Interviews

Weil das Universum indifferent ist

Im Corona-Jahr 2020 gehörte „Beginning“, das Spielfilmdebüt der 1986 geborenen Georgierin Dea Kulumbegashvili, zu den meistbeachteten Festivalpremieren mit Preisen in San Sebastián, Toronto und Mannheim-Heidelberg. Mit hohem Stilwillen beschreibt die Regisseurin das Leben einer Zeugin Jehovas aus einem georgischen Bergdorf, die durch Überfälle auf ihre Gemeinde und sich selbst alle Gewissheiten verliert. Der Film läuft ab 29. Januar exklusiv beim Streamingdienst Mubi.

Von Wolfgang Hamdorf

Der mit Licht erzählt - Jürgen Jürges

Zu den herausragenden Ereignissen des Filmjahrs 2020 zählte das umstrittene DAU-Projekt des russischen Regisseurs Ilja Chrschanowski, das am Ende insgesamt 15 Filme umfasste. Gedreht wurden sie alle von dem deutschen Kameramann Jürgen Jürges, den die "Berlinale" dafür mit einem "Silbernen Bären" ehrte. Der stille Meister des Lichts feierte im Dezember seinen 80. Geburtstag. Anlass für ein langes Gespräch.

Das Gespräch führte Isabelle Wolf

Fragen unserer Zeit - Milo Rau

Dorthin gehen, wo es weh tut. Das kann der Theater- und Filmemacher Milo Rau wie kaum ein Zweiter. In „Das Neue Evangelium“ (ab 17. Dezember im Streaming) orientiert er sich an der Passion Christi, transferiert die biblische Handlung aber ins heutige Süditalien und verfilmt sie als Revolte afrikanischer Migranten, die auf den Tomatenfeldern wie Sklaven schuften. Christliche Historie und die sogenannte „Revolte der Würde“ verbinden sich miteinander zu einer aufrührerischen Symbiose.

Von Margret Köhler

Ein Land vor Gericht: Ein Interview mit Andres Veiel zu „Ökozid“

In der nahen Zukunft des Jahres 2034 verklagen 31 Staaten des globalen Südens die Bundesrepublik Deutschland auf Schadensersatz, weil es versäumt wurde, Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen: „Ökozid“, der neue Film von Andres Veiel, changiert zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen Doku-Drama und fiktiver Dokumentation. Im Interview spricht der Regisseur über Science-Fiction, den Klimawandel und wie wir darüber erzählen können.

Das Gespräch führte Thomas Klein

Die Mitte bricht weg - Julia von Heinz & "Und morgen die ganze Welt"

In ihrem politischen Drama „Und morgen die ganze Welt“ zeichnet die Regisseurin Julia von Heinz ein Bild von Deutschland, in das sie eigene Erfahrungen aus ihrer Jugend in linken Bewegungen einfließen lässt. Eine junge Jura-Studentin schließt sich einer Antifa-Gruppe an und mischt im Kampf gegen Neo-Nazis mit. Ein Gespräch über die Rebellion der Jugend, die Frage nach dem Einsatz von Gewalt und die Bedeutung des persönlichen Zugangs für Filmemacher.

Das Gespräch führte Margret Köhler

Ein afrikanischer Traum - Jared P. Scott

Im Dokumentarfilm „The Great Green Wall“ des in Berlin lebenden amerikanischen Regisseurs Jared P. Scott geht es um ein panafrikanisches Prestigeprojekt, vorgestellt von der aus Mali stammenden Sängerin Inna Modja: eine grüne Mauer quer durch das Sahel-Gebiet von Senegal bis nach Äthiopien. Ein Gespräch über die Herangehensweise an ein bereits bestehendes Unternehmen und die Sensibilisierung für weitere Anstrengungen gegen die Folgen des Klimawandels.

Von Jörg Taszman

Wo bin ich in dem anderen?

Seit den 1990er-Jahren ist Moritz Bleibtreu ein vielbeschäftigter Schauspieler, mit dem filmischen Verwirrspiel „Cortex“ gibt er nun sein Regiedebüt – ein labyrinthisches Drama mit zahllosen Verweisen auf Filmvorbilder und fließenden Grenzen zwischen Wirklichkeit und Traum. Ein Gespräch über Filme, die sich nicht selbst erklären, konsequentes Rückwärtsgehen und den Schlaf als das ultimative Kino.

Das Gespräch führte Michael Ranze

Albtraum einer Mutterschaft - Katrin Gebbe über "Pelikanblut"

Im Jahr 2013 debütierte die deutsche Regisseurin Katrin Gebbe mit dem kontrovers aufgenommenen Drama „Tore tanzt“. Jetzt folgt mit „Pelikanblut“ ein vergleichbar herausforderndes Werk. Die Geschichte einer Frau, die mit wachsender Obsession ihre verhaltensauffällige Adoptivtochter zu retten versucht, setzt erneut auf Horrormotive und versagt sich einfachen Lösungen. Ein Gespräch über die Arbeit jenseits von Schubladendenken.

Das Gespräch führte Michael Ranze

Trauer & Humor - Vadim Perelman über "Persischstunden"

Für den aus einer jüdischen Familie stammenden Regisseur Vadim Perelman, der in Kiew geboren wurde, aber im Westen aufwuchs und schließlich nach Kanada immigrierte,  war sein Film „Persischstunden“ ein Herzensanliegen. Die außergewöhnliche Geschichte erzählt von einem gefährlichen Täuschungsmanöver, mit dem ein jüdischer Belgier in einem Lager die Protektion eines SS-Offiziers erlangt.

Das Gespräch führte Margret Köhler

Auge um Auge, Zahn um Zahn - Der Regisseur Massoud Bakhshi

In dem kammerspielartigen Drama „Yalda“ (jetzt im Kino) fleht eine junge Frau in einer Reality-Show des iranischen Fernsehens um Gnade. Sie soll wegen der Tötung ihres Ehemannes hingerichtet werden. Inszeniert wurde der Film von dem Regisseur Massoud Bakhshi, der in ironischer Zuspitzung auf authentische Ereignisse rekurriert, über Frauen in der iranischen Gesellschaft erzählt und die Macht des Unterhaltungsfernsehens seziert.

Das Gespräch führte Wolfgang Hamdorf