Spuren des Religiösen im Film

Christliche Identität in der Krise

Im Kino oder in Serien sind religiöse oder kirchliche Themen ziemlich populär, allen realen Skandalen zum Trotz. Fragen der Haltung und der inneren Überzeugung lassen sich in solchen Settings anscheinend klarer herausarbeiten. Ein Interview mit der Theologin Viera Pirker über eine derzeit stattfindende Tagung, die sich neuen Filmen und Serien mit Bezug zum Christentum widmet.

Das Gespräch führte Josef Lederle

In der Arche Noah durch die Eiswüste

Die realen Bilder verheerender Folgen des Klimawandels regen Filmemacher seit längerem zu apokalyptischen und dystopischen Gedankenspielen an. Dabei greifen sie mit besonderer Vorliebe auf biblische Motive zurück, um Katastrophenfilme oder philosophische Beschäftigungen mit den Fragen nach einer Zukunft menschlicher Werte plastisch zu bebildern. Aus theologischer Perspektive bieten diese Filme vielfältige Anknüpfungspunkte.

Von Joachim Valentin

Pasolini reloaded

In „Das Neue Evangelium“ von Milo Rau verschränken sich politischer Protest und biblische Erzählung zu einer herausfordernden Aktualisierung christlicher Grundüberzeugungen: dass Gerechtigkeit und Menschenwürde sich an den Rändern der Gesellschaft bewähren müssen. Raus „Revolte der Würde“ schreibt damit das filmische „Evangelium“ von Pier Paolo Pasolini fort.

Von Reinhold Zwick

Orte des Trostes

Die Filminstallationen des Medienkünstlers Thomas Henke entziehen sich der einfachen Wiedergabe, weil sie zu intimen Zwiegesprächen zwischen Leinwand und Betrachter verführen. In Berlin war jüngst in der Kirche St. Thomas von Aquin für kurze Zeit sein „Film der letzten Zuflucht“ zu sehen, der von Orten des Trostes angesichts letzter Dinge handelt. Annäherungen an eine "präsentische" Bildkunst.

Von Stefan Förner

Die Kraft der Vergebung

In dem US-amerikanischen Drama „Waves“ von Trey Eward Shults gerät eine afro-amerikanische Mittelstandsfamilie in eine extreme Zerreißprobe, als ihr Sohn durchdreht und ein Verbrechen begeht. Der Film findet dabei nicht nur für das gesellschaftliche Umfeld der Figuren treffende Bilder, sondern greift auf christlich geprägte Motive wie Vergebung und Versöhnung zurück, um die Sackgassen aus Schuld und Verhängnis hinter sich zu lassen.

Von Joachim Valentin

Was sucht die Theologin im Kino?

Am Anfang war … der Sinn, die Kraft, die Tat? Goethes Faust zögert, weil ihm das biblische „Wort“ nicht mächtig genug erschien. Heute wissen wir es besser: Am Anfang ist das (Film-)Bild, das Kindern schon etwas bedeutet, bevor sie „Mama“ sagen können. Für die Theologie erwächst daraus die Herausforderung, sich mit der Bildermaschinerie kreativ zu beschäftigen. Ein Essay über die Lust (und Last) eines christlichen Denkens im Dialog mit dem Kinoversum. Von Joachim Valentin

Dichtung und Wahrheit

Bei den „Oscars“ waren gleich zwei Papst-Darsteller nominiert: Jonathan Pryce als Papst Franziskus und Anthony Hopkins als Benedikt XVI. Das fiktionale Drama „Die zwei Päpste“ kreist um eine Begegnung zwischen Benedikt XVI. und seinem späteren Nachfolger, Kardinal Jorge Mario Bergoglio. Viele fragen sich, was an dieser Geschichte der Wahrheit entspricht und was erfunden ist.

Von Ludwig Ring-Eifel

Vor der Befreiung. Und danach

In den Filmen der italienischen Regisseurin Alice Rohrwacher begegnen sich höchst produktiv archaische und postmoderne, religiöse und profane Elemente. Aus der Verbindung von dokumentarischer Authentizität und symbolisch-metaphorischen Bezügen erwächst eine zeichenhafte Verrätselung der Welt, die Staunen macht, aber auch den Widerspruch zu den unerfüllten Versprechungen der Moderne offen hält.

Von Karsten Visarius

Malicks Märtyrer

In „Ein verborgenes Leben“ stellt Terrence Malick den Widerstand des tiefgläubigen österreichischen Bauern Franz Jägerstätter gegen den Nationalsozialismus bis zur Hinrichtung dar. Sein Interesse kommt nicht von ungefähr: Jägerstätters Christentum und sein naturnahes Umfeld fügen sich schlüssig in Malicks eigene religiöse Auseinandersetzungen ein.

Von Bert Rebhandl

„Man muss beide Figuren lieben“

Das dialogische Drama „Die zwei Päpste“ ersinnt ein Treffen zwischen Papst Benedikt XVI. und seinem Nachfolger Kardinal Bergoglio ein Jahr vor Benedikts Rücktritt. Drehbuchautor Anthony McCarten spricht über seinem Zugang zu dem Stoff und die Herausforderung, ein Gleichgewicht zwischen progressiven und konservativen Argumenten zu finden.

Von Rainer Gansera