Spuren des Religiösen im Film

Film als Gebet

Seit "Tree of Life" (2011), seiner großen Hymne auf die Schöpfung, ist der US-amerikanische Regisseur Terrence Malick in einen wahren Schaffensrausch verfallen, der beinahe im Jahreswechsel neue Werke hervorbringt. Die Filme "Tree of Life" (2011), "To the Wonder" (2012), "Knight of Cups" (2015) und "Song to Song" (2017) fragen so bildgewaltig wie schüchtern nach dem Verhältnis des Menschen zu seiner Herkunft und dem Rätsel seiner Existenz.

40 Tage in der Wüste

Auf der Suche nach Gott streift Jesus fastend durch die Wüste und kämpft mit den Einflüsterungen eines Versuchers, der als sein Alter Ego erscheint. Das in seiner Formsprache asketische, meditativ angelegte Drama erweitert die biblische Versuchungsgeschichte durch die Herausforderung an Jesus, die schwierigen Konflikte einer Familie zu lösen, und setzt dabei auf thematisch vielfältige Spiegelungen. Eine interessante Variation der Jesus-Geschichte mit offenen Denkanstößen, beeindruckend auch durch die Leistung des Hauptdarstellers in der Doppelrolle als Jesus und Versucher.

Von Menschen und Göttern

Im Jahr 1996 wurden im Altasgebirge in Algerien sieben Trappistenmönche ermordet. Das spirituelle Drama zeichnet das Leben der Mönche und ihr intensives Ringen mit der islamistischen Bedrohung nach.  Sollen die Brüder ihr Kloster aufgeben und fliehen oder aus Solidarität mit den Menschen bleiben und damit ihren Tod riskieren? Ein tief berührendes, vorzüglich recherchiertes Drama der Versöhnung und tiefen Menschenliebe. 

2001: Odyssee im Weltraum

Ein geheimnisvoller schwarzer Monolith, Walzerklänge, ein Amok laufender Bordcomputer und die kosmische Wiedergeburt. Stanley Kubricks fantastisches Kinoabenteuer vereint technische Utopie und kulturphilosophische Spekulation zu einer Weltraumoper von überwältigendem Ausmaß. Als ironisch-skeptische Geschichte der Hominisation filmisch ist bis heute unübertroffen.

Die große Stille

Die "Grande Chartreuse", das Ursprungskloster der Karthäusermönche nahe Grenoble, ist ein Ort jenseits der Zeit, an dem die Mönche ihr Leben in tiefstem Schweigen verbringen. Der experimentelle Dokumentarfilm von Philip Gröning lässt sich mit ähnlicher Entschlossenheit auf das Leben der Mönche ein. Seine wortlose Beobachtungen verzichtet auf jede Information über den kontemplativen Orden, lassen an der radikalen Existenzform aber unmittelbar teilhaben.