Beethoven gegen Hitler

Nicht erst im Beethoven-Jahr 2020 findet der deutsche Komponist großen Widerhall in anderen Künsten. So verfasste der Schauspieler Fritz Kortner 1937/38 nach seiner Emigration aus Nazi-Deutschland in den USA den Entwurf zu einer Filmbiografie über Ludwig van Beethoven. Darin sollte der Komponist als Gegenfigur zur Barbarei Napoleons erscheinen, eine Setzung mit unmissverständlichen Verweisen auf die Bedrohung des Weltfriedens durch Adolf Hitler. Eine Erinnerung an ein faszinierendes Projekt.

Von Helmut G. Asper

Du musst Caligari werden!

Im Februar vor 100 Jahren wurde „Das Cabinet des Dr. Caligari“ uraufgeführt. Obwohl seine expressionistischen Stilmittel bald verbraucht waren, war Robert Wienes Stummfilmklassiker modellhaft: So griff das Kino auch später immer wieder auf bildende Kunst zurück, wenn psychische Extremzustände zu visualisieren waren. Ein Gang durch die Hirnwindungen des Kinos vom Film noir bis zum Mindgame Movie.

Von Jens Hinrichsen

Berlinale 2020: Kampf ums Überleben - King Vidor

Die Retrospektive der 70. „Berlinale“ (20.2.-1.3.2020) gilt dem US-amerikanischen Regisseur King Vidor (1894-1982). In seinen mehr als 50 Filmen, von denen in Berlin 35 gezeigt werden, nutzte der vielseitige Filmemacher virtuos die Mittel des Studiosystems, ohne sich künstlerisch vereinnahmen zu lassen. Seine Werke verbinden Unterhaltsamkeit mit Realismus, humanistisch und religiös gefärbte Sozialkritik mit einer oft optimistischen Haltung.

Von Michael Ranze

Filmkritik in der Schweiz

Derzeit versammelt sich in Solothurn wieder die Filmszene der Schweiz zu dem Filmfestival (22.1-29.1.), das jährlich als Kino-Schaufenster des Landes fungiert. Welche Rolle spielt die Kritik in dieser Filmlandschaft? In dem Sammelband „Freie Sicht aufs Kino“ blicken schweizerische Autoren zum 60-jährigen Jubiläum der Filmzeitschrift „Filmbulletin“ auf den Bedeutungswandel, den die Filmkritik in den letzten Jahrzehnten in ihrem Land erfahren hat.

Von Rainer Gansera

Genialer Berufslügner: Zum 100. Geburtstag des Schauspielers François Périer

Er war der Todesengel in Jean Cocteaus „Orphée“, betrog die Titelfigur in Federico Fellinis „Die Nächte der Cabiria“ und hatte als Kommissar in Jean-Pierre Melvilles „Der eiskalte Engel“ Alain Delon im Visier: Der Schauspieler François Périer schaffte es nie in die A-Liga der Stars, schrieb als wandlungsfähiger Nebendarsteller aber rund 60 Jahre Filmgeschichte mit. Am 10. November 2019 wäre er hundert Jahre alt geworden. Eine Hommage.

Von Marius Nobach

Wiedergeburt eines Stummfilm-Meilensteins: "La Roue" - zum 130. Geburtstag von Abel Gance

Kino als Gefühls-Maschine: Der französische Regisseur Abel Gance (1889-1981) entwickelte die Filmsprache als expressives Ausdrucksmittel entscheidend weiter. Am 25.10. jährte sich sein Geburtstag zum 130. Mal. Aus diesem Anlass zeigt arte an zwei Abenden, am 28. Oktober und am 4. November, die rekonstruierte Film- und Musikfassung des bahnbrechenden Stummfilm-Melodrams „La Roue – Das Rad“ aus dem Jahre 1923.

Von Josef Nagel

Ein Wort, ein Mann: Eine Wiederbegegnung mit den „Rambo“-Filmen

Mit Rambo entstand in den 1980er-Jahren eine Ikone des Actionkinos, die seitdem unverwüstlich durch die Kino- und Kulturgeschichte wandelt und sich sogar im Sprachgebrauch eingenistet hat. Rambo ist inzwischen nicht mehr nur eine Figur, sondern eine Art, mit der Welt umzugehen. Eine Begegnung anlässlich der Wiederaufführung von „Rambo“ I-III ab 13. September und des Kinostarts von „Rambo: Last Blood“ am 19. September.

Von Lucas Barwenczik

Die Kraft der Liebe: Retrospektive zu Frank Borzage

Frank Borzage (1894-1962) gehörte zu den produktivsten Regisseuren des Hollywood-Kinos. Seinen Ruhm erwarb er sich vor allem mit seinen Melodramen, in denen er Hohelieder auf die Gefühlswelten der „kleinen Leute“ sang, daneben bewährte er sich aber in unterschiedlichsten Genres und glänzte als sorgfältiger Milieuzeichner. Eine Retrospektive in Berlin ermöglicht nun die Wiederentdeckung des optimistischen Chronisten sozialer Verhältnisse.

Filmliteratur: Golzow Forever

Eine Dissertation von Ulrike Häußer befragt das singuläre Mammutwerk von Winfried Junge, „Die Kinder von Golzow“, nach Themen, die bewusst oder unbewusst in der fast 50 Jahre umfassenden Alltagsstudie keine Platz gefunden haben. Die erfrischend andere Fragestellung tut der Beschäftigung mit dem „Golzow“-Zyklus gut.

Von Ralf Schenk

Die Frauen waren dabei: Die Rolle der DEFA-Regisseurinnen

Das neu erschienene Buch „Sie. Regisseurinnen der DEFA und ihre Filme“ trägt in vielen Einzel-Porträts und zwei DVDs mit Filmbeispielen der durchaus bedeutenden Rolle Rechnung, die Filmemacherinnen im Kino der DDR einnahmen. Zusammen mit einer kleinen Retrospektive im Berliner Zeughauskino ab dem 29. August zeichnet die Publikation ein komplexes Bild von Frauen in der vorrangig von Männern geleiteten DEFA.

Von Fabian Tietke