Eine 17-Jährige, die an Krebs erkrankt ist und vorerst geheilt scheint, verbringt den Sommer in einem Camp für Jugendliche mit dem gleichen Schicksal. Zuerst rebelliert sie, findet dann aber Anschluss an eine Gruppe Gleichgesinnter, die ihr Halt und Mut gibt. Das trotz des Themas mit viel Humor umgesetzte britische Drama „Sunny Dancer“ ist neuer Kinotipp der Katholischen Filmkritik.
Den Sommer in einem Ferienlager zu verbringen, ist für Kinder und Jugendliche nichts völlig Ungewöhnliches. Die 17-jährige Ivy (Bella Ramsey) begehrt jedoch energisch auf, als ihre Eltern sie für ein Camp in Schottland anmelden. Der triftige Grund: Ivy war an Krebs erkrankt und hat die Krankheit zwar für den Augenblick überwunden, ist aber emotional noch immer gezeichnet. Sie fühlt sich von gesunden Menschen, ihren Eltern und Mitschülern, missverstanden, und möchte nicht in das „Children Run Free“-Sommerlager, das für Jugendliche mit Krebserkrankung gedacht ist. Entschlossen, eine Spielverderberin zu sein, gerät Ivy gleich am Anfang mit dem Campleiter Patrick (Neil Patrick Harris) aneinander, boykottiert Veranstaltungen und stört, wo sie nur kann. Das bringt ihr den Respekt einer Teenager-Clique ein, die schon seit Jahren den Sommer über im Camp verbringt. Sie entdeckt, dass auch diese sich hinter Zynismus und Aufmüpfigkeit verstecken, und kann sich in der Gegenwart ihrer Leidensgenossen merklich entspannen, weil die anderen ihr Verhalten nachempfinden können.
Die Handlung des Jugendfilms „Sunny Dancer“ von George Jaques umfasst die sechs Wochen des Ferienlagers. Die Wochenstruktur fungiert als Zeitorientierung im Film und beschreibt Ivys Fortschritte. Von der Rebellin um der Rebellion willen entwickelt sie sich zum Teamplayer sowie zum geschätzten – und geliebten – Mitglied der Clique. Ivy begreift auch, dass die Betreuer ebenfalls ihre Päckchen zu tragen haben. Einige Situationen lassen sich mit britischem Humor lösen, andere nicht. In der Abgeschiedenheit der schottischen Natur haben die Jugendlichen allerdings keine Wahl. Sie müssen sich aufeinander und schließlich auch auf sich selbst einlassen, erleben gemeinsam schöne Momente. Doch der Film zeigt auch, dass die Krankheit wie ein unheimlicher und unsichtbarer Begleiter, der sich jederzeit offenbaren kann, im Hintergrund lauert.
Menschen in einem Moment des Umbruchs
Die Jury der Katholischen Filmkritik hat „Sunny Dancer“ zum neuen Kinotipp gewählt. Als ausschlaggebend für die Auszeichnung benannte die Jury, dass es dem Film gelinge, ein hochemotionales Thema ohne Rührseligkeit und Klischee-Bilder umzusetzen. Stattdessen setze der Film mutig und erfolgreich auf grimmig-schwarzen Humor, der stets als Überlebensstrategie der Figuren erkennbar sei und dadurch Stereotype geschickt unterlaufe. „Die jugendlichen Figuren sind keine tragischen Fallgeschichten, sondern widersprüchliche, wütende, komische und lustvolle Menschen. Die Inszenierung hält Leichtigkeit und Todesangst in einer bemerkenswert sicheren Balance“, erklärte die Jury.
In der Dramaturgie setzt „Sunny Dancer“ auf vertraute Muster des Coming-of-Age-Films, was die Jury aber nicht als Manko wertete. Regisseur George Jaques gelinge eine originelle Variation des Genres. „Popmusik, sommerliche Camp-Atmosphäre und ein lebendiger Erzählrhythmus verleihen dem Film Energie, ohne das existenzielle Fundament zuzuschütten“, äußerte sich die Jury lobend. „Dazu gehören klassische Coming-of-Age-Themen: Die Sehnsucht nach dem ersten Mal, Liebe erleben, Spaß haben, Freundschaft finden und, nicht zuletzt, seinen eigenen Platz im Leben besser einschätzen lernen.“ Die Story stoße aber besondere Fragen an: Was macht ein Leben aus, wenn es schon nach 17 oder 18 Jahren endet? Wovon träumen jungen Menschen, die viel stärker als ihre Altersgenossen den Tod vor Augen stehen haben? „Die Krankheit ist allgegenwärtig und dass die sommerliche Geschichte auch eine tragische Wendung nehmen muss, lässt sich erahnen, stört den ebenso witzigen wie berührenden Tonfall des Films aber keinesfalls“, hob die Jury hervor.
Als große Stärke machte die Kinotipp-Jury zudem das Spiel des Ensembles aus, dieses bleibe „erfreulich weit von Betroffenheitskitsch entfernt“. Besonderes Lob gebühre dabei Hauptdarstellerin Bella Ramsey. „Sie trägt den Film mit Trotz, trockenem Humor und präzise dosierter Verletzlichkeit“, so die Jury. „Sunny Dancer“ gewinne somit „durch emotionale Intelligenz, starke Figuren und eine klare Haltung: Krankheit verändert ein Leben, sie darf es aber nicht vollständig definieren.“
„Sunny Dancer“ läuft ab 13. August in deutschen Kinos
Hinweis
Der „Kinotipp der Katholischen Filmkritik“ hebt Filme hervor, die in besonderer Weise religiöse Themen aufgreifen, von menschlichen Nöten, Sorgen und Hoffnungen erzählen und Antworten auf existenzielle Fragen formulieren.