Personen des internationalen Films

Erinnerungen an Tatjana Turanskyj

Die Filmemacherin, Autorin und Produzentin Tatjana Turanskyi (27.7.1966-18.9.2021) war eine Ikone des feministischen Filmschaffens, die von ihrem Spielfilmdebüt „Eine flexible Frau“ (2010) an die Zwänge und Widersprüche thematisierte, in denen sich Frauen in der heutigen Gesellschaft wiederfinden. Mit der von ihr mitgegründeten Initiative „ProQuote Film“ stieß sie wichtige Diskussionen innerhalb des deutschen Fördersystems an.

Von Esther Buss

Kühl und leidenschaftlich

Sie drehte mit den ganz Großen Hollywoods – denn sie war selbst eine der Großen: Deborah Kerr, eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen der Traumfabrik in den 1940er- und 1950er-Jahren, wäre am 30. September 100 Jahre alt geworden. Ein schöner Anlass, sich ihr filmisches Werk nochmal in Erinnerung zu rufen.

Von Michael Ranze

Asif Kapadia

Heutige Berühmtheiten sind allesamt digitale Charaktere. Sie schauen dauernd auf sich selbst und machen permanent Selfies. Wir alle sind davon besessen, ein perfektes Bild zu hinterlassen und alles zu zerstören, was nicht perfekt ist. Dabei ist gerade das das Faszinierende.

Der jungen Generation eine Stimme geben - Slater Jewell-Kemker

In „Youth Unstoppable“ porträtiert die kanadische Umweltaktivistin Slater Jewell-Kemker die weltweite Jugendklimaschutzbewegung. Seit sie selbst als Jugenddeligierte an einer UN-Klimakonferenz teilnahm, hielt sie ihre Eindrücke mit der Kamera fest. Über zwölf Jahre hinweg entstand so eine einzigartige Chronik der Entwicklung einer politischen Massenbewegung aus einer Innensicht heraus.

Das Gespräch führte Reinhard Kleber

Nachruf auf Mario Camus

Der spanische Regisseur Mario Camus war ein nüchterner Filmemacher, der nichts von Schnörkeln und Experimenten hielt. Obwohl er in den 1960er-Jahren zum „Nuevo Cine Español“ gerechnet wurde und durchaus erfolgreich Musikfilme oder Italo-Western inszenierte, ist sein Name vor allem mit Literaturverfilmungen verbunden. Für eine von ihnen, „Der Bienenkorb“, gewann er 1982 bei der „Berlinale“ den „Goldenen Bären“. Im Alter von 86 Jahren ist er in seiner Heimatstadt Santander jetzt gestorben.

Von Wolfgang Hamdorf

Komödie ist ein Überlebenselixier - Anders Thomas Jensen

Als Drehbuchautor verbindet der Däne Anders Thomas Jensen gern existenzielle Grenzsituationen mit schwarzem Humor. In dem von ihm auch selbst inszenierten Film „Helden der Wahrscheinlichkeit“ erzählt er von einem U-Bahn-Unglück, das die Familie eines Soldaten auseinanderreißt und einen exzentrischen Mathematiker und dessen Hacker-Freunde mit einer Verschwörungstheorie auf den Plan ruft. Ein Gespräch über Wahrscheinlichkeiten, Spiele mit Genre-Grenzen und den Wert von Humor.

Von Margret Köhler

Ins Auge, in den Bauch, ins Gehirn - Denis Villeneuve

Spätestens seit seinen Science-Fiction-Erfolgen „Arrival“ und „Blade Runner 2049“ ist der Kanadier Denis Villeneuve zu einer eigenen Marke im aktuellen Blockbusterkino geworden; ähnlich wie Ridley Scott oder Christopher Nolan ist er ein „auteur“ im Mainstream. Sein Epos „Dune“ ließ Anfang des Monats beim Filmfestival Venedig den Lido beben und ist nun gerade in den Kinos gestartet. Anlass für ein Werkporträt.

Von Stefan Stiletto

Bildungs-Utopie - Maria Speth

In ihrem Dokumentarfilm „Herr Bachmann und seine Klasse“ taucht die Regisseurin Maria Speth in den Unterricht der multikulturell zusammengesetzten 6b in der hessischen Kleinstadt Stadtallendorf ein. Über die dreieinhalb Stunden werden die Entwicklungen der Schüler und die sanften Methoden des Lehrers Dieter Bachmann beobachtet. Ein Gespräch über das außergewöhnliche Projekt, das auf der „Berlinale“ 2021 den „Preis der Jury“ gewann.

Von Ralf Schenk

Nachruf auf den Trickfilmer Lutz Stützner

Der Dresdner Trickfilmer und Cartoonist Lutz Stützner gehörte zur letzten Regie-Generation des DEFA-Studios für Trickfilme in Dresden. Mit einigen seiner um 1989/90 entstandenen satirischen Animationsfilme schaffte er es sogar ins New Yorker Museum of Modern Art. Nach der Abwicklung des Studios arbeitete er an Filmprojekten verschiedener Auftraggeber, war Mitbegründer und Wegbegleiter des Deutschen Instituts für Animationsfilm Dresden (DIAF) und kümmerte sich intensiv um junge Kreative. Am 6. September ist er unerwartet verstorben.

Von Ralf Schenk

Le Magnifique: Zum Tode von Jean-Paul Belmondo

Sein breites Lächeln und ein ungebrochener Tatendrang kennzeichneten den französischen Schauspieler Jean-Paul Belmondo bis ins hohe Alter, auch eine sympathische Herzlichkeit und der kleine Schalk in den Augenwinkeln. Der Draufgänger verzauberte mit seiner locker-dreisten Art Filmkunst- wie Unterhaltungsregisseure und spielte sich in die Herzen des Publikums. Am Montag, 6. September 2021, ist er im Alter von 88 Jahren in Paris gestorben.

Von Marius Nobach

Absurde Agentenspiele - Johannes Naber

Der Irakkrieg 2003 wurde von den USA mit falschen Behauptungen über Massenvernichtungswaffen vom Zaun gebrochen, deren Ursprung ein Informant des deutschen Bundesnachrichtendienstes war. Regisseur Johannes Naber arbeitet in seinem Film „Curveball – Wir machen die Wahrheit“ (ab 9. September im Kino) die Geschichte als Geheimdienstfarce auf. Ein Gespräch über seinen Film, das Verhältnis von Drama und Groteske und die Wichtigkeit der „vierten Gewalt“.

Von Bettina Hirsch