Festivals

Mille Grazie, Signore Barbera - Das 77. Venedig-Filmfestival 2020

Die Hoffnung des „Mostra“-Direktors Alberto Barbera, mit dem Filmfestival in Venedig der Filmbranche neuen Mut einzuflößen, ist glänzend aufgegangen. Das Festival ächzte zwar unter den Corona-Bedingungen, feierte aber das Kino und die Filmkunst – und überraschte auch dadurch, dass acht von 18 Wettbewerbsfilmen von Frauen inszeniert worden waren. Den „Goldenen Löwen“ gewann das Road Movie „Nomadland“ von Chloé Zhao.

Von Margret Köhler

Und morgen die ganze Welt - Vendig 2020

Als einziger deutscher Beitrag im Wettbewerb hatte beim 77. Festival von Venedig das Drama „Und morgen die ganze Welt“ der Regisseurin Julia von Heinz Premiere. Darin schließt sich eine junge Jurastudentin in Mannheim einer Antifa-Gruppe an. Als die Aktivisten einem rechten Netzwerk mit Anschlägsplänen auf die Spur kommen, wandelt sich die Milieu- und Jugendstudie zum Politthriller, der um die Frage kreist, ab wann Gewalt im Kampf gegen rechts erlaubt oder gar geboten ist.

Eine Kritik von Rüdiger Suchsland

Kino gegen die Krise - Der Wettbewerb Venedig 2020

Auch im Corona-Jahr rollt die 77. „Mostra internazionale dell’arte cinematografica“ Anfang September ihren roten Teppich aus. Mit moderat eingeschrumpftem Programm, in dem zwar weniger Hollywood-Starpower als sonst präsent ist, das aber durchaus mit interessanten Namen aufwartet. Zum Festivalauftakt am 2. September 2020 demonstrieren die europäischen Filmfestivals Solidarität.

Von Felicitas Kleiner

Locarnos verschenkte Chancen

Am 15. August ging das Locarno Film Fest 2020 zu Ende – als eine hybride Veranstaltung, die in drei lokalen Kinos und gleichzeitig virtuell stattfand. Die offizielle Bilanz, die das Festival zog, unterscheidet sich deutlich vom Eindruck, den man als Besucher vor Ort und im Netz gewann.

Von Irene Genhart

Lauter Anfänge

Jubiläen und personelle Neuerungen häuften sich bei der „Berlinale“ 2020 in einer Weise, dass man fast irritiert nach Konstanten Ausschau hielt. Trotz der Konkurrenz durch die neue „Encounters“-Sektion glänzte das Forum mit brandaktuellen Filmen, die verblüffend mit dem ersten Forums-Jahrgang von 1971 korrespondierten.

Von Margarete Wach

Berlinale 2020: „Orphea“ von Khavn & Kluge

Auf den Spuren von Orpheus und Eurydike kriecht Lilith Stangenberg durch die Katakomben von Manila und will die Toten mit ihrer Musik zum Leben erwecken. Mit ihrem Film „Orphea“ erproben der philippinische Regisseur Khavn und der unermüdliche Alexander Kluge zum zweiten Mal den Brückenschlag der Gegenwart in die übrige Zeit.

Von Wilfried Reichart

"Berlinale" 2020: Offen für Neues

Auch wenn vieles bei der „Berlinale“ 2020 bekannt anmutete, haben Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek einen neuen Ton gesetzt: zurückhaltend im Stil, aber kompromisslos in der Auswahl der Filme. Das Filmfestival präsentierte sich als Einladung zur Aufgeschlossenheit, auch für das Nicht-Offensichtliche – und lässt auf Fortführung hoffen. Eine Bilanz der Jubibläumsausgabe.

Von Marius Nobach

Berlinale 2020: Kirchen zeichnen „Es gibt kein Böses“ aus

Mutiges Votum der Ökumenischen Jury bei der „Berlinale“: Die Jury würdigte mit dem episodischen Film „Es gibt kein Böses“ des iranischen Regisseurs Mohammad Rasoulof ein Drama über Widerstand und Moral innerhalb eines despotischen Systems. Auch in den Preisen aus den Nebenreihen Panorama und Forum hebt die Jury Filme mit politisch-humanistischen Themen hervor.

Distanzen brechen: Woche der Kritik bei der Berlinale 2020

Die „Woche der Kritik“, die parallel zur „Berlinale“ bereits zum sechsten Mal stattfand, braucht sich um ihre Zukunft nicht zu sorgen. Auch im Umfeld der neu aufgestellten „Berlinale“ büßt die Alternativ-Veranstaltung nichts an Attraktivität ein. Das zeigte zur Eröffnung schon die „Cinema plural“-Konferenz, aber auch die verblüffenden Filmprogramme und die angeregten Podiumsdiskussionen.

Von Esther Buss