Dunkelheit, bleib weg! - Kenneth Branagh über „Belfast“

In seinem bislang wohl persönlichsten Film kehrt der britischen Schauspieler und Regisseur Kenneth Branagh in die Stadt seiner Kindheit nach Belfast zurück, in der im Jahr 1969 die „Troubles“ zwischen Protestanten und Katholiken aufflammen, was aus der Sicht eines neunjährigen Jungen geschildert wird. Über eine Rückkehr in vertraut-verlorene Zeiten, die auch an den fragilen Status des Friedens mahnt.

Das Gespräch führte Michael Ranze

Vincenzo Bugno und der "World Cinema Fund Day"

Seit mehr als 17 Jahren unterstützt der „World Cinema Fund“ der „Berlinale“ Filmprojekte aus dem „globalen Süden“, also aus Afrika, Asien und Lateinamerika, durch Produktions- und Verleihförderung. Einmal im Jahr lädt die Denkfabrik zum öffentlichen „World Cinema Fund Day“ nach Berlin. In diesem Jahr fand er nur als Online-Veranstaltung statt.

Das Interview führte Wolfgang Hamdorf

Carla Simón im Interview zu ihrem Film „Alcarràs“

Schon ihr Filmdebüt „Fridas Sommer“ heimste viele Preise ein, auch den Nachwuchspreis der „Berlinale“. Jetzt hat die 35-jährige spanische Regisseurin Carla Simón mit „Alcarrás“ den „Goldenen Bären“ gewonnen. Den Preis widmete sie „all den Menschen und den Familien, die auf dem Land hart arbeiten, damit wir Lebensmittel bekommen. Mit diesem Film möchte ich meinen Respekt für ihre Arbeit ausdrücken.“

Das Interview führte Wolfgang Hamdorf

Wunderbare Wiederkäuer - Andrea Arnold über „Cow“

Die britische Regisseurin Andrea Arnold erzählt in ihren Spielfilmen wie „Fish Tank“ und „American Honey“ oft von Figuren, die mit großem Freiheitsdrang gegen beengende soziale Umstände aufbegehren. In dem Dokumentarfilm „Cow“ rückt die Filmemacherin nun eine Kuh auf einer Farm in Kent ins Zentrum und nimmt unaufdringlich an deren Alltag teil. Der Film ist ab 11. Februar beim Streamingdienst Mubi zu sehen.

Von Michael Ranze

Modernisierte braune Mythen - Felix Moeller zu „Jud Süß 2.0“

Felix Moeller hat sich in Büchern wie „Der Filmminister“ (1998) und Filmen wie „Harlan - Im Schatten von ‚Jud Süß‘“ oder „Verbotene Filme“ (2014) wiederholt mit der Filmpropaganda der NS-Zeit auseinandergesetzt. In seinem Dokumentarfilm „Jud Süß 2.0 – Vom NS- zum Online-Antisemitismus“, der derzeit in der arte-Mediathek zu sehen ist, analysiert er aktuellen Antisemitismus, judenfeindliche Hetze und Verschwörungskonstrukte im Internet.

Von Wolfgang Hamdorf

König und Hampelmann - Franz Rogowski

Franz Rogowski ist in den letzten Jahren zu einem der meistbegehrten deutschen Darsteller geworden. Für Sebastian Meises Drama „Große Freiheit“ (ab 18.11. im Kino) wurde er für den „Europäischen Filmpreis“ nominiert. Darin spielt er einen Homosexuellen, der wegen des berüchtigten Strafrechtsparagrafen 175 immer wieder ins Gefängnis kommt. Ein Gespräch über Freiheitsvorstellungen und einen ungewöhnlichen Werdegang.

Das Gespräch führte Margret Köhler

Der Blender - Vanessa Lapa

In seinem 1969 erschienenen Buch „Erinnerungen“ entwarf der NS-Rüstungsminister Albert Speer das Selbstbild eines „guten Nazis“, der in schwierigen Zeiten lediglich schwierige Entscheidungen getroffen habe. Die israelische Filmemacherin Vanessa Lapa demaskiert diesen Mythos in „Speer Goes to Hollywood“, indem sie die Tonbänder mit Interviews von Speer und dem US-Drehbuchautor Andrew Birkin zum Sprechen bringt, die entstanden, als Paramount Speers Memoiren verfilmen wollte.

Von Wolfgang Hamdorf

Vulkan der Erinnerung - Andreas Kleinert

Der Schriftsteller Thomas Brasch (1945-2001) war ein Mensch zwischen zwei Welten. Für die DDR war er zu unangepasst, doch auch im Westen ließ er sich nicht vereinnahmen, obwohl seine Bücher wie „Vor den Vätern sterben die Söhne“ Erfolge feierten. Regisseur Andreas Kleinert widmet ihm mit „Lieber Thomas“ ein Porträt als einem Mix aus Essay, Fiktion und Wirklichkeit.

Das Gespräch führte Margret Köhler

Ein Rätsel mit ausgefülltem Leben - Ildikó Enyedi

Die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi hat sich nach ihrem „Berlinale“-Gewinn 2017 mit „Körper und Seele“ für ihren neuen Film „Die Geschichte meiner Frau“ einen bekannten Roman als Vorlage ausgesucht. Darin entfaltet sich ein Panorama der 1920er-Jahre um einen Kapitän, der über eine spontane Wette zum Ehemann einer Frau wird und von ihrem rätselhaften Verhalten überfordert ist.

Das Gespräch führte Michael Ranze

Essenz des Lebens - Janna Ji Wonders

Die Filmemacherin Janna Ji Wonders porträtiert in ihrem Dokumentarfilm „Walchensee Forever“ ein Jahrhundert ihrer Familiengeschichte: Von der Urgroßmutter, die 1920 ein Ausflugscafé am bayrischen Walchensee eröffnete, über die pflichtbewusste Großmutter sowie Mutter und Tante, die sich in den 1960er-Jahren auf Selbstfindung begaben, bis zu sich selbst und ihrer Tochter. Ein Gespräch über eine faszinierende Chronik weiblicher Emanzipation und Vergangenheitsaufarbeitung zwischen Schmerz und Befreiung.

Von Bettina Hirsch