Personen des internationalen Films

Zum Tode von Robert Forster

Als Meister des klugen Minimalismus war der 1941 geborene Schauspieler ein gefragter Charakterkopf Hollywoods. Nachdem er bereits in den späten 1960ern reüssiert hatte, verhalf ihm nach einem Karrieretief Quentin Tarantino mit „Jackie Brown“ zu einem Comeback. Sein letzter Auftritt im „Breaking Bad“-Sequel „El Camino“ ist am 11.10. bei Netflix gestartet – dem Tag, an dem der Mime im Alter von 78 Jahren verstorben ist.

Von Marius Nobach

Interview mit Cristi Puiu

Der rumänische Regisseur Cristi Puiu zählte mit dem makabren Drama „Der Tod des Herrn Lazarescu“ (2005) zu den Begründern der „Rumänischen Welle“. Sein jüngstes Werk „Sieranevada“, das 2016 beim Filmfestival in Cannes im Wettbewerb uraufgeführt wurde, fand in Deutschland nichts ins Kino. Im Interview skizziert der Regisseur seine filmische Ästhetik und setzt sie zur Situation in Rumänien in Bezug.

Das Gespräch führte Marius Nobach

Asif Kapadia

Heutige Berühmtheiten sind allesamt digitale Charaktere. Sie schauen dauernd auf sich selbst und machen permanent Selfies. Wir alle sind davon besessen, ein perfektes Bild zu hinterlassen und alles zu zerstören, was nicht perfekt ist. Dabei ist gerade das das Faszinierende.

Günter Kunert (6.3.1929-21.9.2019)

Der Lyriker und Schriftsteller Günter Kunert war auch ein streitbarer Drehbuchautor, der mit satirischen Beiträgen zur Kurzfilmreihe „Das Stacheltier“ begann, Krimis, Fernseh- und Kinofilme als Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse nutzte und auch Freude an experimentellen Zugriffen entwickelte.

Von Ralf Schenk

Das Schweigen brechen

Der französische Regisseur François Ozon greift in „Gelobt sei Gott“ (Kinostart: 26.9.) einen Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in Lyon auf, der die französische Justiz beschäftigt und die Öffentlichkeit erschüttert. Er erzählt von Opfern, die nach Jahren der Scham und des Schweigens Gerechtigkeit fordern. Die „Berlinale“ ehrte das Drama mit dem „Großen Preis der Jury“.

Das Gespräch führte Margret Köhler

Kraft aus Verwundbarkeit

Mit 55 Jahren ist Brad Pitt mittlerweile mehr als Produzent denn als Hollywood-Star unterwegs, seine Auftritte in Filmen sucht er sich sorgfältig aus. In James Grays meditativem Weltraumepos „Ad Astra – Zu den Sternen“ (seit 19.9. im Kino) spielt er den Astronauten Roy McBride, der zum Neptun aufbricht, um seinen verschwundenen Vater zu suchen. Ein Gespräch über die Herausforderungen ambivalenter Charaktere und den Frust über fehlende Risikobereitschaft.

Das Gespräch führte Margret Köhler

„Die Zeit ist zu kostbar“

Der junge Regisseur Anatol Schuster gehört zu den Senkrechtstartern unter den deutschen Filmemachern. In seinem zweiten Spielfilm „Frau Stern“ (Start am 29.8.) mischt er dokumentarische und fiktionale Mittel zum humorvollen Porträt einer 90-jährigen Berliner Jüdin mit Todessehnsucht, die über ihre Enkeltochter neue Lebenslust gewinnt. Ein Gespräch über den Film, der zugleich eine Hommage an die Hauptdarstellerin Ahuva Sommerfeld ist, die zum ersten Mal vor der Kamera stand.

Das Gespräch führte Julia Teichmann

„Italien ist ein Staat, der versagt“

Seit seinem Buch „Gomorrha“ (2006) steht der italienische Journalist Roberto Saviano auf der Todesliste der Mafia. Obwohl er sich seitdem nicht mehr ohne Leibwache bewegen kann, analysiert er weiterhin die krakenhafte Macht der Mobster. In „Paranza – Der Clan der Kinder“ (ab 22. August in den Kinos) widmet er sich Heranwachsenden aus der verarmten Mittelschicht, die schon als Teenager bei der Camorra anheuern.

Das Gespräch führte Margret Köhler

Der wilde Engel

Mit "Easy Rider" (1969) löste sich Peter Fonda aus dem Schatten seines berühmten Vaters Henry Fonda und wurde seinerseits zur Ikone des "New Hollywood". Der Schauspieler, der auch einige eigene Regiearbeiten ablieferte, war zugleich Seismograph und melancholischer Chronist der Hippiebewegung. Am 16. August 2019 ist er verstorben.

Von Rüdiger Suchsland

Mit Behutsamkeit. Hans Wintgens Filmbeobachtungen der DDR

In jüngster Zeit wird das Filmschaffen des bislang wenig bekannten DEFA-Dokumentaristen Hans Wintgen entdeckt. Die Autorin Anne Barnert nähert sich dem Werk mit gründlichen Sichtungen und lange Gesprächen mit Wintgen. Ihr schmaler Band ist ein wichtiger Beitrag zur deutschen Dokumentarfilmgeschichte.

Zum Tode von Jean-Pierre Mocky (6.7.1933-8.8.2019)

Der französische Regisseur Jean-Pierre Mocky drehte rund 60 Filme in ebenso vielen Jahren und machte in seinen bissigen Satiren und makabren Farcen vor keinem Tabu und keiner gesellschaftlichen Institution Halt. Trotz großer Flops und mancher durchwachsener Werke bewährte sich Mocky als einzigartige Stimme im französischen Kino, die kompromisslos mit den Mitteln der Komik gegen Korruption, Heuchelei und Selbstgerechtigkeit ins Feld zog. Ein Nachruf.

Von Marius Nobach