Der unaufgeregte Rebell - Michael Verhoeven

Eigentlich wollte er dem familiär vorgezeichneten Leben in der Filmwelt entkommen. Deshalb studierte Michael Verhoeven Medizin und wurde Gehirnchirurg. Doch dann durchkreuzte ein Filmkuss seine Pläne. Seine Filmpartnerin Senta Berger wurde seine Ehefrau, und er einer der aufrechtesten und skandalträchtigsten deutschen Filmemacher. Wobei er mit seinen intensiven Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus immer den Themen, nie dem öffentlichen Aufruhr verpflichtet war.

Von Josef Schnelle

Zeit ist eine Fiktion - Lisandro Alonso

Der argentinische Regisseur Lisandro Alonso hat sich schon früh in der Welle innovativer Filmemacher seines Landes hervorgetan. Seine Arbeiten spielen in Räumen mit fließenden Grenzen und lösen auch feste Zeitstrukturen auf. Nach dem abstrakten Minimalismus seiner ersten Filme weisen seine Werke mittlerweile konkretere Erzählungen auf. Sein jüngster Film „Eureka“ (jetzt im Kino) handelt von Ausbeutung, Kolonialismus und der Plünderung von Ressourcen. Das Porträt eines Künstlers, der sich allen einengenden Verbindlichkeiten widersetzt.

Von Esther Buss

Wo die Musik sich auflöst - Interview mit Lorenz Dangel

Lorenz Dangel ist ein Komponist mit vielen Facetten: Neben Filmmusik schafft er auch Konzert- und Bühnenmusik und wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem „Deutschen Filmpreis“. Aktuell spielen Klänge von ihm eine zentrale Rolle in Matthias Glasners Drama „Sterben“. Ein Gespräch über die Herausforderungen einer zeitgenössischen Konzertmusik für einen Film, stilistische Gratwanderungen, die Arbeit mit Schauspielern und eine authentische Einstudierung am Set.

Von Kirsten Liese

Authentische Erfindungen - Christof Weigold

Der Schriftsteller Christof Weigold machte sich in den 1990er-Jahren als Schreiber für die „Harald Schmidt Show“ einen Namen und war als Drehbuchautor für Film und Fernsehen tätig. Nach ernüchternden Erfahrungen in der Branche wandte er sich Hollywood-Kriminalromanen zu, die im Goldenen Zeitalter der Traumfabrik spielen und reale Fälle zum Vorbild haben.

Das Gespräch führte Sofia Glasl

Mister Lucky: Henry Mancini

Am 16. April 2024 wäre Henry Mancini (1924-1994) 100 Jahre alt geworden. Der US-amerikanische Filmkomponist hat insbesondere in den 1960er-Jahren Melodien geschrieben, die zu den bekanntesten der Kinogeschichte gehören, von „Frühstück bei Tiffany“ über „Der rosarote Panther“ bis zu „Hatari!“. Die eingängigen, vom Jazz beeinflussten Kompositionen entsprachen den Bedürfnissen der Epoche und könnten aus heutiger Sicht aus der Zeit gefallen wirken. Doch Mancinis Musik zündet noch immer. Eine Würdigung.

Von Jörg Gerle

Anleitung zum Verschwinden - Marlon Brando

Mehr als das Image jedes anderen Hollywoodstars ist das von Marlon Brando von einer großen Fallhöhe gezeichnet: Von den Höhen der kultisch verehrten New-Hollywood-Ikone zu den tragischen Tiefen des Maßlos-Monströsen. Anlässlich des 100. Geburtstags des am 3. April 1924 geborenen US-Schauspielers taucht Patrick Holzapfel in dessen schillernde Rollengeschichte ein und liest sie als faszinierenden Gegenentwurf zu Star-Kult und Verweigerung an die Erwartung, zum Helden einer Generation zu werden.

Von Patrick Holzapfel

In einer Landschaft der Götter - Rodrigo Moreno

Der argentinische Regisseur Rodrigo Moreno hat mit „Die Missetäter“ ein Werk geschaffen, das sich über drei Stunden Laufzeit nicht in Schubladen pressen lässt. Es verbindet eine Bankräuber-Geschichte mit Aussteigerfantasien, einer Dreiecksromanze und dokumentarischen Einsprengseln. Ein Gespräch über die Entstehung des Films aus dem Geist der argentinischen Filmgeschichte heraus und das Spiel mit Realität und einer Fiktion, die überraschen soll.

Das Gespräch führte Michael Ranze

Mit feinem Humor - Percy Adlon

Von München nach Los Angeles ist es manchmal nur ein Gedankensprung. Bei Percy Adlon war es ein Straßenschild Richtung „Bagdad Cafe“. Nach den Dreharbeiten zu seinem berühmtesten Film „Out of Rosenheim“ (1987) blieb er mit seiner Frau Eleonore einfach in Kalifornien, bescherte dem deutschen Kino aber auch von dort aus weiter feine Komödien und sympathische Menschenporträts. Nachruf auf einen hintersinnigen Freigeist, der im Alter von 88 Jahren in Pacific Palisades gestorben ist.

Von Josef Schnelle