Filmgeschichte

Genialer Berufslügner

Er war der Todesengel in Jean Cocteaus „Orphée“, betrog die Titelfigur in Federico Fellinis „Die Nächte der Cabiria“ und hatte als Kommissar in Jean-Pierre Melvilles „Der eiskalte Engel“ Alain Delon im Visier: Der Schauspieler François Périer schaffte es nie in die A-Liga der Stars, schrieb als wandlungsfähiger Nebendarsteller aber rund 60 Jahre Filmgeschichte mit. Am 10. November 2019 wäre er hundert Jahre alt geworden. Eine Hommage.

Von Marius Nobach

Wiedergeburt eines Stummfilm-Meilensteins

Kino als Gefühls-Maschine: Der französische Regisseur Abel Gance (1889-1981) entwickelte die Filmsprache als expressives Ausdrucksmittel entscheidend weiter. Am 25.10. jährte sich sein Geburtstag zum 130. Mal. Aus diesem Anlass zeigt arte an zwei Abenden, am 28. Oktober und am 4. November, die rekonstruierte Film- und Musikfassung des bahnbrechenden Stummfilm-Melodrams „La Roue – Das Rad“ aus dem Jahre 1923.

Von Josef Nagel

Ein Wort, ein Mann

Mit Rambo entstand in den 1980er-Jahren eine Ikone des Actionkinos, die seitdem unverwüstlich durch die Kino- und Kulturgeschichte wandelt und sich sogar im Sprachgebrauch eingenistet hat. Rambo ist inzwischen nicht mehr nur eine Figur, sondern eine Art, mit der Welt umzugehen. Eine Begegnung anlässlich der Wiederaufführung von „Rambo“ I-III ab 13. September und des Kinostarts von „Rambo: Last Blood“ am 19. September.

Von Lucas Barwenczik

Die Kraft der Liebe

Frank Borzage (1894-1962) gehörte zu den produktivsten Regisseuren des Hollywood-Kinos. Seinen Ruhm erwarb er sich vor allem mit seinen Melodramen, in denen er Hohelieder auf die Gefühlswelten der „kleinen Leute“ sang, daneben bewährte er sich aber in unterschiedlichsten Genres und glänzte als sorgfältiger Milieuzeichner. Eine Retrospektive in Berlin ermöglicht nun die Wiederentdeckung des optimistischen Chronisten sozialer Verhältnisse.

Filmliteratur: Golzow Forever

Eine Dissertation von Ulrike Häußer befragt das singuläre Mammutwerk von Winfried Junge, „Die Kinder von Golzow“, nach Themen, die bewusst oder unbewusst in der fast 50 Jahre umfassenden Alltagsstudie keine Platz gefunden haben. Die erfrischend andere Fragestellung tut der Beschäftigung mit dem „Golzow“-Zyklus gut.

Von Ralf Schenk

Die Frauen waren dabei

Das neu erschienene Buch „Sie. Regisseurinnen der DEFA und ihre Filme“ trägt in vielen Einzel-Porträts und zwei DVDs mit Filmbeispielen der durchaus bedeutenden Rolle Rechnung, die Filmemacherinnen im Kino der DDR einnahmen. Zusammen mit einer kleinen Retrospektive im Berliner Zeughauskino ab dem 29. August zeichnet die Publikation ein komplexes Bild von Frauen in der vorrangig von Männern geleiteten DEFA.

Von Fabian Tietke

No Direction Home

Vor 300 Jahren erschien Daniel Defoes Roman über einen schiffbrüchigen Briten, der auf einer exotischen Insel strandet. „Robinson Crusoe“ wurde ein Bestseller seiner Zeit, die Idee beflügelt noch immer die Vorstellungskraft von Künstlern und Abenteurern – und Filmemachern!

Von Doris Kuhn

Jennifer Jones zum 100. Geburtstag

Leben und Karriere der amerikanischen Darstellerin Jennifer Jones (1919-2009) künden wie bei kaum einem anderen Filmstar vom System der Fremdbestimmung im klassischen Hollywood. Als Entdeckung des Produzenten David O. Selznick war sie dazu verdammt, in Filmen sein Ideal eines perfekten Mädchens zu verkörpern. Ihr Potenzial kam dabei viel zu selten zur Geltung. Eine Erinnerung an die Schauspielerin, die am 2. März 100 Jahre alt geworden wäre.

Von Patrick Holzapfel

Jacques Rivette: Vom Finden des verlorenen Kinos

Für den französischen Filmemacher Jacques Rivette (1928-2016) waren die theoretische Beschäftigung mit dem Kino und die Inszenierung von Filmen untrennbar miteinander verbunden. In Frankreich sind nun erstmals alle seine Kino-Texte in einem Sammelband erschienen.

Von Patrick Holzapfel

Im Porträt: Regisseur Joe May

Die Werke des österreichischen Regisseurs Joe May (1880-1954) sind zu Unrecht weit weniger bekannt als die von Zeitgenossen wie Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau oder Ernst Lubitsch. May prägte zuerst den Stummfilm mit Großproduktionen, aufwändigen Serials und einfallsreich inszenierten Dramen, bevor er sich im Tonfilm als versierter Komödienregisseur erwies und nach der Emigration in die USA in den B-Film-Bereich geriet. Im November bot der filmwissenschaftliche CINEGRAPH-Kongress in Hamburg eine Gelegenheit, sich neu mit Joe Mays Filmen auseinanderzusetzen.