© StudioCanal (aus "Die gläserne Zelle")

Zum Tode von Dieter Laser (17.2.1942-29.2.2020)

Samstag, 11.04.2020

Ein Nachruf auf den deutschen Schauspieler Dieter Laser (17.2.1942-29.2.2020)

Diskussion

Der deutsche Schauspieler Dieter Laser wurde mit nur wenigen Filmauftritten in den 1970er-Jahren einer der prägnantesten Interpreten des Neuen deutschen Films, der u.a. in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und „Die gläserne Zelle“ brillierte. Später spielte er Nazis und andere furchteinflößende Bösewichte. Ein Nachruf.


Manche Schauspieler prägen sich in der Wahrnehmung des Kino-Publikums ein, obwohl sie es nur auf eine sehr überschaubare Menge an Rollen bringen. Auch der 1942 geborene deutsche Darsteller Dieter Laser gehört mit nur 20 Kinofilmen in 43 Jahren in diese Kategorie, rein zahlenmäßig sind das so viele, wie sie auch der legendärste aller skrupelhaften Schauspieler, der Brite Daniel Day-Lewis, vorweisen kann. Laser kompensierte seine raren Leinwandausflüge auch nicht mit einem Übermaß an Fernsehauftritten, eher schon war er durch seine Theaterengagements rege beschäftigt. Von einer gewissen Theatralik, zumindest aber von ausgewiesenem Bewusstsein seiner Präsenz zeugten auch seine Auftritte vor der Kamera: Groß und hager, mit dunklen Augen und einem mit zunehmendem Alter immer kantiger und ausgezehrter werdenden Gesicht, betonte Dieter Laser die finsteren Aspekte seines Typs, dem er mit voller, dunkler Stimme zusätzliche Resonanz verlieh.

Prädestiniert zum Kino-Bösewicht, konnte sich der gebürtige Kieler dieser Festlegung zunächst lange entziehen. In seinen Anfängen in den 1970er-Jahren entsprach seine asketische Gestalt durchaus den Ansprüchen des Neuen deutschen Films an Filmprotagonisten, wie es auch ähnlich gebaute Kollegen wie Jürgen Prochnow, Rüdiger Vogler oder Arthur Brauss vorlebten. Dieter Lasers Einstand im Kino – nach einer erfolgreichen Theaterkarriere mit Stationen bei Gründgens, Everding und Peter Stein – war 1974 die Theodor-Storm-Adaption John Glückstadtvon Ulf Miehe: Sein Part als Strafgefangener, dem nach der Entlassung trotz vielfacher Versuche kein Wiedereinstieg in die feindliche, verständnislose Gesellschaft gelingt, brachte ihm auf Anhieb den Deutschen Filmpreis ein. Auch seine weiteren Kinofilme der 1970er-Jahre waren Literaturverfilmungen: In Schlöndorffs Die verlorene Ehre der Katharina Blum(1975) war Laser der Prototyp des widerlichen Boulevard-Journalisten, der mit süffisanter Selbstgefälligkeit das Leben der Titelfigur ruiniert, in Manfred Purzers E.T.A.-Hoffmann-Adaption Die Elixiere des Teufels (1977) der von Dämonen besessene Mönch Medardus. In Hans Geißendörfers Die gläserne Zelle (1978) legte Laser den Freund und Anwalt eines zu Unrecht Verurteilten (Helmut Griem) so zwielichtig an, dass dessen Verdacht, von diesem betrogen worden zu sein, unausweichlich erscheint.

Nach diesen vier prägnanten Rollen meldete sich Dieter Laser im Kino erst wieder ab den 1990er-Jahren regelmäßiger zurück: In Peter Sehrs Kaspar Hauser-Variante (1993) kostete er weidlich die Kolportage-Elemente als intriganter bayerischer König Ludwig I. aus, als fanatisch seine Rassentheorien verfolgender Nazi-Arzt Dr. Brettchen trat er in Der Unhold (1996) noch einmal für Volker Schlöndorff vor die Kamera, in Armin Mueller-Stahls Regiearbeit Gespräch mit dem Biest(1996) erschien er als einer von mehreren Hitler-Doppelgängern. Gelegentlich auch in internationalen Filmen beschäftigt, darunter auch kruder Horrorkost, war Lasers letzte Leinwandrolle 2017 die eines deutschen Barons im stilvollen estnischen Schwarz-weiß-Teufelsmärchen November. Wie erst im April 2020 bekannt wurde, starb der Schauspieler bereits am 29. Februar in Berlin.

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