Das letzte Opfer (2022)

Psychothriller | Dänemark 2022 | 93 Minuten

Regie: Anders Rønnow Klarlund

Eine dänische Psychologin empfängt einen neuen Klienten, der sich als gesuchter Serienmörder entpuppt, der schwangere Frauen und ihre Föten tötet. Der Mann stellt der Psychologin ein Ultimatum: Entweder heilt sie ihn während dieser Therapiesitzung, oder er tötet sie. Der wendungsreiche, glänzend besetzte Psychothriller entfaltet ein packendes Machtspiel, bei dem sich die Rollenverteilung zwischen Psychologin und Patient auflöst. Der Film stellt Fragen zu Entscheidungen und ihren Konsequenzen, ohne endgültige Antworten zu geben, und gipfelt in einem konsequenten Ende. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
KLIENTEN
Produktionsland
Dänemark
Produktionsjahr
2022
Regie
Anders Rønnow Klarlund
Buch
Anders Rønnow Klarlund · Jacob Weinreich
Kamera
Mads Thomsen
Musik
Sanne Graulund
Schnitt
Leif Axel Kjeldsen
Darsteller
Signe Egholm Olsen (Susanne Hartmann) · Anton Hjejle (Mark Zidenius) · Dan Zahle (Bjørn) · Sara Fanta Traore (Johanne) · Silan Maria Budak Rasch (Kirstin)
Länge
93 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Psychothriller | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Plaion (16:9, 2.35:1, DD5.1 dän./dt.)
Verleih Blu-ray
Plaion (16:9, 2.35:1, dts-HDMA dän./dt.)
DVD kaufen

Psychothriller um eine Psychologin, die während einer Therapiestunde mit einem Serienkiller in ein Katz-und-Maus-Spiel gerät.

Diskussion

So ganz wohl ist der Psychologin Susanne Hartmann (Signe Egholm Olsen) mit Blick auf einen Termin am nächsten Tag nicht. Ein Mann namens Mark Zidenius (Anton Hjelje) hat sich für den Nachmittag angekündigt und eine Therapiesitzung bei ihr gebucht. Doch im Unterschied zu ihren anderen Patienten, zu denen vor allem die Reichen und Erfolgreichen der Gesellschaft zählen, weiß sie vor dem ersten Zusammentreffen nichts über den neuen Klienten. Auch eine Internet-Recherche bringen die Psychologin und ihre Sekretärin nicht weiter. So verabschieden sie sich in den Feierabend.

Am nächsten Tag bestätigt sich das ungute Gefühl recht schnell. Vor der Therapeutin sitzt diesmal kein Manager, dem der Job zu viel wird, sondern ein Mann, der seit einiger Zeit die skandinavischen Länder in Schrecken versetzt. Zidenius ist ein gesuchter Serienmörder, der schwangere Frauen ermordet und die Föten aus ihren Bäuchen geschnitten und ebenfalls getötet hat. Er stellt der Psychologin ein Ultimatum: Entweder heilt sie ihn in dieser Therapiestunde – oder er tötet sie.

Machtspiel zwischen Psychologin und Patient

Von dieser Situation aus entwickelt der dänische Regisseur Anders Klarlund ein Psychoduell zwischen den beiden Protagonisten. Der Mörder tritt zwar unter der Prämisse an, als Patient behandelt werden zu wollen, weicht aber allen Fragen aus und lässt sich nicht auf die Therapie und ein fachliches Vorgehen ein. Die Täter-Opfer-Dynamik setzt sich über das Arzt-Patienten-Verhältnis hinweg; der Serientäter übernimmt den dominanten Part und bestimmt den Dialog und das Geschehen.

Der Psychothriller spielt hauptsächlich in dem Behandlungszimmer, ist aber dennoch kein reines Kammerspiel. Das liegt am Drehbuch und der Inszenierung, die immer wieder in die Vergangenheit springen. Zidenius enthüllt während der Therapiestunde nach und nach seine Vorgeschichte und legt diese sehr sorgfältig und durchaus detailliert dar, was der Film als Rückblenden umsetzt. Sie werden aus Sicht des Mannes gezeigt; mittels der Point-of-View-Perspektive teilen auch die Zuschauer dessen Blick.

Die Gespräche zwischen dem Mann und der Psychologin driften vom Persönlichen auch immer wieder ins Soziale, wenn Zidenius sich und sein Verhalten zu erklären und zu rechtfertigen versucht, rhetorische Fragen wie „Kann man etwas Ungeborenes töten?“ in den Raum wirft oder Themen wie die Vernachlässigung von Kindern oder die psychischen Folgen gewalttätiger Videospiele anschneidet. Immer wieder geht es auch um Fragen zu Entscheidungen, den Konsequenzen daraus und der jeweiligen Verantwortung.

Ein wendungsreicher Thriller

Was die Vergangenheit mit dem aktuellen Geschehen in dem Therapiezimmer zu tun hat, ist lange Zeit unklar; der Sinn und die Hintergründe erschließen sich erst nach und nach. „Das letzte Opfer“ besticht vor allem durch einen immer wieder überraschenden, wendungsreichen Plot, der von Zidenius dominiert wird. Das geschieht nicht zuletzt durch die Sprache, auch wenn einige gewaltsame Eskalationen nicht ausbleiben und „Das letzte Opfer“ gegen Ende zum Actionthriller mutiert.

Die Dialoge sind dabei allesamt wohl durchdacht. Erst wenn sich am Ende alles zusammenfügt, wird erkennbar, dass jedes einzelne zuvor gefallene Wort zählt, keine nur scheinbar daher gesagte Bemerkung bedeutungslos war und der Serientäter seine Sätze sehr genau gewählt hat. Die (verbale) Auseinandersetzung zwischen den beiden Kontrahenten gipfelt schließlich in einem verblüffenden Schlussakt und einem bitter-markanten, aber zugleich auch konsequenten Ende.

Kommentar verfassen

Kommentieren