Filmgeschichte

Bildatlas der Cinephilie: Die „Faust-Bibel“ & das geheime Erbe des F. W. Murnau

Es ist ein Buch mit verrückter Geschichte: Während des Drehs zu Murnaus „Faust“-Adaption verwandelte Szenenbildner Robert Herlth 1926 eine Requisitenbibel in ein Fotoalbum, das die Entstehung des Films nachzeichnete. Lange war die „Faust-Bibel“ verschollen, erst kürzlich wurde sie wiederentdeckt und restauriert. Nun haben MUBI und die Cinémathèque Française ein tolles Kunstbuch aus ihr gemacht.

Von Philipp Stadelmaier

Die Spuren des Archivs

Anfang November kommt der Essayfilm „Holofiction“ ins Kino, mit dem der Regisseur Michal Kosakowski die filmische Ikonografie des Holocaust untersucht. Im Schüren Verlag ist zu diesem Thema schon das gleichnamige Sachbuch erschienen, in dem die Geschichte des Holocaust-Films nachgezeichnet wird. Grundlage für beide Annäherungen war eine umfassende Recherche mit tausenden Filmen und Serien.

Von Marcus Stiglegger

Zwischen den Welten - Der Drehbuchautor Jan Fethke

In der Biografie des deutsch-polnischen Drehbuchautors, Regisseurs und Esperanto-Schriftstellers Jan Fethke spiegelt sich die Migrationsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Mehrfach wechselte der zweisprachige Künstler zwischen Warschau, Berlin, Lodz und Prag hin und her, wurde verhaftet, befreit und vertrieben, fasste aber immer wieder Fuß und schrieb sich mit über 60 Werken in die Filmgeschichte ein.

Von Margarete Wach

„Geheimnisse einer Seele“ bei arte

Im März 1926 feierte der Stummfilm „Geheimnisse einer Seele“ Premiere, in dem ein glücklicher Ehemann in eine seelische Krise gerät und zur Gefahr für seine Frau wird. Entstanden unter dem Eindruck von Sigmund Freuds Forschungen und mit wissenschaftlicher Fachberatung, beeindruckt im Rückblick vor allem die Inszenierungskunst von G.W. Pabst in der Bebilderung des Unterbewusstseins. Die restaurierte Fassung des Stummfilmklassikers ist aktuell in der arte-Mediathek zu sehen.

Von Josef Nagel

Tarantinos letzte offene Rechnung - "Kill Bill: The Whole Bloody Affair"

Quentin Tarantino bringt „Kill Bill“ zurück in die Kinos. „The Whole Bloody Affair“ fügt die beiden bisherigen Filme zu einem Director’s Cut zusammen und erfüllt damit die ursprüngliche Vision des Regisseurs. Das legt nahe, die blutige Spur der ikonischen Rachegeschichte zu verfolgen, die bereits am Set von „Pulp Fiction“ ihren Ursprung nahm und nun in einem Mammutwerk ihre Vollendung findet. Eine Reise in fünf Kapiteln.

Von Christoph Dobbitsch

Roh, wahrhaftig & nie ganz zu fassen - Über „Wanda“ von Barbara Loden

Die mit nur 48 Jahren verstorbene US-Filmemacherin Barbara Loden inszenierte 1970 mit „Wanda“ einen der ungewöhnlichsten Filme der New-Hollywood-Ära. Bei der Premiere auf der "Mostra" in Venedig gewann er den Preis der Internationalen Filmkritik, verschwand dann aber in der Versenkung. Heute gilt "´Wanda" als moderner Klassiker. Das singuläre Werk läuft ab Donnerstag, 9. April, wieder im Kino. 

Von Esther Buss

Chaplins Professor - Max Linder

Als gewitzter Lebenskünstler mit Frack und Zylinder begeisterte der Franzose Max Linder Anfang des 20. Jahrhunderts das Kinopublikum weltweit. Der erste Komiker-Star der Filmgeschichte war Vorbild für Charlie Chaplin und entwickelte als Regisseur, Autor und Hauptdarsteller äußerst einfallsreich das noch junge Medium weiter. Viele seiner Filme wirken auch heute noch ausgesprochen modern und überraschen mit originellen Gags und formalen Ideen. Eine Würdigung von Max Linder, der am 1. November 1925 mit nur 41 Jahren durch Suizid starb – dessen Filme aber unsterblich bleiben.

Von Marius Nobach

Kathedrale der Filmkultur - Die Cinémathèque française

1935 erfolgte der Anstoß für die Cinémathèque française in Paris, die bis heute Frankreichs zentrale Anlaufstelle für die Kinogeschichte ist. Gegründet bald darauf von jungen Kino-Enthusiasten um Henri Langlois und Georges Franju, entstand sie aus dem Wunsch heraus, Filme zu bewahren und öffentlich zugänglich zu machen. Über die Jahrzehnte hatte das Filminstitut mit Herausforderungen zu kämpfen, schaffte es aber immer wieder, sich Zeitumständen anzupassen.

Von Josef Nagel

Große Erwartungen - Locarno-Retrospektive zum Britischen Nachkriegskino

Umfangreiche Film-Retrospektiven leistet sich kaum noch ein Festival, eine Ausnahme bildete jedoch einmal mehr das Locarno Film Festival. Die mustergültige Retro „Great Expectations“ widmete sich dem britischen Nachkriegskino und war mit 45 Filmen aus den Jahren von 1945 bis 1960 reich bestückt. Neben temporeichen Komödien und Melodramen erlaubte sie insbesondere die Begegnung mit stilsicheren britischen Varianten des Film-noir-Genres.

Von Michael Ranze

Zwischen Tradition und Neuorientierung - Die FIPRESCI wird 100

Vor hundert Jahren schlossen sich Filmkritiker erstmals zu einer Vereinigung zusammen. Im Jahr 1930 erwuchs daraus dann die „Fédération Internationale de la Presse Cinématographique“, kurz FIPRESCI. Basis, Funktion und Selbstverständnis für die professionelle Filmkritik haben sich seitdem stark verändert. Ein historischer Exkurs, der Anlass zu einer aktuellen Standortbestimmung bietet.

Von Josef Nagel