Personen des internationalen Films

Der König und der Hampelmann - Franz Rogowski

Franz Rogowski ist in den letzten Jahren zu einem der meistbegehrten deutschen Darsteller geworden. Für Sebastian Meises Drama „Große Freiheit“ (ab 18.11. im Kino) wurde er für den „Europäischen Filmpreis“ nominiert. Darin spielt er einen Homosexuellen, der wegen des berüchtigten Strafrechtsparagraphen 175 immer wieder ins Gefängnis kommt. Ein Gespräch über Freiheitsvorstellungen und einen ungewöhnlichen Werdegang.

Das Gespräch führte Margret Köhler

Der Blender

In seinem 1969 erschienenen Buch „Erinnerungen“ entwarf der NS-Rüstungsminister Albert Speer das Selbstbild eines „guten Nazis“, der in schwierigen Zeiten lediglich schwierige Entscheidungen getroffen habe. Die israelische Filmemacherin Vanessa Lapa demaskiert diesen Mythos in „Speer Goes to Hollywood“, indem sie die Tonbänder mit Interviews von Speer und dem US-Drehbuchautor Andrew Birkin zum Sprechen bringt, die entstanden, als Paramount Speers Memoiren verfilmen wollte.

Von Wolfgang Hamdorf


Asif Kapadia

Heutige Berühmtheiten sind allesamt digitale Charaktere. Sie schauen dauernd auf sich selbst und machen permanent Selfies. Wir alle sind davon besessen, ein perfektes Bild zu hinterlassen und alles zu zerstören, was nicht perfekt ist. Dabei ist gerade das das Faszinierende.

Zum Tod von Dean Stockwell

Der US-amerikanische Schauspieler Dean Stockwell durchlebte eine Karriere mit mehreren Erfolgsphasen, die von langen Durststrecken unterbrochen wurden. In den 1940er-Jahren zeigte er schon als Kind herausragendes Talent, als junger Erwachsener glänzte er mit sensiblen Porträts, doch dauerhaft konnte er sich erst ab Mitte der 1980er-Jahre als vielseitiger Charakterdarsteller in Filmen wie „Paris, Texas“ und „Blue Velvet“ etablieren.

Von Marius Nobach

Nachruf auf Tamara Trampe

Ohne die Dramaturgin und Regisseurin Tamara Trampe wäre der deutsche Dokumentarfilm der letzten Jahrzehnte nicht möglich gewesen. Als viel gefragte und hoch geschätzte Beraterin stand sie vor allem jungen Dokumentarfilmschaffenden zur Seite. Zugleich drehte sie filmische Essays, die stets aus persönlicher Betroffenheit und Anteilnahme resultierten. Am 4. November ist sie im Alter von 79 Jahren nach langer schwerer Krankheit verstorben.

Von Ralf Schenk

Die Renaissance-Frau - Vicky Krieps

Die 1983 in Luxemburg geborene Schauspielerin Vicky Krieps wurde 2017 durch ihre Hauptrolle in Paul Thomas Andersons „Der seidene Faden“ schlagartig international bekannt: Als widerspenstige Muse eines egozentrischen Modedesigners verblüffte sie die Zuschauer. Seitdem hat die Karriere der Darstellerin mit dem markanten Gesicht und dem leisen Spiel mächtig Fahrt aufgenommen, aktuell spielt sie die Hauptrolle in Mia Hansen-Løves Drama „Bergman Island“.

Von Esther Buss

Ein Rätsel mit ausgefülltem Leben - Ildikó Enyedi

Die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi hat sich nach ihrem „Berlinale“-Gewinn 2017 mit „Körper und Seele“ für ihren neuen Film „Die Geschichte meiner Frau“ einen bekannten Roman als Vorlage ausgesucht. Darin entfaltet sich ein Panorama der 1920er-Jahre um einen Kapitän, der über eine spontane Wette zum Ehemann einer Frau wird und von ihrem rätselhaften Verhalten überfordert ist.

Das Gespräch führte Michael Ranze

Essenz des Lebens - Janna Ji Wonders

Die Filmemacherin Janna Ji Wonders porträtiert in ihrem Dokumentarfilm „Walchensee Forever“ ein Jahrhundert ihrer Familiengeschichte: Von der Urgroßmutter, die 1920 ein Ausflugscafé am bayrischen Walchensee eröffnete, über die pflichtbewusste Großmutter sowie Mutter und Tante, die sich in den 1960er-Jahren auf Selbstfindung begaben, bis zu sich selbst und ihrer Tochter. Ein Gespräch über eine faszinierende Chronik weiblicher Emanzipation und Vergangenheitsaufarbeitung zwischen Schmerz und Befreiung.

Von Bettina Hirsch

Abbas Kiarostami: Das Kino und sein Band zur Welt

„Der Film beginnt mit D.W. Griffith und endet mit Abbas Kiarostami.“ Dieses Zitat, das Jean-Luc Godard zugeschrieben wird, verdeutlicht den filmhistorischen Stellenwert der iranische Drehbuchautor und Regisseur Abbas Kiarostami. Aktuell widmen das Berliner Kino Arsenal und der Streaming-Dienst LaCinethek ihm eine Retrospektive. Anlass für ein Porträt eines filmischen Werks, das kongenial die Interaktion zwischen Kino und Leben auslotet.

Von Lukas Foerster

Der perfekte Entertainer - Yves Montand

Yves Montand war bereits Frankreichs beliebtester junger Chansonnier, als er Anfang der 1950er-Jahre mit „Lohn der Angst“ auch als Schauspieler zum Star wurde. Bei seinen Filmen schätzte Montand vor allem Stoffe, die seinem politischen Engagement entsprachen, ohne dabei neben dem Anspruch die Unterhaltsamkeit zu vernachlässigen. Am 13.10.2021 wäre er 100 Jahre alt geworden. Erinnerungen an einen vielseitigen Künstler.

Von Michael Ranze

Erinnerungen an Tatjana Turanskyj

Die Filmemacherin, Autorin und Produzentin Tatjana Turanskyi (27.7.1966-18.9.2021) war eine Ikone des feministischen Filmschaffens, die von ihrem Spielfilmdebüt „Eine flexible Frau“ (2010) an die Zwänge und Widersprüche thematisierte, in denen sich Frauen in der heutigen Gesellschaft wiederfinden. Mit der von ihr mitgegründeten Initiative „ProQuote Film“ stieß sie wichtige Diskussionen innerhalb des deutschen Fördersystems an.

Von Esther Buss