Personen des internationalen Films

Den Bilderstaub verachten: Guy Debord

Der französische Schriftsteller und Filmemacher Guy Debord (1931-1994) zählt zu den raren Bilderstürmern des Kinos, dessen radikale Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen auch vor dem Kino oder noch genereller dem Medium Film nicht Halt machte. Das Filmmuseum in Wien hat sich seines Werkes angenommen und ergänzt dies jetzt durch eine fulminante Buchedition, die das Feuer von Guy Debords situationistischem Eros neu entfachen kann.

Von Patrick Holzapfel

Weniger ist mehr

Der britische Schauspieler Ian Holm war ein Meister darin, auch Nebenrollen im Film zu begnadeten Darbietungen zu nutzen. Selbst bei kleinen Auftritten strich er souverän die Komplexität seiner Figuren heraus, wobei er die Reduktion dem exaltierten Ausbruch vorzog. In der Zusammenarbeit mit Autorenfilmern wie Atom Egoyan, David Cronenberg und Terry Gilliam interpretierte er gelegentlich auch eindrucksvolle Hauptrollen. Ruhm erwarb er sich mit „Alien“ und als Bilbo Beutlin in den „Herr der Ringe“-Filmen.

Ein Nachruf von Marius Nobach

Asif Kapadia

Heutige Berühmtheiten sind allesamt digitale Charaktere. Sie schauen dauernd auf sich selbst und machen permanent Selfies. Wir alle sind davon besessen, ein perfektes Bild zu hinterlassen und alles zu zerstören, was nicht perfekt ist. Dabei ist gerade das das Faszinierende.

Machine Gun Lover: Gena Rowlands - Hommage zum 90. Geburtstag

Am 19. Juni 2020 wird die Schauspielerin Gena Rowlands 90 Jahre alt. Als Hauptdarstellerin und Frau des Regisseurs John Cassavetes bildete sie mit ihm ein Paar, das wie kein anderes im US-Kino für die Auflehnung gegen Konventionen stand. Gena Rowlands prägte dabei das Bild der wehrhaften Frau, die sich gegen eine bedrängende Gesellschaft auflehnt. Eine Hommage an die Darstellerin, die dem Kino einige seiner ehrlichsten Momente schenkte.

Von Patrick Holzapfel

Erinnerungen an Marion Hänsel

Die belgische Regisseurin Marion Hänsel erkundete mit poetischen, literarisch beeinflussten Filmen die schweren Lasten von Familienbeziehungen und Traumata der Vergangenheit. Viele ihrer preisgekrönten Werke besaßen malerische und philosophische Qualitäten und näherten sich sensibel dem Geheimnis des Lebens. Ein Nachruf auf die im Alter von 71 Jahren verstorbene Filmemacherin.

Von Josef Nagel

Erinnerungen an Irm Hermann

Eine der freiesten und beweglichsten deutschen Schauspielerinnen ist tot: Irm Hermann (4.10.1942-26.5.2020) wurde von Fassbinder entdeckt und auf die Rolle der frustrierten Spießerin festgelegt. Doch sie wusste sich zu wehren, gewann Abstand und fand in Berlin Anschluss an viele interessante Milieus.

Von Ralf Schenk

Nachruf auf Renate Krößner

Der Part der unverdrossenen Schlagersängerin in „Solo Sunny“ war für Renate Krößner (17.5.1945-25.5.2020) die Rolle ihres Lebens. Doch auch sonst war die vielfältige Schauspielerin mit einem Temperament, „wie’s in unseren Breiten selten ist“, immer gut im Geschäft; wenn nicht auf der Leinwand oder im Fernsehen, so auf der Bühne, zunächst im Osten, später dann auch im Westen.

Von Ralf Schenk

Zum Tod von Lynn Shelton

Die US-amerikanische Independent-Regisseurin Lynn Shelton (27.8.1965-15.5.2020) galt als eine Ikone des Mumblecore-Films. Mit ihrem Do-it-yourself-Konzept hat sie sich gegen die Einflussnahme von außen geschützt und vielschichtige und kluge Beziehungskomödien geschaffen.

Von Sofia Glasl

Monsieur Cinéma

Rund 70 Jahre Filmgeschichte schrieb der französische Schauspieler Michel Piccoli mit, in denen er vom Marquis de Sade bis zum Papst und vom Giftmischer bis zum Charmeur unzählige denkwürdige Kinoauftritte versammelte. Als Favorit von Regisseuren wie Luis Buñuel, Marco Ferreri und Manoel de Oliveira war er im europäischen Autorenkino hochpräsent, glänzte aber auch immer wieder in kleinen Rollen, die seiner Vorliebe fürs Unberechenbare entsprachen. Am 12. Mai ist er im Alter von 94 Jahren gestorben.

Ein Nachruf von Josef Schnelle

Ruben Östlund: Die destruktive Natur des Menschen

Bei arte und in der arte-Mediathek sind derzeit diverse Lang- und Kurzfilme von Ruben Östlund zu sehen, fast eine kleine Werkschau, die das schmale, aber hochpräzise Filmschaffen des schwedischen Regisseurs zusammen fasst. Alle Filme Östlunds handeln von der modernen Gesellschaft und ihren Illusionen, von Verdrängungen und falschen Hoffnungen, unterdrückter Gewalt und verlorenen Perspektiven.

Eine Analyse von Rüdiger Suchsland

Jonathan Glazer & „The Fall“

Gerade mal drei Spielfilme hat der 1965 in London geborene Jonathan Glazer bislang gedreht – „Sexy Beast“, „Birth“ und „Under the Skin“, die entweder begeisterten oder vor den Kopf stießen. Glazer liebt es, die Grenzen des Darstellbaren auszutesten und in Bereiche vorzudringen, in denen die menschliche Ratio auf der Strecke bleibt. Sein jüngstes Werk, der Kurzfilm „The Fall“, ist jetzt auf MUBI zu sehen.

Von Michael Kohler