Interviews

Der König und der Hampelmann - Franz Rogowski

Franz Rogowski ist in den letzten Jahren zu einem der meistbegehrten deutschen Darsteller geworden. Für Sebastian Meises Drama „Große Freiheit“ (ab 18.11. im Kino) wurde er für den „Europäischen Filmpreis“ nominiert. Darin spielt er einen Homosexuellen, der wegen des berüchtigten Strafrechtsparagraphen 175 immer wieder ins Gefängnis kommt. Ein Gespräch über Freiheitsvorstellungen und einen ungewöhnlichen Werdegang.

Das Gespräch führte Margret Köhler

Der Blender

In seinem 1969 erschienenen Buch „Erinnerungen“ entwarf der NS-Rüstungsminister Albert Speer das Selbstbild eines „guten Nazis“, der in schwierigen Zeiten lediglich schwierige Entscheidungen getroffen habe. Die israelische Filmemacherin Vanessa Lapa demaskiert diesen Mythos in „Speer Goes to Hollywood“, indem sie die Tonbänder mit Interviews von Speer und dem US-Drehbuchautor Andrew Birkin zum Sprechen bringt, die entstanden, als Paramount Speers Memoiren verfilmen wollte.

Von Wolfgang Hamdorf


Ein Rätsel mit ausgefülltem Leben - Ildikó Enyedi

Die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi hat sich nach ihrem „Berlinale“-Gewinn 2017 mit „Körper und Seele“ für ihren neuen Film „Die Geschichte meiner Frau“ einen bekannten Roman als Vorlage ausgesucht. Darin entfaltet sich ein Panorama der 1920er-Jahre um einen Kapitän, der über eine spontane Wette zum Ehemann einer Frau wird und von ihrem rätselhaften Verhalten überfordert ist.

Das Gespräch führte Michael Ranze

Essenz des Lebens - Janna Ji Wonders

Die Filmemacherin Janna Ji Wonders porträtiert in ihrem Dokumentarfilm „Walchensee Forever“ ein Jahrhundert ihrer Familiengeschichte: Von der Urgroßmutter, die 1920 ein Ausflugscafé am bayrischen Walchensee eröffnete, über die pflichtbewusste Großmutter sowie Mutter und Tante, die sich in den 1960er-Jahren auf Selbstfindung begaben, bis zu sich selbst und ihrer Tochter. Ein Gespräch über eine faszinierende Chronik weiblicher Emanzipation und Vergangenheitsaufarbeitung zwischen Schmerz und Befreiung.

Von Bettina Hirsch

Der jungen Generation eine Stimme geben - Slater Jewell-Kemker

In „Youth Unstoppable“ porträtiert die kanadische Umweltaktivistin Slater Jewell-Kemker die weltweite Jugendklimaschutzbewegung. Seit sie selbst als Jugenddeligierte an einer UN-Klimakonferenz teilnahm, hielt sie ihre Eindrücke mit der Kamera fest. Über zwölf Jahre hinweg entstand so eine einzigartige Chronik der Entwicklung einer politischen Massenbewegung aus einer Innensicht heraus.

Das Gespräch führte Reinhard Kleber

Komödie ist ein Überlebenselixier - Anders Thomas Jensen

Als Drehbuchautor verbindet der Däne Anders Thomas Jensen gern existenzielle Grenzsituationen mit schwarzem Humor. In dem von ihm auch selbst inszenierten Film „Helden der Wahrscheinlichkeit“ erzählt er von einem U-Bahn-Unglück, das die Familie eines Soldaten auseinanderreißt und einen exzentrischen Mathematiker und dessen Hacker-Freunde mit einer Verschwörungstheorie auf den Plan ruft. Ein Gespräch über Wahrscheinlichkeiten, Spiele mit Genre-Grenzen und den Wert von Humor.

Von Margret Köhler

Bildungs-Utopie - Maria Speth

In ihrem Dokumentarfilm „Herr Bachmann und seine Klasse“ taucht die Regisseurin Maria Speth in den Unterricht der multikulturell zusammengesetzten 6b in der hessischen Kleinstadt Stadtallendorf ein. Über die dreieinhalb Stunden werden die Entwicklungen der Schüler und die sanften Methoden des Lehrers Dieter Bachmann beobachtet. Ein Gespräch über das außergewöhnliche Projekt, das auf der „Berlinale“ 2021 den „Preis der Jury“ gewann.

Von Ralf Schenk

Absurde Agentenspiele - Johannes Naber

Der Irakkrieg 2003 wurde von den USA mit falschen Behauptungen über Massenvernichtungswaffen vom Zaun gebrochen, deren Ursprung ein Informant des deutschen Bundesnachrichtendienstes war. Regisseur Johannes Naber arbeitet in seinem Film „Curveball – Wir machen die Wahrheit“ (ab 9. September im Kino) die Geschichte als Geheimdienstfarce auf. Ein Gespräch über seinen Film, das Verhältnis von Drama und Groteske und die Wichtigkeit der „vierten Gewalt“.

Von Bettina Hirsch

Stefan Eberlein & "Der Fall el Masri"

Arte zeigt heute, 31. August, im Rahmen eines Schwerpunktes über 20 Jahre „9/11“ den Dokumentarfilm „Der Fall el-Masri“ (22.10-23.45), in dem die Geschichte des Deutsch-Libanesen nachgezeichnet wird, der von der CIA von Mazedonien aus in ein Foltergefängnis nach Kabul entführt wurde. Regisseur Stefan Eberlein zeichnet darin akribisch das Schicksal eines Mannes nach, der unter die Räder geopolitischer Interessen geriet und nach dem Erweis seiner Unschuld um seine Würde kämpft.

Das Gespräch führte Margret Köhler

Die Welt aus den Fugen - Dominik Graf

In „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“, der am 5.8. in den Kinos startet, entfaltet Regisseur Dominik Graf eine (Liebes-)Geschichte aus dem Berlin der 1930er-Jahre. Der nach der ursprünglichen Fassung des gleichnamigen Romans von Erich Kästner entwickelte Film mischt Melancholie und Hedonismus zu einem bittersüßen Zeitporträt.

Das Gespräch führte Josef Schnelle