Nachrufe

In memoriam… 2020

Ein schwieriges Jahr endet, ein neues, hoffentlich besseres beginnt. Das ist ein guter Anlass für Rückblicke aller Art, auch für Erinnerungen an berühmte Filmschaffende, die 2020 verstorben sind. Zu ihnen zählen nicht nur Ennio Morricone, Michel Piccoli, Max von Sydow, Sean Connery oder Kirk Douglas, sondern auch Volker Spengler, Ivan Passer, Joachim von Mengershausen und viele viele andere, die mit ihrer kreativen Vielfalt und Kunst die Welt der Bilder zum Leuchten gebracht haben.

Von Marius Nobach

Zum Tode von Claude Brasseur

Der französische Schauspieler Claude Brasseur etablierte sich 1964 mit „Die Außenseiterbande“ von Jean-Luc Godard im Kino und wurde mit seiner charismatisch-bodenständigen Erscheinung zum angesehenen Darsteller. Große Publikumserfolge standen dabei neben nuancenreichen Porträts von unsicheren, vorsichtigen oder abweisenden Charakteren.

Ein Nachruf von Marius Nobach

Zum Tod von Jutta Lampe

Von 1970 an gehörte Jutta Lampe (13.12.1937-3.12.2020) drei Jahrzehnte lang zum Ensemble der Berliner Schaubühne am Halleschen Ufer. Dort wurde Peter Stein zu ihrem prägenden Regisseur, der gemeinsam mit seinem Team einen poetischen Realismus nahe an klassischen wie modernen Theatertexten erschuf. Gastspiele beim Film gab Jutta Lampe dagegen nur selten. Und doch haben sich ihre wenigen Auftritte in die Geschichte des deutschen Kinos eingeschrieben.

Von Ralf Schenk

Nachruf auf Gernot Roll

Der Look der „Heimat“-Filme von Edgar Reitz hat den Kameramann Gernot Roll (9.4.1939 –12.11.2020) berühmt gemacht. Mit seinem Namen sind aber auch mehr als 120 Filme und Serien aufs Engste verknüpft, darunter spektakuläre Prestigeobjekte wie „Rossini“ oder Doku-Dramen wie „Die Manns“. Bei manchen Filmen übernahm er auch die Regie. Nach schwerer Krankheit ist Gernot Roll nun im Alter von 81 Jahren in München gestorben.

Von Thomas Brandlmeier

Zum Tod von Fernando Solanas

Der argentinische Filmemacher Fernando Solanas (1936-2020) verstand sich von Anfang an als politischer Künstler, der mit der Filmkunst die ausbeuterischen Verhältnisse seines Landes durchsichtig machen wollte. Die Militärdiktatur zwang ihn 1976 ins Exil nach Paris. Als er 1989 wieder nach Buenos Aires zurückkehrte, mischte er fortan auch aktiv als Politiker mit, überlebte ein Attentat und wirkte zuletzt als UNESCO-Botschafter. Ein Nachruf.

Von Wolfgang Hamdorf

Mit einem zwinkernden Auge

Als weltgewandter Geheimagent James Bond wurde Sean Connery Anfang der 1960er-Jahre über Nacht berühmt und konnte sich mit seiner selbstironisch gebrochenen Maskulinität auch jenseits der Agenten-Reihe im Kino einrichten. In zunehmendem Alter versteifte er sich nicht auf zupackende Helden, sondern meisterte den Wechsel zu Mentoren-Figuren. Den Abschied von der Leinwand hatte Sean Connery schon 2003 vollzogen. Am 31. Oktober ist er wenige Monate nach seinem 90. Geburtstag verstorben.

Von Thomas Klein

Ein Nachruf auf Erich Gusko

In den besten Jahren seiner künstlerischen Laufbahn zeigte sich Kameramann Erich Gusko auf wunderbare Weise offen für Experimente. Regisseure wie Egon Günther, Kurt Maetzig oder Joachim Herz konnten sich darauf verlassen, mit ihm einen Fachmann an ihrer Seite zu haben, der ihre ästhetischen Intentionen in eindringliche Bilder verwandelte. Gusko gehörte zu den Altmeistern des DEFA-Films. Jetzt verstarb er 90-jährig in Potsdam.

Von Ralf Schenk

Zum Tode von Joachim Kunert

Der Regisseur Joachim Kunert (24.9.1929-18.9.2020) zählte zum Urgestein der DEFA. Schon kurz nach dem Krieg volontierte er bei Wolfgang Staudte und Kurt Maetzig. Er erwies sich als versierter Handwerker, der in großen Kinobildern zu inszenieren verstand. Anfang der 1970er-Jahre wechselte er zum Fernsehen, das mit Literaturadaptionen lockte. Nach der Wende war er arbeitslos. Jetzt ist er kurz vor seinem 91. Geburtstag gestorben.

Ein Nachruf von Ralf Schenk

Juliette Gréco oder Das inszenierte Geheimnis

In Erinnerung bleibt sie vor allem als charismatische Ikone des französischen Chansons. Doch Juliette Gréco war auch eine beeindruckende Theater- und Filmschauspielerin mit einer internationalen Karriere. In Frankreich spielte sie in Filmen von Jean Cocteau, Jean Renoir und Jean-Pierre Melville, in Hollywood unter der Regie von John Huston und Henry King.

Von Peter Kremski

Ein „Film-Schauspieler“ - Michael Gwisdek

Das Komische und das lockere Mundwerk waren Michael Gwisdek als Sprössling eines Gastwirt-Ehepaars gleichsam in die Wiege gelegt. Doch es dauerte, bis er seinen Traum vom „Film-Schauspieler“ verwirklichen konnte. Jetzt ist der launige Exzentriker mit den vielen Lachfalten um die Augen im Alter von 78 Jahren überraschend gestorben.

Ein Nachruf von Ralf Schenk