Personen des internationalen Films

Keine Grenzen - Tilda Swinton

Die 1960 geborene Schauspielerin Tilda Swinton ist einer der größten Stars ihrer Generation, für eine Film- und Popkultur-Ikone ist ihr Image aber erstaunlich fluide – das Überschreiten von Grenzen ist wesentlicher Motor ihrer Karriere, die einst in der Zusammenarbeit mit Derek Jarman startete und seitdem im internationalen Kunstkino, aber auch in Blockbustern immer wieder neue, wunderliche Blüten treibt. Eine Hommage anlässlich des Kinostarts von „Memoria“.

Von Patrick Holzapfel

Sensible Filmkörper - Gaspar Noé

Er gilt als einer der großen Provokateure des europäischen Autorenfilms. Dabei hat das Kino des Regisseurs Gaspar Noé viel mehr zu bieten, als der undifferenzierte Fokus auf den Skandalwert seiner Filme suggeriert. Der Filmemacher ist ein begnadeter Formalist, der sich jedem seiner Themen mit großer ästhetischer Sensibilität nähert. Mit Blick auf „Vortex“ (ab 28. April im Kino), in dem es um Demenz, das Alter und den Tod geht, ergibt sich eine andere Perspektive auf sein Schaffen.

Von Sebastian Seidler

Asif Kapadia

Heutige Berühmtheiten sind allesamt digitale Charaktere. Sie schauen dauernd auf sich selbst und machen permanent Selfies. Wir alle sind davon besessen, ein perfektes Bild zu hinterlassen und alles zu zerstören, was nicht perfekt ist. Dabei ist gerade das das Faszinierende.

"Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" - Andreas Dresen

„Das Verhalten unserer Politiker im Fall Murat Kurnaz war unsäglich“, klagt Regisseur Andreas Dresen. In seinem Film „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“, der ab 28. April im Kino läuft, geht es um die Geschichte des aus Bremen stammenden Murat Kurnaz, der 2002 nach Guantánamo verschleppt wurde und nur durch den Kampf seiner unerschrockenen Mutter schließlich wieder freikam.

Das Gespräch führte Simon Hauck

Zum Tod von Jacques Perrin (13.7.1941-21.4.2022)

In den 1960er-Jahren machte sich der junge Schauspieler Jacques Perrin dank seines blendenden Aussehens und seiner introvertierten, melancholischen Erscheinung einen Namen im französischen und italienischen Film. Bald wurde er auch zum engagierten Produzenten, der die Politthriller von Costa-Gavras ebenso ermöglichte wie in späteren Jahren aufwändige Naturdokumentationen wie „Nomaden der Lüfte“. Ein Nachruf.

Von Marius Nobach

Aus dem Schatten Lachen - Elaine May

Am 21. April 2022 feiert die US-amerikanische Komikerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Elaine May ihren 90. Geburtstag. Im Showgeschäft hat sie sich an verschiedenen Fronten hervorgetan. Anfang der 1970er-Jahre wechselte sie nahtlos von der gefeierten Stand-up-Komikerin zur Regie und war zeitweise die einzige Regisseurin im patriarchalen Studiosystem. Ihre vier selbst inszenierten Filme erweisen sich im Rückblick als höchst originäre und frische Arbeiten.

Von Patrick Holzapfel

Auf zwei Dimensionen zusammengefaltet - Silke Fischer

Die Szenenbildnerin Silke Fischer hat an der Bildsprache von vielen deutschen Filmen wie „Toni Erdmann“ und „Vor der Morgenröte“ oder der Miniserie „Unorthodox“ mitgewirkt. Die Kunst ihres Metiers besteht darin, zwischen Skript, Regie und Kamera eine Räumlichkeit zu (er-)finden, die sich in die Flächigkeit der Leinwand oder des Bildschirms übersetzt lässt. Im April 2022 wurde sie zur Preisträgerin des Michael-Ballhaus-Stipendiums für herausradende Bildgestalter und Bildgestalterinnen gekürt.

Von Michael Kohl

Ins Kino hineingefallen - Mathieu Amalric

In Frankreich gehört Mathieu Amalric zu den angesehensten Schauspielern, international ist er vor allem durch „Schmetterling und Taucherglocke“ und seine Rolle als Bond-Bösewicht in „Ein Quantum Trost“ bekannt. Bei Werken wie „Tournée“ und zuletzt „Für immer und ewig“ führt er auch Regie. Das Berliner Kino Arsenal zeigte im April eine Werkschau mit Filmen von und mit Mathieu Amalric. Ein Gespräch über Einflüsse, Obsessionen und einen unorthodoxen Weg zum Kino.

Das Gespräch führte Jörg Taszman

Der Kaltblütige: Zum Tod von Michel Bouquet (1925-2022)

Der französische Schauspieler Michel Bouquet (6.11.1925-13.4.2022) sah sich vor allem als Theaterinterpret, brillierte aber nichtsdestotrotz in einer über 70-jährigen Karriere auch in zahlreichen Filmrollen mit seiner Charakterisierungskunst. Vor allem bei Claude Chabrol lieferte er subtile Studien wohlgesättigter, skrupelloser Bürger. Er hinterließ aber auch großen Eindruck in den Rollen selbstgerechter Polizisten oder Politiker. Ab den 1990er-Jahren bot ihm das Kino zudem dankbare Altersauftritte als Mitterand oder Renoir. Ein Nachruf.

Von Marius Nobach

Im Auge des Unsichtbaren - Interview mit Sophie Marceau

Die Schauspielerin Sophie Marceau ist eine Ikone des französischen Kinos, die nach den „La Boum“-Filmen auch für Autorenfilmer wie Andrzej Zulawski, Bertrand Tavernier und Maurice Pialat vor die Kamera trat. In François Ozons Drama „Alles ist gutgegangen“ (Kinostart: 14.4.) spielt sie die Schriftstellerin Emmanuèle Bernheim, die ihrem kranken Vater dabei hilft, einen assistierten Suizid zu organisieren. Ein Gespräch über die Herausforderungen ihrer Rolle und die Balance zwischen Ernst und Humor.

Das Gespräch führte Jörg Taszman

Rückeroberung der Unschuld - Alexandre Koberidze

Alexandre Koberidze hat schon während seines Studiums an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin von sich reden gemacht. Sein Abschlussfilm „Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?“ (Kinostart: 7.4.) über eine Liebesgeschichte unter magischen Vorzeichen gewann im Berlinale-Wettbewerb 2021 den Preis der Filmkritik. Darin erweist sich Koberidze als Filmemacher, der das Kino als Raum unendlicher Möglichkeiten betrachtet.

Von Patrick Holzapfel