Running With the Devil

Krimi | Kolumbien/USA 2019 | 100 Minuten

Regie: Jason Cabell

Als ein Kartellboss bemerkt, dass seine Drogen gestreckt werden, beauftragt er einen Mitarbeiter, die Lieferkette zu überprüfen. Zugleich kommt eine Bundesagentin den kriminellen Machenschaften auf die Spur. Der Film verfolgt den Weg der Drogen, von der Ernte in Kolumbien bis in die Clubs in die USA, und zieht daraus seinen größten Reiz. Figuren und Dialoge bleiben hingegen oberflächlich. Interessanter sind die teils bitteren Erkenntnisse über das Drogengeschäft, die der Film deutlich darlegt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
RUNNING WITH THE DEVIL
Produktionsland
Kolumbien/USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Jason Cabell
Buch
Jason Cabell
Kamera
Cory Geryak
Musik
Reinhold Heil
Schnitt
Jordan Goldman
Darsteller
Nicolas Cage (The Cook) · Barry Pepper (The Boss) · Laurence Fishburne (The Man) · Leslie Bibb (DEA-Agentin) · Peter Facinelli (Nr. 1)
Länge
100 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Krimi

Heimkino

Verleih DVD
Koch
Verleih Blu-ray
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Thriller über Mitarbeiter eines Drogenkartells, die im Auftrag ihres Bosses die vielen Stationen der Lieferkette überprüfen sollen.

Diskussion

The Boss ist gar nicht erfreut: Das Oberhaupt eines Kartells erfährt, dass das Kokain, das ihn aus dem südamerikanischen Dschungel erreicht, auf dem Weg gestreckt wird. Also handelt der Kopf der kriminellen Bande und beauftragt seinen Mitarbeiter The Cook (Nicolas Cage), der Sache auf den Grund zu gehen und die Lieferkette zu überprüfen. Um diese einfache Prämisse dreht sich der von Jason Cabell gedrehte Thriller „Running with the Devil“.

So einfach die Ausgangssituation auch ist, so umständlich beginnt der Film seine Geschichte. In der ersten Szene wird ein nackter, gefesselter Mann offenbar zum Sterben auf einen Hof gebracht. Anschließend nehmen zwei Frauen in einem Großstadt-Club Drogen zu sich, bevor sich in der nächsten Szene ein kleines Mädchen für die Schule fertig macht, während seine Eltern aufgrund einer Überdosis tot im Nebenzimmer liegen. Zu sehen ist zudem eine DEA-Beamtin, die endlich das Drogenproblem in den Griff bekommen möchte, eine Mutter, die in Kolumbien ihre Kinder zu Schule bringt, ein Drogentransport, der in Mexiko überfallen wird, sowie das Kartell-Oberhaupt, das in Vancouver sitzt: Szene an Szene wird staccatoartig aneinandergereiht, ein Zusammenhang ist nicht zu erkennen. Es fällt schwer, in den Film hineinzukommen. Die Reise quer über den amerikanischen Kontinent bekommt erst Klarheit und einen roten Faden, als The Cook den Auftrag erhält, die Lieferkette zu überprüfen – und wenn deutlich wird, in wieweit die Figuren und Szenen sich in diese Kette einreihen.

Auf der Spur der Drogen

Der Film nimmt dann nicht etwa die Perspektive seines von Nicolas Cage gespielten Protagonisten ein, sondern verfolgt die Spur der Drogen, um die Geschichte quasi aus deren Sicht zu erzählen. Die Spur beginnt bei der Mutter in Kolumbien, die mit ihrem Mann und Kindern Koka-Blätter sammelt und diese verarbeitet. Der Vater bringt das Kokain dann in eine Verarbeitungsfabrik, von wo es weiter zu einem Hafen nach Veracruz gefahren wird. Kuriere bringen die Drogen dann Richtung Norden über die Grenze nach Mexiko, mit dem Flugzeug ins Death Valley nach Kalifornien und schließlich bis nach Kanada.

Regisseur und Drehbuchautor Jason Cabell war lange Zeit als Navy Seal tätig und arbeitete unter anderem als Militärberater für Drogengeschäfte in Kolumbien. Seine Erfahrungen und Kenntnisse über den Weg des Kokains über mehrere Landesgrenzen hinweg ließ er in das Drehbuch mit einfließen, was sich als die große Stärke des Films herausstellt. Es ist gleichermaßen spannend und interessant zu sehen, wie die Drogen an Kontrollen und Behörden vorbeigeschmuggelt werden. Durch je mehr Hände die Drogen gehen, desto mehr steigt auch der Preis, von 1600 Dollar pro Kilo in den Händen der Erzeuger bis zu mehr als 30.000 Dollar am Ende der Kette.

Oberflächliche Figuren und knappe Dialoge

Um diesen Weg der Drogen herum konstruiert Cabell die Handlung und platziert die Figuren. The Cook und sein Partner The Executioner werden bei ihrer Überprüfung der Lieferkette Teil der Reise. Genretypisch gibt es eine DEA-Agentin, die den Verbrechern immer weiter auf die Spur kommt, sowie weitere Kuriere oder Vertraute des Bosses wie The Man, den Laurence Fishburne mit offensichtlich großer Freude spielt. Einen richtigen Namen hat keine der Figuren, ebenso gibt ihnen das Drehbuch kaum Hintergründe sowie wenig bis keine Tiefe: Sie bleiben ebenso oberflächlich wie die kurz gehaltenen Dialoge, in denen bloß das für die Handlung Nötigste besprochen wird.

Zwar verliert man – auch durch entsprechende Einblendungen – in der Fülle an Charakteren und Handlungsorten nicht den Überblick; trotzdem gelingt es dem Film aufgrund dieser nur skizzenhaften Figurenzeichung, der vielen Sprünge und episodischen Erzählweise dem Film nicht, über einen längeren Zeitraum Spannung aufzubauen; diese kommt höchstens in einzelnen Szenen auf, verpufft dann aber auch schnell wieder.

Statt mit einer klassischen Thriller-Spannungsdramaturgie wartet der Film mit Erkenntnissen über die Organisation des Drogengeschäfts auf, die Cabell teils schonungslos darstellt. Egal wie hoch das Hindernis an Grenzen oder bei Übergaben für die Drogen auch ist, überwunden werden kann es eigentlich immer. In den meisten Fällen fließt entweder Blut oder Bargeld. Die eigentlich noch bitterere Erkenntnis: Jede einzelne der vielen Figuren, die für die Lieferung zuständig ist, ist nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass überhaupt jemand den Job macht. Spielt einer nicht nach den Regeln, wird er getötet und im nächsten Atemzug ersetzt. Das System läuft immer weiter, die Reise der Drogen endet nie.

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