Themen

Mit kalter Wut

Auch knapp zwei Jahrzehnte nach ihrem Tod bewegt die Filmemacherin Leni Riefenstahl noch immer die Gemüter. Jüngst rückten eine Dokumentation und ein neues Buch den Mythos der apolitischen Filmkünstlerin zurecht, die mit einer selbstgeschneiderten Fantasie-Uniform nach dem Überfall der Wehrmacht in Polen auftauchte. Doch auch mit dem Nimbus der genialen Regisseurin, die mit ihren Innovationen den Sportfilm revolutionierte und ihrer Zeit voraus war, ist es nicht weit her.

Von Dietrich Leder

TV-Premiere auf arte: Die Unschuldigen

Eine französische Ärztin, die 1945 in Polen für das Rote Kreuz arbeitet, wird in ein Kloster bei Warschau gerufen, wo mehrere Nonnen von sowjetischen Soldaten vergewaltigt und geschwängert wurden. Im Disput mit der Mutter Oberin zeigt sich jedoch, dass die Leidensgeschichte der Frauen noch nicht vorbei ist. Das Drama der Französin Anne Fontaine um Loyalität, Menschlichkeit und Glaubenskrisen angesichts grausamer Vorgänge erlebt heute um 20.15 Uhr auf arte seine Fernsehpremiere.

Eine Kritik von Ralf Schenk

Grenzerfahrungen

Am 14. Januar feiert die amerikanische Schauspielerin Faye Dunaway ihren 80. Geburtstag. Die Darstellerin gilt durch ihre Rollen in „Bonnie und Clyde“ oder „Die drei Tage des Condors“ als eine der Ikonen des „New Hollywood“-Kinos, steht aber auch für dessen zwiespältigen Umgang mit Weiblichkeit und Emanzipation: Wo sich einerseits komplexe Frauen-Figuren auf der Höhe der Zeit finden lassen, dominierten insgesamt weiter die männlichen Sichtweisen. Eine Betrachtung der weiblichen Seite von „New Hollywood“.

Von Patrick Holzapfel

Die Kunst der Übertreibung

„Das Damengambit“ ist eine der erfolgreichsten Miniserien des Jahres 2020 und hat einen Schachboom ausgelöst. Neben der Hauptdarstellerin Anya Taylor-Joy kommt dem elaborierten Production Design des Szenenbildners Uli Hanisch ein wesentlicher Anteil am Erfolg der Serie zu. In einer Mischung aus Stilisierung und Behauptung übersetzt Hanisch die Wahrnehmungsweise der Protagonistin kongenial in Räume, Settings und Designs.

Von Kristina Jaspers

Es wäre an der Zeit, etwas zu wagen

Die Corona-Krise hat das Kino als Ort wie als Medium an einen Abgrund geführt. Man müsse das Kino retten, forderten die eine. Das Kino sei sicher, behaupten die anderen. Im Wechselbad von Öffnung und Lockdown florierte aber nur eines: das „Streaming“. Diskussionen oder Streit über Inhalte oder Ästhetiken waren hingegen kaum auszumachen. Auch deshalb tut eine Besinnung Not.

Von Patrick Holzapfel

Mit Pauken und Trompeten

Ludwig van Beethoven ist ein Filmstar. In hunderten von Filmen quer durch die Kinogeschichte erklingt die Musik des deutschen Komponisten, der im Dezember 2020 seinen 250. Geburtstag feierte. Was nicht nur an seinen erhabenen Melodien liegt, sondern auch an den unendlichen Variationen, die Beethovens Werke erlauben. Ob in sentimentalen Filmbiografien, Endzeitvisionen, dramatischen Charakterstudien oder Actionthrillern, immer wieder überrascht Beethoven als Bereicherung der Filmmusik.

Von Matthias Hornschuh

Mit stahlharter Faust

Im Jahr 1955 inszenierte King Vidor einen Western mit Kirk Douglas als Cowboy, den es in den 1880er-Jahren nach Wyoming verschlägt, wo er in den Konflikt zwischen Ranchern hineinzogen wird. Der in sattem Technicolor gedrehte Filme ist ganz auf den Hauptdarsteller zugeschnitten, der hier sein queeres Potenzial einmal voll ausspielen kann.

Von Patrick Holzapfel

Filmliteratur: „Träume Tricks Trümmer Tränen – Notizen zu Filmen und Bildern“

In ihren tagebuchartigen Beobachtungen und zufälligen Notaten spürt die Schriftstellerin Bettina Klix mit feiner Sprache Filmen, Bildern und Blicken nach, die die Vielfalt der Phänomene zur Geltung bringen. Sie erzählen von Seherfahrungen, die sich in die Phänomene vertiefen und in ein reich bestücktes Feld der Assoziationen zurückbinden.

Von Rainer Gansera

„Irreversibel – Straight Cut“ von Gaspar Noé

18 Jahre nach seiner Premiere in Cannes bringt der französische Regisseur Gaspar Noé seinen Skandalfilm erneut in Umlauf, in einer „Straight Cut“-Version, bei der er den ursprünglich rückwärts erzählten Film in eine vorwärtslaufende Version verwandelt. Die tragische Liebes- und Rachegeschichte büßt darüber aber viel von ihrer (zeit-)philosophischen Aufladung ein.

Von Patrick Holzapfel

Fast besser als Jannings

Die Tagebücher von Victor Klemperer aus der Zeit von 1933 bis 1945 wurden erst Jahrzehnte nach seinem Tod zum Bestseller. Der 1960 verstorbene Dresdner Romanist Victor Klemperer schrieb aber nicht nur über den Alltag in der Nazi-Zeit. Der passionierte Kinogänger führte seit 1929 auch ein „Kinotagebuch“, mit Notizen über Schauspieler und knapp formulierten Besprechungen von Filmen.

Von Alexandra Wach