Die Untrügliche - Fritzi Haberlandt im Porträt

Als bodenständige Elektrikerin, die es von der früheren DDR nach Wien verschlägt, zeigt die Schauspielerin Fritzi Haberlandt in „Wilma will mehr“ (ab 31.7. im Kino) einmal mehr, was ihr Spiel seit jeher auszeichnet: Zwischen Pragmatismus und Verträumtheit lässt sie stereotype Erwartungen an Rollenbilder hinter sich und zeichnet nuancenreich, wie eine Frau sich im Wandel treu bleibt. Ihre Instinktsicherheit hat die 1975 geborene Darstellerin aus Berlin vom Beginn ihrer Karriere an stets aufs Neue bewiesen. Eine Hommage.

Von Cosima Lutz

Das Leben hält sich an kein Drehbuch - Max Kronawitter

Mit seiner Produktionsgesellschaft „Ikarus“ hat der Filmemacher Max Kronawitter seit 1989 rund 250 Beiträge Dokumentarfilme und Fernsehbeiträge produziert, meist als Autor, Regisseur, Kameramann, Produzent und Cutter in Personalunion. Oft ging es darin um existenzielle Themen, um Krankheit und Tod. Jetzt ist er selbst schwer erkrankt. Eine Begegnung mit dem studierten Theologen, der mit seinen Arbeiten immer Partei ergreifen und Menschen bewegen wollte.

Von Katharina Zeckau

Seele in Plastilin - Porträt von Adam Elliot

Die filmkünstlerische Handschrift des Trickfilmers Adam Elliot ist unverwechselbar – seine Knetanimationen finden ihre Größe im Unperfekten. Von seinen ersten Kurzfilmen bis zu seinen Langfilmen "Mary & Max" und "Memoiren einer Schnecke" (ab Donnerstag im Kino) hat der 1972 geborene Australier sich als ebenso feinfühliger wie genauer Beobachter der Höhen und Tiefen im Leben seiner skurrilen Figuren erwiesen. In deren Knet-Körpern stecken mehr Menschlichkeit und Ausdruckskraft als in so manchen realen Darstellern.

Von Stefan Stiletto

Vom Wunder, am Leben zu sein - Véréna Paravel & Lucien Castaing-Taylor

Ab 17. Juli widmet das silent green Kulturquartier in Berlin dem Filmemacher-Duo Véréna Paravel & Lucien Castaing-Taylor die Ausstellung „Breathing Matter(s)“, in der die künstlerische Entwicklung der beiden nachgezeichnet und ihre wichtigsten Arbeiten präsentiert werden. Der Essay geht ihrer Kunst der Erweiterung des filmischen Erfahrungsraumes nach und lotet ihrer Versuche aus, die Grenzen des menschlichen Bicks zu weiten.

Von Patrick Holzapfel

Das umgekehrte Leben – Werkschau Alain Jessua

Das Filmkollektiv Frankfurt ehrt derzeit den französischen Filmemacher Alain Jessua mit einer Werkschau, die den Titel seines Debütfilms „Das umgekehrte Leben“ aufgreift. In seinen einzigartigen Werken ging es Jessua im Gewand des Genrekinos um mediale oder gesellschaftliche Veränderungen, die von den Zeitgenossen übersehen oder ignoriert wurden. Darin erwies er sich als ebenso diskreter wie unbeirrbarer Kritiker seiner Gegenwart.

Von Ralph Eue

Die Wahrheit muss nach außen treten - Körperbilder bei Julia Ducournau

Die französische Regisseurin Julia Ducournau hat sich mit ihren intimen Body-Horror-Filmen als Frontfigur eines neuen feministischen Kinos profiliert. Ihre Werke handeln von jugendlichen Fantasien, sexuellem Erwachen und Gender-Diskursen. Mit extremen Handlungen wird darin metaphorisch zum Kampf gegen hegemoniale Strukturen und überkommene Geschlechtervorstellungen geblasen.

Von Felix Knorr

Räume voller Geheimnisse - Die Werkschau Julian Rosefeldt

Der multimediale Künstler Julian Rosefeldt setzt in seinen Arbeiten aufwändige Film- und Video-Inszenierungen ein, wobei er die technischen Bedingungen und den ideologischen Unterbau der Bildproduktion stets mitthematisiert. Die aktuelle Werkschau „Nothing is Original“ im Ausstellungshaus C/O Berlin zeigt Installationen, Fotos und Filme aus dreißig Jahren und macht eine Entwicklung von eher dokumentarischen Anfängen bis zur Erzählkunst nachvollziehbar.

Von Jens Hinrichsen

Marxist in Marseille - Robert Guédiguian

Der französische Filmemacher Robert Guédiguian verknüpft in seinen Werken immer wieder liebevolle Blicke auf seine Heimatstadt Marseille mit leidenschaftlichen Schulterschlüssen mit der Klasse der Arbeiter und Migranten. Seine Filme handeln von der Reibung zwischen dem Vertrauten und dem Fremden, sind aber stets vom festen Glauben an ein friedliches Zusammenleben der Menschen geprägt. Ein Porträt zum Kinostart von „Das Fest geht weiter“.

Von Patrick Holzapfel

Was sich mit Worten kaum erzählen lässt - Aysun Bademsoy

Die deutsch-türkische Dokumentaristin Aysun Bademsoy erzählt in ihren Filmen vom konfliktreichen Leben zwischen zwei Kulturen. Sie begnügt sich dabei aber nicht damit, Widersprüche oder Missstände aufzuzeigen. Vielmehr geht es immer auch darum, wie man diesen trotzen kann. Durch die Hartnäckigkeit Einzelner, aber auch durch gemeinsame Arbeit an der Gesellschaft.

Von Michael Kienzl

Experimente zum Menschsein - Athina Rachel Tsangari

Die 1966 in Athen geborene Filmemacherin Athina Rachel Tsangari gehört neben Yorgos Lanthimos in den späten 2000er- und den 2010er-Jahren mit Werken wie „Attenberg“ und „Chevalier“ zu den Speerspitzen der „Greek Weird Wave“. Mit ihrem jüngsten Film „Harvest“ (ab 22. Mai im Kino) wagt sie Neues, bleibt sich aber zugleich selbst treu: Ihre Arbeiten gleichen Experimentieranordnungen für menschliche Reifungs- und Lernprozesse.

Von Esther Buss