Porträts

Mystische Coolness - Jim Jarmusch

Die Filme des 1953 geborenen US-Filmemachers, der in den 1980er-Jahren zur Ikone des Independent-Kinos wurde, erlangten früh Kultstatus; schon sein Filmhochschul-Abschlussfilm „Permanent Vacation“ machte ihn international bekannt. Von „Down by Law“ bis „Only Lovers Left Alive“ hat er einen filmischen Kosmos voller schräger Figuren und Anleihen bei Popkultur und Philosophie erschaffen. Am 22. Januar wird Jarmusch 70 Jahre alt – und wir können es mehr denn je brauchen, von ihm daran erinnert zu werden, was es heißt, cool zu sein.

Von Patrick Holzapfel

Okay, Boomer - Über die Filme von Kurdwin Ayub

Mit ihrem Film „Sonne“ (Kinostart: 1.12.) über drei Wiener Teenagerinnen und ein im Hijab aufgenommenes Musikvideo hat die Filmemacherin Kurdwin Ayab ein Markenzeichen als reizvolle neue Stimme im österreichischen Kino gesetzt. Aufregende Arbeiten dreht die 1990 im Irak geborene Regisseurin allerdings schon seit rund zehn Jahren, seien es Kurzfilme oder ihre sehr persönliche Familien-Spurensuche „Paradies! Paradies!“. Vertrautheit mit Internet und Social Media bildet dabei das Fundament für ihre Erforschungen von Identitätsfragen. Ein Porträt.

Von Anne Küper

Moderner Musketier - Gérard Philipe

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war Gérard Philipe der junge Star des französischen Kinos. Der am 4. Dezember 1922 geborene Darsteller wurde als fröhlicher Springinsfeld ebenso berühmt wie als empfindsamer Romantiker, doch sein schauspielerisches Profil umfasste vieles mehr: einsame Idealisten, Rebellen, verlorene Seelen, Verführer und Bekehrte. Eine Hommage an den Schauspieler, der schon mit 36 Jahren starb und dem Kino so ein ewiges Bild der Jugendlichkeit hinterließ.

Von Marius Nobach

Menschliche Komödie - Sönke Wortmann & sein Debütroman

Ende September 2022 ist „Es gilt das gesprochene Wort“, der Debütroman von Sönke Wortmann, als Taschenbuch erschienen. Wie in vielen seiner Filme spielen das Sprechen und die Sprache darin eine wichtige Rolle. Eine schöne Erweiterung eines Erzähluniversums, das von der Filmkritik oft als seichte Unterhaltung abgestempelt wird, tatsächlich aber ein spannendes Panorama deutscher Befindlichkeiten entfaltet.

Von Josef Schnelle

Vorwärts, immer weiter - Der Kameramann Benoît Debie

Der belgische Kameramann Benoît Debie ist ein Mann für Extreme. Das rauschhafte Kino von Gaspar Noé und Harmony Korine bereichert er durch eine virtuos wirbelnde Kameraführung, seine Arbeit mit Farbe zeichnet ebenfalls eine hohe Bereitschaft zum knalligen Experiment aus. Doch auch die Empathie mit den Figuren kommt in Debies Bildern nie zu kurz. Eine Würdigung anlässlich einer Hommage beim Filmfestival Mannheim-Heidelberg 2022.

Von Esther Buss

Große Oper - James Gray

Mit „Zeiten des Umbruchs“ kommt ein neuer Film von James Gray in den deutschen Kinos. Mit Werken wie „The Yards, „Helden der Nacht“, „The Immigrant“ und „Die versunkene Stadt Z“ hat der New Yorker Filmemacher eine eigene Handschrift entwickelt. Postmoderne Ironie ist seinen Genre-Filmen fremd; in ihnen geht es um emotionale Wahrhaftigkeit.

Von Esther Buss

Der Größte - Martin Scorsese

Am 17. November 2022 wird Martin Scorsese 80 Jahre alt. Wie wenige andere Regisseure hat er sich mit seiner Persönlichkeit, seinen virtuosen Arbeiten und seiner schieren Leidenschaft fürs Kino in die Filmgeschichte eingeschrieben. Vor allem den Gangsterfilm hat er geprägt und von existenzieller Verlorenheit erzählt, doch in seinem Oeuvre war stets Raum für mehr: für Familienauftritte, italo-amerikanische Kultur, Musik, Mode, Geld, Autos, Essen und immer wieder das Kino selbst. Eine Hommage in 80 Beobachtungen.

Von Patrick Holzapfel

Sizilien, die Mafia & Sophia Loren - Francesco Rosi

„Cine-inchiesta“, Kino-Ermittlung, nannte Francesco Rosi den Stil seiner frühen Filme, in denen er sich an Sizilien, der Mafia und den schwer durchschaubaren Machtverhältnissen in Italien abarbeitete. In späteren Jahren hat er sich vom dokumentarischen Gestus verabschiedet und das Politische mehr in der Poesie entdeckt, unter anderem auch mit Sophia Loren. Eine Hommage zum 100. Geburtstag.

Von Michael Ranze

Für Auge und Ohr - Danny Boyle

Seit Ende September läuft bei Disney+ Danny Boyles Serie „Pistol“, in der sich der britische Regisseur mit der Punkband Sex Pistols auseinandersetzt. Einmal mehr ein Stoff, in dem Musik eine zentrale Rolle spielt, wie in vielen von Boyles Arbeiten. Mit ihrer akustischen, aber auch bildgestalterischen Energie zeigen Boyles Filme, auch wenn sie quer durch die Genres mäandern, immer wieder eine unverkennbare Handschrift.

Von Stefan Stiletto

Visionäre Pionierin: Ehrenpreis der deutschen Filmkritik für Dore O.

Der Verband der deutschen Filmkritik hat die avantgardistische Filmkünstlerin Dore O. mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet. Zwischen 1967 und 2000 realisierte sie 19 Filme; daneben hat sie ein großes Werk als bildende Künstlerin hinterlassen. Da Dore O. 2022 unerwartet verstorben ist, musste die Preisverleihung am 30. September im Filmhauskino Köln postum stattfinden. Eine Laudatio der Filmwissenschaftlerin Masha Matzke, Restauratorin der Filme von Dore O.