Zum Tod von "Filmbischof" Friedrich Ostermann

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Am 22. Oktober 2018 ist Weihbischof Ostermann im Alter von 86 Jahren in Münster verstorben. Er war ein wichtiger Mitgestalter der kirchlichen Medienarbeit und hatte nicht zuletzt ein großes Herz fürs Kino.


Als „Filmbischof“ hat er großen Eindruck hinterlassen: Zwölf Jahre lang war Weibischof Friedrich Ostermann regelmäßiger Gast auf der Berlinale. Aber sein Engagement beschränkte sich nicht nur darauf, beim Ökumenischen Empfang die Deutsche Bischofskonferenz zu vertreten und das Grußwort zu sprechen. Er ging auch mit großer Begeisterung ins Kino, nahm sich immer ein paar Tage Zeit, um Filme zu sehen. Als Filmreferent der Zentralstelle Medien durfte ich ihn begleiten. Die erste Berlinale mit ihm habe ich 1989 erlebt. Er traf immer am Donnerstagnachmittag ein und sah sich am gleichen Tag noch wenigstens zwei Filme an, um am nächsten Morgen dann beim Kirchenempfang seine Gedanken dazu vorzutragen.

Authentischer hat nie ein Bischof über Film gesprochen, nicht aus der Sicht eines Filmexperten, sondern aus der Sicht eines Seelsorgers, den die Nöte der Menschen berühren. Dabei fand er auch in Filmen aus fernen Kontinenten und in Filmen, die in vergangenen Zeiten spielten, Bezüge zu den menschlichen Fragen, die er als Pfarrer im Münsterland erlebt hatte. Die Zuhörerinnen und Zuhörer haben das gespürt und ihm immer eine hohe Wertschätzung bekundet. Ein besonders enges Verhältnis verband ihn mit Ulrich und Erika Gregor. Von ihnen ließ er sich gerne Filmtipps geben. Wenn ich mich an ihn erinnere, sehe ich ihn vor mir, wie er im grauen Wintermantel und mit schwarzer Baskenmütze im Vorraum des „Delphi“-Kinos geduldig im Gedränge der Besucher steht, die auf die Öffnung des Kinos warten. Seine Liebe zum Film war auch ausschlaggebend dafür, dass er das Bistum Münster für eine Unterstützung des Kirchlichen Filmfestivals Recklinghausen gewann. Dem „Filmdienst“ galt sein besonderes Interesse. Auch nach seiner Emeritierung war er immer an der Entwicklung der kirchlichen Medienarbeit interessiert.

Um den Film kümmerte er sich als Mitglied der Publizistischen Kommission. Länger als jeder andere Bischof war er Mitglied dieses Gremiums, von 1981 bis 2007. Er war über lange Zeit stellvertretender Vorsitzender und zuletzt von 2001 bis 2006 Vorsitzender. Er kümmerte sich um alle Medien und war überzeugt, dass die Kirche auch die neuen Techniken nutzen muss, um die Menschen zu erreichen. Dabei war für ihn wichtig, dass die Medien die Menschen einander näherbringen. Sein vielzitierter Satz: „Wir sind zunehmend vernetzt, aber immer weniger verwurzelt“, gab der Sorge Ausdruck, dass die Technik den menschlichen Bedürfnissen nach Nähe und Beheimatung nicht gerecht werden könnte. Er war kein Großstadtmensch, sondern entsprach dem Typ des menschenfreundlichen Landpfarrers. Den Menschen zugewandt, mit offenem Ohr für ihre Anliegen, mit Humor und Herzlichkeit konnte er die Menschen gewinnen.

Er scheute auch nicht das kritische Wort. In einem Interview anlässlich seines diamantenen Priesterjubiläums im Februar 2018 antwortete er auf die Frage, was ihn an der Kirche genervt hat: „Immer wieder diese Langsamkeit, dieses Bei-allem-nur-Bedenken-haben. Wenn Neues kam, dann kamen die ganzen Bedenkenträger aus den Löchern.“

Am 22. Oktober 2018 ist Weihbischof Ostermann im Alter von 86 Jahren in Münster verstorben. Wir haben mit ihm einen liebenswerten Menschen, einen Seelsorger von Format und einen Freund des Films und der Filmarbeit verloren. Die Katholische Filmkommission wird sein Andenken in Ehren halten.

Foto: © KNA Bild

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