Der
plötzliche Tod des Filmemachers Thomas Heise am 29. Mai hat Bestürzung auslöst.
In seinen Filmen begegnete man Außenseitern und Theaterleuten, Stasi-Mitarbeitern
und Rechtsradikalen, ohne dass diese je auf solche Zuschreibungen reduziert
worden wären. Sie erschienen als Individuen voller Widersprüche, mit komplexen
Biografien und Lebenswünschen quer zur Wirklichkeit. Doch statt Porträts präsentierte
Heise lieber assoziative Annäherungen, die das Fragmentarische nicht leugneten und stets etwas Materialhaftes an sich hatten.
Die
Nachricht, dass der Dokumentarfilm- und Theaterregisseur Thomas Heise
am 29. Mai im Alter von 68 Jahren gestorben ist, löste Bestürzung aus. Manche
hatten ihn noch, so ihr Eindruck, vor einigen Wochen gesehen, mit ihm
gesprochen oder mit ihm auf einem Podium gesessen. Die Bestürzung hatte aber
nicht nur mit dem Schock zu tun, den im Grunde fast jede Nachricht vom Tod auslöst.
Sondern auch damit, dass alle insgeheim wussten, dass es jemanden wie Thomas
Heise nicht mehr geben wird.