Festivals

Lauter Anfänge

Jubiläen und personelle Neuerungen häuften sich bei der „Berlinale“ 2020 in einer Weise, dass man fast irritiert nach Konstanten Ausschau hielt. Trotz der Konkurrenz durch die neue „Encounters“-Sektion glänzte das Forum mit brandaktuellen Filmen, die verblüffend mit dem ersten Forums-Jahrgang von 1971 korrespondierten.

Von Margarete Wach

Berlinale 2020: „Orphea“ von Khavn & Kluge

Auf den Spuren von Orpheus und Eurydike kriecht Lilith Stangenberg durch die Katakomben von Manila und will die Toten mit ihrer Musik zum Leben erwecken. Mit ihrem Film „Orphea“ erproben der philippinische Regisseur Khavn und der unermüdliche Alexander Kluge zum zweiten Mal den Brückenschlag der Gegenwart in die übrige Zeit.

Von Wilfried Reichart

"Berlinale" 2020: Offen für Neues

Auch wenn vieles bei der „Berlinale“ 2020 bekannt anmutete, haben Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek einen neuen Ton gesetzt: zurückhaltend im Stil, aber kompromisslos in der Auswahl der Filme. Das Filmfestival präsentierte sich als Einladung zur Aufgeschlossenheit, auch für das Nicht-Offensichtliche – und lässt auf Fortführung hoffen. Eine Bilanz der Jubibläumsausgabe.

Von Marius Nobach

Berlinale 2020: Kirchen zeichnen „Es gibt kein Böses“ aus

Mutiges Votum der Ökumenischen Jury bei der „Berlinale“: Die Jury würdigte mit dem episodischen Film „Es gibt kein Böses“ des iranischen Regisseurs Mohammad Rasoulof ein Drama über Widerstand und Moral innerhalb eines despotischen Systems. Auch in den Preisen aus den Nebenreihen Panorama und Forum hebt die Jury Filme mit politisch-humanistischen Themen hervor.

Distanzen brechen: Woche der Kritik bei der Berlinale 2020

Die „Woche der Kritik“, die parallel zur „Berlinale“ bereits zum sechsten Mal stattfand, braucht sich um ihre Zukunft nicht zu sorgen. Auch im Umfeld der neu aufgestellten „Berlinale“ büßt die Alternativ-Veranstaltung nichts an Attraktivität ein. Das zeigte zur Eröffnung schon die „Cinema plural“-Konferenz, aber auch die verblüffenden Filmprogramme und die angeregten Podiumsdiskussionen.

Von Esther Buss

Aus dem Wettbewerb der Berlinale 2020: Franz heißt jetzt Francis

Auf der Zielgeraden der „Berlinale“ haben im Wettbewerb zwei Filmprojekte für Aufsehen gesorgt. Der als Teil eines Mammut-Kunstprojekts realisierte russische Film „DAU. Natasha“ ist eine unbequeme Sehherausforderung, aber nicht der von manchen Medien kolportierte Skandal. Die Döblin-Modernisierung „Berlin Alexanderplatz“ von Burhan Qurbani, die die Hauptfigur Franz Biberkopf vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise neu deutet, empfiehlt sich derweil für Auszeichnungen.

Von Marius Nobach

Berlinale 2020 & 50 Jahre "Forum": Erika & Ulrich Gregor im Gespräch

Vor 50 Jahren stand die „Berlinale“ knapp vor dem Aus: Der Abbruch des Festivals 1970 infolge des Skandals um Michael Verhoevens Vietnamkriegsfilm „o.k.“ drängte Politik wie Veranstalter zu massiven Änderungen. Ein Ausweg war die Gründung des „Internationalen Forums des Jungen Films“ als einer Art Gegenveranstaltung. Erika und Ulrich Gregor, die damals mit Gero Gandert, Heiner Ross und Manfred Salzgeber das "Forum" aus der Taufe hoben, erinnern sich an die Anfänge.

Das Gespräch führte Esther Buss

Highlight im Wettbewerb der Berlinale 2020: "Schwesterlein"

Schaubühne-Star Lars Eidinger spielt einen Schaubühne-Star, der an Krebs erkrankt ist, Nina Hoss seine Schwester, die ihn retten will: Das vieschichtige Drama "Schwesterlein" ist ein Highlight im bisherigen Berlinale Wettbewerb.

Premiere bei den "Encounters" der Berlinale 2020: Servants

Ein Highlight der neuen Berlinale-Sektion: Ein Drama mit Film-noir-Stimmung: In der Tschechoslowakei der 1980er geraten zwei Priesteramtskandidaten in einen Gewissenskonflikt zwischen religiöser Prinzipientreue und der Anpassung ans kommunistische Regime.