Aus der ersten Person #12: Alfred Guzzettis unendliche Faszination für das Wesen der Zeit

Alles begann mit dem Schwarz-Weiß-Foto einer nächtlichen Straße im South Philadelphia der 1938er-Jahre: Was für Außenstehende zunächst belanglos wirkt, nutzt der Videokünstler Alfred Guzzettis zur reflexiven Erzählung um seine Familie und insbesondere den verstorbenen Vater – ein besonderes zeitdokumentarisches Element, das sich in vielen von Guzzettis Werken wiederfindet. Ein Blogbeitrag von Esther Buss im Rahmen des Siegfried-Kracauer-Stipendiums.

Aus der ersten Person #11: „Did You Wonder Who Fired the Gun?“ (2017) von Travis Wilkerson

Vor 80 Jahren erschoss der Urgroßvater von Travis Wilkerson den Afroamerikaner Bill Spann, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Das holt der Filmemacher jetzt mit einem Film nach, der zwischen Anrufung und Beschwörung Elemente aus dem True-Crime-Genre mit Southern-Gothic-Einsprengseln mischt, um sich vom Albtraum seiner Familiengeschichte zu befreien. Ein Blogbeitrag von Esther Buss im Rahmen des Siegfried-Kracauer-Stipendiums.

Aus der ersten Person #10: „History and Memory: For Akiko and Takashige“ (1991) von Rea Tajiri

Im Dezember 1941 wurde die Familie der US-Regisseurin Rea Tajiri nach dem Angriff auf Pearl Harbor in ein Camp nach Arizona deportiert, weil sie japanischer Abstammung war. Fotografieren war dort streng verboten, deshalb existieren vom Leben im Lager keine Bilder. Esther Buss geht in ihrem Siegfried-Kracauer-Blog einem medienkritischen Essay von Rea Tajiri nach, in dem die Filmemacherin die schmerzende Leerestelle mit „unzugehörigen“ Bilder aus Hollywood-Filmen, Found Footage, Reenactments und aktuellen dokumentarischen Aufnahmen füllt.

Aus der ersten Person #9: In den Erinnerungsräumen von Antoinette Zwirchmayr

Die österreichische Filmemacherin Antoinette Zwirchmayr nennt ihre auf 35mm gedrehten Arbeiten „Standfilme“. Vielfach besetzte Wahrnehmungsfragmente verdichten sich darin im Zusammenspiel von stilisierten Objekten, Körpern und Landschaften zu Tableaux vivants. Ihr dreiteiliges Werk „Woran ich mich erinnere“ kreist um Autobiografisches, verschiebt die Reminiszenzen aber in ein bühnenhaftes Zwischenreich.

Von Esther Buss

Das Kino, die Wirklichkeit und ich (II): Heftige Bindungen

Das dokumentarische Kino ist reich an persönlichen Geschichten. In den Filmen, die Töchter über ihre Mütter drehen, tritt das Motiv des Enthüllens allerdings oft hinter eine feinnervige Intimität zurück, die sich eher Beziehungsfragen widmet und auf Persönliches einlässt.

Von Esther Buss

Aus der ersten Person #6: „Qué séra del verano“ (2021) von Ignacio Ceroi

Der Argentinier Ignacio Ceroi erstand bei einem Besuch in Frankreich eine gebrauchte Kamera mit Amateuraufnahmen eines französischen Rentners. Diese bildeten den Grundstock für Cerois Film „Qué séra del verano“, der 2021 in der „Forum“-Sektion der „Berlinale“ Premiere hatte. In ihrem Kracauer-Blog geht Esther Buss darauf ein, wie die Gedanken des Regisseurs mit den fremden Bildern ein ambivalentes Wechselspiel eingehen.

Aus der ersten Person #5: „Zumiriki“ (2019) von Oskar Alegría

Der baskische Filmemacher Oskar Alegría unternimmt in „Zumiriki“ den Selbstversuch, einen Erinnerungsraum seiner Kindheit am Flussufer des Río Arga zu schaffen. Dort will er sich selbst abhandenkommen. In ihrem Kracauer-Blog nimmt sich Esther Buss dieses autobiografischen Filmprojekts an.

Aus der ersten Person #4: „Träume von Räumen“ (2018) von Matthias Lintner

Fünf Jahre lang filmte der dffb-Student Matthias Lintner die Mitbewohner in seinem Backsteinblock der „Kleinen Bremer Höhe“ in der Nähe der Berliner Volksbühne. Was früher eine Anlage für Eisenbahner war, fällt jetzt bald der Luxussanierung zum Opfer. Esther Buss zeichnet in ihrem Kracauer-Blog die Linien und Verknüpfungen dieser ausgewöhnlichen Langzeitstudie nach.