Chaplins Professor - Max Linder
Als gewitzter Lebenskünstler mit Frack und Zylinder begeisterte der Franzose Max Linder Anfang des 20. Jahrhunderts das Kinopublikum weltweit. Der erste Komiker-Star der Filmgeschichte war Vorbild für Charlie Chaplin und entwickelte als Regisseur, Autor und Hauptdarsteller äußerst einfallsreich das noch junge Medium weiter. Viele seiner Filme wirken auch heute noch ausgesprochen modern und überraschen mit originellen Gags und formalen Ideen. Eine Würdigung von Max Linder, der am 1. November 1925 mit nur 41 Jahren durch Suizid starb – dessen Filme aber unsterblich bleiben.
Von Marius Nobach
Kathedrale der Filmkultur - Die Cinémathèque française
1935 erfolgte der Anstoß für die Cinémathèque française in Paris, die bis heute Frankreichs zentrale Anlaufstelle für die Kinogeschichte ist. Gegründet bald darauf von jungen Kino-Enthusiasten um Henri Langlois und Georges Franju, entstand sie aus dem Wunsch heraus, Filme zu bewahren und öffentlich zugänglich zu machen. Über die Jahrzehnte hatte das Filminstitut mit Herausforderungen zu kämpfen, schaffte es aber immer wieder, sich Zeitumständen anzupassen.
Von Josef Nagel
Große Erwartungen - Locarno-Retrospektive zum Britischen Nachkriegskino
Umfangreiche Film-Retrospektiven leistet sich kaum noch ein Festival, eine Ausnahme bildete jedoch einmal mehr das Locarno Film Festival. Die mustergültige Retro „Great Expectations“ widmete sich dem britischen Nachkriegskino und war mit 45 Filmen aus den Jahren von 1945 bis 1960 reich bestückt. Neben temporeichen Komödien und Melodramen erlaubte sie insbesondere die Begegnung mit stilsicheren britischen Varianten des Film-noir-Genres.
Von Michael Ranze
Zwischen Tradition und Neuorientierung - Die FIPRESCI wird 100
Vor hundert Jahren schlossen sich Filmkritiker erstmals zu einer Vereinigung zusammen. Im Jahr 1930 erwuchs daraus dann die „Fédération Internationale de la Presse Cinématographique“, kurz FIPRESCI. Basis, Funktion und Selbstverständnis für die professionelle Filmkritik haben sich seitdem stark verändert. Ein historischer Exkurs, der Anlass zu einer aktuellen Standortbestimmung bietet.
Von Josef Nagel
Helden des Hyperraums - 50 Jahre „Industrial Light & Magic“
Die Effekte, die George Lucas benötigte, als er Mitte der 1970er-Jahre „Krieg der Sterne“ in Angriff nahm, existierten damals schlichtweg nicht. Seine Lösung? Ein eigenes Zauberlabor für Visual Effects. Am 26. Mai 2025 feiert „Industrial Light & Magic“ (ILM) nun 50-jähriges Firmenjubiläum. Heute gilt die Tochterfirma von Lucasfilm als Pionierin des digitalen Kinos. Blockbuster wie „Avatar“, „Fluch der Karibik“ oder Filme aus dem Marvel-Universum nutzen ihre Techniken.
Von Susanne Gietl
100 Jahre Columbia. Retro in Hamburg
2024 jährte sich zum 100. Mal die Gründung des Hollywood-Studios Columbia, das sich nach bescheidenen Anfängen an der Spitze des US-Filmgeschäfts etablierte. Columbia wurde unter Studiogründer Harry Cohn zur Vorreiterin bei Screwball-Comedys, Films noirs und der Förderung junger Talente. Im Jubiläumsjahr lief beim Filmfestival Locarno die Retro „The Lady with the Torch“, ab Mai ist eine Auswahl von 20 Filmen daraus in Hamburg zu sehen. Anlass für eine Würdigung des Studios.
Von Michael Ranze
Verteidigung des Originals
Jean-Pierre Melville war als Regisseur in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg eine Ausnahmegestalt. Seine fatalistischen Filme über Gangster und andere Parias stießen auf Unverständnis bei der breiten Masse der Kinokultur. So wurden seine Arbeiten für ihre deutschen Kinopremieren regelmäßig gekürzt und teilweise im Sinn verfälscht. Der Vergleich dieser Rumpfversionen mit den Originalfassungen erlaubt bemerkenswerte Erkenntnisse über die Komplexität von Melvilles Filmen.
Von Josef Nagel
Hinaus ins Offene
Der US-amerikanische Filmemacher Robert Kramer bewegte sich zeitlebens an der Grenze zwischen Dokumentarischem und Fiktion, thematisierte aber auch die eigenen Befindlichkeiten und Zweifel und machte diese reiseartigen Selbstbefragungen zu seinem Grundprinzip. Sein Werk ist als Speicher von Erfahrungen und Geschichte eine Zeitkapsel, die es immer wieder zu öffnen lohnt, wie aktuell bei der „Viennale“. Dort ist eine umfassende Robert-Kramer-Retrospektive zu sehen.
Von Ralph Eue
Die Welt als Wunderkammer - Jan Švankmajer
Das Werk des 1934 in Prag geborenen Jan Švankmajer, nicht zuletzt auch seine animierten Kurz- und Langfilme, speist sich aus einem bunten Sammelsurium kulturhistorischer Elemente und treibt daraus ebenso eigenwillige wie eigenartige, oft groteske Blüten. Damit hat er andere Filmemacher wie Terry Gilliam, Henry Selick, Tim Burton oder die Quay-Brüder inspiriert und eine internationale Fangemeinde erobert. Eine Hommage anlässlich des 90. Geburtstags des surrealistischen Künstlers.
Von Claus Löser
Ein Sündenfall: G.W. Pabst und der Nationalsozialismus
Der Roman „Lichtspiel“ von Daniel Kehlmann hat den österreichischen Regisseur G.W. Pabst jüngst wieder ins Gedächtnis gerufen. In der Weimarer Republik war er einer der wichtigsten Filmemacher. Im Ausland hatte er jedoch weniger Erfolg und kehrte 1939 nach Deutschland zurück. Pabst schwieg zeitlebens über die Umstände seines Arrangements mit den NS-Machthabern. Eine Recherche in Archiven belegt jedoch, welche taktischen Manöver und Kompromisse der Rückkehrer einzugehen bereit war.
Von Michael Töteberg