The Red Sea Diving Resort

Politthriller | USA 2019 | 129 Minuten

Regie: Gideon Raff

Politthriller nach realen Ereignissen um die Evakuierung jüdischer äthiopischer Flüchtlinge aus dem Sudan nach Israel Anfang der 1980er-Jahre. Unter Anleitung eines mutigen Mossad-Agenten organisiert ein Team die geheime Überführung der Flüchtlinge, wobei sich die Agenten als Tarnung eines angeblichen Hotels bedienen. Der Film macht aus den historischen Vorgängen eine eindimensionale Heldengeschichte um tapfere weiße Retter, während die sogenannten "Beta Israel", die äthiopischen Juden, völlig in den Hintergrund rücken und sämtliche Probleme, die mit der Rettungsmission einhergingen, tunlichst ignoriert werden. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE RED SEA DIVING RESORT
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Gideon Raff
Buch
Gideon Raff
Kamera
Roberto Schaefer
Musik
Mychael Danna
Schnitt
Tim Squyres
Darsteller
Chris Evans (Ari Levinson) · Haley Bennett (Rachel Reiter) · Greg Kinnear (Walton Bowen) · Ben Kingsley (Ethan Levin) · Michael Kenneth Williams (Kabede Bimro)
Länge
129 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Politthriller
Diskussion

Nach realen Ereignissen: Ein Politthriller um die Evakuierung jüdischer äthiopischer Flüchtlinge aus dem Sudan nach Israel Anfang der 1980er Jahre. Chris Evans spielt einen Mossad-Agenten, der zusammen mit seinem Team die geheime Überführung der Flüchtlinge leitet.

„The Red Sea Diving Resort“ soll laut den Adjektiv-Einordnungen, mit denen Netflix seinen Nutzern das Filmangebot erläutert, „gritty and suspenseful“ sein, also rau und spannend. Ähnliche Titel? – Nein, danke! Denn an diesen Film – genauso wie an weitere, die nach gleichen Regeln konfektioniert sind – erinnert sich eine Woche später niemand mehr. Warum gibt es heute überhaupt noch solche Filme? Warum überhaupt noch Worte über so einen Film verlieren? „The Red Sea Diving Resort“ verdient eigentlich gar keine Kritik.

Dabei ist der Drehbuchautor und Regisseur Gideon Raff nicht einfach irgendwer. Als Schöpfer der israelischen Erfolgsserie „Hatufim – In der Hand des Feindes“ und als Executive Producer von deren US-amerikanischer Adaption „Homeland“ hat er sich in der Branche und beim Publikum einen Namen gemacht. Diese Arbeiten stehen für ein brisantes wie sensibles politisches Thema, für ambivalente Figuren und geschickt durchgeplottete Handlung. Man ist also zurecht verwundert, dass Raff mit „The Red Sea Diving Resort“ nun stattdessen auf strahlende Helden und abgenudelte Klischees setzt.

Wahre Ereignisse werden zur schematischen Abenteuer-Story

Sein aktueller Film basiert auf historischen Fakten, die sich Ende der 1970er- und in den anschließenden 1980er-Jahren zugetragen haben. Die dunkelhäutigen äthiopischen Juden (sie nennen sich selbst Beta Israel) sind wegen Bürgerkrieg und Hungersnot gezwungen, das Land zu verlassen, in dem sie seit Jahrhunderten beheimatet sind. Sie überqueren die Grenze zum Sudan und bleiben dort in Flüchtlingslagern, bis der israelische Geheimdienst Mossad ihnen zur Weiterreise nach Israel verhilft. Da die Operation in der angespannten politischen Lage nicht offen durchgeführt werden kann, dient ein von Italienern erbautes und wenige Jahre später verlassenes Urlaubsresort an der sudanesischen Küste als Deckung und Stützpunkt.

„The Red Sea Diving Resort“ inszeniert diese wahre Geschichte als plump-schematische Abenteuergeschichte. Das furchtlose Agententeam (der „Captain America“-Star Chris Evans spielt den Anführer Ari Levinson) zieht aus, um die Geflüchteten zu retten. Über die Arbeitsmethoden sind sie sich dabei nicht immer ganz einig, die Gruppendynamik bleibt angeregt, das stärkt die Glaubwürdigkeit. Ein britischer Kulturattaché (Greg Kinnear) schnüffelt am Anfang verdächtig herum, verhilft dem Mossad am Schluss aber zum entscheidenden Coup. Die geretteten äthiopischen Brüder und Schwestern bleiben dabei – wenn wir sie überhaupt mal zu sehen bekommen – bescheiden im Bildhintergrund, schauen ängstlich und verständnislos um sich, reden nicht und agieren nicht. Die Besetzung des äthiopischen Aktivisten Kabede mit Michael K. Williams (bekannt vor allem als Straßengangster Omar Little aus „The Wire“) ist ebenso eine Verschwendung wie Ben Kingsley in der Rolle eines Mossad-Chefs, der regelmäßig die zunehmende Zahl der Geretteten auf dem Papier gut leserlich notiert und ansonsten zuversichtlich und ein bisschen nervös sein darf. „Wenn du deinen Bruder oder deine Schwester leiden siehst, schweig nicht. Sei für sie da“ – in Form von zusätzlich eingestreuten Botschaften legitimiert der Film nicht so sehr die geschilderte historische Sache als vielmehr sich selbst.

Weiß und schwarz, mündig und unmündig

Denn er lebt vorwiegend von den Gegensätzen, die teils der Realität entnommen, vor allem aber selbst konstruiert sind: weiß und schwarz, mündig und unmündig, Bürgerkrieg und Urlaubsresort, Kopfschüsse und 1980er-Cheesiness. In den mit „Hungry like the Wolf“ von Duran Duran unterlegten heiteren Montagesequenzen gönnen sich die schlanken Agenten zwischendurch angenehme Auszeiten, sehen gut aus in Shorts, luftigen Kleidern und knappen Badeslips, beglücken nebenbei die überraschend aufgetauchten echten Touristen mit Aerobic-Übungen und Tauchausflügen.

Die Geschichte der Migration von äthiopischen Juden nach Israel ist hierzulande wenig bekannt. Sie verlief äußerst problematisch: Mehrere Hunderte starben auf dem Weg, die Eingliederung in die israelische Gesellschaft ist weder für die Angekommenen noch für die Einheimischen leicht. Das Thema ist von gegenseitigen Vorwürfen – Rassismus auf der einen, Unangepasstheit auf der anderen Seite – stark behaftet. Um etwas davon zu erzählen, hätte es aber einen anderen Film gebraucht. So, wie er ist, ist „The Red Sea Diving Resort“ schon so gut wie vergessen.

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