Personen des internationalen Films

Zum Tode von Ivan Passer (10.7.1933-9.1.2020)

Der Filmemacher Ivan Passer war einer der Protagonisten der tschechischen Neuen Welle in den 1960er-Jahren, der mit Humor und dokumentarischer Genauigkeit der sozialistischen Realität einen Spiegel vorhielt. Gemeinsam mit seinem Freund Miloš Forman verließ er die Tschechoslowakei nach der Niederschlagung des Prager Frühlings und ging in die USA. Auch dort blieb er ein unvorhersehbarer Regisseur, der sich mit höchst unterschiedlichen Filmen hervortat.

Von Ralf Schenk

Die ganze Welt: Ein Interview mit Karim Aïnouz über seinen Film "Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão"

Er lebt in Berlin, wurde in Brasilien geboren und wuchs in Paris auf. Sein Vater ist Algerier, die Mutter Brasilianerin; zunächst studierte er Architektur und arbeitete in New York, doch seit 2002 dreht sich das Leben des Weltbürgers Karim Aïnouz ganz um Film. Von dieser Pluralität erzählt auch "Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão" (jetzt im Kino), für den er beim Cannes-Festival 2019 den Hauptpreis der "Un Certain Regard"-Sektion gewann.

Das Gespräch führte Jörg Taszman

Asif Kapadia

Heutige Berühmtheiten sind allesamt digitale Charaktere. Sie schauen dauernd auf sich selbst und machen permanent Selfies. Wir alle sind davon besessen, ein perfektes Bild zu hinterlassen und alles zu zerstören, was nicht perfekt ist. Dabei ist gerade das das Faszinierende.

In memoriam… 2019

Ein Jahr endet, ein neues beginnt. Das ist Anlass für vielerlei Rückblicke, auch für Erinnerungen an Filmschaffende, die 2019 verstorben sind. Zu ihnen zählen nicht nur Bruno Ganz, Agnès Varda, Edith Scob, Hannelore Elsner oder Peter Fonda, sondern auch Mungau Dain von dem Südseestaat Vanuatu (Bild) und viele viele andere.

Von Marius Nobach

Tanzen, singen, sich bewegen, weinen

Die Dänin Anna Karina (22.9.1940-14.12.2019) wurde Ende der 1950er-Jahre von Jean-Luc Godard entdeckt und spielte in sieben seiner Filme die Hauptrolle. Damit und mit Jacques Rivettes „Die Nonne“ wurde sie zu einer der bekanntesten Interpretinnen der Nouvelle Vague, später drehte sie unter anderem mit Schlöndorff und Fassbinder. Wir erinnern an die verstorbene Darstellerin mit einem 2012 im FILMDIENST erschienenen Artikel über den Zauber von Anna Karina.

Von Wilfried Reichart

Männer fahren alles vor die Wand: Ein Gespräch mit Dominik Graf

Dominik Graf ist gerade omnipräsent. Am Sonntag, 8. Dezember, läuft sein „Polizeiruf 110 – Die Lüge, die wir Zukunft nennen“ im Ersten, mit dem er die Meuffels-Nachfolgerin Eyckhoff weiterentwickelt; seine Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian“ wird gerade geschnitten, und ein neuer „Tatort“ ist auch schon in Produktion. Interessant zu beobachten ist, wie sehr sich das Verhältnis von Männer- und Frauenrollen in Grafs Filmen verschoben hat.

Das Gespräch führte Josef Schnelle

Das letzte Geheimnis: Der Regisseur Simon Jaquemet über „Der Unschuldige“

Mit seinem Debütfilm „Chrieg“ profilierte sich Simon Jaquemet schlagartig als spannende neue Stimme des Schweizer Kinos; mit „Der Unschuldige“ schließt er nun an diesen künstlerischen Erfolg an: Der Film ist das  faszinierende Porträt einer Frau, die es aus den Spuren ihres Lebens als Familienmutter und Mitglied einer Freikirche trägt, als ihre Vergangenheit sie einzuholen scheint. Im Interview berichtet der Filmemacher u.a. über seine Haltung zur Religion und filmische Vorbilder.

Das Gespräch führte Irene Genhart

Die Kunst des Handwerks: Volker Schlöndorff

Obwohl Volker Schlöndorff ein erklärter Billy-Wilder-Fan ist, hat er noch nie eine Komödie gedreht. Warum sich das in seinem langen Leben als Filmemacher so ergeben hat, verrät er in einem Interview-Buch, das sein Werk seit „Der junge Törless“ (1966) bis zu „Rückkehr nach Montauk“ (2017) Revue passieren lässt. Ein Gespräch über Siege und Niederlagen und wie sich sein Spätwerk runden könnte.

Von Wilfried Reichart

Nachruf auf Vojtěch Jasný

Der tschechoslowakische Regisseur Vojtěch Jasný (30.11.1925 – 16.11.2019) war einer der Begründer der Neuen Welle. Mit satirischen Lustspielen und Parabeln hielt er der sozialistischen Gesellschaft den Spiegel vor. 1972 flüchtete er nach Österreich ins Exil, arbeitete aber auch in Deutschland, den USA und Kanada.

Von Ralf Schenk

Sturm vor der Ruhe: Ein Interview mit Teona Strugar Mitevska über „Gott existiert, ihr Name ist Petrunya“

Die nordmazedonische Regisseurin Teona Strugar Mitevska erzählt in ihrem Film „Gott existiert, ihr Name ist Petrunya“ (Kinostart am 14.11.) vom Konflikt in einer archaischen Dorfgemeinschaft, als eine junge Frau sich gegen eine patriarchal-religiöse Tradition auflehnt. Der Film erhielt bei der „Berlinale“ 2019 den Preis der Ökumenischen Jury. Ein Gespräch über erstarrte Strukturen und Grundlagen für Optimismus.

Das Gespräch führte Wolfgang Hamdorf

Der nächste große Wurf: Ein Interview mit Jan-Ole Gerster zu „Lara“

Mit „Oh Boy“ gelang dem 1978 geborenen Drehbuchautor und Regisseur Jan-Ole Gerster 2012 ein phänomenaler Durchbruch; 2019 schließt er mit dem Frauenporträt „Lara“ ans künstlerische Format seines Erstlings an. Im Interview spricht er u.a. darüber, warum bis zu seinem zweiten Film so viel Zeit verstrichen ist, Raum für Spontaneität beim Dreh und eine Corinna-Harfouch-Erleuchtung.

Das Gespräch führte Michael Ranze