Über autobiografisches Erzählen

„Mit Erinnerung ist es komisch“

Die eigene Familiengeschichte in Filmen zu erfassen, ist für viele Dokumentaristen eine reizvolle Herausforderung. Die fiktionale Seite von Erinnerungen denken Filmemacher dabei immer öfter mit, was zu Filmen jenseits klassischer Erzählweisen führt: Inszenierte Szenen, Reenactments und stilisierte Tableaus erschaffen hybride, spannungsvolle Formen. Ein Essay über die Neuerfindung des autobiografischen Erzählens im Dokumentarfilm.

Von Esther Buss

Joseph Ratzinger vs. die böse Welt - Der Dokumentarfilm „Verteidiger des Glaubens“

Im April 2019 sorgte der ehemalige Papst Benedikt XVI. Joseph Ratzinger mit einem Artikel für Empörung, in dem er die Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche der 1968er-Bewegung zur Last legte, die die moralischen Standards in Gesellschaft und Kirche erodiert habe. Beim DOK.fest München feierte kürzlich ein Film von Christoph Röhl Premiere, der sich kritisch mit der Person Ratzinger und vor allem mit ihrer Reaktion auf die Krisen der katholischen Kirche befasst.

Konfetti 46: „Wir machen Musik“

Das Kino erzählt beständig davon, wie sich Liebe und Musik gegenseitig bedingen. Helmut Käutners Revuefilm „Wir machen Musik“ (1942) führt das par excellence an der Beziehung eines Künstlerpaars aus, offenbart aber auch, wo Musik und Liebe auseinandergehen. Im 46. Beitrag zum „Konfetti“-Blog nimmt sich Lukas Foerster die Schlüsselszene des Films vor.

Filmkultur News

Die Blicke der anderen

Der Blick auf die Bevölkerungsgruppen der Roma ist im Kino bis auf wenige Ausnahmen ein fremdbestimmter. Das diesjährige Symposium beim goEast-Festival in Wiesbaden erinnerte daran, dass die Film-Perspektiven auf die Roma aber durchaus vielfältig waren: Neben den Klischees von lustigen Exoten gab es ernsthafte Auseinandersetzungen mit Kultur und Lebensweise der Roma sowie kritische Werke über ihre Diffamierung und Ausgrenzung. Eine Begegnung mit erhellenden wie irritierenden Filmen.

Von Fabian Tietke

Kampfbereit

Auftakt in Cannes: Am 14.5. eröffnet das 72. Filmfestival an der Côte d’Azur mit Jim Jarmuschs „The Dead Don’t Die“. Wer will, kann aus dem Titel einen gewissen Sarkasmus heraushören, wie auch aus Quentin Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“, der es auf den letzten Drücker noch nach Cannes geschafft hat. Denn Festivalchef Thierry Frémaux steht unter Druck, nach dem verstolperten letzten Jahr wieder zum großen Konkurrenten aus Venedig aufzuschließen.

Von Josef Lederle

Der große Kurator

Kuratierte Reihen schlagen eine hilfreiche Schneise ins Dickicht des immer unübersichtlicher werdenden Filmangebots. Mittlerweile genießen sie hohes Ansehen als eine der letzten Bastionen des Filmerbes. Ihr Aufstieg ist jedoch im Wesentlichen Ausdruck einer Repräsentationskrise: Da das Kino sich immer mehr ganz dem Hier und Jetzt verschreibt, hat es die Verantwortung für die Filmkultur nach außen delegiert. Das Ergebnis ist eine bedenkliche Überbewertung der kuratorischen Aufgabe.

Ein Essay von Lukas Foerster

Tage des Glücks

Die 65. Kurzfilmtage in Oberhausen (1.-6. Mai) verbanden in bewährter Manier einen Überblick über die internationale Jahresproduktion von Experimentalfilmen mit Programmen, die nach persönlichen Vorlieben kuratiert werden. Ein Pas de deux, der jedes Jahr aufs Neue wunderbar funktioniert. Besonders schön blüten 2019 die Sonderprogramme.

Von Fabian Tietke

Das Kino ist tot – Es lebe das Kino!

Wie finden Dokumentarfilme künftig ein Publikum, angesichts einer sich permanent verschiebenden Medienlandschaft, in der die klassische Medien Kino und Fernsehen zugunsten der Online-Plattformen an Boden verlieren? Der Leiter des DOKfest München, Daniel Sponsel, glaubt weniger an die Konkurrenz als vielmehr an ein Zusammenspiel der unterschiedlichen Vertriebswege.

Ein Gastbeitrag von Daniel Sponsel

Deutsche Einheit

Die Gesellschaft ist gespalten, die Filmwelt hält zusammen! So präsentierte sich die deutsche Filmbranche bei der 69. Verleihung der „Deutschen Filmpreise“ am 3. Mai 2019. Die Fähigkeit des Kinos, Widersprüche zu versöhnen, wurde bei der Gala immer wieder betont, gerade auch als Gegengewicht zur Polemik in den politischen Debatten. Das Bemühen um Einklang fiel dennoch manchmal recht holprig aus.

Von Marius Nobach

Deutscher Filmpreis: Die Verleihung 2019

Am heutigen Freitag, 3. Mai, wird im Palais am Funkturm in Berlin der Deutsche Filmpreis 2019 verliehen. Als Favoriten gehen das Biopic „Gundermann“ von Andreas Dresen, Caroline Links Bestseller-Verfilmung „Der Junge muss an die frische Luft“ und das Hochsee-Drama „Styx“ von Wolfgang Fischer in die „Lola“-Preisverleihung. Moderiert wird die Gala von der Schauspielerin Désirée Nosbusch und dem Komiker Tedros Teclebrhan.

Konfetti 45: „Ball im Savoy“

In der Operetten-Komödie „Ball im Savoy“ (1935) setzt sich eine Komponistin und Dirigentin nicht nur über Geschlechterzwänge hinweg, sie und ihre Darstellerin Rosi Barsony brechen auch aus erwartbaren Choreografien aus. Im 45. Beitrag zum „Konfetti“-Blog erkundet Lukas Foerster eine eigenwillige Tanzszene, in der die Anarchie über die Konvention triumphiert.