Nachrufe

Der ewige Reisende - Monte Hellman

Im amerikanischen Filmschaffen war Monte Hellman ein außergewöhnlicher Freigeist, der sich nicht nur von den Hollywood-Studios abgrenzte, sondern auch als unabhängiger Regisseur völlig für sich stand. Von seinen nihilistischen Western und Außenseiter-Balladen der 1960er- und 1970er-Jahre bis zu seinem letzten Kurzfilm von 2013 näherte er sich auf eine ganz eigene Weise festgefahrenen Erzählstrukturen an und interpretierte diese kompromisslos neu. Ein Nachruf.

Von Michael Kienzl

Der amerikanische Freund - Bertrand Tavernier

Kurz vor seinen 80. Geburtstag ist der französische Regisseur Bertrand Tavernier gestorben, der als europäischer Humanist und Cinephiler die Kraft des Kinos ganz in den Dienst von Erinnerung und Versöhnung stellte. Mit seinem vielgestaltigen Werk, das in allen Genres zu Hause war, gehörte er zu den vielfältigsten und anspruchsvollsten Regisseuren des französischen Kinos.

Von Josef Nagel

Zum Tod von Cloris Leachman

Die US-Schauspielerin Cloris Leachman schätzte Herausforderungen und die Abwechslung bei ihrer Arbeit, sodass ihr die Studie einer einsamen Frau in „Die letzte Vorstellung“ genauso denkwürdig gelang wie zahlreiche Auftritte in Sitcoms, als groteske Schurkinnen-Karikatur bei Mel Brooks oder in eigenwilligen Großmütter-Rollen.

Von Marius Nobach

Erinnerungen an Hal Holbrook

Der US-amerikanische Darsteller Hal Holbrook flößte mit seinem aristokratischen Aussehen und einer sonoren Stimme schon durch seine bloße Erscheinung Respekt ein und war im Kino immer wieder als Autoritätsfigur zu sehen. Seine wohl berühmteste Leinwandrolle spielte er mit reduzierten Mitteln und im Halbschatten als Watergate-Informant in „Die Unbestechlichen“. Durch präzise, hochemotionale Leistungen hinterließ er stets bleibenden Eindruck.

Von Marius Nobach

Komplize, Träumer, Seismograf: Zum Tod von Jean-Claude Carrière

Er war einer der ganz großen Kino-Auteurs des 20. Jahrhunderts, der Luis Buñuel die Bedeutung der Träume erschloss und mit Volker Schlöndorff „Die Blechtrommel“ in eine filmische Form goss. Dennoch darf man den leidenschaftlichen Geschichtenzähler Jean-Claude Carriére nicht auf die Rolle eines genialen Drehbuchautors reduzieren, der an nahezu 100 Filmen mitgewirkt hat. Von seiner bleibenden Bedeutung als Seismograf gesellschaftlicher Prozesse zeugen auch die sechzig Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Essays aus seiner Feder.

Ein Nachruf von Rainer Gansera

Nachruf auf Christopher Plummer

Als einer der bedeutendsten Interpreten des amerikanischen Theaters schätzte der kanadische Schauspieler Christopher Plummer das Kino als Spielbühne, um in kleinen und großen Auftritten unterschiedlichste Charaktere zu zeichnen. Von seinem Publikumserfolg in „Sound of Music“ über hinreißende Leinwandschurken bis zu grandiosen Altersrollen prägte er das Kino über knapp sechs Jahrzehnte mit nie versiegender Vielseitigkeit. Ein Nachruf.

Von Jens Hinrichsen

Die Erlaubnis zum Träumen: Zum Tod von Cicely Tyson

Weil sie die erste war, wird es nie eine letzte geben. Mit 96 Jahren ist die große afroamerikanische Schauspielerin Cicely Tyson gestorben. Ihre Biografie ist nicht nur eine beeindruckende Geschichte des 20. Jahrhunderts, sie verrät auch viel über die noch immer existierenden Fallstricke der Repräsentationspolitik.

Von Till Kadritzke

Zum Tod von Gunnel Lindblom

Die schwedische Schauspielerin Gunnel Lindblom wurde in den 1950er-Jahren Teil von Ingmar Bergmans Filmfamilie und spielte ihre berühmteste Rolle in seinem Skandalerfolg „Das Schweigen“. In Filmen ihrer Kollegin Mai Zetterling nutzte sie die Chance, um konventionelle Frauenrollen aufzubrechen, und setzte mit ambitionierten Inszenierungen eigene Akzente im schwedischen Kino.

Von Josef Nagel

Nachruf auf Sieglinde Hamacher

In den ästhetisch eigenwilligen Filmen der aus Dresden stammenden Trickfilmerin Sieglinde Hamacher spielt der wache Blick auf die Verhältnisse in der DDR stets eine große Rolle. Überkommene Verhaltensweisen, leere Versprechungen oder staatlich verordnete Sinnlosigkeiten nahm sie mit frechen Parabeln aufs Korn. Das brachte ihr viel Ärger ein. Wie erst jetzt bekannt wurde, verstarb die Animationskünstlerin bereits am 18. Dezember 2020.

Von Ralf Schenk

Le grand râleur - Jean-Pierre Bacri

Den Ehrentitel „Der große Nörgler“ hat sich der französische Schauspieler Jean-Pierre Bacri mit vielen Rollen redlich verdient, in denen er Unzufriedenheit, mühsam kontrollierte Genervtheit und Enttäuschung mit einzigartiger Präzision verkörperte. Dennoch blieb der Unmut dabei stets geerdet und kippte nicht ins Cholerische oder gar Misanthrope ab. Jetzt ist der große Charakterdarsteller und Drehbuchautor im Alter von 69 Jahren gestorben.

Von Marius Nobach