Personen des internationalen Films

Nachruf auf Vojtěch Jasný

Der tschechoslowakische Regisseur Vojtěch Jasný (30.11.1925 – 16.11.2019) war einer der Begründer der Neuen Welle. Mit satirischen Lustspielen und Parabeln hielt er der sozialistischen Gesellschaft den Spiegel vor. 1972 flüchtete er nach Österreich ins Exil, arbeitete aber auch in Deutschland, den USA und Kanada.

Von Ralf Schenk

Sturm vor der Ruhe

Die nordmazedonische Regisseurin Teona Strugar Mitevska erzählt in ihrem Film „Gott existiert, ihr Name ist Petrunya“ (Kinostart am 14.11.) vom Konflikt in einer archaischen Dorfgemeinschaft, als eine junge Frau sich gegen eine patriarchal-religiöse Tradition auflehnt. Der Film erhielt bei der „Berlinale“ 2019 den Preis der Ökumenischen Jury. Ein Gespräch über erstarrte Strukturen und Grundlagen für Optimismus.

Das Gespräch führte Wolfgang Hamdorf

Asif Kapadia

Heutige Berühmtheiten sind allesamt digitale Charaktere. Sie schauen dauernd auf sich selbst und machen permanent Selfies. Wir alle sind davon besessen, ein perfektes Bild zu hinterlassen und alles zu zerstören, was nicht perfekt ist. Dabei ist gerade das das Faszinierende.

Interview mit Céline Sciamma

Die französische Regisseurin Céline Sciamma katapultierte sich schon mit ihrem Debütfilm „Water Lilies“ (2007) in den Fokus internationaler Aufmerksamkeit. Mittlerweile ist sie Stammgast bei den großen Filmfestivals. Ihr jüngstes Werk „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ ist eine vielschichtige Liebesgeschichte zwischen einer Malerin und einer jungen Adligen, die sie porträtieren soll.

Das Gespräch führte Michael Ranze

Morde, Märchen und mutige Frauen

Erst in den letzten Jahren hat sich die Filmnation Mexiko wieder mit ihrer Kreativität in Erinnerung gebracht, dabei gab es bereits in den 1940er- und 1950er-Jahren eine international beachtete „Goldene Ära“ des mexikanischen Films. Mit dem Filmemacher Roberto Gavaldón (1909-1986) war einer ihrer Protagonisten bei einer Retrospektive beim Filmfestival San Sebastián wiederzuentdecken. Dabei offenbarte sich ein vielfältiges Werk, das auch zahlreiche Bezüge zur Entwicklung der mexikanischen Gesellschaft erlaubt.

Zum Tode von Robert Forster

Als Meister des klugen Minimalismus war der 1941 geborene Schauspieler ein gefragter Charakterkopf Hollywoods. Nachdem er bereits in den späten 1960ern reüssiert hatte, verhalf ihm nach einem Karrieretief Quentin Tarantino mit „Jackie Brown“ zu einem Comeback. Sein letzter Auftritt im „Breaking Bad“-Sequel „El Camino“ ist am 11.10. bei Netflix gestartet – dem Tag, an dem der Mime im Alter von 78 Jahren verstorben ist.

Von Marius Nobach

Der digitale Zwilling

In Ang Lees „Gemini Man“ (Kinostart: 3.10.) wird Will Smith als Auftragskiller im Ruhestand von seinem jüngeren Klon gejagt. Im Werkstattgespräch berichtet Stuart Adcock, Leiter des „Facial Motion Department“ bei der Effekte-Schmiede Weta Digital, wie er und sein Team der Herausforderung begegneten, zusammen mit dem Hauptdarsteller dessen verjüngte Version glaubwürdig digital zum Leben zu erwecken – und das mit 120 Bildern pro Sekunde.

Von Johannes Wolters

Filme über Frauen, die Filme machen

Sie ist eine Filmemacherin der Stunde, obwohl sie im November ihren 80. Geburtstag feiert. Denn Zeit ihres Lebens hat Katja Raganelli Filme über Filmemacherinnen gedreht, ihnen bei der Arbeit über die Schulter geschaut und zu den Kämpfen befragt, um sich als Frau auf dem Regiestuhl zu behaupten. Im Filmmuseum München läuft bis Dezember eine Reihe mit 14 ihrer filmischen Porträts, unter anderem auch „Alice Guy-Blanché – Hommage an die erste Filmemacherin der Welt“.

Das Gespräch führte Stefan Drößler

Interview mit Cristi Puiu

Der rumänische Regisseur Cristi Puiu zählte mit dem makabren Drama „Der Tod des Herrn Lazarescu“ (2005) zu den Begründern der „Rumänischen Welle“. Sein jüngstes Werk „Sieranevada“, das 2016 beim Filmfestival in Cannes im Wettbewerb uraufgeführt wurde, fand in Deutschland nichts ins Kino. Im Interview skizziert der Regisseur seine filmische Ästhetik und setzt sie zur Situation in Rumänien in Bezug.

Das Gespräch führte Marius Nobach

Günter Kunert (6.3.1929-21.9.2019)

Der Lyriker und Schriftsteller Günter Kunert war auch ein streitbarer Drehbuchautor, der mit satirischen Beiträgen zur Kurzfilmreihe „Das Stacheltier“ begann, Krimis, Fernseh- und Kinofilme als Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse nutzte und auch Freude an experimentellen Zugriffen entwickelte.

Von Ralf Schenk

Das Schweigen brechen

Der französische Regisseur François Ozon greift in „Gelobt sei Gott“ (Kinostart: 26.9.) einen Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in Lyon auf, der die französische Justiz beschäftigt und die Öffentlichkeit erschüttert. Er erzählt von Opfern, die nach Jahren der Scham und des Schweigens Gerechtigkeit fordern. Die „Berlinale“ ehrte das Drama mit dem „Großen Preis der Jury“.

Das Gespräch führte Margret Köhler