Eine Vorliebe für Close-up - Hafsia Herzi über „Die jüngste Tochter“
Mit dem autobiografischen Roman von Fatima Daas über das lesbische Erwachen einer muslimischen Jugendlichen verfilmte die französische Regisseurin Hafsia Herzi erstmals eine literarische Vorlage. Dabei arbeitet sie erneut mit Laien und professionellen Darstellern und geht mit der Kamera nahe an die Gesichter heran. Ein Gespräch über Berührungen und das Ausprobieren, nicht nur im Filmgeschäft.
Von Kamil Moll
An die Menschheit glauben - Interview mit Teona Strugar Mitevska
Filmemacherin Teona Strugar Mitevska stammt aus Skopje, genau wie die katholische Ordensschwester Mutter Teresa. Bereits 2010 setzte sich die Regisseurin in dem Dokumentarfilm „Teresa und ich“ mit der Heiligen auseinander, nun kehrt sie mit dem biografischen Drama „Teresa - Ein Leben zwischen Licht und Schatten“ zu ihr zurück. Darin präsentiert sie die junge Nonne als Kämpferin für ihre Überzeugungen und gegen patriarchale Bevormundung in der Kirche.
Das Gespräch führte Wolfgang Hamdorf
Lernen vom Schlechtesten - Christoph Maria Herbst über „Stromberg“
Stromberg ist wieder da. Am 4. Dezember startet mit „Stromberg – Wieder alles wie immer“ der zweite Kinofilm um den ebenso eitlen wie inkompetenten Abteilungsleiter Bernd Stromberg und seine leidgeplagte Büromannschaft. Ab 2004 hatte Christoph Maria Herbst den Protagonisten Bernd Stromberg in fünf Fernsehstaffeln zur Kultfigur gemacht; 2013 folgte der erste Kinofilm. Nun schlüpft er ein Jahrzehnt später und unter ganz anderen gesellschaftlichen Vorzeichen erneut in die Rolle.
Das Gespräch führte Joachim Heinz
Der Abgrund wird immer tiefer - Gespräch mit Nadav Lapid
Vom Frieden ist der Nahe Osten noch immer weit entfernt, auch wenn der Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas gerade zu halten scheint. Bis zu einem halbwegs stabilen Verhältnis ist es noch ein langer Weg. Dazu müssten die Extremisten auf beiden Seiten gebändigt werden und ein grundlegender Kurswechsel stattfinden. Wie schwer das fällt, erzählt Regisseur Nadav Lapid in seinem satirischen Film „Yes“, der jetzt in die Kinos kommt.
Von Hanns-Georg Rodek
Die Lücke in den Erinnerungen - Patricia Hector & Lothar Herzog über „Das Ungesagte“
In ihrem Dokumentarfilm „Das Ungesagte“ (jetzt im Kino) befragen Patricia Hector und Lothar Herzog Frauen und Männer aus der NS-Generation nach den blinden Flecken in ihren Biografien. Ein Film über Schuld, Schweigen und die Frage, wie Geschichte durch Familien weiterwirkt. Im Interview sprechen sie über ihre Herangehensweise, die Rolle psychologischer Mechanismen und warum ein offener Dialog über die Vergangenheit noch immer notwendig ist.
Das Gespräch führte Silvia Bahl
Die Zeit festhalten - Kleber Mendonça Filho über „The Secret Agent“
Der brasilianische Regisseur Kleber Mendonça Filho taucht in seinen Filmen tief in die Geschichte seines Landes ein und spürt dessen dunkle Punkte auf. Gleichzeitig sind seine Arbeiten reich an Verweisen auf Popkultur und die Kinogeschichte, voller farbenfroher Details. Sein jüngster Film „The Secret Agent“ (ab 6.11. im Kino) spannt ein Szenario über die Umtriebe in der Militärdiktatur der 1970er-Jahre auf. Ein Gespräch über die vielschichtige Rekonstruktion der Historie und die Freiheit, nicht alles perfekt zu organisieren.
Von Michael Ranze
Welten miteinander verbinden - Gespräch mit Eva Libertad
In Spanien wurde die Regisseurin Eva Libertad durch ihre Kurzfilme bekannt. Ihr erster Spielfilm „Sorda - Der Klang der Welt“ kommt am 30. Oktober in die Kinos. Die Regisseurin beobachtet darin, welche Auswirkungen die Geburt eines Babys auf die gehörlose Mutter und ihren hörenden Partner hat. Mit hoher Sensibilität zeichnet der Film die Perspektive einer Frau nach, die durch die Geburt ihres Kindes spürt, wie sehr sie von der Welt der Hörenden ausgeschlossen ist.
Von Wolfgang Hamdorf
Kafka bleibt gegenwärtig - Agnieszka Holland über ihren Film „Franz K.“
Nach dem gefeierten Fluchtdrama „Green Border“ bringt die polnische Regisseurin Agnieszka Holland nun mit „Franz K.“ einen Versuch über einen Titanen der literarischen Moderne ins Kino. Ein Gespräch über das Rätsel Kafka, die Tücken bei der Adaption seiner Romane und über den nun zur Diskussion gestellten Agnieszka-Holland-Mix aus Biopic und Rezeptionsessay.
Das Gespräch führte Jens Hinrichsen
Die Trauer hört nicht auf - Martina Priessner über „Die Möllner Briefe“
Die Dokumentarfilmerin Martina Priessner greift in „Die Möllner Briefe“ (jetzt im Kino) die Geschichten von Opfern und Überlebenden der rassistischen Brandanschläge in Mölln 1992 auf. Hunderte Briefe der Anteilnahme landeten seinerseits nicht bei den Familien der Opfer, sondern im Möllner Stadtarchiv. Ein Gespräch über die Kontaktaufnahme mit den Angehörigen und die gesellschaftlichen Versäumnisse angesichts rechtsradikaler Gewalt.
Das Gespräch führte Wolfgang Hamdorf
Was zwischen den Zeilen passiert - Interview mit Enno Trebs
Enno Trebs’ Gesicht mit den hohen Wangenknochen und dem kräftigen Kinn ist im deutschen Kino nicht zu übersehen; der 1995 geborene Schauspieler, der schon als Jugendlicher für „Das weiße Band“ vor der Kamera stand, war in den letzten Jahren unter anderem in „Roter Himmel“ und "Köln 75" zu sehen. Nun hat er bei „Miroirs No. 3“ (aktuell im Kino) zum dritten Mal mit Christian Petzold zusammengearbeitet.
Das Gespräch führte Jörg Taszman