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Plädoyer für eine gefährliche Kunst

38 Jahre nach dem Tod von Rainer Werner Fassbinder errichtet Oskar Roehler dem „einzigen Rockstar im deutschen Kino“ mit „Enfant Terrible“ ein Denkmal, das jedoch eher einer Installation als einem Film gleicht. In einer Art abstraktem Palimpsest werden Fakten & Fiktionen zu einer eigenwilligen Hommage verschmolzen, die Leben und Werk, Selbstermächtigung und Ausbeutung in ein hochenergetisches Spektakel verwandeln.

Von Ulrich Kriest

Ein Krieg, der nicht zu gewinnen ist

Wir leben im Zeitalter des Anthropozän. Die Entwicklung der Erde wird inzwischen wesentlich durch den Menschen geprägt. Mit verheerenden Auswirkungen. Jüngere Dokumentarfilme wie aktuell „Die Epoche des Menschen“ (jetzt im Kino) reagieren darauf.

Von Thomas Klein

Von tief unten - Das Kino des Dario Argento

Dario Argento ist als prägender Filmemacher des italienischen Giallo-Genres einer der Wegbereiter des modernen Horror- und Slasherkinos; seine Filme werden von den einen wegen ihrer schieren Lust an Exzess kultisch verehrt, von den anderen wegen ihres Sexismus verabscheut – kalt lassen sie wohl niemanden. Eine Wiederbegegnung mit Dario Argentos blutigem Kino der Attraktionen anlässlich des 80. Geburtstags des Regisseurs.

Von Patrick Holzapfel

Etwas wird sichtbar

Mit „See der wilden Gänse“ läuft aktuell der neue Film von Diao Yinan in den Kinos, der 2014 mit „Feuerwerk am helllichten Tage“ den „Goldenen Bären“ gewonnen hatte. Zusammen mit anderen steht Diao Yinan für ein chinesisches Kino, das die Lebenswelten jener erkundet, die zu den Verlierern des kapitalistischen Sozialismus gehören. Eine Reise in die Schattenseiten des riesigen Landes.

Von Patrick Holzapfel

Komponisten mit dem Zeichenstift - Zur "Disney"-Ausstellung in Frankfurt

Der Sound ist der Motor des Films: Das hatte Walt Disney noch vor Einführung der „Talkies“ begriffen und früh mit Musik, Geräuschen und Sprache experimentiert. Die Ausstellung „The Sound of Disney“ im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt gewährt einen multimedialen Einblick in die Klangwelt der Disney-Klassiker.

Von Daniel Kothenschulte

Hic sunt dracones

Der Hinweis auf die mythischen Echsen markierte auf alten Seekarten die Ränder des menschlichen Erfahrungskreises, die Grenzen, hinter denen unerforschte Regionen und Gefahren lauerten. Ein Bildband des schwedischen Illustrators Peter Bergting huldigt den Fabelwesen und ihrer modernen Interpretation in der Popkultur, nicht zuletzt im Medium Film.

Von Felicitas Kleiner

Jenseits von Schwarz und Weiß

Am 16. August startet auf Sky mit "Lovecraft Country" das jüngste Projekt von Jordan Peele, der sich mit "Get out" und "Wir" als prägende Stimme des "New Black Cinema" profiliert hat. Seine Arbeiten, aber auch viele andere Filme und Serien erzählen nicht nur "schwarze" Geschichten, sondern stehen auch für eine besondere Ästhetik, in der die Ausleuchtung dunkler Körper eine wichtige Rolle spielt. Ein Essay über eine Welt, die sich nicht in Schwarz und Weiß einteilen lässt.

Von Michael Kohl

Die Stunde der Verräter - Neue Filme über Whistleblower

Judas war gestern. Prominente Whistleblower haben die Verachtung für Verräter in Frage gestellt. Das Kino erzählt mittlerweile Geschichten über die Möglichkeit eines „guten“ Verrats durch integre Vorbildfiguren, was neben Filmbiografien über Edward Snowden & Co. auch unerwartete Umdeutungen hervorbringt. Aktuell beweist Marco Bellocchio mit „Il Traditore“, dass ein Verräter selbst im Mafiafilm zum Helden werden kann.

Von Marius Nobach

Adieu Leinwand, hallo Bildschirm?

Können Kinos in der Konkurrenz zum Heimkino besser bestehen, wenn sie sich von der guten, alten Leinwand verabschieden und auf LED-Bildschirme setzen? Nach Samsung hat nun auch der Elektronik-Konzern LG ein erstes speziell für Kinos entwickeltes LED Display auf den Markt gebracht, das beste Bildqualität verspricht. In Taiwan ist bereits ein Kinosaal mit dem neuen Riesen-Bildschirm ausgestattet, und auch in der EU ist das Gerät mittlerweile erhältlich. Über die Vorteile der neuen Technik – und einen entscheidenden Nachteil.

Von Reinhard Kleber

Uniform der Individualisten

Die Jeansjacke ist kein Kleidungsstück wie jedes andere. Wie bei kaum einem anderen Modeartikel hat das Kino dazu beigetragen, Jeansjacken zum Symbol für zahllose Formen des Außenseitertums zu machen. Wo sie in Filmen auftauchen, weisen sie ihre Figuren als Outlaws, Rebellen und Einzelgänger aus, die abseits der Mehrheitsgesellschaft stehen und diese demonstrativ für ihre Konventionen verachten. Eine Hommage.

Von Michael Kienzl