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Uniform der Individualisten

Die Jeansjacke ist kein Kleidungsstück wie jedes andere. Wie bei kaum einem anderen Modeartikel hat das Kino dazu beigetragen, Jeansjacken zum Symbol für zahllose Formen des Außenseitertums zu machen. Wo sie in Filmen auftauchen, weisen sie ihre Figuren als Outlaws, Rebellen und Einzelgänger aus, die abseits der Mehrheitsgesellschaft stehen und diese demonstrativ für ihre Konventionen verachten. Eine Hommage.

Von Michael Kienzl

Des Kinos Schmuddelkinder

Es schert sich nicht um handwerkliche Qualitätskriterien, um inhaltliche Tabus und den guten Geschmack: das sogenannte Trash-Kino. Für die Filmkritik war es lange „für die Tonne“; mittlerweile haben indes viele der einst als Trash oder Exploitation geschmähten Werke Kultstatus. Ein Überblick über ein Genre, das nur eine Regel kennt: keine Regeln zu akzeptieren!

Von Michael Ranze

Das Herz ist ein Muskel in der Größe einer Faust

Polizeigewalt gegen Afroamerikaner in den USA reißt nicht ab, durch Handykamera-Aufnahmen verfügen Bürgerrechtsbewegungen inzwischen aber über ein Druckmittel, den staatlichen Rassismus nicht unter den Teppich zu kehren. Das afroamerikanische Kino hat auf diese Entwicklung mit selbstbewussten Werken reagiert, die einen Gegenentwurf zur „weißen“ Hollywoodkultur bilden.

Von Sofia Glasl

„Land im Sturm“ auf arte

Die dreiteilige Miniserie „Land im Sturm“ erzählt 50 Jahre portugiesischer Geschichte als großangelegte Familiensaga. Der Sohn eines Großgrundbesitzers führt in der Ära der Salazar-Diktatur das elterliche Erbe zu neuer Blüte, bleibt dabei aber nicht durchweg auf Distanz zu den Ansinnen des Regimes. Viele Jahre später muss er im demokratisierten Portugal Bilanz ziehen. Das anschauliche Geschichtsfresko ist am Donnerstag, 11. Juni, um 21.45 Uhr auf arte zu sehen sowie in der arte-Mediathek abrufbar.

Von Josef Nagel

Der DAU-Komplex

An dem russischen Regisseur Ilja Chrschanowski und seinem monumentalen DAU-Projekt scheiden sich die Geister. Vehemente Befürworter und eifernder Gegner streiten seit Jahren heftig um Deutung und Legitimität des formatsprengenden Unterfangens, das allein 13 einzelne Filme umfasst, die jetzt sukzessive als Video on Demand zugänglich gemacht werden. Im Kern geht es beim DAU-Komplex um eine subversive Auseinandersetzung mit Totalitarismus.

Von Claus Löser

Der Geist des Bienenstocks

Die 1987 im britischen Surrey geborene Komponistin Mica Levi hat sich innerhalb weniger Jahre als eine der aufregendsten Klangkünstlerinnen des Kinos etabliert. In ihren Filmkompositionen von „Under the Skin“ bis aktuell zu „Monos - Zwischen Himmel und Hölle“ lässt sie sich von den Bildern und Tönen der Filme inspirieren und schickt den Zuschauer auf eine abgründige Reise.

Von Patrick Holzapfel

They called us Enemy

George Takei, der Darsteller des Lieutenant Sulu aus der „Raumschiff Enterprise“-Serie, verbrachte seine Kindheit in einem Internierungslager für japanisch-stämmige US-Amerikaner. In einem autobiografisch inspirierten Comic, der kürzlich in deutscher Übersetzung erschienen ist, erzählt er von seinen bitteren Erfahrungen mit Rassismus im eigenen Land.

Von Christian Meyer-Pröbstl

Wie geht es weiter?

Der Leiter der Kurzfilmtage Oberhausen, Lars Henrik Gass, hat das diesjährige 66. Festival (13.-19.5.2020) kurzerhand und sehr erfolgreich in eine Online-Ausgabe verwandelt. Im Rückblick bilanziert er Gewinne und Verluste und ordnet die Corona-Krise in einen fundamentalen Umbau der Kino-Öffentlichkeit ein. Einer undogmatischen, experimentellen Filmkultur räumt er große Chancen ein.

Das Gespräch führte Rüdiger Suchsland

Fataler Flickenteppich

Indem die deutschen Bundesländer sich nicht auf einen einheitlichen Termin für die Kino-Wiedereröffnungen nach dem Corona-Lockdown einigen konnten, ist eine wichtige Chance vertan worden. Für Kinobetreiber und Filmverleiher wären klare Vorgaben notwendig gewesen, um planen zu können, unter welchen Bedingungen der Neustart erfolgt. So herrscht in der Branche weiter viel Frust und Unsicherheit, einige demonstrieren jedoch auch Optimismus. Ein Überblick.

Von Reinhard Kleber

Neues Filmbuch: The Sound of Fury. Hollywoods Schwarze Liste

Während der McCarthy-Schauprozesse in den USA wurden die Biografien vieler Filmschaffender zerpflückt, doch nicht ihre Filme. Dazu fehlte den Schnüfflern schlicht der Sachverstand. Dieses „Vakuum“ schließt jetzt ein reich bebilderter Sammelband, der jene „un-amerikanischen“ Werke der Verfemten ins Zentrum stellt.

Von Ralf Schenk