Enron - The Smartest Guys in the Room

Dokumentarfilm | USA 2005 | 112 Minuten

Regie: Alex Gibney

Spannender Dokumentarfilm nach einem Enthüllungsbuch über die skandalöse Pleite des US-Energiekonzerns Enron im Jahr 2001. In einer unterhaltsamen, aber doch stets sachlichen Collage aus Interviews, Verhandlungsmitschnitten, Firmenvideos und Zeitungsberichten zeichnet er die Chronologie des groß angelegten Betrugs durch die Enron-Manager nach, die als Helden der New Economy gefeiert wurden, sich aber auf Kosten der US-Wirtschaft, mit Unterstützung der Politik, skrupellos bereicherten. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
ENRON - THE SMARTEST GUYS IN THE ROOM
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2005
Regie
Alex Gibney
Buch
Alex Gibney
Kamera
Maryse Alberti
Musik
Matt Hauser
Schnitt
Alison Ellwood
Länge
112 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.
Genre
Dokumentarfilm

Heimkino

Verleih DVD
Arthaus Collection
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Diskussion
Als die Ermittlungen gegen den US-Energiekonzern Enron bereits liefen, wurden einige Gespräche mitgeschnitten, die von einem kaum fassbaren Unternehmer-Zynismus zeugen. Nachdem ein Enron-Mitarbeiter von der Energiekrise in Kalifornien berichtet hatte und auch davon, dass dort inzwischen die Wälder brennen, entgegnete der andere, von ihm aus könne das ganze Land im Ozean verschwinden, Hauptsache, die Profite stimmten. Zum Hintergrund: Enron profitierte nicht nur direkt von der Krise; der Konzern hatte diese bewusst hervorgerufen. Dass die Enron-Manager Betrüger und Lügner waren, denen es um nichts anderes als den eigenen Reichtum ging, hatte man schon bald nach dem Bankrott im Jahr 2001 begriffen. Mit welchem Ausmaß an Skrupellosigkeit sie dabei vorgingen, dass sie weder auf ihre Firma noch auf Angestellte, Anteilseigner, die amerikanische Ökonomie oder das Leben der Menschen die geringste Rücksicht nahmen, wurde jedoch erst im Rahmen der Ermittlungen deutlich, die Bethany McLean und Peter Elkind in einem Buch veröffentlichten und die dieser Dokumentarfilm nun ausbreitet. Der Film ist schnell, bunt und unterhaltsam und sammelt alles erdenkliche Material: von Zeitungsausrissen über Tonbänder, Fernsehausschnitte, öffentliche Befragungen und Firmenvideos bis zu selbst gedrehten Interviews mit Ex-Enron-Mitarbeitern, Anwälten und Journalisten. Unterlegt ist das Ganze mit inhaltlich passender Rock-Musik – und bleibt doch konsequent sachlich und journalistisch. Alex Gibney, vielfach ausgezeichneter Journalist und Musikvideomacher, hat die riesige Menge an Material sowie die zahlreichen Aspekte des Falls nach Themen und Chronologie geordnet, wobei er aber auch Abweichungen zuließ. So erwähnt er ein Experiment aus den 1960er-Jahren, das zeigt, wie bei normalen Menschen das Böse erweckt werden kann: indem sie den Kontakt zu denen verlieren, denen sie Leid antun; ein Versuch von Gibney, das „Verbrechen des Jahrhunderts“ bei Enron zu erklären. Aus demselben Grund geht der Film, wie auch das Buch, den Biografien der Haupttäter nach, von Kenneth Lay, einem Selfmademan aus einfachen Verhältnissen, und Jeffrey Skilling und Andrew Fastow, die brillantesten Köpfe ihrer Uni-Jahrgänge. Dass „die smartesten Jungs im Raum“, so der Untertitel, dermaßen spektakulär untergingen, ist nicht bloß eine ökonomische Pleite. Der Fall wirft ein schales Licht auf die gesamte US-Wirtschaft sowie die Politik, die sie viel zu lasch kontrolliert. Erst das machte den Fall Enron zu einem nationalen Skandal. Zum einen wurde Enron von der Euphorie der New Economy getragen, deren Verfechtern man alles glaubte, solange sie optimistisch klangen. Am Ende gerieten deshalb auch einige der weltgrößten Banken ins Visier der Ermittler, weil sie allzu gierig oder leichtgläubig oder beides waren. Die einstigen Wall-Street-Helden von Enron propagierten, dass Energie eine Ware sei, handelbar an der Börse, offen für Spekulationen. Der Fall Enron zeigt deshalb auch, dies ist die zentrale These des Films, die Grenzen der Selbstregulierung des Markts auf, obwohl Konservative von Reagan bis Bush nicht aufhören, das Gegenteil zu verkünden. Erst die erzwungene Deregulierung des kalifornischen Strommarkts ermöglichte es Enron, die Strompreise dort nach eigenem Gusto zu gestalten. Dabei gingen die Manager so weit, ganze Kraftwerke stillzulegen und dadurch eine Knappheit zu erzeugen, um die Preise in astronomische Höhen zu treiben. Nicht zuletzt führte diese Energiekrise zur Abwahl des Gouverneurs, der hier ebenfalls zu Wort kommt, und seiner Ablösung durch Arnold Schwarzenegger. Dass die Kontakte zwischen dem Bush-Clan und dem Enron-Chef Kenneth Lay stets eng waren, verschärft die Diskussion noch.
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