"Kultur ist der Kitt der Gesellschaft" - Das Filmjahr 2021 (II)

Der Regierungswechsel in Berlin beförderte die frühere „Ton Steine Scherben“-Managerin Claudia Roth auf den Sessel der Kulturstaatsministerin. Die Filmbranche hofft auf eine starke Streiterin an ihrer Seite, da COVID-19 weiterhin heftig an den Kinos rüttelt. Die zweite Jahreshälfte 2021 war erneut vom Auf und Ab der Pandemie geprägt. Eine Rückschau in sechs Kapiteln.

Von Reinhard Kleber

Träume unterm Himmelszelt - Das Filmjahr 2021 (I)

Im späten Frühjahr sah es für alle Bereiche des öffentlichen Lebens zunehmend besser aus. Die Inzidenzen sanken, die Impfkampagne kam in Fahrt, das Leben kehrte in Cafés und auf die Plätze zurück. Auch die Kino öffneten wieder und die Sommer-„Berlinale“ versprach nicht nur in der Hauptstadt bald wieder normalere Zeiten. Rückblick auf die ersten sechs Monate des Filmjahres 2021.

Von Reinhard Kleber

Kultur endet nicht an Grenzen - Europäische Filmpreise 2021

Bei der Preisgala der 34. Europäischen Filmpreise unterstrichen die Laudatoren unisono die Bedeutung von Kooperationen und internationaler Zusammenarbeit. Die neue deutsche Kulturstaatsministerin Claudia Roth bekräftigte, dass kulturelles Schaffen nicht an Grenzen Halt machen kann. Gewinner des Abends und bester europäischer Film ist „Quo vadis, Aida?“ von Jasmila Žbanić.

Von Marius Nobach

Heinz Emigholz – Counter Gravity

Im Berliner Haus der Kulturen der Welt ist derzeit eine Werkschau von Heinz Emigholz zu sehen, die sein gesamtes, fast 100 Filme zählendes Werk umfasst. Parallel dazu ist ein voluminöses Buch erschienen, das einen umfassenden Blick auf die Arbeiten des „Architekten von Zeit“ wirft.

Von Wilfried Reichart

Kleider machen Filme - Kino und Mode

Mit „House of Gucci“ kommt gerade ein Drama über die italienische Modedesigner-Dynastie in die Kinos. Der Film stammt von Ridley Scott und hat schon im Vorfeld einen Run auf Gucci-Handtaschen ausgelöst. Das Kino und Mode umschwärmen sich, seit es das Medium Film gibt. Beide changieren zwischen Kunst und Industrie, lieben den schönen Schein und spielen mit dem Begehren. Eine Annäherung an die vielfältigen Sprachen von Kleidung & Kino.

Von Patrick Holzapfel

Festival-Auslese - Neue Kinder- und Jugendfilme

Der Herbst ist für die Kinder- und Jugendfilmfestivals in Deutschland die Zeit, in der die besten neuen Filme präsentiert werden. Die Saison beginnt mit dem „Lucas“ in Frankfurt am Main, wird vom „Schlingel“ in Chemnitz fortgesetzt, dann folgt das Kinder- und Jugendfilmprogramm im Rahmen der Nordischen Filmtage in Lübeck; eine ganz eigene Note steuert das Dokumentarfilmfestival doxs! in Duisburg bei. Ein Streifzug durch diese vier Festivals, mit mehreren Hintergrundberichten und ausgewählten Film-Entdeckungen.

Kinder des Extrems: Das junge französische Genrekino

Mit ihrem Film „Titane“ hat die französische Regisseurin Julia Ducournau 2021 die „Goldene Palme“ in Cannes gewonnen und damit die Aufmerksamkeit auf eine Tendenz im aktuellen französischen Genrekino gelenkt, die sich in der Nachfolge des Kinos der „New French Extremity“ mit Gusto der Transgression widmet. Kreative wie Julia Ducournau, Bertrand Mandico oder Coralie Fargeat drehen die Gesellschafts-, Körper- und Geschlechternormen dabei blutig durch den Wolf.

Von Karsten Munt

„Wir bleiben treu“: Späte Premiere einer DEFA-Co-Produktion

Der 1986 in Angriff genommene Film „Wir bleiben treu“ sollte als Co-Produktion von sechs Staaten des Warschauer Pakts ein episches Panorama der Entwicklungen in den Ostblock-Staaten von der Zeit des antifaschistischen Widerstands bis in die jüngere Geschichte aufspannen; im Zuge der Wende kam das Mammutwerk aber nicht mehr in die DDR-Kinos. Jetzt feiert es am 4. November seine späte Premiere beim Filmfestival Cottbus. Über die konfliktreiche Entstehung eines Films zwischen Stalinismus und Perestroika.

Von Ralf Schenk

Komprimierte Gefühle: Online-Dating im Kino

Tinder, Grindr & Co sind weitverbreite Formen der Beziehungssuche. Der gesellschaftliche Blick aufs Online-Dating ist gleichwohl ambivalent, was sich auch in Filmen widerspiegelt, die sich damit beschäftigen. Oft führen Online-Beziehungen im Kino zu realen Verbindungen, doch manchmal loten die Filme spielerisch auch andere Möglichkeiten aus. Eine Spurensuche zwischen On und Off.

Von Anne Küper

Blinde Flecken – ein Comic zu Marlene Dietrich

Im Verlag Knesebeck ist eine Comic-Biografie erschienen, die sich dem international bekanntesten Star widmet, den das deutsche Kino hervorgebracht hat: Marlene Dietrich. Das Leben der vor rund 120 Jahren, am 27.12.1901, geborenen Schauspielerin, die nach ihrem Wechsel nach Hollywood zu einer Ikone des Kinos der „Goldenen Ära“ wurde, wird darin als subjektiver Rückblick der alten Dietrich aufgerollt.

Von Christian Meyer-Pröpstl