Öffnen für andere - Interview mit Lea Wohl von Haselberg
Die Film- und Medienwissenschaftlerin Lea Wohl von Haselberg ist 2026 eines der Mitglieder der sechsköpfigen Ökumenischen Jury bei der Berlinale. Die Professorin an der Filmuniversität Babelsberg leitet als Programmdirektorin das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg. Ein Interview über die Erwartungen und Hoffnungen bei der Juryarbeit, was einen guten Film ausmacht und wie diese zu einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung beitragen.
Von Wolfgang Hamdorf
Astrid Lindgren einmal anders
Mit ihren Kinderbüchern wurde Astrid Lindgren weltberühmt. Weniger bekannt ist, dass sie während des Zweiten Weltkriegs Tagebücher schrieb, die 2015 veröffentlicht wurden. Sie bilden die Grundlage des Dokudramas „Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren“ (jetzt im Kino). Darin begegnet man einer scharfsinnigen Chronistin, die als frühe Feministin und engagierte Humanistin ihrer Zeit weit voraus war. Ein Gespräch mit dem Regisseur Wilfried Hauke.
Von Reinhard Kleber
Zwischen Stamm und Seele - Ildikó Enyedi über „Silent Friend“
Seit dem Gewinn des „Goldenen Bären“ für „Körper und Seele“ (2017) steht die ungarische Filmemacherin Ildikó Enyedi wieder im Fokus der medialen Öffentlichkeit. In den Jahren nach ihrem furiosen Debüt „Mein 20. Jahrhundert“ (1988) war es recht still um die eigensinnige Regisseurin geworden. Nun startet ihr neues Drama „Silent Friend“, das auf drei Zeitebenen spielt und das Verhältnis zwischen Menschen und der Natur sehr spielerisch verhandelt.
Von Jörg Taszman
Eine Vorliebe für Close-up - Hafsia Herzi über „Die jüngste Tochter“
Mit dem autobiografischen Roman von Fatima Daas über das lesbische Erwachen einer muslimischen Jugendlichen verfilmte die französische Regisseurin Hafsia Herzi erstmals eine literarische Vorlage. Dabei arbeitet sie erneut mit Laien und professionellen Darstellern und geht mit der Kamera nahe an die Gesichter heran. Ein Gespräch über Berührungen und das Ausprobieren, nicht nur im Filmgeschäft.
Von Kamil Moll
An die Menschheit glauben - Interview mit Teona Strugar Mitevska
Filmemacherin Teona Strugar Mitevska stammt aus Skopje, genau wie die katholische Ordensschwester Mutter Teresa. Bereits 2010 setzte sich die Regisseurin in dem Dokumentarfilm „Teresa und ich“ mit der Heiligen auseinander, nun kehrt sie mit dem biografischen Drama „Teresa - Ein Leben zwischen Licht und Schatten“ zu ihr zurück. Darin präsentiert sie die junge Nonne als Kämpferin für ihre Überzeugungen und gegen patriarchale Bevormundung in der Kirche.
Das Gespräch führte Wolfgang Hamdorf
Lernen vom Schlechtesten - Christoph Maria Herbst über „Stromberg“
Stromberg ist wieder da. Am 4. Dezember startet mit „Stromberg – Wieder alles wie immer“ der zweite Kinofilm um den ebenso eitlen wie inkompetenten Abteilungsleiter Bernd Stromberg und seine leidgeplagte Büromannschaft. Ab 2004 hatte Christoph Maria Herbst den Protagonisten Bernd Stromberg in fünf Fernsehstaffeln zur Kultfigur gemacht; 2013 folgte der erste Kinofilm. Nun schlüpft er ein Jahrzehnt später und unter ganz anderen gesellschaftlichen Vorzeichen erneut in die Rolle.
Das Gespräch führte Joachim Heinz
Der Abgrund wird immer tiefer - Gespräch mit Nadav Lapid
Vom Frieden ist der Nahe Osten noch immer weit entfernt, auch wenn der Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas gerade zu halten scheint. Bis zu einem halbwegs stabilen Verhältnis ist es noch ein langer Weg. Dazu müssten die Extremisten auf beiden Seiten gebändigt werden und ein grundlegender Kurswechsel stattfinden. Wie schwer das fällt, erzählt Regisseur Nadav Lapid in seinem satirischen Film „Yes“, der jetzt in die Kinos kommt.
Von Hanns-Georg Rodek
Die Lücke in den Erinnerungen - Patricia Hector & Lothar Herzog über „Das Ungesagte“
In ihrem Dokumentarfilm „Das Ungesagte“ (jetzt im Kino) befragen Patricia Hector und Lothar Herzog Frauen und Männer aus der NS-Generation nach den blinden Flecken in ihren Biografien. Ein Film über Schuld, Schweigen und die Frage, wie Geschichte durch Familien weiterwirkt. Im Interview sprechen sie über ihre Herangehensweise, die Rolle psychologischer Mechanismen und warum ein offener Dialog über die Vergangenheit noch immer notwendig ist.
Das Gespräch führte Silvia Bahl
Die Zeit festhalten - Kleber Mendonça Filho über „The Secret Agent“
Der brasilianische Regisseur Kleber Mendonça Filho taucht in seinen Filmen tief in die Geschichte seines Landes ein und spürt dessen dunkle Punkte auf. Gleichzeitig sind seine Arbeiten reich an Verweisen auf Popkultur und die Kinogeschichte, voller farbenfroher Details. Sein jüngster Film „The Secret Agent“ (ab 6.11. im Kino) spannt ein Szenario über die Umtriebe in der Militärdiktatur der 1970er-Jahre auf. Ein Gespräch über die vielschichtige Rekonstruktion der Historie und die Freiheit, nicht alles perfekt zu organisieren.
Von Michael Ranze
Welten miteinander verbinden - Gespräch mit Eva Libertad
In Spanien wurde die Regisseurin Eva Libertad durch ihre Kurzfilme bekannt. Ihr erster Spielfilm „Sorda - Der Klang der Welt“ kommt am 30. Oktober in die Kinos. Die Regisseurin beobachtet darin, welche Auswirkungen die Geburt eines Babys auf die gehörlose Mutter und ihren hörenden Partner hat. Mit hoher Sensibilität zeichnet der Film die Perspektive einer Frau nach, die durch die Geburt ihres Kindes spürt, wie sehr sie von der Welt der Hörenden ausgeschlossen ist.
Von Wolfgang Hamdorf