Filmgeschichte

Die Zärtlichkeit der Wölfe

In der Literaturkritik musste Krimi-Autorin Patricia Highsmith (1921-1995) lange um ihren verdienten Status ringen; das Kino hingegen schätzte ihren präzisen Stil und ihre ungewöhnlichen Szenarien, sodass sich beginnend mit Alfred Hitchcocks „Der Fremde im Zug“ (1951) eine spannende „Liebesgeschichte“ zwischen dem Medium Film und dem Highsmith-Universum entspann. Eine Hommage zum 100. Geburtstag der Autorin am 19. Januar 2021.

Von Ulrich Kriest

Blumen aus dem Paradies

Am 3. Dezember wird Jean-Luc Godard 90 Jahre alt. Godard hat das moderne Kino mitentworfen wie kaum ein anderer Filmemacher. Gerade auch, weil er früh seine Skepsis gegenüber der Faszination der Leinwand formulierte und diese in seinen Arbeiten aufscheinen ließ. Seine Filme sind Ausdruck seines Leidens an der Welt, spiegeln gleichzeitig aber auch Godards glückliche Beziehung zum Kino wider, die beide seit über 60 Jahren miteinander führen.

Von Wilfried Reichart

Subversiv, komisch, melancholisch

Der tschechische Schauspieler Rudolf Hrušínský (1920-1994) war in seiner Heimat über Jahrzehnte einer der meistgeliebten Stars. In leisen Arbeiten wie auch in populären Auftritten wie als Soldat Schwejk wurde er für seine feinsinnige Charakterisierungskunst geschätzt, die berühmte subversive Parabel „Der Leichenverbrenner“ war nur einer der Filme, die er zum Meisterwerk machte. Eine Erinnerung zum 100. Geburtstag am 17.10.2020.

Von Ralf Schenk

Hollywoods Holocaust-Gericht - "None Shall Escape" von André de Toth

Vor 75 Jahren unterzeichneten die Aliierten im August 1945 das sogenannte Potsdamer Abkommen. Es regelte, dass NS-Kriegsverbrechern vor Gerichten den jeweiligen Besatzungszonen der Prozess gemacht werden sollte. Ein Hollywood-Film hatte die Kriegsverbrecher-Prozesse bereits 1943 vorweggenommen: „None Shall Escape“ von André de Toth war ein frühes Plädoyer für die juristische Aufarbeitung der Gräueltaten der Nazis. Über die Entstehung und Aufnahme eines bemerkenswerten Werkes.

Von Helmut G. Asper

Im Auftrag des Herrn - 40 Jahre "Blues Brothers"

Im Juni 1980 startete „Blues Brothers“ in den USA. John Belushi und Dan Aykroyd, der Blues und die wahnwitzige Action eröffneten die 1980er-Jahre mit einem Feuerwerk, das zum Kultfilm wurde. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums läuft der Film gerade wieder in den deutschen Kinos. Der richtige Moment für eine Hommage und einen genaueren Blick darauf, was den Film so kultig macht.

Von Thomas Klein

Verführer und Verschwörer: Adolf Wohlbrück

Das Berliner Zeughauskino hat im Juli mit der Filmreihe „Wohlbrück – Walbrook“ seine Türen wieder geöffnet. Die bis September laufende Retrospektive ehrt den österreichischen Schauspieler Adolf Wohlbrück (1896-1967), der als der „schönste Mann des deutschen Films“ in den 1930er-Jahren bekannt war und sich als Anton Walbrook auch im Ausland Ruhm erwarb. Begleitend ist ein Buch mit Beiträgen von Filmexperten erschienen, die den Facettenreichtum des Darstellers aufgreifen. Eine Wiederbegegnung.

Von Jens Hinrichsen

Das Grabmal einer großen Liebe

Das digital restaurierte und mit einer neuen Musik versehene Stummfilm-Melodrama von Franz Osten nach einer Legende um das Taj Mahal, in dem ein unglücklich verliebter Töpfer seine von Sklavenhändlern an den Herrscher von Agra verkaufte Geliebte zurückerobern will. - Ab 14.

Beethoven gegen Hitler

Nicht erst im Beethoven-Jahr 2020 findet der deutsche Komponist großen Widerhall in anderen Künsten. So verfasste der Schauspieler Fritz Kortner 1937/38 nach seiner Emigration aus Nazi-Deutschland in den USA den Entwurf zu einer Filmbiografie über Ludwig van Beethoven. Darin sollte der Komponist als Gegenfigur zur Barbarei Napoleons erscheinen, eine Setzung mit unmissverständlichen Verweisen auf die Bedrohung des Weltfriedens durch Adolf Hitler. Eine Erinnerung an ein faszinierendes Projekt.

Von Helmut G. Asper

Du musst Caligari werden!

Im Februar vor 100 Jahren wurde „Das Cabinet des Dr. Caligari“ uraufgeführt. Obwohl seine expressionistischen Stilmittel bald verbraucht waren, war Robert Wienes Stummfilmklassiker modellhaft: So griff das Kino auch später immer wieder auf bildende Kunst zurück, wenn psychische Extremzustände zu visualisieren waren. Ein Gang durch die Hirnwindungen des Kinos vom Film noir bis zum Mindgame Movie.

Von Jens Hinrichsen

Berlinale 2020: Kampf ums Überleben - King Vidor

Die Retrospektive der 70. „Berlinale“ (20.2.-1.3.2020) gilt dem US-amerikanischen Regisseur King Vidor (1894-1982). In seinen mehr als 50 Filmen, von denen in Berlin 35 gezeigt werden, nutzte der vielseitige Filmemacher virtuos die Mittel des Studiosystems, ohne sich künstlerisch vereinnahmen zu lassen. Seine Werke verbinden Unterhaltsamkeit mit Realismus, humanistisch und religiös gefärbte Sozialkritik mit einer oft optimistischen Haltung.

Von Michael Ranze