Personen des internationalen Films

Zum Tod von Lynn Shelton

Die US-amerikanische Independent-Regisseurin Lynn Shelton (27.8.1965-15.5.2020) galt als eine Ikone des Mumblecore-Films. Mit ihrem Do-it-yourself-Konzept hat sie sich gegen die Einflussnahme von außen geschützt und vielschichtige und kluge Beziehungskomödien geschaffen.

Von Sofia Glasl

Jonathan Glazer & „The Fall“

Gerade mal drei Spielfilme hat der 1965 in London geborene Jonathan Glazer bislang gedreht – „Sexy Beast“, „Birth“ und „Under the Skin“, die entweder begeisterten oder vor den Kopf stießen. Glazer liebt es, die Grenzen des Darstellbaren auszutesten und in Bereiche vorzudringen, in denen die menschliche Ratio auf der Strecke bleibt. Sein jüngstes Werk, der Kurzfilm „The Fall“, ist jetzt auf MUBI zu sehen.

Von Michael Kohler

Asif Kapadia

Heutige Berühmtheiten sind allesamt digitale Charaktere. Sie schauen dauernd auf sich selbst und machen permanent Selfies. Wir alle sind davon besessen, ein perfektes Bild zu hinterlassen und alles zu zerstören, was nicht perfekt ist. Dabei ist gerade das das Faszinierende.

Zum Tod von Irrfan Khan

Der Tod des erst 53-jährigen indischen Schauspielers, der sich auch in Hollywood einen festen Platz erobert hatte, schockiert die Filmwelt. Viele schätzten seine Bescheidenheit und Integrität; in Indien wurde Irrfan Khan als großer Star verehrt.

Von Josef Nagel

Zum Tode von Otto Mellies

Der aus Pommern stammende Schauspieler Otto Mellies war in der DDR ein gefeierter Menschengestalter, der seinen Figuren in klassischen Dramen, Gegenwartsstoffen und Komödien subtile Nuancen verleihen konnte. Auch nach der Wende blieb er ein vielbeschäftigter Darsteller, der unter anderem in „Halt auf freier Strecke“ als Vater eines todkranken Mannes berührte und mit seiner sonoren Stimme ein gefragter Sprecher war.

Ein Nachruf von Ralf Schenk

Nachruf auf Gene Deitch

„Don’t conform! Do it your way!“ war das Motto des Animationsfilmers Gene Deitch. Der gebürtige US-Amerikaner wechselte um 1960 in die Tschechoslowakei, wo er der günstigeren Produktionsbedingungen und der Liebe wegen blieb, seinen „Oscar“-geehrten Film „Munro“ schuf und an einer ersten „Hobbit“-Adaption arbeitete. Erinnerungen an einen Mann, dessen Arbeit zahlreiche andere Trickfilmer inspirierte.

Von Johannes Wolters

Zum Tod von Brian Dennehy

Der hünenhafte US-amerikanische Darsteller und Theaterstar Brian Dennehy (9.7.1938-15.4.2020) war eine stets markante Erscheinung in Kinofilmen, dem mit der Rolle des gnadenlosen Sheriffs in „Rambo“ der Durchbruch gelang. Neben weiteren Auftritten als Gesetzesvertreter jedes Kalibers wurde er oft als gewalttätige Vaterfigur besetzt, spielte aber auch sympathische und vielschichtige Figuren wie in Peter Greenaways „Der Bauch des Architekten“. Ein Nachruf.

Von Marius Nobach

Zum Tod von Bruce Baillie

Als Co-Gründer des in San Francisco ansässigen Canyon Cinema ging der US-amerikanische Filmemacher Bruce Baillie (24.9.1931-10.4.2020) in die Geschichte ein. Doch die Spuren seiner Filme finden sich bei so unterschiedlichen Regisseuren wie George Lucas, Stan Brakhage oder Apichatpong Weerasethakul. Ein Nachruf auf einen Outlaw, für den das Zeigen und Drehen von Filmen untrennbar zusammengehörte.

Von Patrick Holzapfel

Nachruf auf den Schweizer Filmemacher Francis Reusser

Der Schweizer Filmemacher Francis Reusser zählte zum erweiterten Umfeld der legendären „Groupe 5“, die in den 1960er-Jahren das neue Gesicht des Schweizers Kinos prägte und den revolutionären Geist aus Paris nach Genf trug. Als Verfechter eines politisch engagierten Kinos drehten sich seine Filme zeitlebens um Fragen von Identität und Erinnerung.

Von Josef Nagel

In memoriam Sarah Maldoror

Die französische Filmemacherin wurde in den 1970er-Jahren mit ihren Filmen „Monangambée“ (1969) und „Sambizanga“ (1972) zur prägenden Regisseurin des neuen afrikanischen Kinos oder vielmehr eines Kinos für das neue Afrika bzw. einer schwarzen Identität. Das Bewegtbild-Medium nutzte sie nicht zuletzt als Mittel, um eingefahrene Bilder in den Köpfen herauszufordern und politisch-gesellschaftlich etwas in Bewegung zu bringen. Am 13. April ist sie an den Folgen von Covid-19 verstorben.

Von Stephan Ahrens

Zum Tode von Dieter Laser (17.2.1942-29.2.2020)

Der deutsche Schauspieler Dieter Laser wurde mit nur wenigen Filmauftritten in den 1970er-Jahren einer der prägnantesten Interpreten des Neuen deutschen Films, der u.a. in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und „Die gläserne Zelle“ brillierte. Später spielte er Nazis und andere furchteinflößende Bösewichte. Ein Nachruf.