How to Party with Mom

Komödie | USA 2018 | 105 Minuten

Regie: Ben Falcone

Nachdem eine Ehefrau von ihrem Mann verlassen worden ist, nimmt sie ihr Archäologiestudium wieder auf und will ihren Abschluss an derselben Universität wie ihre Tochter machen. Die ist davon nicht begeistert, weil ihre besitzergreifende Mutter sich in alles einmischt und überall gleich vorne mit dabei ist. Die Mutti-Komödie orientiert sich an reichlich traditionellen US-amerikanischen Werten, reizt durch ihre aufgesetzte Komik und die quälende Dauerpräsenz der Hauptfigur aber höchstens zum Fremdschämen. Ein plumper, lärmender, maßloser Film, weder sonderlich lustig noch sonderlich ereignisreich. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
LIFE OF THE PARTY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Ben Falcone
Buch
Ben Falcone · Melissa McCarthy
Kamera
Julio Macat
Musik
Fil Eisler
Schnitt
Brian Scott Olds
Darsteller
Melissa McCarthy (Deanna Miles) · Gillian Jacobs (Helen) · Maya Rudolph (Christine Davenport) · Julie Bowen (Marcie Strong) · Matt Walsh (Dan Miles)
Länge
105 Minuten
Kinostart
05.07.2018
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Komödie

Heimkino

Die Extras der BD enthalten u.a. ein umfangreiches Feature mit im Film nicht verwendeten Szenen (45 Min.).

Verleih DVD
Warner (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Warner (16:9, 2.35:1, dts-HDMA engl., DD5.1 dt.)
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Plumpe Mutti-Komödie, die durch ihre aufgesetzten Komik und die quälende Dauerpräsenz ihrer Hauptfigur beständig zum Fremdschämen reizt.

Diskussion

Der Verweis auf die munteren Titelfindungsexperimente, denen US-amerikanische Filme in Deutschland unterliegen, ist zwar abgedroschen, doch hier muss er sein: „How to Party with Mom“ lautet der deutsche Titel. Das amerikanische Original heißt „Life of the Party“. Das Schlüsselwort, im deutschen Titel hinzugefügt, ist „Mom“; „Mutti“ klänge da schlechter. Doch ein Hinweis auf die Mutter ist hier durchaus sinnvoll oder sogar notwendig, damit man hinterher nicht sagen kann, man wäre nicht gewarnt worden. Denn der Film von Ben Falcone handelt von nichts anderem: Es ist ein Mutti-Film.

Nach etwa vier Minuten von „How to Party with Mom“ sagt Dan, der Ehemann von Mom Deanna, dass er sich von ihr scheiden lassen will. Das ist ein ausgesprochen verständlicher Wunsch. Ja, denkt man, ja, unbedingt! Denn die Mom hat in dieser kurzen Zeit schon so viel emotionale wie physische Übergriffigkeit bewiesen, hat so unterirdische Plattitüden in solcher Lautstärke von sich gegeben, dass man inständig hofft, der Film möge sich ab jetzt dem scheidungswilligen Vater widmen. Aber: Es ist ein Mutti-Film.

Mom und Dan haben in diesem Moment gerade ihre Tochter Maddie an der Universität abgeliefert. Maddie hat bis zu ihrem Abschluss noch ein letztes Studienjahr vor sich; sie wohnt wie alle anderen Studenten auf dem Campus. Die Uni ist 20 Minuten von ihrem Elternhaus entfernt, nicht weit, aber weit genug, um zumindest einen Hauch Abstand zwischen Maddie und Mom zu legen. Dieser Hauch hilft Maddie schon weiter, denn wenn man sieht, wie besitzergreifend Mom mit ihr als Studentin umgeht, dann will man gar nicht wissen, mit wieviel Liebe Maddie erstickt wurde, als sie noch zu Hause wohnte.

Egal, es ist ein Mutti-Film. Also beschließt Mom, ihren Scheidungsschmerz zu lindern, indem sie ihr Archäologiestudium wieder aufnimmt. Das hatte sie abgebrochen, als sie mit Maddie schwanger war. Jetzt kehrt sie an die Uni zurück, selbstverständlich an die, auf der auch ihre Tochter studiert. Die Tochter ist wenig begeistert von dieser Idee, macht aber schließlich das, was sie schon zeitlebens macht – sie fügt sich den Umständen, oder, besser, dem Willen von Mom. Die teilt sich ein Studentenzimmer mit dem Got-Girl Leonor, der einzigen Figur in dieser Komödie, deren licht- und agoraphobisches Verhalten zumindest ansatzweise amüsant ist. Sehr viel mehr passiert nicht. Oder doch: Mom trägt demonstrativ geblümte Kittel und Dauerwelle, bis ihr Maddie eine Lektion in Young-Fashion verpasst. Mom beschimpft ihren Noch-Ehemann und seine neue Flamme. Mom möbelt die Sex-Kenntnisse eines Campus-Beaus auf. Mom wird, natürlich, eine Einser-Schülerin.

Die komödiantischen Momente des Films haben durchgehend dasselbe Muster: Mom benimmt sich so peinlich wie möglich, macht laut darauf aufmerksam und möchte dadurch alle zum Lachen bringen. Tatsächlich wirkt diese Art Witz hier aber eher schmerzhaft. Selbst wenn Mom das offensichtlich ahnt und ihre Darbietungen ins Ekstatische übertreibt, mindert weder das daraus resultierende Chaos noch ein Duett mit Christina Aguilera die Furcht vor der nächsten Pointe.

Der Gedanke, dass erwachsene Frauen die Chance plötzlichen Alleinseins nutzen könnten, indem sie ein fremdbestimmtes Hausfrauendasein verlassen, ihre Ausbildung verbessern, Kontakt zu neuen Menschen finden, steckt zwar irgendwo im Plot. Aber er verschwindet hinter der bombastischen Präsenz von Mom und hinter dem wohlwollenden Bild der US-Gesellschaft, das hier gezeichnet wird.

Das Drehbuch zu „How to Party with Mom“ schrieb Melissa McCarthy, Regie führte ihr Ehemann Ben Falcone. Melissa McCarthy spielt auch die Mom. McCarthy hat den eindeutigen Vorteil, dass man sie gernhat, seit sie in aberhundert Folgen von „Gilmore Girls“ als Sookie St. James auftrat. Sie hätte schlechte Witze gar nicht nötig; sie kann auch gute machen. Das wissen offensichtlich auch jene Menschen, die ihr auf dem Campus begegnen, die Zicken, die Herzchen, die Professoren. Denn sie alle lieben am Ende die Mom.

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