Die Olchis - Wilkommen in Schmuddelfing

Animation | Deutschland 2020 | 86 Minuten

Regie: Jens Møller

Die Olchis, kleine grüne Gestalten, die sich am liebsten auf einer Müllhalde aufhalten, wollen es sich in dem Städtchen Schmuddelfing gemütlich machen. Denn dort findet die siebenköpfige Familie in einer riesigen Deponie ein wahres Paradies. Doch ein Bauunternehmer will ihnen das madig machen und schmiedet teuflische Pläne. Die filmische Adaption der beliebten Kinderbuchreihe von Erhard Dietl ist für eine sehr junge Zielgruppe konzipiert und überzeugt durch Humor, Warmherzigkeit und ein Plädoyer für Gelassenheit. Filmästhetisch und animatorisch wirkt der 3D-Film allerdings sehr altmodisch. - Ab 6.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2020
Regie
Jens Møller · Toby Genkel
Buch
Toby Genkel · John Chambers
Musik
Andreas Radzuweit
Schnitt
Paulo Jorge Rodrigues Marques · Sascha Wolff-Täger · Annette Kiener
Länge
86 Minuten
Kinostart
22.07.2021
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 6.
Genre
Animation | Kinderfilm | Literaturverfilmung

Verfilmung der Kinderbuchreihe über grüne, müllfressende Wesen, die in einem kleinen Städtchen heimisch werden wollen.

Diskussion

In Schmuddelfing stinkt’s. Kein Wunder, denn direkt am Rand der kleinen Stadt befindet sich eine riesige Mülldeponie, deren Geruch das Örtchen überlagert und längst alle Touristen verjagt hat. Eine Familie wird allerdings genau von diesem Geruch angezogen: die Olchis, kleine grüne Gestalten mit kartoffelähnlichen Nasen, drei Hörnern auf dem Kopf und einer Vorliebe für Müll aller Art, den sie täglich in großen Portionen in sich hineinschaufeln und dadurch einen nicht minder üblen Geruch verbreiten.

Die Olchis reisen zu Beginn des nach ihnen benannten Films zu siebt plus fliegendem Drachen in Schmuddelfing an, nisten sich auf der Müllkippe ein und machen bald Bekanntschaft mit dem elfjährigen Max, seinem Freund Professor Brausewein und dessen Nichte Lotta, die gemeinsam an einer Maschine arbeiten, um den Gestank des Mülls loszuwerden. Alles würde sich damit in Harmonie auflösen, gäbe es da nicht einen teuflischen Bauunternehmer, der ausgerechnet auf der Deponie ein Wellness-Ressort errichten will. Die Genehmigung von Max’ Mutter, der Frau des Bürgermeisters, die in dieser Stadt die Zügel in der Hand hält, ist jedenfalls schon eingeholt.

Technisch überholte 3D-Animationen

31 Jahre ist es her, dass das erste Buch über die Olchis aus der Feder des Autors und Illustrators Erhard Dietl erschien. Bis 2019 wuchs die Reihe auf insgesamt 29 Bände und fünf Bilderbücher an, kann sich also einer gewissen Beliebtheit erfreuen. Nun soll die Kinoadaption an diesen Erfolg anknüpfen. Doch sie löst sich von den charmanten Zeichnung Dietls und setzt stattdessen auf 3D-Computeranimationen, denen genau dieser Charme fehlt. Dass die Haare der Figuren stocksteif sind, selbst wenn es zu heftigem Kopfschütteln kommt, mag man noch als Krittelei abtun. Doch dem Look fehlt es mit seinen glatten Oberflächentexturen, seiner Detailarmut und seiner schwachen Lichtsetzung insgesamt so sehr an technischer Qualität, dass man ihn eher vor 15 Jahren verorten würde.

Mit Kinderaugen betrachtet fällt das gleichwohl kaum ins Gewicht. An diese Zielgruppe richtet sich der Film – von den simplen Charakteren über den geradlinigen Plot bis hin zur Botschaft – vorrangig. Die Olchis sind in Schmuddelfing zunächst nicht willkommen. Sie werden als Eindringlinge betrachtet, die verschwinden sollen, um Platz für den vermeintlichen Fortschritt zu machen. Der ist freilich nicht mehr als ein kapitalgetriebenes Luftschloss.

Kontakt zu Fremden zu knüpfen und auf diese Weise Vorurteile abzubauen, Freundschaft zu schließen und Gräben zu überspringen, bestimmt im Kern den Plot von „Die Olchis“. Allzu sehr (über)interpretieren sollte man das allerdings nicht und hieraus etwa eine Analogie auf die Migrationsereignisse der vergangenen Jahrzehnte machen, andernfalls ist die abwertende Assoziation der Neuankommenden mit Gestank und Ekel, wie das bei den Olchis der Fall ist, in einschlägigen Kreisen nicht weit.

Plädoyer für mehr Gelassenheit

Für ein jüngeres Publikum ist der Film ein durchaus vergnügliches Abenteuer, das viel Slapstick und sympathische Figuren bereithält, auch wenn er insgesamt zu viele Protagonisten etabliert. Max’ Vater, immerhin der Bürgermeister, tritt lediglich in zwei Szenen auf. Auch die vier älteren Olchis erhalten, im Gegensatz zu ihren drei Kindern, die mit Max gegen die Pläne des Bauunternehmers ankämpfen, keinen angemessenen Platz in der Handlung. Selbst Lotta hat außer ein paar Stichworten kaum etwas zur Geschichte beizutragen.

Über allem schwebt jedoch eine grundpositive Atmosphäre, die sich in einem entscheidenden Satz kristallisiert: „Ein Olchi macht sich erst morgen um Morgen Sorgen.“ Nun kann man durchaus darüber streiten, ob eine solche Gelassenheit angesichts von Klimakatastrophe & Co. angemessen ist; in „Die Olchis“ zielt sie jedoch entschieden auf das Zwischenmenschliche ab: etwa den Umgang von Max’ Mutter mit ihrem Sohn, von dem sie Disziplin und Eifer verlangt, oder allgemeiner den Kontakt mit Menschen, die uns irgendwie fremd sind, andersartig erscheinen oder schlicht nicht dem gesellschaftlichen Idealbild entsprechend. In dieser Hinsicht können wir alle sicher etwas mehr Gelassenheit vertragen.

Kommentar verfassen

Kommentieren