Die 100 besten Filme von Frauen

Mittwoch, 04.12.2019

Eine Umfrage von BBC Culture unter 368 Filmexperten aus 84 Ländern über die 100 besten Filme, die von Frauen inszeniert wurden

Diskussion

Eine Umfrage der BBC unter 368 Filmexperten aller Geschlechter hat die besten 100 Filme, die von Frauen inszeniert wurden, eruiert. An der Spitze steht unangefochten „Das Piano“ von Jane Campion; die französische Filmemacherin Agnès Varda ist mit insgesamt sechs Werken vertreten; es konnten sich aber auch Maren Ade und Margarethe von Trotta platzieren – und kurioserweise auch Leni Riefenstahl.


Schon lange vor dem Internetzeitalter standen Listen, Übersichten und „Best of“-Zusammenstellungen bei Filmkritikern hoch im Kurs. Angesichts der puren Anzahl an Filmen, die man im Laufe eine Kritikerlebens sieht, bot sich eine wertend-selektierende Aufstellung fast von selbst als Möglichkeit ab, der enormen Fülle Herr zu werden und die Seherfahrungen in einschlägigen Jahresbestenlisten zu summieren oder in anderen „Best of“-, All-Time- oder anderen Breviers zu notieren.


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Die Digitalisierung hat diese Lust an der Übersicht paradoxerweise noch vervielfältigt, weil in der Unendlichkeit der Datenflut verlässliche Wegmarken zumindest ansatzweise eine Orientierung bieten. Bei der Kulturabteilung der BBC hat man sich schon vor ein paar Jahren auf die neue Lust an den „Listicles“ kapriziert und aufwändige Umfragen auf den Weg gebracht, die beispielsweise nach den „100 besten US-amerikanischen Filmen“ (2015), den „100 besten Filmen des 21. Jahrhunderts“ (2016), den „100 besten Komödien aller Zeiten“ (2017) oder den „100 besten nicht-englischsprachigen Filmen (2018) fahndeten.

Ein blinder Fleck

Auf der Suche nach einem Stichwort für die diesjährige Umfrage stach den Redakteuren der Umstand ins Auge, dass in den bisherigen BBC-Filmstatistiken der Anteil von Regisseurinnen erschreckend gering ausfällt; selbst in der 2018er-Umfrage nach den besten nicht-englischsprachigen Filmen stammten nur vier von 100 Filmen von Frauen; bei der 2015er-Liste ("US-amerikanische Filme“) waren sogar nur zwei Filmemacherinnen vertreten; immerhin platzierten sich bei der Suche nach den besten Filmen des 21. Jahrhunderts wenigstens zwölf Regisseurinnen unter den ersten 100.

Verneigung an eine der ersten Stummfilm-Regisseurinnen: "Shoes" (1916) von Lois Weber
Verneigung vor einer der ersten Stummfilm-Regisseurinnen: "Shoes" (1916) von Lois Weber

Das führte relativ zwingend dazu, 2019 den Fokus ausschließlich auf Filmemacherinnen zu richten, wobei insgesamt 368 Experten aus allen Geschlechtern – Kritiker, Journalisten, Festivalverantwortliche und Filmwissenschaftler – aus 84 Ländern von Afghanistan bis Simbabwe um ihr Votum gebeten wurden. Jeder Teilnehmende listete seine 10 Favoriten auf, die von Frauen inszeniert worden waren; aus Deutschland wurden Andreas Borcholte (Spiegel), Andreas Kilb (FAZ), Susanne Burg (Deutschlandfunk), Thomas Elaesser, Anke Leweke (Deutschlandfunk), Verena Lueken (FAZ), Hannah Pilarczyk (Spiegel) und Susan Vahabzadeh (SZ) um ihre Voten gebeten.

Beeindruckende Sammlung von Filmen

Das Ergebnis ist eine beeindruckende Sammlung von Filmen, die die Kreativität und Vielfalt des Kinos von Frauen auf der ganzen Welt demonstrieren, angefangen von Lois Webers Stummfilm "Shoes" (1916) bis hin zu „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ (2019) von Céline Sciamma. Nicht verwunderlich ist, dass die meisten Filme in der Liste erst seit den 1990er-Jahren entstanden und meist aus den reichen westlichen Ländern stammen; allerdings sind auch Filme aus Argentinien, dem Iran, der Ukraine, Saudi-Arabien, Indien, Tunesien und der Tschechischen Republik unter den Top 100 vertreten.

An der Spitze der beliebtesten Regisseurinnen steht dabei mit stolzen sechs Filmen Agnès Varda, gefolgt von Kathryn Bigelow, Claire Denis, Lynne Ramsay und Sofia Coppola. Und auf Platz eins thront unangefochten „Das Piano“ von Jane Campion; fast zehn Prozent aller Kritikerinnen und Kritiker hatten das Seelendrama ganz nach oben gesetzt; kurioserweise taucht auch Leni Riefenstahl zwei Mal auf, nicht nur mit „Olympia“, sondern auch mit dem tiefbraunen NS-Propagandafilm „Triumph des Willens“; mit Maren Ade („Toni Erdmann“), Margarethe von Trotta („Die bleierne Zeit“) und Lotte Reiniger ("Die Abenteuer des Prinzen Achmed“) finden sich weitere deutsche Filmemacherinnen in der Aufstellung. Insgesamt wurden 761 verschiedene Filme nominiert; alle Einzelvoten der Teilnehmenden sind ebenfalls auf den BBC-Webseiten einsehbar (A-K und L-Z).

Szenen aus dem ersten erhaltenen Trickfilm von Lotto Reiniger: "Die Abenteuer des Prinzen Achmed"
Szenen aus dem ersten erhaltenen Trickfilm von Lotto Reiniger: "Die Abenteuer des Prinzen Achmed"

Directed by women

Wie bei allen Listen dieser Art sollte man die Zusammenstellung und Gewichtung aber nicht überbewerten, sondern eher als Anreiz verstehen, das Thema individuell zu variieren und fortzuschreiben. Als Votum einer nicht repräsentativen Gruppe fordert die Umfrage nach den „The 100 greatest films directed by women“ geradezu heraus, die eigenen Wahrnehmungen und Reflexionen beizusteuern.


1. Das Piano (Jane Campion, 1993)

2. Mittwoch zwischen 5 und 7 (Agnès Varda, 1962)

3. Jeanne Dielman (Chantal Akerman, 1975)

4. Beau Travail (Claire Denis, 1999)

5. Lost in Translation (Sofia Coppola, 2003)

6. Daisies (Věra Chytilová, 1966)

7. Tödliches Komm

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