Spuren des Religiösen im Film

Die zwei Päpste

In der Katholischen Kirche läutete die Wahl des argentinischen Kardinals Jorge Mario Bergoglio am 13. März 2013 zum neuen Oberhaupt eine Zäsur ein. In dem Drama „Die zwei Päpste“ umkreist der Regisseur Fernando Meirelles das Ringen um die kirchliche Ausrichtung in Gestalt einer wechselseitigen „Beichte“ zwischen dem bisherigen Amtsinhaber Papst Benedikt XVI. und seinem Nachfolger Papst Franziskus. Ein gefälliger, sanft-ironischer Blick hinter die Kulissen. Der Film ist ab 20. Dezember auf Netflix zu sehen.

Von Josef Nagel

Zwischen Satire und Experiment

Die Arbeiten des Kölner Filmemachers Christoph Böll lassen sich nur schwer über einen Kamm scheren. Er begann in den 1970er-Jahren mit Super-8-Experimenten, drehte dann satirische Spielfilme, entdeckt später das Dokumentarische, dem er in einer Mischung aus Essay und klassischer Ausrichtung bis heute verbunden ist. Sein Werk kreist um sinnliches Erleben, das mit den Stilmitteln einer informellen Filmästhetik auch vor sakralen Momenten nicht zurückschreckt.

Von Peter Kremski

Experimente im kirchlichen Raum

Der Filmemacher Christoph Böll entstammt einer Familie, die sich selbst dem rheinischen Katholizismus zurechnet. Sein Großvater war Holzbildhauer, der Altäre und Kommunionbänke schnitzte. Sein Vater schrieb ein Buch über die Geschichte der Familie und ihres Glaubens. Und sein Onkel war der Schriftsteller Heinrich Böll. Die katholische Prägung spiegelt sich auch im Werk von Christoph Böll, der seit einigen Jahren auch dezidiert kirchenthematische Filme dreht.

Das Gespräch führte Peter Kremski

Die Ankunft der Fremden

In Denis Villeneuves Science-Fiction-Film „Arrival“ werden sämtliche Klischees des „Alien Invasion“-Genres bei Seite geschoben: Im behutsamen Versuch zweier Wissenschaftler, die Absichten von Lebewesen aus dem All herauszufinden, greift das Drama über die Kommunikation mit dem Fremden subtil auch theologische Motivkreise um die Sprachverwirrung und die Sehnsucht nach einer friedvollen Gemeinschaft auf.

Von Matthias Wörther

Was sucht die Theologin im Kino?

Am Anfang war … der Sinn, die Kraft, die Tat? Goethes Faust zögert, weil ihm das biblische „Wort“ nicht mächtig genug erschien. Heute wissen wir es besser: Am Anfang ist das (Film-)Bild, das Kindern schon etwas bedeutet, bevor sie „Mama“ sagen können. Für die Theologie erwächst daraus die Herausforderung, sich mit der Bildermaschinerie kreativ zu beschäftigen. Ein Essay über die Lust (und Last) eines christlichen Denkens im Dialog mit dem Kinoversum. Von Joachim Valentin

Die Wege des Herrn

„Die Wege des Herrn“ – sind bekanntlich unergründlich. Die dänische Serie lotet Gottes Pfade und die menschliche Suche nach dem Sinn des Daseins am Beispiel einer protestantischen Pfarrersfamilie aus. Die 10-teilige, ebenso unterhaltsame wie facettenreiche Fernsehserie läut aktuell bei arte und erscheint am 4. Dezember auf DVD und Blu-ray.

Von Katharina Zeckau

Gott und Mensch im Spiegel der Jesusfilme

Sind filmische Versuche, sich der Gestalt Jesus Christus anzunähern, von vornherein zum Scheitern verurteilt? Der Theologe Matthias Wörther verortet die Frage in den historischen Entwicklungen des Jesusbildes und sieht in der Vielfalt der filmischen Jesus-Figuren ein großes Plus.

Von Matthias Wörther

Ein Film über Edith Stein

„A Rose in Winter“ zeichnet ein Porträt der jüdischen Philosophin, die zum Katholizismus konvertierte und als Karmelitin von den Nazis in Auschwitz ermordet wurde.

Barbara Miller über ihren Film „#Female Pleasure“

Sexismus und Machtmissbrauch, wie sie in der #MeToo-Debatte diskutiert wurden, wurzeln in der Idee, dass Frauen weniger wert sind als Männer, dass ihr Körper sündhaft und die weibliche Sexualität des Teufels sei. Das hat viel mit Religion zu tun, wie der Dokumentarfilm „#Female Pleasure“ eindringlich vor Augen führt. Ein Gespräch mit der Filmemacherin Barbara Miller über Macht, Herrschaft und die männliche Angst vor dem Leben. Von Irene Genhart