Personen des internationalen Films

Milde lächelnde Leidenschaft

Das Leben des Schauspielers und Schriftstellers Hardy Krüger glich selbst einer seiner schlitzohrigen Figuren, die mit einer gewissen Pfiffigkeit und einem verschmitzten Lächeln allen Widerfahrnissen trotzen. Dabei behielt er stets einen klaren Kopf, was ihn auch politisch vor Untiefen bewahrte. Im Alter von 93 Jahren ist der flugbegeisterte Weltenbummler am 19. Januar in Kalifornien gestorben.

Von Josef Schnelle

Die Logik des Absurden

Als Filmemacher trat der 1932 geborene Richard Lester ab den 1960er-Jahren hervor und verband stilistische Verspieltheit mit einer hohen Frequenz oft surrealer Gags. Die Beatles-Filme „Yeah! Yeah! Yeah!“ und „Hi Hi Hilfe!“ machten ihn berühmt, und für „Der gewisse Kniff“ gewann er in Cannes die „Goldene Palme“. Auch seine Abstecher ins Thriller- und Abenteuerfilm-Genre bürsteten Konventionen gegen den Strich. Am 19. Januar wird Richard Lester 90 Jahre alt.

Von Michael Ranze

Asif Kapadia

Heutige Berühmtheiten sind allesamt digitale Charaktere. Sie schauen dauernd auf sich selbst und machen permanent Selfies. Wir alle sind davon besessen, ein perfektes Bild zu hinterlassen und alles zu zerstören, was nicht perfekt ist. Dabei ist gerade das das Faszinierende.

Die Leuchtende

Die 1993 in Halle geborene Saskia Rosendahl demonstrierte bereits in ihrer ersten Hauptrolle in „Lore“ eine außergewöhnliche Kraft und Wahrhaftigkeit. Ihren Ruf als eine der besten jungen deutschen Schauspielerinnen bestätigte seither immer wieder, ob im historischen Rahmen von „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ oder in Gegenwartsstoffen. Für die Darstellung der provokativen Freundin eines Bauernsohns in „Niemand ist bei den Kälbern“ (ab 20.1. in den Kinos) wurde sie in Locarno ausgezeichnet.

Von Cosima Lutz

Produktive Blasphemie: In Memoriam Herbert Achternbusch

Als Regisseur von rund 30 Filmen hat Herbert Achternbusch der deutschen Kinolandschaft seinen höchst eigenen Stempel aufgedrückt. Auf mal polemische, mal poetisch-versponnene Art hat er sich an Bayern, der Politik, der Kirche, der Geschichte und der Gegenwart abgearbeitet und damit die ein oder andere künstlerische Kontroverse ausgelöst. Nun ist Achternbusch im Alter von 83 Jahren verstorben.

Ein Nachruf von Ulrich Kriest

Wut und sanfter Widerstand

Der 1927 auf den Bahamas geborene Schauspieler Sidney Poitier änderte in den 1950er-Jahren das marginalisierte Bild von Afroamerikanern im US-amerikanischen Kino. Mit selbstbewussten und gebildeten Figuren wurde er auch von weißen Zuschauern akzeptiert, obwohl Poitier dank seiner schauspielerischen Klasse im Hintergrund stets die Geschichte eines lebenslangen Kampfes um Anerkennung mitschwingen ließ. Ein Nachruf auf den am 6. Januar 2022 gestorbenen Ausnahmedarsteller.

Von Patrick Holzapfel

Der cinephile US-Auteur

Peter Bogdanovich war der größte der cinephilen Regisseure Hollywoods. Als das Studiosystem Anfang der 1960er-Jahre in die Knie ging, sprangen ihm filmhistorisch gebildete Enthusiasten wie er zur Seite, die das traditionelle Erzählen mit neuen Themen und einer aufregenden Frische verbanden. Doch das Glück des Anfangs blieb ihm nicht immer hold. Im Alter von 82 Jahren ist er jetzt in Los Angeles gestorben.

Von Thomas Klein

Nachruf auf Otto Hanisch

Der Kameramann Otto Hanisch war ein Meister des DEFA-Genrefilms. Fast vierzig Jahre lang fotografierte er Komödien, Western und historisch-biografische Filme. Als besondere Herausforderung empfand er die Arbeit mit der 70mm-Kamera. Mit „Signale – ein Weltraumabenteuer“ und „Orpheus in der Unterwelt“ drehte er zwei herausragende 70mm-Filme in der DDR. Nach dem Ende der DEFA zog er sich in die Malerei zurück.

Von Ralf Schenk

Im Zeitalter der Verdummung

Der 1968 geborene Filmemacher Adam McKay wurde lange als Regisseur alberner Komödien um infantile Männer unterschätzt. Die darin schon erkennbare Satire auf fatale gesellschaftliche Entwicklungen in den USA tritt seit „The Big Short“ (2015) deutlicher in den Vordergrund. Inzwischen lässt sich McKays Ansatz als politisches Aufbegehren gegen den Siegeszug der Dummheit in der US-amerikanischen Politik verstehen. Mit seinem neuen Film „Don’t Look Up“ (bei Netflix) legt er ein wütendes Manifest über Ignoranz vor.

Von Patrick Holzapfel

Unsichtbare Stäbe - Ryusuke Hamaguchi

Der japanische Regisseur Ryusuke Hamaguchi erforscht in seinen Filmen das Wesen menschlicher Interaktion. Seine präzisen Beobachtungen von sozialer Kommunikation oder ihrem Scheitern haben ihn vom Festival-Geheimtipp zum gefeierten Filmemacher aufsteigen lassen. 2021 gewann er bei der „Berlinale“ für „Wheel of Fortune and Fantasy“ den „Großen Preis der Jury“; sein in Cannes fürs Drehbuch prämierter Film „Drive My Car“ läuft ab 23. Dezember in den deutschen Kinos.

Von Lukas Foerster

Im Schwebezustand - George Roy Hill

Unter den US-Regisseuren der 1960er- bis 1980er-Jahren ist der Name von George Roy Hill weit weniger bekannt als der mancher Kollegen. Dabei schenkte er dem Kino mit „Zwei Banditen“ und „Der Clou“ zwei Klassiker und drehte viele andere denkwürdige Filme. Am 20. Dezember 2021 wäre der Filmemacher mit einem Faible fürs Fliegen 100 Jahre alt geworden.

Von Michael Ranze