Personen des internationalen Films

Zum Tode von Ned Beatty

Im US-Kino gehörte der Schauspieler Ned Beatty ab den 1970er-Jahren zu den beliebtesten Nebendarstellern. John Boorman, Robert Altman, Sidney Lumet und zahlreiche andere Filmemacher profitierten von Charme und Vielseitigkeit des rundlichen Darstellers aus Kentucky, der zwischen Verwundbarkeit und Autorität, Liebenswürdigkeit und Bedrohlichkeit alle Nuancen ausspielen konnte.

Von Marius Nobach

Alles ist erlaubt - Peter Strickland

Der 1973 geborene britische Filmemacher Peter Strickland ist eine besondere Erscheinung im europäischen Kino. Als profunder Kenner des Genrefilms der 1970er-Jahre, insbesondere von Horrorfilmen und Krimis, gestaltet er eigentümliche Hommagen, die er in unerwartete Richtungen führt. Auch in seinem jüngsten Film „Das blutrote Kleid“, der in Deutschland auf DVD und Blu-ray erscheint, bleibt er sich mit einer Erzählung über ein Textil mit gefährlichem Eigenleben selbst treu.

Von Michael Ranze

Asif Kapadia

Heutige Berühmtheiten sind allesamt digitale Charaktere. Sie schauen dauernd auf sich selbst und machen permanent Selfies. Wir alle sind davon besessen, ein perfektes Bild zu hinterlassen und alles zu zerstören, was nicht perfekt ist. Dabei ist gerade das das Faszinierende.

Bob Dylan - In Zerrspiegeln von 80 Jahren

Am 24. Mai 2021 wird Bob Dylan 80 Jahre alt. Zu seiner singulären Erscheinung als Poet und Performer des US-amerikanischen Unterbewusstseins gehört auch seine facettenreiche Ausstrahlung aufs Kino, das er zugleich bedient wie auch als Medium seines Verschwindens nutzt. Hommage an einen schwer Fassbaren.

Von Patrick Holzapfel

Der Moralist - Denzel Washington

Der 1954 geborene US-Schauspieler Denzel Washington ist einer der letzten Darsteller der alten Hollywoodhelden-Schule: Mit scheinbar wenigen Mitteln schlüpft er in die Haut von Figuren mit klaren Wertvorstellungen und dem Wunsch, das Richtige zu tun. Hinter der vermeintlich eindeutigen Persona scheinen jedoch oft innere Konflikte auf und selbst moralisch verwerfliche Charaktere erhalten durch sein Spiel unerwartete Schattierungen. Demnächst wird er in einer Neuverfilmung von Shakespeares „Macbeth“ zu sehen sein.

Von Patrick Holzapfel

Es ist gut, oder? - Senta Berger wird 80

Am 13. Mai feiert Senta Berger ihren 80. Geburtstag. Schon mit 16 Jahren stand die Schauspielerin zum ersten Mal vor der Kamera. Und wagte mit 23 Jahren den Sprung nach Hollywood, wo sie mit Frank Sinatra, John Wayne oder Kirk Douglas drehte. Nicht nur der Liebe zu Michael Verhoeven wegen zog es sie aber wieder nach Deutschland zurück. Eine Entscheidung, die sie nie bereut hat.

Das Gespräch führte Margret Köhler

Man möchte rasend werden - Die Filme von Dieter Wieland

Der 1937 geborene Regisseur Dieter Wieland machte sich mit zahlreichen Arbeiten für den Bayerischen Rundfunk um den Dokumentarfilm verdient. Mit analytischer Schärfe und prägnanter Bildsprache griff er die Zerstörung von Land, Architektur und Umwelt an. Auf dem Online-Channel der Kurzfilmtage Oberhausen sind derzeit zwölf Filme des zeitlebens als „Fernsehjournalist“ unterschätzten Dieter Wieland zu sehen. Eine überfällige Würdigung.

Von Rainer Gansera

Lichtgestalt des Weltkinos - Satyajit Ray

Der am 2. Mai 1921 geborene indische Filmemacher Satyajit Ray brachte mit seiner „Apu“-Trilogie das Filmschaffen seines Landes in den 1950ern schlagartig in den Fokus internationaler Aufmerksamkeit. Satyajit Ray war ein filmisches Allround-Talent, das von der Drehbuchentwicklung bis zum Schnitt seine künstlerischen Visionen konsequent umsetzte. Seine sensiblen, eleganten Dramen eröffnen einen bis heute faszinierenden Blick in Indiens Gesellschaft.

Von Michael Ranze

Im Labyrinth des Kinos: Nobuhiko Obayashi

Der japanische Regisseur Nobuhiko Obayashi (1938-2020) ließ Riesenhummer Klavier spielen, Kinder von Häusern fressen und unheimliche Elemente in vermeintlich alltäglichen Familienkonstellationen auftauchen. Obsessive Einsätze von Farben und Musik sowie die Nichtbeachtung gängiger Genreregeln blieben bis zuletzt sein Markenzeichen. Aktuell ist sein letzter Film „Labyrinth of Cinema“ beim Streaming-Anbieter Mubi zu sehen. Eine Würdigung.

Von Lukas Foerster

Der ewige Reisende - Monte Hellman

Im amerikanischen Filmschaffen war Monte Hellman ein außergewöhnlicher Freigeist, der sich nicht nur von den Hollywood-Studios abgrenzte, sondern auch als unabhängiger Regisseur völlig für sich stand. Von seinen nihilistischen Western und Außenseiter-Balladen der 1960er- und 1970er-Jahre bis zu seinem letzten Kurzfilm von 2013 näherte er sich auf eine ganz eigene Weise festgefahrenen Erzählstrukturen an und interpretierte diese kompromisslos neu. Ein Nachruf.

Von Michael Kienzl

Bis aufs Kopfsteinpflaster - Sergio Sollima

Als junger Mann kämpfte der gebürtige Römer Sergio Sollima (1921-2015) gegen die Faschisten und behielt die Haltung des Klassenkämpfers konsequent bei, als er ab den 1960er-Jahren als Regisseur von Genrefilmen hervortrat: Ob in Italowestern, Gangsterfilmen oder Piraten-Abenteuern, stets erzählte Sollima vom Widerstand der Unterdrückten und übersetzte Genre-Ästhetik in Bilder des Klassenkampfes. Eine Würdigung zum 100. Geburtstag am 17. April.

Von Karsten Munt