Personen des internationalen Films

Auf zwei Dimensionen zusammengefaltet - Silke Fischer

Die Szenenbildnerin Silke Fischer hat an der Bildsprache von vielen deutschen Filmen wie „Toni Erdmann“ und „Vor der Morgenröte“ oder der Miniserie „Unorthodox“ mitgewirkt. Die Kunst ihres Metiers besteht darin, zwischen Skript, Regie und Kamera eine Räumlichkeit zu (er-)finden, die sich in die Flächigkeit der Leinwand oder des Bildschirms übersetzt lässt.

Von Michael Kohl

Ein Land vor Gericht

In der nahen Zukunft des Jahres 2034 verklagen 31 Staaten des globalen Südens die Bundesrepublik Deutschland auf Schadensersatz, weil es versäumt wurde, Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen: „Ökozid“, der neue Film von Andres Veiel, changiert zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen Doku-Drama und fiktiver Dokumentation. Im Interview spricht der Regisseur über Science-Fiction, den Klimawandel und wie wir darüber erzählen können.

Das Gespräch führte Thomas Klein

Asif Kapadia

Heutige Berühmtheiten sind allesamt digitale Charaktere. Sie schauen dauernd auf sich selbst und machen permanent Selfies. Wir alle sind davon besessen, ein perfektes Bild zu hinterlassen und alles zu zerstören, was nicht perfekt ist. Dabei ist gerade das das Faszinierende.

Zum Tod von Fernando Solanas

Der argentinische Filmemacher Fernando Solanas (1936-2020) verstand sich von Anfang an als politischer Künstler, der mit der Filmkunst die ausbeuterischen Verhältnisse seines Landes durchsichtig machen wollte. Die Militärdiktatur zwang ihn 1976 ins Exil nach Paris. Als er 1989 wieder nach Buenos Aires zurückkehrte, mischte er fortan auch aktiv als Politiker mit, überlebte ein Attentat und wirkte zuletzt als UNESCO-Botschafter. Ein Nachruf.

Von Wolfgang Hamdorf

Mit einem zwinkernden Auge

Als weltgewandter Geheimagent James Bond wurde Sean Connery Anfang der 1960er-Jahre über Nacht berühmt und konnte sich mit seiner selbstironisch gebrochenen Maskulinität auch jenseits der Agenten-Reihe im Kino einrichten. In zunehmendem Alter versteifte er sich nicht auf zupackende Helden, sondern meisterte den Wechsel zu Mentoren-Figuren. Den Abschied von der Leinwand hatte Sean Connery schon 2003 vollzogen. Am 31. Oktober ist er wenige Monate nach seinem 90. Geburtstag verstorben.

Von Thomas Klein

Die Mitte bricht weg - Julia von Heinz & "Und morgen die ganze Welt"

In ihrem politischen Drama „Und morgen die ganze Welt“ zeichnet die Regisseurin Julia von Heinz ein Bild von Deutschland, in das sie eigene Erfahrungen aus ihrer Jugend in linken Bewegungen einfließen lässt. Eine junge Jura-Studentin schließt sich einer Antifa-Gruppe an und mischt im Kampf gegen Neo-Nazis mit. Ein Gespräch über die Rebellion der Jugend, die Frage nach dem Einsatz von Gewalt und die Bedeutung des persönlichen Zugangs für Filmemacher.

Das Gespräch führte Margret Köhler

Ein Nachruf auf Erich Gusko

In den besten Jahren seiner künstlerischen Laufbahn zeigte sich Kameramann Erich Gusko auf wunderbare Weise offen für Experimente. Regisseure wie Egon Günther, Kurt Maetzig oder Joachim Herz konnten sich darauf verlassen, mit ihm einen Fachmann an ihrer Seite zu haben, der ihre ästhetischen Intentionen in eindringliche Bilder verwandelte. Gusko gehörte zu den Altmeistern des DEFA-Films. Jetzt verstarb er 90-jährig in Potsdam.

Von Ralf Schenk

A Different Class - Ben Wheatley

Ben Wheatley verpackt soziale Versuchsanordnungen in ausgefallene Genre-Mixturen. Gelernt hat er sein Handwerk als Autodidakt; bekannt wurde er mit Filmen wie „Sightseers“, „High-Rise“ und „Free Fire“. Am 21.10. startet bei Netflix seine Neuverfilmung von Daphne du Mauriers Schauer-Psychodrama „Rebecca“, womit Wheatley mit keinem Geringeren als Alfred Hitchcock wetteifert, der den Stoff 1940 verfilmte. Ein Porträt.

Von Sofia Glasl

An der Sch(m)erzgrenze - Takeshi Kitano

Er gilt vielen als einflussreichster japanischer Filmemacher seit Akira Kurosawa: Takeshi Kitano hat sich seit den 1970er-Jahren in seiner Heimat zur überlebensgroßen Medienfigur entwickelt, für internationale Cineasten ist er seit den 1990er-Jahren eine der prägenden Gestalten des japanischen Films, nicht zuletzt fürs Genre des Yakuza-Films. Seine vor zehn Jahren gestartete „Outrage“-Trilogie ist derzeit bei Amazon Prime zu entdecken.

Von Sofia Glasl

Bill Murray: Der Zen-Komödiant

Bill „Groundhog Day Ghost Bustin’ Ass“ Murray ist längst nicht mehr nur ein Schauspieler, sondern ein Kultfilm in Person und ein skurriles, komisch-melancholisches Gesamtkunstwerk. Derzeit ist der Star, der im September 2020 seinen 70. Geburtstag feierte, in „On the Rocks“ im Kino und ab 23.10. auf AppleTv+ zu sehen, seiner zweiten Zusammenarbeit mit Regisseurin Sofia Coppola nach "Lost in Translation". Eine Hommage.

Von Sofia Glasl

In Stoffen denken: Die Kostümbildnerin Barbara Baum

Wie man mit Kleidern Leute macht: Die Kostümbildnerin Barbara Baum hat mit ihren Arbeiten, unter anderem für Rainer Werner Fassbinder, deutsche Filmgeschichte geschrieben. Eine Ausstellung in der Deutschen Kinemathek in Berlin würdigt ihr Schaffen und gibt sinnliche Einblicke in ihr Werk.

Von Josef Nagel