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Persischstunden

Samstag, 15.01.2022

Ein belgischer Jude soll in einem KZ einen NS-Mann in Farsi unterrichten, um am Leben zu bleiben - bis 14.2. in der ZDF-Mediathek

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Im Jahr 1942 wird der junge Belgier Gilles (Nahuel Pérez Biscayart) zusammen mit anderen Juden von der SS verhaftet. Die Deutschen fackeln nicht lange: Statt ins Konzentrationslager geht es direkt zur Massenerschießung in einen nahegelegenen Wald. „Ich bin Perser!“, ruft Gilles mitten im Kugelhagel und legt als Beweis ein persisches Buch vor, das er kurz zuvor gegen eine Scheibe Brot getauscht hat. Der Ausruf rettet ihm das Leben. Als Beweis fährt die Kamera langsam über Dutzende von Leichen, die achtlos liegengelassen wurden.

Was Gilles nicht wissen kann: Er bleibt am Leben, weil die Mörder zufällig einen Perser suchen. Er soll Farsi unterrichten, eine Sprache, die er nicht beherrscht. Sturmbannführer Koch (Lars Eidinger), Leiter der Lagerküche, träumt davon, nach Kriegsende in Teheran ein Restaurant zu eröffnen. Gilles bleibt nichts anderes übrig, als Vokabeln zu erfinden und sie als Farsi auszugeben. Mehr noch: Er muss diese Vokabeln auch selbst lernen, um gegenüber Koch weiterhin als Muttersprachler zu gelten. Ein einziger Fehler, und alles wäre vorbei.

Inspiriert von einer wahren Begebenheit, die Wolfgang Kohlhaase in der Erzählung „Erfindung einer Sprache“ überlieferte, entfaltet Regisseur Vadim Perelman eine bestechende Idee: Zwei Männer unterhalten sich in einer Sprache, die nur sie verstehen, niemand sonst. Das verleiht ihnen innerhalb des KZs, trotz des Machtgefälles zwischen Gefangenem und SS-Mann, eine besondere Beziehung.

„Persischstunden“ ist ein spannendes Drama, das in einem mutigen Balanceakt die Schrecken der Shoah distanziert darstellt und gleichzeitig einen feinen Sinn für Ironie beweist. Der Film kreist um die fragile, lebensgefährliche Beziehung zweier Männer, die zwischen Verbrüderung und Todfeindschaft auf eine verquere Weise zusammengebunden sind. - Ab 16.


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