© 20th Century Fox/J. MacDonald

Polizei greift ein (arte)

Mittwoch, 09.09.2020

21.9., 22.00-23.20, arte

Diskussion

Eigentlich ist der kürzlich aus dem Knast entlassene Taschendieb Skip McCoy (Richard Widmark) nur hinter Geld und Wertsachen her, als er in der New Yorker U-Bahn eine junge Frau (Jean Peters) beklaut. Er ahnt nicht, in welche Scherereien er sich damit hineinreitet! Denn die schöne Dame führt brisantes Material mit sich: einen Mikrofilm, der dafür sorgt, dass das FBI Skip auf die Pelle rückt. Und auch die Bestohlene und ihre Hintermänner wollen den Film unbedingt wieder in ihren Besitz bringen. So gerät der Kleinganove zwischen die Fronten und muss seine Karten clever ausspielen, um nicht das Leben zu verlieren.

Regisseur Samuel Fuller sah seinen Film aus dem Jahr 1953, der als spätes Meisterwerk des Film noir in die Filmgeschichte eingegangen ist und diverse nachfolgende Filmemacher, nicht zuletzt die jungen Wilden von der Nouvelle Vague, beeinflusst hat, als „Kommentar zum Schwachsinn des Klimas des Kalten Kriegs in den 1950ern“: In der Originalfassung geht es bei dem umkämpften Mikrofilm um Spionage-Material in Sachen Atomwaffen, das amerikanische Kommunisten in die Sowjetunion schmuggeln wollen. Dem deutschen Verleih war dieser politische Hintergrund des Kalten Krieges aber wohl zu heiß; in der Synchronisation ist es eine Formel für ein synthetisches Rauschgift, wegen der es bald erste Tote gibt und Skip sich mitten in einem brandgefährlichen Katz-und-Maus-Spiel zwischen Kriminellen und Polizei wiederfindet. Diese Änderung schmälert freilich nicht den Reiz von Fullers in atmosphärischem, körnigem Schwarz-Weiß gedrehtem, sehr hartem, zwischen Realismus und Noir-Standards vermittelnden Werk.

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