“, fd 27 622, „Rote Laterne“, fd 29 732, „Leben“, fd 30 885) hat sich das in einem abgelegenen nordchinesischen Dorf schwarzweiß und farbig vorgestellt. Eine schwarzweiße Rahmenhandlung, die das heutige China beschreibt und die Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen schildert, schließt eine farbige Erinnerung an eine 40 Jahre zurückliegende Liebesgeschichte ein. Die Dorfschönheit Zhao Di und der Dorflehrer Changyu begegnen sich - in atemberaubend goldroten CinemaScope Bildern fotografiert - während der Zeit der Kulturrevolution in den 60er-Jahren. Zhao Di trägt wattierte Hosen und eine rote geblümte Sonntagsjacke. Wenn sie läuft, fliegen ihre kurzen schwarzen Zöpfe; in ihrem Aufzug sieht das nicht besonders elegant aus. Schon gar nicht im Winter, wenn ihre Füße in dicken Filzstiefeln stecken und ihr Haar von einem dicken Schal gebändigt wird. Zhao Di ist eine eigenwillige Person: Stundenlang steht sie an der Straße und wartet oder läuft über die Hügel hinter dem Dorf, um noch einen letzten Blick auf den Dorflehrer zu erhaschen. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Changyu, der aus der Stadt ins Dorf geschickt wird, wirkt unwiderstehlich auf die Analphabetin Zhao Di. Es beginnt ein langes, schüchternes Werben, das mit dem Bau der Schule anhebt und an einem Brunnen seine Fortsetzung findet. Um Wasser zu holen, benützt Zhao Di nicht den neuen Brunnen, was bequemer wäre, sondern den alten in der Nähe der Schule. Einmal ergibt sich dort eine flüchtige Begegnung. Das sieht dann fast so aus wie bei Abbas Kiarostamis Geschichte von Hossein und Tahareh in „Quer durch den Olivenhain“ (fd 31 517). Wie Kiarostami versteht sich Zhang auf die Kunst, in totalen Einstellungen ganz eigentümliche Spannungen zu erzeugen. Als Changyu, der die Gefühle des verliebten Mädchens allmählich erwidert, in die Stadt zurückberufen wird, bleibt Zhao Di als Erinnerung eine blau-weiß gemusterte Schüssel, in der sie ihrem Geliebten das liebevoll gekochte Essen servierte, und eine Haarspange, die er ihr beim Abschied schenkte. Die Schüssel zerbricht, die Spange geht verloren und Zhao Di wird vor Sehnsucht krank. Wie die Narbe einer genähten Wunde zieht sich ein Riss durch die Schüssel, die von einem alten Handwerker kunstvoll mit Metallstiften wieder zusammengefügt wurde. Scherben bringen Glück und gesprungenes Porzellan, so sagt man, hält am längsten. Tatsächlich kehrt Changyu nach zwei Jahren Verbannung wieder zurück- für immer.

„Heimweg“ erzählt eine einfache Geschichte mit großer Wirkung. Ein außergewöhnlich poetischer Film, der trotz starker Emotionen, die das Schicksal der Protagonistin heraufbeschwört, die gesellschaftliche Entwicklung Chinas nicht aus dem Blick verliert. Die Trauer einer alten Frau beim Verlust des geliebten Mannes verweist auf die Armut und Rückständigkeit des ländlichen Chinas. Das Gegenwart erscheint trist und schwarzweiß, ohne dass der Film in Schwarzweißmalerei verfällt. Yusheng, der einzige Sohn der Beiden, ist in die Stadt gezogen - wie fast alle jungen Männer aus dem Dorf - und zur Beerdigung seines Vaters für wenige Tage zurückgekehrt. Der Sarg des Vaters soll nach altem Brauch, so wünscht es Zhao Di, von den Männern des Dorfes nach Hause getragen werden. Das kostet viel Geld, und Yusheng verhandelt mit dem Bürgermeister. Die Schilderung des zeitgenössischen Chinas ist in „Heimweg“ von der gleichen Anteilnahme durchdrungen, mit der Zhang beispielsweise „Die Geschichte der Qiu Ju“ (fd 30 172) schilderte, nur nicht ganz so humorvoll und wirklichkeitsnah. Schwierigkeiten mit der chinesischen Zensur hat es diesmal nicht gegeben. Die Romanze im Film ist indessen so wenig als Zugeständnis des Regisseurs an das chinesische Regime zu werten wie das „Titanic“-Plakat, das in Zhao Dis Haus an der Wand hängt, als Kniefall vor den Konzepten Hollywoods. Es wirkt eher wie ein ironischer Kommentar auf die zunehmende Verwestlichung des Landes. So findet Zhang Yimou spielend die Balance zwischen Tradition und Erneuerung. Auch die Züge der jungen Zhang Ziyi Lou in der Rolle der schönen Zhao Di sind in diesem Zusammenhang bemerkenswert. Sie wirken ein wenig lieblicher als die der früheren Hauptdarstellerin Gong Li. Zhang Ziyi Lou spielt ihre Rolle mit einer unvergleichlichen Mischung aus verzweifelter Hingabe und Beharrlichkeit, die für das Kino des Zhang Yimou so typisch ist.
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