Porträts

Die Realität der Träume

Federico Fellini (1920-1993) blieb selbst als Regisseur ins Groteske verzerrter Fantasien im Herzen stets ein teilnahmsvoller Realist, der die schönen Täuschungen des Lebens durchschaute, ohne sich ihnen zu entziehen. Am 20.1. wäre der Meisterregisseur 100 Jahre alt geworden. Eine Hommage.

Von Thomas Koebner

Die Kunst des Handwerks: Volker Schlöndorff

Obwohl Volker Schlöndorff ein erklärter Billy-Wilder-Fan ist, hat er noch nie eine Komödie gedreht. Warum sich das in seinem langen Leben als Filmemacher so ergeben hat, verrät er in einem Interview-Buch, das sein Werk seit „Der junge Törless“ (1966) bis zu „Rückkehr nach Montauk“ (2017) Revue passieren lässt. Ein Gespräch über Siege und Niederlagen und wie sich sein Spätwerk runden könnte.

Von Wilfried Reichart

Morde, Märchen und mutige Frauen: Roberto Gavaldón

Erst in den letzten Jahren hat sich die Filmnation Mexiko wieder mit ihrer Kreativität in Erinnerung gebracht, dabei gab es bereits in den 1940er- und 1950er-Jahren eine international beachtete „Goldene Ära“ des mexikanischen Films. Mit dem Filmemacher Roberto Gavaldón (1909-1986) war einer ihrer Protagonisten bei einer Retrospektive beim Filmfestival San Sebastián wiederzuentdecken. Dabei offenbarte sich ein vielfältiges Werk, das auch zahlreiche Bezüge zur Entwicklung der mexikanischen Gesellschaft erlaubt.

Die Macht der Blicke: Bong Joon-ho

Mit „Parasite“ hat der 1969 geborene Südkoreaner Bong Joon-ho im Frühjahr 2019 die „Goldene Palme“ in Cannes gewonnen – der bisherige Höhepunkt einer Karriere, die ihn mit Filmen wie „The Host“, „Snowpiercer“ und „Okja“ zu einem international gefeierten Grenzgänger zwischen Genre und Arthouse, zwischen östlichem und westlichem Kino gemacht hat. Ein Werkporträt.

Von Lucas Barwenczik

Nur scheinbar das Gleiche: Nadav Lapid

Der 1975 geborene Israeli Nadav Lapid hat sich mit wenigen Werken international als aufregender Filmemacher etabliert; für seinen dritten Spielfilm „Synonymes“ (seit 5.9. im Kino) gewann er 2019 den „Goldenen Bären“. Lapids Filme prägen vielfach gebrochene Blicke auf seine Heimat sowie Männlichkeits- und Gesellschaftsbilder, die selbst in der Abneigung noch etwas Zärtliches haben. Eine Annäherung an den Regisseur.

Von Patrick Holzapfel

Mit Behutsamkeit. Hans Wintgens Filmbeobachtungen der DDR

In jüngster Zeit wird das Filmschaffen des bislang wenig bekannten DEFA-Dokumentaristen Hans Wintgen entdeckt. Die Autorin Anne Barnert nähert sich dem Werk mit gründlichen Sichtungen und lange Gesprächen mit Wintgen. Ihr schmaler Band ist ein wichtiger Beitrag zur deutschen Dokumentarfilmgeschichte.

Geboren um zu produzieren: Dino De Laurentiis

Er habe „mehr Energie als alle anderen Produzenten zusammen“, sagte David Lynch einmal über den italienischen Film-Mogul Dino De Laurentiis (8.8.1919-10.11.2010). De Laurentiis gehört zu den schillerndsten Produzenten-Persönlichkeiten der Filmgeschichte; sein Einfluss reichte vom italienischen Neorealismus bis ins Hollywood-Blockbusterkino. Eine Hommage an einen Kino-Besessenen zum 100. Geburtstag.

Von Patrick Holzapfel

Denken in Bildern: Brady Corbet

Mit zwei außergewöhnlichen Filmen, „Childhood of a Leader“ (2015) und „Vox Lux“ (ab Donnerstag im Kino) hat sich der gerade einmal 32-jährige US-Amerikaner Brady Corbet als neuer Regie-Shootingstar am Himmel des Autorenkinos etabliert. In seinen Werken spiegelt sich die Dekadenz unserer Zeit in schillernder Pracht. Fiktionale Figuren und historische Schlüsselereignisse finden darin aufs Eleganteste zusammen.

Von Rüdiger Suchsland

Sei genau du selbst, und sonst nichts: Lino Ventura

Lino Ventura fand erst spät zur Leinwand und verstand sich selbst nicht als Schauspieler; ohne formale Ausbildung beruhte sein Star-Appeal vor allem auf schierer physischer Präsenz und der Kunst der reduzierten Gesten. Erinnerungen an eine Legende des französischen Kinos, deren Geburtstag sich am 14. Juli 2019 zum 100. Mal jährt.

Von Wilfried Reichart

Dämmerbilder: Carlos Reygadas

In den sinnlichen Filmen des mexikanischen Regisseurs Carlos Reygadas treffen Gegensätze aufeinander: das Zivilisierte und das Wilde, Gesellschaft und Natur, Ratio und Gefühl. Stilbildend aber ist sein Umgang mit Zeit, Rhythmus und Kamera. Damit erforscht er Körper, Einsamkeit und Triebe. Das sorgt für Skandale, treibt die Filmkunst aber auch in bislang unerschlossene (Sinn-)Dimensionen.

Von Patrick Holzapfel