Porträts

Das Gewicht der Welt

Der Schauspieler Rüdiger Vogler prägte mit seiner unnachahmlichen Mischung aus grüblerischer Sehnsucht und leiser Unbehaglichkeit das frühe Kino von Wim Wenders. Aus seiner lakonischen Spannung zwischen Heimatlosigkeit und Fernweh, verbunden mit der großen Kunst, Sätze und Texte wie eigenständige Wesen aus sich heraus in die Welt zu setzen, resultiert eine Gestalt wie gemacht, als Beschreibung der deutschen Seele wahrgenommen zu werden.

Von Patrick Holzapfel

Keine Grenzen - Tilda Swinton

Die 1960 geborene Schauspielerin Tilda Swinton ist einer der größten Stars ihrer Generation, für eine Film- und Popkultur-Ikone ist ihr Image aber erstaunlich fluide – das Überschreiten von Grenzen ist wesentlicher Motor ihrer Karriere, die einst in der Zusammenarbeit mit Derek Jarman startete und seitdem im internationalen Kunstkino, aber auch in Blockbustern immer wieder neue, wunderliche Blüten treibt. Eine Hommage anlässlich des Kinostarts von „Memoria“.

Von Patrick Holzapfel

Sensible Filmkörper - Gaspar Noé

Er gilt als einer der großen Provokateure des europäischen Autorenfilms. Dabei hat das Kino des Regisseurs Gaspar Noé viel mehr zu bieten, als der undifferenzierte Fokus auf den Skandalwert seiner Filme suggeriert. Der Filmemacher ist ein begnadeter Formalist, der sich jedem seiner Themen mit großer ästhetischer Sensibilität nähert. Mit Blick auf „Vortex“ (ab 28. April im Kino), in dem es um Demenz, das Alter und den Tod geht, ergibt sich eine andere Perspektive auf sein Schaffen.

Von Sebastian Seidler

Aus dem Schatten Lachen - Elaine May

Am 21. April 2022 feiert die US-amerikanische Komikerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Elaine May ihren 90. Geburtstag. Im Showgeschäft hat sie sich an verschiedenen Fronten hervorgetan. Anfang der 1970er-Jahre wechselte sie nahtlos von der gefeierten Stand-up-Komikerin zur Regie und war zeitweise die einzige Regisseurin im patriarchalen Studiosystem. Ihre vier selbst inszenierten Filme erweisen sich im Rückblick als höchst originäre und frische Arbeiten.

Von Patrick Holzapfel

Auf zwei Dimensionen zusammengefaltet - Silke Fischer

Die Szenenbildnerin Silke Fischer hat an der Bildsprache von vielen deutschen Filmen wie „Toni Erdmann“ und „Vor der Morgenröte“ oder der Miniserie „Unorthodox“ mitgewirkt. Die Kunst ihres Metiers besteht darin, zwischen Skript, Regie und Kamera eine Räumlichkeit zu (er-)finden, die sich in die Flächigkeit der Leinwand oder des Bildschirms übersetzt lässt. Im April 2022 wurde sie zur Preisträgerin des Michael-Ballhaus-Stipendiums für herausradende Bildgestalter und Bildgestalterinnen gekürt.

Von Michael Kohl

Rückeroberung der Unschuld - Alexandre Koberidze

Alexandre Koberidze hat schon während seines Studiums an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin von sich reden gemacht. Sein Abschlussfilm „Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?“ (Kinostart: 7.4.) über eine Liebesgeschichte unter magischen Vorzeichen gewann im Berlinale-Wettbewerb 2021 den Preis der Filmkritik. Darin erweist sich Koberidze als Filmemacher, der das Kino als Raum unendlicher Möglichkeiten betrachtet.

Von Patrick Holzapfel

Anleitung fürs Leben - Mike Mills

Der 1966 geborene US-Filmemacher Mike Mills erzählt von Figuren, die ihre Überforderung mit dem Alltag verbindet. In seinem neuesten Werk „Come on, Come on“ (seit 24. März im Kino) ist es die Beziehung zwischen einem Radioreporter und seinem neunjährigen Neffen, die sich bei einer Interviewtour durch die USA behutsam entfaltet. Wie in allen seiner bislang vier Spielfilme beschreibt Mills spielerisch und mit viel Sensitivität die Suche nach Orientierungspunkten in einer überfordernden Welt.

Von Sofia Glasl

Emanzipation durch Begehren - Céline Sciamma

In den Filmen und Drehbüchern der Französin Céline Sciamma geht es um meist junge, überwiegend weibliche Figuren mit dem Wunsch, dazugehören zu wollen. Ihre Erzählungen erweitern die allzu verbreiteten Geschlechterzuschreibungen des Kinos um ungewöhnliche Rollenverständnisse. In ihrem jüngsten Film „Petite Maman“ freundet sich ein Mädchen auf magische Weise mit der Kinderversion seiner Mutter an.

Von Patrick Holzapfel

Sehen als Verbrechen. Sehen als Erlösung - Pier Paolo Pasolini zum 100.

Das Werk von Pier Paolo Pasolini, der am 5. März 1922 geboren wurde, durchzieht eine tiefe Spannung zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit, Profanem und Transzendentem. Als er in den 1960er-Jahren das Medium Film für sich entdeckte, war noch eine Nähe zum Neorealismus spürbar; doch schon bald entwickelte er sich zum Monolithen des europäischen Autorenkinos. Eine Hommage zum 100. Geburtstag.

Von Patrick Holzapfel

Spiritualität & Pulp - Paul Schrader

Am 3. März läuft mit "The Card Counter" der neue Film des Regisseurs Paul Schrader an. Auch darin geht es um Fragen von Schuld, Rache und Erlösung, die das Werk des US-amerikanischen Filmemachers seit jeher bestimmen. Im Rahmen des Siegfried-Kracauer-Stipendiums hat Lukas Foerster sich eingehend mit Grundmustern und Entwicklungslinien dieses Kinos beschäftigt, das im Kern um das Verhältnis von spirituellen Sehnsüchten und ihren dunklen Gegenkräften kreist.

Von Lukas Foerster