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Jabberwocky

Montag, 13.01.2020

Die Monty Python Truppe liefert eine mit modernen Bezügen gespickte Satire aufs Ritterfilm-Genre

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"Jabberwocky" heißt ein 1872 in dem Roman "Alice hinter den Spiegeln" erschienenes Nonsens-Gedicht von Lewis Carroll, das vom Kampf gegen ein Monster erzählt. Das Monty-Python-Team lieferte unter der Regie von Terry Gilliam seine ganz eigene, typisch sardonisch-komische Version dieses Kampfes. Die Kamera streift durch die Baumwipfel eines Waldes im mittelalterlichen England. Plötzlich verschwindet ein Pilze sammelnder Bauer aus dem Bild und fällt als abgenagtes Skelett zurück auf den Erdboden. "Jabberwocky" hat wieder zugeschlagen! Das Ungeheuer hält einen ganzen Landstrich in Atem. Die Bauern fliehen in die Stadt, erreichen aber den Schutz der Stadtmauern nur, wenn sie Wertsachen vorweisen können. So herrscht vor und im Schloß ein reges Treiben, das ein paar skrupellose Geschäftsleute für ihren Profit und Kleriker zum Fang neuer Schäfchen nutzen.

Spätestens hier wird klar, dass Gilliam, der mit "Die Ritter der Kokusnuss" schon einmal ein makabres Porträt der "schönen Ritterzeit" zeichnete, mit "Jabberwocky" mehr als einen pittoresken Ausstattungsfilm beabsichtigte: Gilliam lässt seine in mittelalterlichen Dekors und Kostümen agierenden Protagonisten denken und reden wie einen heutigen Politökonomen. Der Handwerker überlegt sich Rationalisierungsmaßnahmen zur Profitsteigerung, in der Schmiede herrscht schon Fließbandarbeit, die (im wahrsten Sinne des Wortes) Rüstungsindustrie verdient am Tode im Turnier gefallener Ritter und die Zünfte (Gewerkschaften) bilden ein absolutes Berufsmonopol. Da muss man sich als unorganisierter Facharbeiter schon beide Füße abhacken, um damit ein paar Almosen fürs Überleben erbetteln zu können. Zum Glück gibt es in dieser korrupten und brutalen Welt immerhin noch den tumben, aber gutherzigen Küfer Dennis (Michael Palin), um sich Jabberwocky entgegenzustellen.

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