Personen des internationalen Films

Sandra Hüller, Hanns Zischler in "Vaterland"

Die Stunde der Außenseiter - Henk Handloegten über „Vaterland“

Beim Historiendrama „Vaterland“ (seit 3. September im Kino) unterstützte der deutsche Filmemacher Henk Handloegten den polnischen Regisseur Pawel Pawlikowski beim Drehbuch. Bei diesem Stoff über Thomas Mann und die Nachkriegszeit ging er ähnlich vor wie bei der Zusammenarbeit mit Achim von Borries und Tom Tykwer zur Serie „Babylon Berlin“, deren 5. Staffel demnächst in der ARD-Mediathek zu sehen ist. Ein Gespräch über historische Stoffe und das Spannungspotenzial in Zeiten des Umbruchs.

Von Kira Taszman

Jean-Paul Rappeneau mit Gérard Depardieu beim „Cyrano de Bergerac“-Dreh

Nachruf auf Jean-Paul Rappeneau

In Frankreich gehörte Jean-Paul Rappeneau zu den ganz großen Filmemachern, der seine Karriere als Drehbuchautor für Philippe de Broca oder Louis Malle begann, als die Nouvelle Vague das französische Kino neu definierte. Fast jeder der nur acht Spielfilme unter seiner Regie war über einen Zeitraum von 50 Jahren ein Großereignis. Er drehte mit so ikonischen Stars wie Jean-Paul Belmondo, Catherine Deneuve und Gérard Depardieu und seine Filme waren opulent, aufwendig, teuer und fast alle erfolgreich.

Von Jörg Taszman

Porträt von „Rolf Peter Kahl “
Rolf Peter Kahl

Man muss Filme, die von geschichtlichen Ereignissen handeln, so umsetzen, dass sie auch ein junges Publikum ansprechen. Also mit filmischen Mitteln, die es kennt. Gerade auch, wenn es um den Holocaust geht.

Tim Curry in "The Rocky Horror Picture Show"

Mr. Flamboyant - Zum Tod von Tim Curry

Der britische Schauspieler Tim Curry ist am 25. August im Alter von 80 Jahren gestorben. Die Rolle seines Lebens war der exaltierte Frank N. Furter im Rockmusical „The Rocky Horror Picture Show“ (1975). Auf dieses extravagante Debüt folgten etliche weitere Film-, Fernseh- und Bühnenauftritte, auch wenn der Darsteller mit seinem überschäumenden Spiel nicht leicht zu besetzen war. Von seiner Spielfreude profitierten insbesondere süffisante Schurken wie Long John Silver oder der böse Clown in „Es“.

Von Marius Nobach

Yayoi Kusama bei der Arbeit an My Eternal Soul (2009-2021), 2017

Im Rausch der Selbstauflösung - Yayoi Kusama & die Filmavantgarde

Am 14. August 2026 ist die japanische Künstlerin Yayoi Kusama verstorben – kurz nachdem am 2. August im Kölner Museum Ludwig eine Ausstellung ihrer Werke mit einem Besucherrekord zu Ende gegangen war. Doch nicht nur in der Kunst, auch in der Filmavantgarde hat Yayoi Kusama Spuren hinterlassen. Nicht zuletzt in Form des 23-minütigen Kurzfilms „Kusama’s Self-Obliteration“, der in Zusammenarbeit mit dem Experimentalfilmer Jud Yalkut entstand.

Von Daniel Kothenschulte

Der Musiker und Filmemacher Brezel Göring

Alle Macht der Super-8

Der Musiker Brezel Göring von der Band „Stereo Total“ hat mit „Für immer 16“ ein Romanfragment seiner 2021 verstorbenen Partnerin Françoise Cactus auf Super-8 verfilmt. In der Low-Budget-Komödie geht es um ein Trio, das beim Urlaub in Palermo spontan einen Serienkillerinnen-Film dreht. Der Rückgriff aufs Schmalfilm-Format knüpft dabei an die reiche Tradition des selbstreflexiven Kinos an und erinnert an die verschütteten Möglichkeiten eines einfacheren, aber unabhängigen Filmemachens.

Von Ulrich Kriest

Poster-Ausschnitt aus Jane Schoenbruns „I Saw the TV Glow“

Im Bann der Bildschirme - Jane Schoenbrun im Porträt

Jane Schoenbrun wuchs in den 1990er-Jahren mit Internetforen, Fernsehserien und Horrorfilmen auf. In den Dokumentar- und Spielfilmen von Schoenbrun lässt sich dies erkennen: Popkulturelle Prägungen werden zu sinnstiftenden Elementen für meist unsichere Figuren, Realität und Fiktion verschwimmen, und aus Teilen von Schoenbruns eigener Biografie entsteht zugleich ein zutiefst queeres (Horror-)Kino. Ein Werkporträt anlässlich des Kinostarts von „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“.

Von Felix Knorr

Bella Ramsey in "Sunny Dancer"

Einzigartige Energie - Interview mit George Jaques

Mit „Sunny Dancer” (ab 13. August im Kino) präsentiert der 2000 geborene Regisseur George Jaques einen mutigen Spielfilm über krebskranke Jugendliche. Bella Ramsey spielt in dem lebensbejahenden Coming-of-Age-Drama eine 17-Jährige, die in einem Sommercamp gemeinsam mit fünf anderen Teenagern eine unvergessliche Zeit erlebt. Im Interview spricht der Filmemacher über seine Arbeit mit den Schauspielern und die Bedeutung von Rhythmus und Tempo.

Von Susanne Gietl

Isabella Rossellini, 2025 beim Filmfestival in Stockholm

Faszination fürs Kreatürliche - Porträt von Isabella Rossellini

Aus dem Schatten ihrer Eltern Roberto Rossellini und Ingrid Bergman spielte sich Isabella Rossellini mit ihrem Auftritt in „Blue Velvet“ frei. Durch eine ambitionierte Rollenauswahl schaffte sie es im Lauf ihrer langen Karriere, nicht auf ihre Supermodel-Schönheit reduziert zu werden, und glänzt mit eigenen künstlerischen Projekten, in die sie ihre Faszination für die Verhaltensforschung einfließen lässt.

Von Esther Buss

Szene aus „Everytime“

Ob die Welt auf uns schaut? - Sandra Wollner über „Everytime“

Mit „Das unmögliche Bild“ und „The Trouble with Being Born“ hat sich die 1983 geborene Filmemacherin Sarah Wollner als eine der interessantesten Stimmen des deutschsprachigen Kinos profiliert. Ihr neuer Film „Everytime“ feierte 2026 in Cannes Premiere und läuft ab 6. August in den deutschen Kinos. Ein Gespräch über das ungewöhnliche Trauer-Drama, in dem der Tod einer jungen Frau das Leben ihrer Lieben radikal verändert – und die Welt sich einfach weiterdreht.

Von Kamil Moll

Werner Enke in "Zur Sache, Schätzchen"

Das hohe Lob des Nichtstuns - Werner Enke

Mit nur fünf Filmen in sechzehn Jahren hat sich Werner Enke als Schauspieler und Drehbuchautor in die deutsche Filmgeschichte gemogelt. Als Karriereverweigerer galt er eine Weile sogar als Vorbild und hinterließ mit seiner sprachlichen Improvisationsvirtuosität sogar in der Alltagssprache Spuren. Nach langer Krankheit ist der Apologet des interessanten Nichtstuns im Alter von 85 Jahren am 20. Juli 2026 in München gestorben.

Von Ulrich Kriest