Die Brücke am Kwai

Der Antikriegsfilmklassiker von David Lean ist jetzt als 4K-UDH-Fassung zu erleben

Diskussion

Ist David Leans „Die Brücke am Kwai“ ein Kriegsfilm? Oder ein Antikriegsfilm? Wo zieht man die Grenze? Die beiden letzten Worte, die man im Film vernimmt, sind ungläubige Schreie der Verzweiflung: „Wahnsinn! … Wahnsinn!“ Sie beenden ein 161-minütiges Werk voller Schmutz, Hitze und Unmenschlichkeit als Folge von Gehorsam und Pflichtbewusstsein bis in den Tod.

Der Film erzählt von einem britischen Offizier (Alec Guinness), der während des Zweiten Weltkrieges mit seiner Einheit in Burma von den Japanern gefangen genommen wird. Nach anfänglicher Weigerung lässt der sture Militär teils aus blindem Leistungsstolz, teils als Beschäftigungstherapie seine Mannschaft eine strategisch wichtige Brücke bauen. Als diese ihrer Bestimmung zugeführt werden soll, prangt an ihr eine Holzschnitzerei, die das britische Militär als Erbauer ausweist. Ein sinnloses, brachiales, wahrhaft majestätisches Bauwerk inmitten des Dschungels, das in seiner kurzen Existenz weitere sinnlose Opfer fordert.

Der Film lotet den „Wahnsinn!“ in bestechender Intensität aus, wenn sich Japaner und Briten einen (Psycho-)Krieg liefern. Dafür gewann der Film 1958 insgesamt sieben „Oscars“, darunter auch einen für die zeitlose, inzwischen ikonische Musik von Malcolm Arnold. „Wahnsinn!“ ist zwar das letzte Wort, doch dann folgt beschwingte, den Wahnsinn betäubende Marschmusik, die eigentlich mitwippen lässt, doch im Kontext plötzlich einen schier unerträglichen Widerwillen auslöst; ein ironischer militärischer Abgesang.

Kurios ist, dass Arnold für eine der berühmtesten Musiken der Filmgeschichte verantwortlich zeichnet, obwohl er sie nicht komponiert hat. Das muntere Pfeifen von „Colonel Bogeys Marsch“ stammt von Kenneth J. Alford, der das Stück bereits 1914 komponiert. Arnold aber ist es zu verdanken, dass die Musik im Kontext seines kongenialen Antikriegsfilm-Scores unsterblich wurde. Die etwa dreißigminütige Musik, die dem knapp dreistündigen Film seine unverwechselbare Stimmung verleiht, erfüllte schon 1957 über die 70mm 6-Kanal-Stereo-Boxen die Premierenkinos; ähnlich wie das ausgeklügelte Sounddesign, das das schwüle Dschungelszenario mit Vögeln, Zugpfeifen und Gewehrsalven zum Leben erweckt.

Diese Fülle des Sounds wie auch das opulente Farbenspiel der CinemaScope-Kamera, die über lange Zeit im Mono-Ton des 4:3-Röhrenfernsehers untergegangen war, erlebt nun eine eindrucksvolle Renaissance: „Die Brücke am Kwai“ gehört zu den ersten Filmklassikern, die restauriert auf 4K UHD erneut Premiere feiern. Zumindest der englische Ton ist in virtuosem Dolby Atmos-Ton abgemischt, in dem die Schritte jetzt sogar von der Wohnzimmerdecke zu kommen scheinen, wenn die Kamera die Handlung eigentlich unter der Brücke verortet. In ähnlich atemberaubender Brillanz funkelt auch das Bild, bei dem die Restauratoren sogar die Filmkörnung des Originalbildes beibehalten haben.

Über das üppige, nicht nur aus historischen Gründen interessante Bonusmaterial der Blu-ray hinaus enthält die englische Importfassung der 4K-UHD-Version auch die deutsche DD5.1-Synchronton-Version. Seit der Premiere 1957 konnte man „Die Brücke am Kwai“ nie besser erleben.


Die Brücke am Kwai. Großbritannien 1957. Regie: David Lean. Mit Alec Guinness, William Holden, Jack Hawkins.161 Min. – Ab 16.

Diskografische Hinweise:

Die Blu-ray enthält unter anderem eine informative Dokumentation zum Produktionsprozess des Films („,Making-of‘ von ,Die Brücke am River Kwai’", 53 Min.), eine filmgeschichtliche Würdigung des Films von John Milius (8 Min.) sowie einen historischen „USC-Kurzfilm" mit einer Einführung des Schauspielers William Holden, in dem unter anderem die Unterschiede zwischen der literarischen Vorlage und der Verfilmung analysiert werden (16 Min.).

Die 4k UHD enthält keine zusätzlichen Extras, ist aber auch als 2-Disk-Edition zusammen mit der BD erhältlich. Die BD-Editionen sind mit dem Silberling 2017 ausgezeichnet.

Kommentar verfassen

Kommentieren