Personen des internationalen Films

Die Kunst der Clownerie - Giulietta Masina

Weltberühmt wurde sie als Gelsomina in dem Melodram „La Strada“ (1954), das sie zusammen mit ihrem Ehemann Federico Fellini drehte. Ihr traurig-fröhliches Clownsgesicht wurde zur ikonischen Persona der italienischen Schauspielerin Giulietta Masina. Doch ihre Darstellerinnenkunst erschöpfte sich keineswegs im Tragikomischen. Eine Würdigung einer großen Schauspielerin, die allzu lange im Schatten von Fellini stand. Am 22. Februar wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Von Thomas Klein

Zum Tod von Cloris Leachman

Die US-Schauspielerin Cloris Leachman schätzte Herausforderungen und die Abwechslung bei ihrer Arbeit, sodass ihr die Studie einer einsamen Frau in „Die letzte Vorstellung“ genauso denkwürdig gelang wie zahlreiche Auftritte in Sitcoms, als groteske Schurkinnen-Karikatur bei Mel Brooks oder in eigenwilligen Großmütter-Rollen.

Von Marius Nobach

Asif Kapadia

Heutige Berühmtheiten sind allesamt digitale Charaktere. Sie schauen dauernd auf sich selbst und machen permanent Selfies. Wir alle sind davon besessen, ein perfektes Bild zu hinterlassen und alles zu zerstören, was nicht perfekt ist. Dabei ist gerade das das Faszinierende.

Erinnerungen an Hal Holbrook

Der US-amerikanische Darsteller Hal Holbrook flößte mit seinem aristokratischen Aussehen und einer sonoren Stimme schon durch seine bloße Erscheinung Respekt ein und war im Kino immer wieder als Autoritätsfigur zu sehen. Seine wohl berühmteste Leinwandrolle spielte er mit reduzierten Mitteln und im Halbschatten als Watergate-Informant in „Die Unbestechlichen“. Durch präzise, hochemotionale Leistungen hinterließ er stets bleibenden Eindruck.

Von Marius Nobach

Komplize, Träumer, Seismograf: Zum Tod von Jean-Claude Carrière

Er war einer der ganz großen Kino-Auteurs des 20. Jahrhunderts, der Luis Buñuel die Bedeutung der Träume erschloss und mit Volker Schlöndorff „Die Blechtrommel“ in eine filmische Form goss. Dennoch darf man den leidenschaftlichen Geschichtenzähler Jean-Claude Carriére nicht auf die Rolle eines genialen Drehbuchautors reduzieren, der an nahezu 100 Filmen mitgewirkt hat. Von seiner bleibenden Bedeutung als Seismograf gesellschaftlicher Prozesse zeugen auch die sechzig Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Essays aus seiner Feder.

Ein Nachruf von Rainer Gansera

Nachruf auf Christopher Plummer

Als einer der bedeutendsten Interpreten des amerikanischen Theaters schätzte der kanadische Schauspieler Christopher Plummer das Kino als Spielbühne, um in kleinen und großen Auftritten unterschiedlichste Charaktere zu zeichnen. Von seinem Publikumserfolg in „Sound of Music“ über hinreißende Leinwandschurken bis zu grandiosen Altersrollen prägte er das Kino über knapp sechs Jahrzehnte mit nie versiegender Vielseitigkeit. Ein Nachruf.

Von Jens Hinrichsen

Gaukler im Fieber - Thorsten Merten

Unter den deutschen Darstellern ist kaum jemand in Kino und Fernsehen so omnipräsent wie der 1963 geborene Thorsten Merten. Am Montag, 8. Februar, ist er als Ermittler im ZDF-„Spreewaldkrimi“ zu sehen. Er ist Teil des Weimarer „Tatort“-Teams, er spielt in Serien von „Babylon Berlin“ bis „Das letzte Wort“ mit, er brilliert als Stammschauspieler bei Andreas Dresen oder glänzt in Kinofilmen wie „Curveball“ in denkwürdigen Nebenrollen. Über einen Meister der verlässlichen und doch immer wieder überraschenden Auftritte.

Von Cosima Lutz

Es geschah in einer Kino-Nacht - Clark Gable

„Dear Mr. Gable, You Made Me Love You“, flötete Judy Garland in „Broadway Melody of 1938“ – und sang vielen Zeitgenossinnen aus dem Herzen: Clark Gable war in den 1930er-Jahren der „King of Hollywood“, gipfelnd in seiner Verkörperung des Rhett Butler in „Vom Winde verweht“. Der Machismo der Glücksritter, die er immer wieder verkörperte, fällt aus heutiger Sicht zwar oft in die Kategorie „toxische Männlichkeit“; die ironische Lässigkeit und das Charisma des Stars sind indes noch immer reizvoll.

Von Jens Hinrichsen

Die Erlaubnis zum Träumen: Zum Tod von Cicely Tyson

Weil sie die erste war, wird es nie eine letzte geben. Mit 96 Jahren ist die große afroamerikanische Schauspielerin Cicely Tyson gestorben. Ihre Biografie ist nicht nur eine beeindruckende Geschichte des 20. Jahrhunderts, sie verrät auch viel über die noch immer existierenden Fallstricke der Repräsentationspolitik.

Von Till Kadritzke

Weil das Universum indifferent ist

Im Corona-Jahr 2020 gehörte „Beginning“, das Spielfilmdebüt der 1986 geborenen Georgierin Dea Kulumbegashvili, zu den meistbeachteten Festivalpremieren mit Preisen in San Sebastián, Toronto und Mannheim-Heidelberg. Mit hohem Stilwillen beschreibt die Regisseurin das Leben einer Zeugin Jehovas aus einem georgischen Bergdorf, die durch Überfälle auf ihre Gemeinde und sich selbst alle Gewissheiten verliert. Der Film läuft ab 29. Januar exklusiv beim Streamingdienst Mubi.

Von Wolfgang Hamdorf

Zum Tod von Gunnel Lindblom

Die schwedische Schauspielerin Gunnel Lindblom wurde in den 1950er-Jahren Teil von Ingmar Bergmans Filmfamilie und spielte ihre berühmteste Rolle in seinem Skandalerfolg „Das Schweigen“. In Filmen ihrer Kollegin Mai Zetterling nutzte sie die Chance, um konventionelle Frauenrollen aufzubrechen, und setzte mit ambitionierten Inszenierungen eigene Akzente im schwedischen Kino.

Von Josef Nagel