Porträts

Sei genau du selbst, und sonst nichts!

Lino Ventura fand erst spät zur Leinwand und verstand sich selbst nicht als Schauspieler; ohne formale Ausbildung beruhte sein Star-Appeal vor allem auf schierer physischer Präsenz und der Kunst der reduzierten Gesten. Erinnerungen an eine Legende des französischen Kinos, deren Geburtstag sich am 14. Juli 2019 zum 100. Mal jährt.

Von Wilfried Reichart

Dämmerbilder

In den sinnlichen Filmen des mexikanischen Regisseurs Carlos Reygadas treffen Gegensätze aufeinander: das Zivilisierte und das Wilde, Gesellschaft und Natur, Ratio und Gefühl. Stilbildend aber ist sein Umgang mit Zeit, Rhythmus und Kamera. Damit erforscht er Körper, Einsamkeit und Triebe. Das sorgt für Skandale, treibt die Filmkunst aber auch in bislang unerschlossene (Sinn-)Dimensionen.

Von Patrick Holzapfel

Zwei mit einer Mission

Die Schweizer Dokumentaristen Reni Mertens und Walter Marti hatten zeitlebens eine „Schwäche für die Schwachen“. In ihren vom Neorealismus und dem Free Cinema geprägten Filmen standen oft Menschen am Rande der Gesellschaft oder mit Handicaps im Zentrum. Das Bildrausch Filmfest Basel ehrt die beiden Filmschaffenden mit einer Hommage.

Von Irene Genhart

Eine provokative Filmkritikerin

Als Filmkritikerin nahm die am 19. Juni 1919 geborene Pauline Kael nicht nur in den USA eine Ausnahmestellung ein: Statt sich einer Filmtheorie zu verschreiben, näherte sie sich dem Kino mit hochpersönlichen Vorlieben, die sie in geschliffenen Texten formulierte. Kontroverse Positionen zu geschätzten Werken entstanden dabei ebenso wie Hymnen auf umstrittene Filmemacher, mit denen sie vielen jungen Regisseuren zum Durchbruch verhalf. Würdigung einer zeitlebens Unangepassten.

Von Patrick Holzapfel

Machine Gun Lover: Die Schauspielerin Gena Rowlands

Am 5. Juni ehrt arte Gena Rowlands mit einem Themenabend. Als Hauptdarstellerin und Frau des Regisseurs John Cassavetes bildete sie mit ihm ein Paar, das wie kein anderes im US-Kino für die Auflehnung gegen Konventionen stand. Gena Rowlands prägte dabei das Bild der wehrhaften Frau, die sich gegen eine bedrängende Gesellschaft auflehnt. Eine Hommage an die Darstellerin, die dem Kino einige seiner ehrlichsten Momente schenkte.

Von Patrick Holzapfel

Der Mann, der schon immer da war

Hans Löw verkörperte schon den letzten Kerl auf Erden, in seinen Rollen erlegt er aber auch Plüschtiere oder zwingt auf einem Klassentreffen eine Frau zum Sex. Im Geschwisterdrama „All My Loving“ spielt er nun einen braven Hausmann, der sich um seinen alten Vater kümmert. Annäherung an einen scheinbar Geheimnislosen.

Von Cosima Lutz

Die Tonalität des (Post-)Sowjetischen: Kurzfilme von Alexander Sokurow

Bei den 65. Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen (1.-6.5.2019) war dem russischen Filmemacher Alexander Sokurow eine Werkschau gewidmet. Die dort präsentierten Kurzfilme, großteils in den 1980er und 1990er Jahren entstanden, erwiesen sie sich als historisch aufschlussreiche Dokumente einer ambivalenten Haltung zur Sowjet-Ära wie auch zur postsowjetischen Zeit.

Eine andere Welt

Fast alle Filme des französischen Regisseurs Stéphane Brizé drehen sich um Figuren aus dem Arbeiter- und Angestelltenmilieu, die sich nach etwas sehnen, das in ihrem Dasein bislang keinen Platz gefunden hat. Ihre Versuche, diese Defizite zu füllen, sind in den jüngeren Werken des Filmemachers aber zunehmend zum Scheitern verurteilt. Im kantigen Gesicht seines bevorzugten Darstellers Vincent Lindon, der auch in Brizés jüngstem Film „Streik“ (jetzt im Kino) die Hauptrolle spielt, widerstreiten Illusion und Realität, Lebenswille und Lebensenttäuschung aufs Eindringlichste.

Von Stephan Ahrens

Curt Linda - Der Anti-Disney

Der am 23. April 1919 geborene Böhme Curt Linda kam auf Umwegen zum Zeichentrickfilm, wurde dann aber einer der deutschen Pioniere dieser Kunstform. In den 1960er-Jahren positionierte er sich gegen den Zeichentrick à la Walt Disney und konnte mit dem Film „Die Konferenz der Tiere“ seine Vorstellungen einer stilisierten Animation umsetzen. Auch seine weiteren Kino- und Fernseharbeiten bezeugten seine eigensinnige künstlerische Handschrift. Eine Würdigung zum 100. Geburtstag.

Von Rolf Giesen

Leben um jeden Preis: Der Filmemacher Bo Widerberg

Bo Widerberg (1930-1997) gehörte in den 1960er-Jahren zu den Initiatoren einer schwedischen Nouvelle Vague. Eine Würdigung des Filmemachers, dessen Schaffen vom 12. bis 28. April 2019 im Rahmen einer Retrospektive im Berliner Kino Arsenal wieder entdeckt werden kann.

Von Esther Buss