Stipendiat 2022: Daniel Kothenschulte

Das Siegfried-Kracauer-Stipendium ist ein Jahresstipendium. Es soll einer Filmkritikerin oder einem Filmkritiker die Möglichkeit eröffnen, sich über einen längeren Zeitraum mit einem Thema zu beschäftigen. Der aktuelle Stipendiat Daniel Kothenschulte widmet sich in einer Essayreihe dem Thema „Kino gegen den Stream – Filmkultur nach der Krise“. Dabei geht es darum, aus der Geschichte früherer Kinokrisen in die Zukunft zu blicken und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie auch heute aus der Krise der mit den Streamingdiensten konkurrierenden Kinos, die durch die langen Lockdowns im Zuge der Covid-19-Pandemie verschärft wurde, wieder eine lebendige Kultur entstehen kann.

Die Jury hat besonders der „dezidierter Blick auf die Einzigartigkeit des Kinos als soziales Massenmedium" überzeugt, "das in der Lage ist, gesellschaftliche Brücken zu schlagen. Eine Qualität, die in der heutigen, sich immer stärker fragmentierenden Gesellschaft nötiger ist denn je.“ Außerdem schreibt Daniel Kothenschulte im Rahmen des Stipeniums unter dem Titel "Kinomuseum" einen regelmäßigen Blog.

filmdienst.de ist Medienpartner des Siegfried-Kracauer-Stipendiums, mit dem der Verband der deutschen Filmkritik zusammen mit der MFG Filmförderung Baden-Württemberg und der Film- und Medienstiftung NRW der Filmkritik mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit verschaffen will.

Kinomuseum-Blog (3) – Liebe und Blut

In seiner Heimat wird Isaac Nabwana als ugandischer Tarantino bezeichnet, weil er mit seiner Produktionsfirma Wakaliga gerne Actionfilme dreht und durchaus auch eine Vorliebe für Blut nicht leugnen kann. Die documenta fifteen richtet dem Autodidakten ab 15. Juni erstmals außerhalb Afrikas eine Werkschau aus. Ein Gespräch mit dem Filmemacher, der seine Werke als kommentiertes Leben versteht.

Von Daniel Kothenschulte

Kinomuseum-Blog (2) - Sneak-Preview

Daniel Kothenschulte war Ostermontag in einer Sneak-Preview – als Teil eines leider nicht gerade großen Publikums, das dieser Art von Überraschungsei-Kino noch huldigt. Anlass für eine kleine Bestandsaufnahme, wie es im aktuellen Kampf um den Heiligen Gral „Zuschauer-Aufmerksamkeit“ derzeit steht.

Von Daniel Kothenschulte

Kino gegen den Stream (I): Zurück ins Kino?

Das Kino ist zurück. Aber ist es noch dasselbe? Kann man etwas, das rund 125 Jahre lang allgegenwärtig war, so einfach aus- und wieder anschalten wie eine Projektorlampe? Und sind wir diesem Kino noch dasselbe Publikum? Zum Start der Essayreihe „Kino gegen den Stream“ blickt der Siegfried-Kracauer-Stipendiat Daniel Kothenschulte auf die Chancen des Kinos nach dem Wegfall der Pandemie-Beschränkungen.

Kinomuseum-Blog (1): Die Toten auf der Treppe in Odessa

Zum Auftakt des neuen Siegfried-Kracauer-Blogs „Kinomuseum“ erinnert sich Daniel Kothenschulte an seinen Besuch der berühmten Freitreppe in Odessa und denkt über die erstaunliche Kraft des Kinos nach, existierende Orte und die mit ihnen verbundenen Katastrophen in Denkmäler zu verwandeln.

Von Daniel Kothenschulte

Das Kino, die Wirklichkeit und ich (VI): Rückkehr und Verschwinden

Der französische Filmemacher Jean Eustache griff in seinen autobiografischen Werken das eigene Leben auf, setzte sich aber radikal von den Konventionen biografischen Erzählens ab. Vor dem Hintergrund aktueller literarischer Autofiktion lässt sich Eustaches Oeuvre als filmisches Wagnis neu verstehen.

Von Esther Buss

Aus der ersten Person #23: „Mon voyage d’hiver“ (2003) von Vincent Dieutre

In den autofiktionalen Filmen des Franzosen Vincent Dieutre sind das Ich und die Welt stets aufeinander bezogen, geradezu durchlässig füreinander. So reist in „Mon voyage d’hiver“ ein Mann mit seinem Patenkind durch Deutschland, mit Schuberts „Winterreise“ und den Gedichten von Bachmann und Brecht im Gepäck. In ihrem Kracauer-Blog folgt Esther Buss Dieutres Spuren, auf denen das Persönliche wie selbstverständlich vom Kollektiven durchdrungen ist.

Das Kino, die Wirklichkeit und ich (V): Unzuverlässige Bilder

Kann man mit der filmischen Apparatur, mit Kamera, Tongerät und Projektion, zu autobiografischer Wahrheit vorstoßen? Seit Jim McBrides fingiertem Filmtagebuch „David Holzman’s Diary“ (1967) wird darüber lebhaft diskutiert, auch aus dezidiert weiblicher Perspektive.

Von Esther Buss

Aus der ersten Person #22: „Present.Perfect.“ (2019) von Shengze Zhu

Die chinesische Regisseurin Shengze Zhu präsentiert in ihrem Film „Present.Perfect.“ Bilder aus Live-Streaming-Plattformen ihres Landes, auf denen auch gesellschaftliche Randfiguren um Aufmerksamkeit buhlen. Esther Buss spürt in ihrem Kracauer-Blog der Kraft dieses kontemplativen Werks nach, das von Arbeitsbedingungen, Bauboom und Gentrifizierung erzählt, aber auch von tiefer Einsamkeit.