Personen des internationalen Films

In memoriam… 2020

Ein schwieriges Jahr endet, ein neues, hoffentlich besseres beginnt. Das ist ein guter Anlass für Rückblicke aller Art, auch für Erinnerungen an berühmte Filmschaffende, die 2020 verstorben sind. Zu ihnen zählen nicht nur Ennio Morricone, Michel Piccoli, Max von Sydow, Sean Connery oder Kirk Douglas, sondern auch Volker Spengler, Ivan Passer, Joachim von Mengershausen und viele viele andere, die mit ihrer kreativen Vielfalt und Kunst die Welt der Bilder zum Leuchten gebracht haben.

Von Marius Nobach

Der mit Licht erzählt - Jürgen Jürges

Zu den herausragenden Ereignissen des Filmjahrs 2020 zählte das umstrittene DAU-Projekt des russischen Regisseurs Ilja Chrschanowski, das am Ende insgesamt 15 Filme umfasste. Gedreht wurden sie alle von dem deutschen Kameramann Jürgen Jürges, den die "Berlinale" dafür mit einem "Silbernen Bären" ehrte. Der stille Meister des Lichts feierte im Dezember seinen 80. Geburtstag. Anlass für ein langes Gespräch.

Das Gespräch führte Isabelle Wolf

Asif Kapadia

Heutige Berühmtheiten sind allesamt digitale Charaktere. Sie schauen dauernd auf sich selbst und machen permanent Selfies. Wir alle sind davon besessen, ein perfektes Bild zu hinterlassen und alles zu zerstören, was nicht perfekt ist. Dabei ist gerade das das Faszinierende.

Zum Tode von Claude Brasseur

Der französische Schauspieler Claude Brasseur etablierte sich 1964 mit „Die Außenseiterbande“ von Jean-Luc Godard im Kino und wurde mit seiner charismatisch-bodenständigen Erscheinung zum angesehenen Darsteller. Große Publikumserfolge standen dabei neben nuancenreichen Porträts von unsicheren, vorsichtigen oder abweisenden Charakteren.

Ein Nachruf von Marius Nobach

Fragen unserer Zeit - Milo Rau

Dorthin gehen, wo es weh tut. Das kann der Theater- und Filmemacher Milo Rau wie kaum ein Zweiter. In „Das Neue Evangelium“ (ab 17. Dezember im Streaming) orientiert er sich an der Passion Christi, transferiert die biblische Handlung aber ins heutige Süditalien und verfilmt sie als Revolte afrikanischer Migranten, die auf den Tomatenfeldern wie Sklaven schuften. Christliche Historie und die sogenannte „Revolte der Würde“ verbinden sich miteinander zu einer aufrührerischen Symbiose.

Von Margret Köhler

Subversion auf böhmisch

Die Titelrolle in „Jakob der Lügner“ (1975) machte den tschechischen Schauspieler Vlastimil Brodský weltberühmt. Seine Kunst, mit spitzbübischem Lächeln oder grotesken Gesten gegen die Verhältnisse zu protestieren, grundierte nicht nur sein Schaffen, sondern auch seine Haltung gegenüber jedweder Autorität. Am 15. Dezember wäre Brodský 100 Jahre alt geworden.

Von Ralf Schenk

Zum Tod von Jutta Lampe

Von 1970 an gehörte Jutta Lampe (13.12.1937-3.12.2020) drei Jahrzehnte lang zum Ensemble der Berliner Schaubühne am Halleschen Ufer. Dort wurde Peter Stein zu ihrem prägenden Regisseur, der gemeinsam mit seinem Team einen poetischen Realismus nahe an klassischen wie modernen Theatertexten erschuf. Gastspiele beim Film gab Jutta Lampe dagegen nur selten. Und doch haben sich ihre wenigen Auftritte in die Geschichte des deutschen Kinos eingeschrieben.

Von Ralf Schenk

Über dem Abgrund schweben - David Fincher

David Fincher erschafft in seinen Filmen makellose Kunstwelten, die für die Figuren jedoch alles andere als perfekt sind. Die leiden und straucheln, vorangetrieben vom stets gelassen bleibenden Blick eines kühlen Formalisten. Doch gerade die Widersprüche zwischen meisterlich gehandhabten Manipulationstechniken und deren gleichzeitiger Kritik auf der Handlungsebene machen Finchers Filme so interessant.

Von Patrick Holzapfel

Auf zwei Dimensionen zusammengefaltet - Silke Fischer

Die Szenenbildnerin Silke Fischer hat an der Bildsprache von vielen deutschen Filmen wie „Toni Erdmann“ und „Vor der Morgenröte“ oder der Miniserie „Unorthodox“ mitgewirkt. Die Kunst ihres Metiers besteht darin, zwischen Skript, Regie und Kamera eine Räumlichkeit zu (er-)finden, die sich in die Flächigkeit der Leinwand oder des Bildschirms übersetzt lässt.

Von Michael Kohl

Ein Land vor Gericht: Ein Interview mit Andres Veiel zu „Ökozid“

In der nahen Zukunft des Jahres 2034 verklagen 31 Staaten des globalen Südens die Bundesrepublik Deutschland auf Schadensersatz, weil es versäumt wurde, Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen: „Ökozid“, der neue Film von Andres Veiel, changiert zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen Doku-Drama und fiktiver Dokumentation. Im Interview spricht der Regisseur über Science-Fiction, den Klimawandel und wie wir darüber erzählen können.

Das Gespräch führte Thomas Klein

Nachruf auf Gernot Roll

Der Look der „Heimat“-Filme von Edgar Reitz hat den Kameramann Gernot Roll (9.4.1939 –12.11.2020) berühmt gemacht. Mit seinem Namen sind aber auch mehr als 120 Filme und Serien aufs Engste verknüpft, darunter spektakuläre Prestigeobjekte wie „Rossini“ oder Doku-Dramen wie „Die Manns“. Bei manchen Filmen übernahm er auch die Regie. Nach schwerer Krankheit ist Gernot Roll nun im Alter von 81 Jahren in München gestorben.

Von Thomas Brandlmeier