Jasper und das Limonadenkomplott

Kinderfilm | Deutschland/Frankreich/Rumänien 2008 | 86 Minuten

Regie: Eckart Fingberg

Der gewitzte Pinguin Jasper begegnet einem Kakapo, Vertreter einer vom Aussterben bedrohten flugunfähigen Papageienart, der hinter drei Kakapo-Eiern her ist, die ein böser Limonadenhersteller stibitzt hat. Gemeinsam mit einer Kapitänstochter gehen sie als blinde Passagiere auf eine mitreißend abenteuerliche Schiffsreise. Liebevoll gestalteter Animationsfilm fürs jüngste Publikum mit niedlichen Helden, witzigen Missgeschicken und gemäßigten Verfolgungsjagden. Eine spielerisch aufbereitete Mischung aus weltoffener Toleranz und globalem Zusammenhalt, bei der Tier und Mensch ihre Erfahrungen mit Freundschaft, der Fremde und ihren Gefahren machen. - Sehenswert ab 6.
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Filmdaten

Produktionsland
Deutschland/Frankreich/Rumänien
Produktionsjahr
2008
Produktionsfirma
Toons 'N' Tales/Amuse Films/Dacodac Studios/WDR
Regie
Eckart Fingberg
Buch
Eckart Fingberg · Michael Mädel
Musik
Florian Tessloff
Schnitt
Reiko Pfeiffer
Länge
86 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Sehenswert ab 6.
Genre
Kinderfilm | Animation
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Heimkino

Verleih DVD
Fox
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Diskussion
Eisbär Knut wiegt bald eine halbe Tonne und schnappt bestimmt auch gerne mal zu – niedlich sieht anders aus. Warum also nicht den Blick ins Nachbargehege oder eine Polkappe weiter südlich werfen? Dort stehen sie nämlich friedlich, stoisch und kompakt, und größer als 100 Zentimeter werden sie auch selten: die Pinguine. Nachdem „Der kleine Eisbär“ sein volles Gewicht in die Waagschale der Kinderbuchfiguren werfen durfte, bereicherte der kleine Pinguin Jasper 2002 die „Sendung mit der Maus“ als Gaststar; nun ist nach „Der Mondbär“ (fd 38 936) und „Felix – Ein Hase auf Weltreise“ (fd 36 899) auch Jasper leichtfüßig aus dem Repertoire des Kindersenders KI.KA auf die Kinoleinwand geschlüpft. Ebenso reisegierig und gewitzt wie seine Animationsbrüder widersetzt sich Jasper dem Diskurs seiner Pinguin-Kolonie: Den ganzen Tag Schlittern und Brüten, und die Welt soll lediglich eine immer blaue Scheibe voller Eisbrocken sein? Woher kommt dann das bunt metallene Ungetüm hinter den Schneebergen? Und was ist das für ein grünes Knäuel, das auf einer kleinen Eisscholle wütend vor sich hin krakeelt? Jasper lernt Kakapo vom aussterbenden Stamm der furchtsamen Kakapos kennen. Als gefiedertes Pendant eines Kugelfischs, aber weder flug- noch schwimmfähig, bläst sich Kakapo in den nie enden wollenden Schrecksekunden seines Lebens auf. Dennoch sei er der mutigste seiner Art, ein tapferer Top-Agent auf Geheimmission zur Errettung dreier Kakapo-Eier. Diese hat der schreckliche Limonadenhersteller Dr. Block für seine neueste Rezeptur stibitzt, um aus aufsässigen Kindern ein Bündel aus Angst und Anstand zu machen. Der gelangweilten Kapitänstochter Emma waren der unsympathische Choleriker, sein grobschlächtiger Begleiter und die fiese Katze ohnehin nicht koscher, doch als Jasper, sein kleiner Bruder Junior und Kakapo das Schiffsdeck entern, ist es mit der Langeweile und den unbestätigten Verdächtigungen vorbei. Mitreißend abenteuerlich ist die Reise, die das tierische Chaos-Trio mit dem Menschenmädchen Emma auf dem Kreuzfahrtschiff antritt. Fast schon meditativ realitätsnah wabert unter und hinter den blinden Passagieren die weite Fläche von Wassermassen und Horizont in allen Blau-Schattierungen, zwischen die sich in liebevoller Farbdramaturgie das verschroben stilisierte Setting des Schiffsinneren klemmt. Hier erleben die gefiederten Fernreisenden rasante Korridor-Fahrten auf einem Servierwagen, schließen unerfreuliche Bekanntschaft mit dem Innenleben einer Waschmaschine und vollführen ihre „Mission Impossible“ mit ausgefeilten Einbruchszenarien in bester Heist-Movie-Tradition. Eckart Fingbergs Trickfilm bereichert den Komplott um das süße Limonadengift mit niedlich aufgescheuchten Helden, ihren witzigen Missgeschicken und gemäßigten Verfolgungsjagden. Gepurzelt wird von Relings, Treppenabsätzen und aus Schmutzwäsche-Rohren, immer in schmerzfreier Comic-Ästhetik, ohne die kleinen Zuschauer in Schrecken zu versetzen. Das Kindheitsmotiv Angst wird vielmehr über den Kugel-Kakapo spielerisch aufbereitet, während Tier und Mensch, Jasper und Emma, um Anerkennung und Aufmerksamkeit von Seiten ihrer Eltern kämpfen. Unter der Hand verschwören sich Fingbergs Figuren geradezu mit ihren kleinen Fans gegen eine Erwachsenenwelt voller Ignoranz gegenüber kindlicher, aber nicht minder richtiger Realitätswahrnehmung. Nicht zuletzt hier antizipiert Jaspers sinnbildliche Horizonterweiterung vom isolierten Familienverband in eine aufregende Außenwelt der Freundschaft, der Fremde und ihrer Gefahren die Erfahrungen seiner Zielgruppe. Anders als in dem auf ältere Pinguin-Freunde ausgelegten „Happy Feet“ (fd 37 906) werden in „Jasper“ ökologische Einsichten wie die ozeanische Überfischung zwar verwehrt, die ungesund chemische Verfärbung des Wassers durch Blocks Fabrik und die Hafenstadt stößt die Nase dennoch subtil in menschliche Umweltsünden. Wie die kleinkindgerechten Abenteuer seiner KI.KA-Vorgänger Mondbär und Felix lebt „Jasper und das Limonadenkomplott“ von einer destillierten Erfolgstinktur aus weltoffener Toleranz und globalem Zusammenhalt – und mit dieser können alle Helden vor und auf der Leinwand, seien sie noch so klein, ganz groß herauskommen.
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