Interviews

Ein Land vor Gericht

In der nahen Zukunft des Jahres 2034 verklagen 31 Staaten des globalen Südens die Bundesrepublik Deutschland auf Schadensersatz, weil es versäumt wurde, Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen: „Ökozid“, der neue Film von Andres Veiel, changiert zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen Doku-Drama und fiktiver Dokumentation. Im Interview spricht der Regisseur über Science-Fiction, den Klimawandel und wie wir darüber erzählen können.

Das Gespräch führte Thomas Klein

Die Mitte bricht weg - Julia von Heinz & "Und morgen die ganze Welt"

In ihrem politischen Drama „Und morgen die ganze Welt“ zeichnet die Regisseurin Julia von Heinz ein Bild von Deutschland, in das sie eigene Erfahrungen aus ihrer Jugend in linken Bewegungen einfließen lässt. Eine junge Jura-Studentin schließt sich einer Antifa-Gruppe an und mischt im Kampf gegen Neo-Nazis mit. Ein Gespräch über die Rebellion der Jugend, die Frage nach dem Einsatz von Gewalt und die Bedeutung des persönlichen Zugangs für Filmemacher.

Das Gespräch führte Margret Köhler

Albtraum einer Mutterschaft - Katrin Gebbe über "Pelikanblut"

Im Jahr 2013 debütierte die deutsche Regisseurin Katrin Gebbe mit dem kontrovers aufgenommenen Drama „Tore tanzt“. Jetzt folgt mit „Pelikanblut“ ein vergleichbar herausforderndes Werk. Die Geschichte einer Frau, die mit wachsender Obsession ihre verhaltensauffällige Adoptivtochter zu retten versucht, setzt erneut auf Horrormotive und versagt sich einfachen Lösungen. Ein Gespräch über die Arbeit jenseits von Schubladendenken.

Das Gespräch führte Michael Ranze

Trauer & Humor - Vadim Perelman über "Persischstunden"

Für den aus einer jüdischen Familie stammenden Regisseur Vadim Perelman, der in Kiew geboren wurde, aber im Westen aufwuchs und schließlich nach Kanada immigrierte,  war sein Film „Persischstunden“ ein Herzensanliegen. Die außergewöhnliche Geschichte erzählt von einem gefährlichen Täuschungsmanöver, mit dem ein jüdischer Belgier in einem Lager die Protektion eines SS-Offiziers erlangt.

Das Gespräch führte Margret Köhler

Auge um Auge, Zahn um Zahn - Der Regisseur Massoud Bakhshi

In dem kammerspielartigen Drama „Yalda“ (jetzt im Kino) fleht eine junge Frau in einer Reality-Show des iranischen Fernsehens um Gnade. Sie soll wegen der Tötung ihres Ehemannes hingerichtet werden. Inszeniert wurde der Film von dem Regisseur Massoud Bakhshi, der in ironischer Zuspitzung auf authentische Ereignisse rekurriert, über Frauen in der iranischen Gesellschaft erzählt und die Macht des Unterhaltungsfernsehens seziert.

Das Gespräch führte Wolfgang Hamdorf

Exkursionen in den Alltagsrassismus - Der Regisseur Visar Morina über "Exil"

In seinem Film „Exil“ porträtiert Regisseur Visar Morina einen Mann mit Migrationshintergrund, der sich trotz seiner Integration ins deutsche Familien- und Arbeitsleben inmitten wachsender fremdenfeindlicher Ressentiments wiederfindet. Im Interview spricht Morina darüber, wie viel persönliche Erfahrung in der Story steckt, und erläutert seine am Theater geschulten Arbeitsprozesse.

Das Gespräch führte Simon Hauck

Mit High Heels und Hidschab: Manele Labidi über „Auf der Couch in Tunis“

Die französisch-tunesische Regisseurin Manele Labidi entwirft mit „Auf der Couch in Tunis“ (ab 30. Juli im Kino) ein erfrischend paradoxes Bild aus der Zeit nach dem „Arabischen Frühling“. Die 37-jährige Filmemacherin, die sich als Französin und Tunesierin zugleich fühlt, spricht im Interview übers Leben und Arbeiten zwischen zwei Kulturen.

Das Gespräch führte Margret Köhler

Frei im Wüstenwind

Uisenma Borchu wurde 1984 in Ulaanbaatar in der Mongolei geboren und zog 1988 mit ihren Eltern in die DDR. Für ihren Diplomfilm „Schau mich nicht so an“ wurde sie 2015 mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Bei ihrem zweiten Film „Schwarze Milch“ schrieb sie das Drehbuch, führte Regie und spielt die Hauptrolle. Ein Gespräch über den autobiografischen Zugang zu dem Stoff, notwendige Emanzipation in der Mongolei und die Abstimmung mit dem nomadischen Lebensstil beim Dreh.

Das Gespräch führte Sofia Glasl

„Man wird nicht Marie Curie, wenn man nett ist“: Marjane Satrapi über ihren neuen Film

Schon als Kind habe sie die Physikerin und Chemikerin Marie Curie bewundert, verrät die Regisseurin Marjane Satrapi im Interview. In ihrem neuen Film sucht die 1969 geborene iranisch-französische Filmemacherin und Comiczeichnerin einen Zugang zu der Wissenschaftlerin jenseits klassischer Filmbiografien, der ihr Wirken in Beziehung setzt zu den historischen Folgen.

Das Gespräch führte Michael Ranze

Biblischer Bilderreigen: Burhan Qurbani über "Berlin Alexanderplatz"

Der Filmemacher Burhan Qurbani legt mit seinem dritten langen Spielfilm eine modernisierte Adaption von Alfred Döblins avantgardistischem Romanklassiker „Berlin Alexanderplatz“ vor. Als deutscher Beitrag im Internationalen Wettbewerb der Berlinale hatte das ambitionierte Filmepos im Februar seine Premiere, jetzt kommt es endlich mit den Zeitläuften geschuldeter Verspätung in die Kinos. Ein Gespräch über den Film.

Von Peter Kremski