© Petra Seeger (Joachim von Mengershausen)

In memoriam… 2020

Dienstag, 29.12.2020

Berühmte Filmschaffende, die 2020 verstorben sind

Diskussion

Ein schwieriges Jahr endet, ein neues, hoffentlich besseres beginnt. Das ist ein guter Anlass für Rückblicke aller Art, auch für Erinnerungen an berühmte Filmschaffende, die 2020 verstorben sind. Zu ihnen zählen nicht nur Ennio Morricone, Michel Piccoli, Max von Sydow, Sean Connery oder Kirk Douglas, sondern auch Volker Spengler, Ivan Passer, Joachim von Mengershausen und viele viele andere, die mit ihrer kreativen Vielfalt und Kunst die Welt der Bilder zum Leuchten gebracht haben.


Buck Henry (9.12.1930-8.1.2020)

Als Schauspieler war der New Yorker Komödiant meist als Spießer oder Pedant zu sehen, etwa als überforderter Vater in „Taking Off“ oder kleinkarierter Himmelsbote in „Der Himmel soll warten“, bei dem er Warren Beatty auch in der Regie unterstützte. Höheren Ruhm erwarb er sich jedoch als Autor. So ersann er mit Mel Brooks die Fernseh-Agentenparodie „Mini-Max“, schrieb an New-Hollywood-Klassikern wie „Die Reifeprüfung“ und „Is’ was, Doc?“ mit und schärfte die Satire in Gus Van Sants „To Die For“.


Ivan Passer (10.7.1933-9.1.2020)

Der Filmemacher war einer der Protagonisten der tschechischen Neuen Welle in den 1960er-Jahren, der in Werken wie „Intime Beleuchtung“ mit Humor und dokumentarischer Genauigkeit der sozialistischen Realität einen Spiegel vorhielt. Gemeinsam mit seinem Freund Miloš Forman verließ er die Tschechoslowakei nach der Niederschlagung des Prager Frühlings und ging in die USA. Auch dort blieb er ein unvorhersehbarer Regisseur, der sich mit höchst unterschiedlichen Filmen wie der Gaunerkomödie „Pforte zur Hölle“ und der düsteren Charakterstudie „Cutter’s Way“ hervortat.

Ein Nachruf auf Ivan Passer findet sich hier.


Terry Jones (1.2.1942-21.1.2020)

Der walisische Komiker war Mitglied der Komiker-Truppe Monty Python und saß bei deren Spielfilmen „Ritter der Kokosnuss“ und „Das Leben des Brian“ auf dem Regiestuhl. Als studierter Historiker brachte er fundiertes Hintergrundwissen in deren anarchische Geschichtsparodien ein und blieb durch seine herrlich schrillen Frauenrollen im Gedächtnis. Nach dem Auseinandergehen der Truppe sorgte er bei weiteren Regiearbeiten wie „Erik, der Wikinger“ und „Zufällig allmächtig“ für die zeitweilige Wiedervereinigung mit den alten Kollegen.

Ein Nachruf auf Terry Jones findet sich hier.


Joachim von Mengershausen (7.8.1936-22.1.2020)

Als bodenständiger Redakteur, der vor seiner Tätigkeit in der Fernsehspiel-Redaktion des WDR Bierbrauer gelernt und sich in vielen Gewerken bewährt hatte, zählte Joachim von Mengershausen zu den wichtigen Wegbereitern des Jungen deutschen Films; Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders und Edgar Reitz verhalf er mit zum Durchbruch.

Ein Nachruf auf Joachim von Mengershausen findet sich hier.


Harriet Frank jr. (2.3.1923-28.1.2020)

Die US-amerikanische Drehbuchautorin bildete mit ihrem Mann Irving Ravetch ein Team, das insbesondere für den Regisseur Martin Ritt denkwürdige Werke wie „Der Wildeste unter Tausend“ und „Norma Rae“ verfasste. Daneben adaptierten sie auch den Faulkner-Roman „Die Gauner“ und schrieben das Skript zum Spätwestern „Die Cowboys“.


Jörn Donner (5.2.1933-30.1.2020)

Im schwedischen Kino erregte der gebürtige Finne in den 1960er- und 1970er-Jahren Aufsehen mit realitätsnahen und offenherzigen Regie-Arbeiten, bevor er auf die Produktion umstieg und einen internationalen Erfolg mit Ingmar Bergmans „Fanny und Alexander“ hatte. Neben Aktivitäten als Schriftsteller und Politiker leitete Donner 1978 bis 1982 das Schwedische Filminstitut.


Péter Andorai (25.4.1948-1.2.2020)

Der ungarische Schauspieler war in seiner Heimat ein hochgeschätzter Akteur, den unter anderem István Szabó immer wieder einsetzte, etwa als Widerstandkämpfer in „Vertrauen“ und als kommunistischen Theatermimen in „Mephisto“. Für Ildikó Enyedi spielte er Thomas Edison in „Mein 20. Jahrhundert“ und die Titelrolle eines Zauberers in „Simon Magus“.


Kirk Douglas (9.12.1916-5.2.2020)

Der US-Schauspieler galt in Hollywood als seltener Fall eines „intelligenten“ Darstellers, weil er an allen Aspekten des Filmschaffens interessiert war und sich auch im Studiosystem niemand unterordnen wollte. Als vitaler, hochenergetischer Künstler spielte er aggressive und rücksichtslose Antihelden, die nicht um Sympathie buhlen, ebenso wie etwa einen zerrissenen Vincent van Gogh in „Ein Leben in Leidenschaft“ oder integre Vorbildcharaktere wie Spartacus.

Ein Nachruf auf Kirk Douglas findet sich hier.


Volker Spengler (16.2.1939-8.2.2020)

Der wuchtige Theaterschauspieler wurde von Rainer Werner Fassbinder im Kino etabliert, wo er vor allem als Transsexuelle in „In einem Jahr mit 13 Monden“ brillierte. Zum festen Stamm gehörte er auch bei Christoph Schlingensief. Für Volker Schlöndorffs Drama „Der Unhold“ schlüpfte er in die Rolle von Hermann Göring.


Joseph Vilsmaier (24.1.1939-11.2.2020)

Der Münchner Filmemacher Joseph Vilsmaier war lange Jahre Kameramann, bevor er ab Ende der 1980er-Jahre auch Regie-Aufgaben übernahm. Mit Fleiß und handwerklicher Versiertheit drehte er große Publikumserfolge wie „Herbstmilch“ und „Comedian Harmonists“, schöpfte filmisch aus der Liebe zu seiner bayerischen Heimat und erhob sich immer wieder auch über die Grenzen des konventionellen Kinos.

Ein Nachruf auf Joseph Vilsmaier findet sich hier.


Sonja Ziemann (8.2.1926-17.2.2020)

In den 1950er-Jahren war die sympathische Schauspielerin einer der beliebtesten Stars des BRD-Kinos, die in publikumswirksamen Heimatfilmen wie „Schwarzwaldmädel“ und „Grün ist die Heide“ Millionen ins Kino lockte. In Abkehr von den seichten Stoffen versuchte sie sich auch in Kriegsfilmen wie „Hunde, wollt ihr ewig leben“ oder Dramen wie „Der achte Wochentag“. Ab 1970 gab sie die Leinwand auf und erschien nur noch in gelegentlichen Fernsehrollen.

Sonja Ziemann und Richard Widmark in "Geheime Wege" (imago/Everett Collection)
Sonja Ziemann und Richard Widmark in "Geheime Wege" (© imago/Everett Collection)

Wolfgang Gersch (13.6.1935-21.2.2020)

Als Redakteur der Ost-Berliner Filmzeitschrift „Deutsche Filmkunst“ war der gelernte Dramaturg und Theaterwissenschaftler in den 1960er-Jahren für die damals herausragende Publikation zu Filmästhetik und -politik in der DDR verantwortlich. Als Filmhistoriker unterrichtete er an Filmhochschulen, schrieb Bücher und setzte sich nach dem Ende der DDR für das Erbe der DEFA ein.

Ein Nachruf auf Wolfgang Gersch findet sich hier.


Peggy-Jean Montgomery (29.10.1918-24.2.2020)

Als aufgeweckte „Baby Peggy“ war die US-Amerikanerin zwischen ihrem 3. und 7. Lebensjahr eine der ersten Kinderstars, der (unter Anleitung ihres Vaters) mit Kurz- und Langfilmen Millionen verdiente und umsetzte. Als nach Vertragsstreitigkeiten ihre Studiokarriere endete, hatte sie zunächst im Vaudeville weiter Erfolg, bevor sie nach Hollywood zurückkehrte, dort aber nur noch als Statistin Arbeit fand. Später engagierte sie sich für den Schutz anderer Kinderdarsteller vor Ausbeutung und schrieb filmgeschichtliche Bücher.


Burkhard Driest (28.4.1939-27.2.2020)

Nach einer konfliktreichen Jugend und einer Gefängnisstrafe wegen eines Banküberfalls verarbeitete der Autor seine Geschichte in dem Buch „Die Verrohung des Franz Blum“, schrieb das Drehbuch für die Verfilmung von Reinhard Hauff und spielte eine zentrale Rolle als Knast-Pate. Neben weiteren Auftritten bei Hauff, Herzog und Fassbinder etablierte sich Driest als Roman- und Film-Autor mit einer Vorliebe für Kriminalstoffe und Sozialdramen.


Tabea Blumenschein (11.8.1952-Ende Februar 2020)

Die Schauspielerin und Designerin wurde mit der Rolle einer reichen Exzentrikerin in Ulrike Ottingers „Bildnis einer Trinkerin“ bekannt, für die sie auch in weiteren Filmen agierte und oft auch Maske und Kostüme übernahm. Außerdem arbeitete sie mit anderen experimentell eingestellten Regisseuren wie Herbert Achternbusch und Werner Nekes zusammen.


Dieter Laser (17.2.1942-29.2.2020)

Der große und hagere deutsche Schauspieler wurde in den 1970er-Jahren einer der prägnantesten Interpreten des „Neuen deutschen Films“, der als strauchelnder Ex-Sträfling in „John Glückstadt“, schmieriger Boulevard-Journalist in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und zwielichtiger Anwalt in „Die gläserne Zelle“ brillierte. In späteren Jahren spielte er Nazis und andere furchteinflößende Bösewichte für Schlöndorff, Armin Mueller-Stahl und in internationalen Horrorfilmen.

Ein Nachruf auf Dieter Laser findet sich hier.


Max von Sydow (10.4.1929-8.3.2020)

Mit seinen asketischen Gesichtszügen und seiner tiefgründigen Ausstrahlung war der schwedische Schauspieler Max von Sydow für schwer durchschaubare Charaktere wie geschaffen. Zunächst war er der ideale Interpret für die grübelnden Zweifler von Ingmar Bergman, später wurde er aber auch für viele andere Regisseure zur heroischen oder zwiespältigen Figur, dessen einzigartiges Charisma auch Bösewichter adelte.

Ein Nachruf auf Max von Sydow findet sich hier.


Frank-Otto Schenk (10.10.1943-10.3.2020)

Der deutsche Darsteller war in der DDR ein bekannter Theaterschauspieler, der im Film nur kleine Auftritte absolvierte. Breite Beschäftigung fand er ab den 1990er-Jahren als Synchronsprecher, der mit seiner schnoddrigen, oft nervös klingenden Stimme effektvoll für den Chorleiter in Gérard Jugnots „Die Kinder des Monsieur Mathieu“, dem peinlichen „American Pie“-Vater oder als feinsinnig-snobistischen Psychiater in der Sitcom „Frasier“ eingesetzt wurde.


Tonie Marshall (29.11.1951-12.3.2020)

Als Tochter der französischen Darstellerin Micheline Presle begann auch Tonie Marshall ihre Karriere vor der Kamera, wechselte aber bald die Seite. Mit der originellen Krimikomödie „Die Detektivin“ etablierte sie sich als Regisseurin, für die in einem Schönheitssalon angesiedelte Ensemble-Komödie „Schöne Venus“ erhielt sie in Frankreich zahlreiche Filmpreise, später verantwortete sie die unter ähnlichen Voraussetzungen spielende Fernsehserie „Venus und Apoll“.


Suzy Delair (31.12.1917-15.3.2020)

Die französische Schauspielerin und Sängerin war in den 1940er- und 1950er-Jahren nicht nur im Kino eine Ausnahmeerscheinung. Vor Temperament sprühend, quirlig und leicht schrill, bereicherte sie Filme von Henri-Georges Clouzot („Der Mörder wohnt in Nr. 21“), René Clément („Gervaise“) und Marcel Carné („Futter für süße Vögel“). In späteren Jahren gab sie den Komikern Fernandel und Louis de Funès in deren Filmen kongenial Kontra.

Ein Nachruf auf Suzy Delair findet sich hier.

Sprühend-quirlige Erscheinung: Suzy Delair (Majestic Films)
Sprühend-quirlige Erscheinung: Suzy Delair (© Majestic Films)

Jochen Mückenberger (11.8.1926-14.3.2020)

In der Zeit zwischen 1961 und 1966 befreite Jochen Mückenberger das DEFA-Studio als Direktor aus den Klammern der SED und bereitete einer andere Filmpolitik den Boden, die mehr auf Autonomie und künstlerische Wagnisse setzte. Nach dem „Kahlschlag“ von 1965 mit zwölf vom Staat verbotenen Filmen wurde er gefeuert; später leitete er die Staatlichen Schlösser und Gärten von Sanssouci.

Ein Nachruf auf Jochen Mückenberger findet sich hier.


Stuart Whitman (1.2.1928-16.3.2020)

Der robust gebaute US-Schauspieler begann in den 1950er-Jahren mit Kleinstrollen und arbeitete sich langsam in die erste Reihe vor. Im Western „Die Comancheros“ bewährte er sich als Partner von John Wayne. Für den komplexen Auftritt als geheilter, seine Vergangenheit mühsam geheim haltender Pädophiler in „Gebrandmarkt“ wurde er für den „Oscar“ nominiert. Neben vielen Rollen als Soldat oder Sheriff trat er ab den 1970er-Jahren auch in B-Filmen auf.


Lucia Bosé (28.1.1931-23.3.2020)

Als 16-Jährige wurde die Mailänderin zur „Miss Italien“ gewählt, womit sie auch die Aufmerksamkeit der Kinobranche erregte. Neben vielen Routine-Filmen konnte sie in den 1950er-Jahren in Werken von Michelangelo Antonioni, Luciano Emmer und Luis Buñuel auch beachtliches Schauspieltalent zeigen. Nach einer Pause kehrte sie Ende der 1960er-Jahre mit „Fellinis Satyricon“ und „Im Zeichen des Skorpions“ von den Taviani-Brüdern als angesehene Charakterdarstellerin ins Kino zurück.


Krzysztof Penderecki (23.11.1933-26.3.2020)

Der bedeutende zeitgenössische polnische Komponist fand für seine Klangkompositionen Bewunderer in Filmschaffenden wie William Friedkin, Stanley Kubrick, Martin Scorsese und Andrzej Wajda, die seine expressiven Werke einsetzten. Zudem schrieb er auch originale Filmmusik, etwa für Alain Resnais’ „Ich liebe dich, ich liebe dich“ (1968) und Kristian Levrings „Wen du fürchtest“ (2008).


Barbara Rütting (21.11.1927-28.3.2020)

In den 1950er- und 1960er-Jahren kratzte die Schauspielerin mit Auftritten als eigenständige, widerspenstige Frau in Filmen wie „Die letzte Brücke“ und „Die Geierwally“ am vorherrschenden Frauenbild des bundesdeutschen Kinos und machte auch international auf sich aufmerksam. Nach dem Ende ihrer Schauspielkarriere engagierte sie sich für Tierschutz und Veganismus.

Ein Nachruf auf Barbara Rütting findet sich hier.

Barbara Rütting in "Die Geierwally" (© filmjuwelen)
Barbara Rütting in "Die Geierwally" (© filmjuwelen)

Honor Blackman (22.8.1925-5.4.2020)

Die Stunde der britischen Schauspielerin schlug in den 1960er-Jahren mit den emanzipierten Rollen als Agentin in „Mit Schirm, Charme und Melone“ und als selbstbewusstes „Bond-Girl“ in „Goldfinger“. Außerdem war sie eine selbstironische Hera in „Jason und die Argonauten“ und auch im höheren Alter von „Bridget Jones“ bis „Cockneys vs Zombies“ immer wieder in schlagfertigen Gastrollen zu sehen.


Allen Garfield (22.11.1939-7.4.2020)

Der dickliche, zeitweilig auch unter seinem Geburtsnamen Allen Goorwitz auftretende US-Schauspieler war in den 1970er- und 1980er-Jahren ein vielgesuchter Charakterdarsteller, der vor allem als korrupter Geschäftsmann oder Politiker besetzt wurde. In Erinnerung blieben vor allem seine Auftritte als Mitarbeiter eines Überwachungsprofis in „Der Dialog“, als Manager und Ehemann der labilen Countrysängerin in „Nashville“ oder als schmieriger Produzent in „Der Stand der Dinge“.


Bruce Baillie (24.9.1931-10.4.2020)

Als Co-Gründer des in San Francisco ansässigen Canyon Cinema ging der US-amerikanische Filmemacher in die Geschichte ein. Mit seinen experimentellen Arbeiten sicherte er sich weit über das Avantgarde-Publikum Anerkennung und beeinflusste so unterschiedliche Regisseure wie George Lucas, Stan Brakhage oder Apichatpong Weerasethakul.

Ein Nachruf auf Bruce Baillie findet sich hier.


Francis Reusser (1.12.1942-10.4.2020)

Der Schweizer Filmemacher Francis Reusser zählte zum erweiterten Umfeld der legendären „Groupe 5“, die in den 1960er-Jahren das neue Gesicht des Schweizers Kinos prägten und den revolutionären Geist aus Paris nach Genf trugen. Als Verfechter eines politisch engagierten Kinos drehten sich seine Filme wie „Le Grand Soir, Fragments“ zeitlebens um Fragen von Identität und Erinnerung.

Ein Nachruf auf Francis Reusser findet sich hier.


Maurice Barrier (8.6.1932-12.4.2020)

Der stämmige französische Darsteller war ein Favorit des Autors Francis Veber und in etlichen Verfilmungen seiner Drehbücher zu sehen, etwa als Agent in „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“, als Wirt in „Damit ist die Sache für mich erledigt“ oder geplagter Kommissar in „Zwei irre Typen auf der Flucht“. Herausragend war er auch als Grundbesitzer im Streit mit seinem vermeintlich aus dem Krieg zurückgekehrten Neffen in „Die Wiederkehr des Martin Guerre“, Mitglied der bunten Gesellschaft in „Fellinis Schiff der Träume“ und auf der Bühne in der Ur-Produktion des Musical-Dauerbrenners „Les Misérables“ als Jean Valjean.


Sarah Maldoror (19.7.1929-13.4.2020)

Die französische Filmemacherin wurde in den 1970er-Jahren mit ihren Filmen „Monangambée“ (1969) und „Sambizanga“ (1972) zur prägenden Regisseurin des neuen afrikanischen Kinos und einer schwarzen Identität. Neben politisch-gesellschaftlichen Werken drehte sie auch Dokumentationen über den Dichter Louis Aragon, den Maler Joan Miró oder die Kirche Saint-Denis.

Ein Nachruf auf Sarah Maldoror findet sich hier.


Allen Daviau (14.6.1942-14.4.2020)

Der US-amerikanische Kameramann arbeitete in den 1980er-Jahren mit Steven Spielberg bei dessen weniger actionhaltigen Werken „E.T.“, „Die Farbe Lila“ und „Das Reich der Sonne“ zusammen. Stimmungsvoll gerieten ihm auch „Avalon“ und „Bugsy“ für Barry Levinson sowie „Fearless – Jenseits der Angst“ für Peter Weir.


Brian Dennehy (9.7.1938-15.4.2020)

Der hünenhafte US-amerikanische Darsteller profilierte sich neben gefeierten Theaterauftritten auch als markante Erscheinung in Kinofilmen. Nach dem Durchbruch mit der Rolle des gnadenlosen Sheriffs in „Rambo“ wurde er immer wieder als Gesetzesvertreter jedes Kalibers besetzt, spielte aber oft auch gewalttätige Vaterfiguren. Sympathisch und vielschichtig war er als freundliches Alien in „Cocoon“, als leidender Künstler in Peter Greenaways „Der Bauch des Architekten“ und als großväterlicher Freund eines kleinen Jungen in „Driveways“.

Ein Nachruf auf Brian Dennehy findet sich hier.


Gene Deitch (8.8.1924-16.4.2020)

„Don’t conform! Do it your way!“ war das Motto des Animationsfilmers. Der gebürtige US-Amerikaner wechselte um 1960 auf die andere Seite des Eisernen Vorhangs in die Tschechoslowakei, wo er den „Oscar“-geehrten Film „Munro“ schuf und an Kultserien wie „Tom & Jerry“ und „Popeye“ sowie einer ersten „Hobbit“-Adaption arbeitete.

Ein Nachruf auf Gene Deitch findet sich hier.


Shirley Knight (5.7.1936-22.4.2020)

Die Schauspielerin aus Kansas feierte ihren Einstand im Kino mit „Oscar“-Nominierungen für die Rollen als unsichere Jugendliche in „Das Dunkel am Ende der Treppe“ (1960) und als Tochter eines brutalen Provinzpolitikers in „Süßer Vogel Jugend“ (1962). In den 1960er-Jahren erhielt sie weitere fordernde Aufgaben in Sidney Lumets „Die Clique“, Anthony Harveys „Dutchman“ und Francis Ford Coppolas „Liebe niemals einen Fremden“. Nach einer Konzentration auf Theater- und Fernsehauftritte war sie ab den 1990er-Jahren in Charakterrollen wie in „Besser geht’s nicht“ oder „Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya Schwestern“ zu sehen.


Otto Mellies (19.1.1931-26.4.2020)

Der aus Pommern stammende Schauspieler war in der DDR ein gefeierter Menschengestalter, der seinen Figuren in klassischen Dramen, Gegenwartsstoffen und Komödien subtile Nuancen verleihen konnte. Auch nach der Wende blieb er ein vielbeschäftigter Darsteller, der unter anderem in „Halt auf freier Strecke“ als Vater des todkranken Protagonisten berührte und mit seiner sonoren Stimme ein gefragter Sprecher war.

Ein Nachruf auf Otto Mellies findet sich hier.

Aufrechter Gang, sonore Stimme: Otto Mellies (© imago images/Michael Handelmann)
Aufrechter Gang, sonore Stimme: Otto Mellies (© imago/Michael Handelmann)

Irrfan Khan (7.1.1967-29.4.2020)

Der charismatische indische Schauspieler spielte in Bollywood-Produktionen Polizisten, Schurken, romantische Liebhaber und einen modernen Macbeth in „Maqbool“. International bekannt wurde er jedoch mit den Autorenfilmen von Asif Kapadia („The Warrior“) und Ritesh Batra („The Lunchbox“). Auch in britischen und US-amerikanischen Filmen überzeugte er in prägnanten Nebenrollen wie als Kommissar in „Slumdog Millionär“ und als Erzähler in „Life of Pi“.

Ein Nachruf auf Irrfan Khan findet sich hier.


Jerry Stiller (8.6.1927-11.5.2020)

Der US-Komiker bildete mit seiner Frau Anne Meara ab den 1950er-Jahren ein erfolgreiches Duo auf der Bühne und im Fernsehen. Einen späten zweiten Karriereschub erlebte er ab den 1990er-Jahren mit einer Gastrolle als exzentrischer Vater von Serienfigur George Costanza im Sitcom-Hit „Seinfeld“ und einem ähnlich gelagerten Part in „King of Queens“; zudem absolvierte er kleine Auftritte in den Filmen seines Sohnes Ben Stiller.


Michel Piccoli (27.12.1925-12.5.2020)

Rund 70 Jahre Filmgeschichte schrieb der distinguierte französische Schauspieler mit, in denen er vom Marquis de Sade bis zum Papst und vom Giftmischer bis zum Charmeur unzählige denkwürdige Kinoauftritte versammelte und für Agnès Varda sogar als Verkörperung eines „Monsieur Cinéma“ vor die Kamera trat. Als Favorit von Regisseuren wie Luis Buñuel, Marco Ferreri und Manoel de Oliveira war er im europäischen Autorenkino hochpräsent, glänzte aber auch immer wieder in kleinen Rollen, die seiner Vorliebe fürs Unberechenbare entsprachen.

Ein Nachruf auf Michel Piccoli findet sich hier.


Fred Willard (18.9.1933-15.5.2020)

Der US-amerikanische Komiker war ein Meister der Kunst, seriös, sympathisch und gleichzeitig albern wirken zu können. Großen Erfolg hatte er damit in den Mockumentarys von Christopher Guest – insbesondere als Hundeschau-Kommentator in „Best in Show“ –, als Senderchef in „Anchorman“ sowie in wiederkehrenden Gastauftritten in beliebten Sitcoms wie „Alle lieben Raymond“ und „Modern Family“.


Lynn Shelton (27.8.1965-15.5.2020)

Die US-amerikanische Independent-Regisseurin war eine Ikone des Mumblecore-Films, die sich mit einem Do-it-yourself-Konzept gegen die Einflussnahme von außen verwahrte und vielschichtige Beziehungskomödien wie „Humpday“ und „Touchy Feely“ drehte.

Ein Nachruf auf Lynn Shelton findet sich hier.

Eine Ikone des Mumblecore-Films: Lynn Shelton (© imago/ZUMA Press)
Eine Ikone des Mumblecore-Films: Lynn Shelton (© imago/ZUMA Press)

Jon Whiteley (19.2.1945-16.5.2020)

Als 8-Jähriger spielte der Schotte in „Besiegter Hass“ einen Jungen, der mit seinem kleinen Bruder ein verlassenes Baby aus Furcht vor ihrem strengen Großvater versteckt, wofür er 1954 gemeinsam mit seinem 6-jährigen Filmpartner Vincent Winter einen Spezial-„Oscar“ erhielt. Danach spielte er noch die Hauptrolle in Fritz Langs romantischem Melodram „Das Schloss im Schatten“ und einen vernachlässigten Diplomatensohn in „Der spanische Gärtner“, bevor er seine Filmlaufbahn zugunsten einer Karriere als Kunsthistoriker ad acta legte.


Peter Thomas (1.12.1935-17.5.2020)

Der emsige Komponist lernte sein Handwerk Ende der 1940er-Jahre in den unterschiedlichen Sektoren des geteilten Berlins und zeigte sich auch in seinen Filmarbeiten experimentierbereit und höchst kreativ. Erste Erfolge hatte er mit Werken von Will Tremper wie „Flucht nach Berlin“, berühmt wurde er jedoch als Hauskomponist der Edgar-Wallace- und Jerry-Cotton-Filmreihen sowie im Fernsehen mit der Musik von „Straßenfeger“-Krimis und „Raumpatrouille Orion“.


Monique Mercure (14.11.1930-17.5.2020)

Die bedeutende kanadische Bühnen- und Filmschauspielerin fasste über Nebenrollen in den Werken von Claude Jutra („Mein Onkel Antoine“) auch im Kino Fuß und gewann 1977 in Cannes als vernachlässigte Frau in „J.A. Martin Fotograf“ den Darstellerinnen-Preis. International am bekanntesten wurde ihre Interpretation der rätselhaften Haushälterin Fadela in David Cronenbergs „Naked Lunch“.


Jean-Loup Dabadie (27.9.1938-24.5.2020)

Der französische Bühnen-, Sketch-, Chanson- und Drehbuchautor war ein Spezialist für bürgerliche Milieus, psychologische Genauigkeit und elegante, humorvolle Dialoge. Damit war er die natürliche Wahl für die melancholischen Werke von Claude Sautet von „Die Dinge des Lebens“ (1970) bis „Garçon! Kollege kommt gleich!“ (1983), aber auch für Yves Roberts Freunde-Quartett-Filme „Ein Elefant irrt sich gewaltig“ (1976) und „Wir kommen alle in den Himmel“ (1977) sowie Claude Pinoteaus sensibles Generationskonflikt-Drama „Die Ohrfeige“ (1974). Die letzten Kinoarbeiten des Mitglieds der „Académie française“ waren drei Filme von Jean Becker, angefangen mit „Das Labyrinth der Wörter“ (2010).


Renate Krößner (17.5.1945-25.5.2020)

Der Part der unverdrossenen Schlagersängerin in „Solo Sunny“ war für die Darstellerin die Rolle ihres Lebens. Mit einem Temperament belebte sie auch weitere DEFA-Filme wie „Feuer unter Deck“ und fand nach der Wende auch im gesamtdeutschen Kino, etwa in Adolf Winkelmanns „Nordkurve“ über einen Samstag im fußballverrückten Ruhrpott, dankbare Aufgaben.

Ein Nachruf auf Renate Krößner findet hier.

"Solo Suny": Renate Krößner (DEFA-Stiftung)
"Solo Suny": Renate Krößner (© DEFA-Stiftung)

Irm Hermann (4.10.1942-26.5.2020)

Von Rainer Werner Fassbinder entdeckt, war die hagere Münchner Autodidaktin eine seiner bevorzugten Darstellerinnen, die er insbesondere als frustrierte Spießerin besetzte. Daneben drehte sie mit weiteren Vertretern des neuen deutschen Films, aber auch mit Avantgarde-Filmemachern von Ulrike Ottinger bis Christoph Schlingensief sowie in Publikumshits wie Loriots „Pappa ante portas“.

Ein Nachruf auf Irm Hermann findet sich hier.


Guy Bedos (15.6.1934-28.5.2020)

Der französische Komiker und überzeugte Sozialist war über Jahrzehnte für seine scharfzüngigen Kabarett-Programme berühmt und bei konservativen Politikern gefürchtet. Von seinen Kinorollen bleiben vor allem sein köstlicher Auftritt als jüdischer Arzt mit Hypochondrie-Problem und dominanter Mutter in „Ein Elefant irrt sich gewaltig“ und der Fortsetzung „Wir kommen alle in den Himmel“ sowie die Altersrolle als Teil der Senioren-WG in „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ in Erinnerung.


Igor Luther (5.8.1942-7.6.2020)

Der slowakische Kameramann emigrierte 1968 nach Deutschland und wurde ein stimmungsvoller Bildgestalter von Schlüsselwerken des „Neuen deutschen Films“ wie „o.k.“, „Der Fangschuss“ und „Die Blechtrommel“. Zweimal mit dem „Deutschen Filmpreis“ ausgezeichnet, stand Luther auch für Andrzej Wajda (bei „Danton“) oder Hans Jürgen Syberberg („Parsifal“) und zuletzt beim Dokumentarfilm „Wiedersehen mit Brundibár“ (2014) hinter der Kamera.


Marion Hänsel (12.2.1949-8.6.2020)

Die belgische Regisseurin erkundete mit poetischen, literarisch beeinflussten Filmen von „Die Kraft der Liebe“ (1982) über „Dust“ (1986) bis „Stromaufwärts“ (2016) die schweren Lasten von Familienbeziehungen und Traumata der Vergangenheit und ließ in ihrer malerischen Bildsprache den Einfluss bildender Künstler erkennen.

Ein Nachruf auf Marion Hänsel findet sich hier.


Rosa Maria Sardà (30.7.1941-11.6.2020)

In Spanien ab den 1970er-Jahren eine Institution in Kino, Theater und Fernsehen, wurde die Darstellerin im reiferen Alter durch international beachtete Autorenfilmer wie Pedro Almodóvar (in „Alles über meine Mutter“) und Icíar Bollaín (in „Öffne meine Augen“) auch im Ausland bekannt.


Wolf-Eckhart Bühler (17.9.1945-16.6.2020)

Der begnadete Filmessayist gehörte zu den Redakteuren der Zeitschrift „Filmkritik“, die in den 1970er-Jahren von Einzelbesprechungen abrückten und strukturelle Zusammenhänge ins Zentrum der Analyse rückten. In diesem Geist dreht er auch einige Porträtfilme, etwa über den Hollywood-Schauspieler Sterling Hayden, und wandte sich später dem Schreiben von Reiseführern zu.

Ein Nachruf auf Wolf-Eckart Bühler findet sich hier.


Lewis John Carlino (1.1.1932-17.6.2020)

Der US-amerikanische Drehbuchautor gab mit dem bedrückenden Thriller „Der Mann, der zweimal lebte“ (1966) seinen Einstand im Kino und bewährte sich im Actionkino („Kalter Hauch“, 1972) wie im atmosphärischen Liebesdrama „The Fox“ (1967). Teilweise übernahm er auch die Regie, wobei sein intensives Vater-Sohn-Drama „Der große Santini“ (1980) den stärksten Eindruck hinterließ.


Claus Biederstaedt (28.6.1928-18.6.2020)

Als gutaussehender junger Schauspieler im bundesrepublikanischen Nachkriegskino lavierte sich Claus Biederstaedt vergleichsweise erfolgreich zwischen biederer Schlager-, Heimat- und Komödien-Unterhaltung und anspruchsvolleren Aufgaben wie in „Feuerwerk“ und „Vor Sonnenuntergang“ hindurch. Sein Können und seine prägnante Stimme zeigte er ab den 1960er-Jahren als Hörspiel- und Synchronsprecher, etwa für die Fernsehserien-Helden Columbo (Peter Falk) und Rockford (James Garner) sowie von Marlon Brando in „Der letzte Tango in Paris“.


Ian Holm (12.9.1931-19.6.2020)

Der für seine Kunst geadelte britische Schauspieler war ein Meister darin, auch Nebenrollen im Film durch die Gabe der Reduktion zu begnadeten Darbietungen zu nutzen. In der Zusammenarbeit mit Autorenfilmern wie Atom Egoyan, David Cronenberg und Terry Gilliam interpretierte er gelegentlich auch eindrucksvolle Hauptrollen. Publikumsruhm erwarb er sich als gefühlloser Android in „Alien“, als Lauftrainer in „Die Stunde des Siegers“ und als liebenswerter Hobbit Bilbo Beutlin in den „Herr der Ringe“-Filmen.

Ein Nachruf auf Ian Holm findet sich hier.

Sparsamste Mimik, komplexe Charaktere: Ian Holm (Concorde)
Sparsamste Mimik, komplexe Charaktere: Ian Holm (© Concorde)

Joel Schumacher (29.8.1939-22.6.2020)

Der gelernte Modedesigner war zunächst Kostümbildner, bevor ihm mit dem Drehbuch zur Komödie „Car Wash“ (1976) ein Überraschungserfolg gelang. Als Regisseur bewegte er sich innerhalb des Studiosystems in etlichen Genres, inszenierte kommerziell erfolgreich zwei „Batman“-Blockbuster und starbesetzte Thriller, zeigte bei kleineren Projekten wie der Jugend- und Vampirfilm-Kombination „The Lost Boys“ (1987) und dem rauen Vietnamkrieg-Trainingsfilm „Tigerland“ (2000) aber auch immer wieder höhere Ambitionen.

Ein Nachruf auf Joel Schumacher findet sich hier.


Carl Reiner (20.3.1922-29.6.2020)

Als Autor, Schauspieler und Regisseur war Carl Reiner eine der kreativsten Kräfte der US-amerikanischen Komik-Branche. Im Fernsehen leistete er Pionierarbeit in der Entwicklung von Sketch-Sendungen („Caesar’s Hour“) und Sitcoms („The Dick Van Dyke Show“), in Filmen, Büchern und Theaterstücken reflektierte er über das eigene Metier. Im Kino spielte er überwiegend kleine Rollen, bewies sich aber als innovativer und vielseitiger Regisseur, der Gegenwartssatire ebenso meisterte wie die clevere Film-noir-Parodie „Tote tragen keine Karos“.

Ein Nachruf auf Carl Reiner findet sich hier.


Tilo Prückner (26.10.1940-2.7.2020)

Der Schauspieler aus Augsburg war einer der umtriebigsten deutschen Darsteller, der in den 1970er-Jahren mit Rollen als schmächtiger Außenseiter und Sonderling von Filmemachern des „Neuen deutschen Films“ wie Edgar Reitz („Der Schneider von Ulm“), Reinhard Hauff („Die Verrohung des Franz Blum“) und Niklaus Schilling („Der Willi-Busch-Report“) umworben wurde. Später glänzte er auch in zahlreichen Serienrollen und war bis ins Seniorenalter mit kleinen denkwürdigen Auftritten in Kino und Fernsehen präsent.

Ein Nachruf auf Tilo Prückner findet sich hier.


Earl Cameron (8.8.1917-3.7.2020)

Der von den Bermudas stammende Schauspieler durchbrach in den 1950er-Jahren die Beschränkungen für Darsteller mit schwarzer Hautfarbe in Großbritannien und konnte tragende Parts an Land ziehen. So war er in „Unterwelt“ (1951) ein Matrose, der sich in eine weiße Frau verliebt, ein Mau-Mau-General in „Der König der Samurai“ (1956) und der Bruder einer aus „Rassengründen“ ermordeten Studentin in „Das Mädchen Saphir“ (1959). 2005 spielte er den an Robert Mugabe angelehnten afrikanischen Diktator im UNO-Thriller „Die Dolmetscherin“.


Ennio Morricone (10.11.1928-6.7.2020)

Der italienische Komponist schuf in unzähligen Filmarbeiten unsterbliche Melodien, für die er Klassik und Avantgarde-Musik mit ureigener Experimentierfreude zusammenbrachte und neben den Italowestern von Sergio Leone auch Gangsterfilme, Historiendramen, Gialli und die nostalgische Kino-Erinnerung „Cinema Paradiso“ zu Klassikern machte.

Ein Nachruf auf Ennio Morricone findet sich hier.


Olivia de Havilland (1.7.1916-25.7.2020)

Die britisch-stämmige Schauspielerin bildete nach ihrer Entdeckung für Max Reinhardts und William Dieterles „Sommernachtstraum“-Verfilmung (1935) achtmal ein Traumpaar mit dem Herzensbrecher Errol Flynn und behauptete sich als stille Kraft im Kassenschlager „Vom Winde verweht“. Unzufrieden mit den Zwängen des Hollywood-Systems und dem fehlenden Einfluss auf ihre Rollen, erstritt sie sich die Freiheit von Studioboss Jack Warner und gewann nach einer Filmpause zwei „Oscars“. Schon früh im Status einer Legende, konnte sie diesen als vitale Repräsentantin von Hollywoods „Goldener Ära“ bis ins hohe Alter behalten.

Ein Nachruf auf Olivia de Havilland findet sich hier.


John Saxon (5.8.1936-25.7.2020)

Gutaussehend, aber auch finster dreinschauend, wechselte der US-Schauspieler von Beginn seiner Karriere an zwischen positiven Rollen und Leinwandschurken. Im Western-Genre erschien er als mexikanischer Bandit in „Südwest nach Sonora“ (1966) und Bauernführer in „Sinola“ (1972), kämpfte an der Seite von Bruce Lee in „Der Mann mit der Todeskralle“ (1973) und wurde in mehreren „Nightmare on Elm Street“-Filmen mit dem Traumhorror von Freddy Krueger konfrontiert. In späteren Jahren erschien er als FBI-Agent in „From Dusk Till Dawn“ (1995) und in kleinen Independent-Werken.


Alan Parker (14.2.1944-31.7.2020)

Der ausgebildete Werbe-Regisseur repräsentierte das britische Kino in all seinen Facetten. Er orientierte sich am großen Publikum, forderte aber auch bei Hollywood-Produktionen kreative Freiheiten ein. Mit Werken wie „Bugsy Malone“ und „Fame“ war er einer der innovativsten Regisseure des Film-Musicals, drehte aber auch packende Dramen wie „12 Uhr nachts“, „Birdy“ und „Mississippi Burning“.

Ein Nachruf auf Alan Parker findet sich hier.


Wilford Brimley (27.9.1934-1.8.2020)

Der korpulente Schauspieler mit dem eindrucksvollen Hufeisen-Bart verkörperte unverblümte und schroffe Charaktere, deren Aufrichtigkeit und Erdgebundenheit aber oft sehr erfrischend wirkte. Vor allem in den 1980er-Jahren war Brimley ein gern gesehener Darsteller in Hollywood-Filmen wie „Die Sensationsreporterin“, „Comeback der Liebe“ oder „Der Unbeugsame“, in „Cocoon“ spielte der gerade 50-Jährige glaubwürdig einen Altersheim-Bewohner, in den 1990er-Jahren zeigte er in Filmen wie „In & Out“ zunehmend auch väterliche Milde.


Linda Manz (20.8.1961-14.8.2020)

Die junge US-amerikanische Schauspielerin konnte nach ihrem Auftritt in Terrence Malicks „In der Glut des Südens“ (1978) als kleine Schwester des von Richard Gere gespielten Farmarbeiters und abgeklärte Erzählerin des Films als darstellerische Nachwuchshoffnung gelten. Weitere lohnende Aufgaben folgten 1979 mit „The Wanderers“ und „Out of the Blue“. Nach längerer Pause erschien sie in den 1990er-Jahren noch in kleinen Rollen bei Harmony Korine und David Fincher.

Erinnerungen an Linda Manz finden sich hier.

Prägte "Days of Heaven": Linda Manz (imago/Everett Collection)
Prägte "Days of Heaven": Linda Manz (© imago/Everett Collection)

Erika Richter (6.1.1938-24.8.2020)

Die Dramaturgin und Filmkritikern war für die Filmentwicklung im deutschen Osten, aber auch für die filmhistorische Erinnerungsarbeit eine Institution. In ihren Jahren bei der DEFA bestärkte sie junge Filmschaffende und förderte Filme von Frauen; als unermüdlicher Motor hielt sie die Zeitschrift „Film und Fernsehen“ nach der Wende ein Jahrzehnt lang am Leben.

Ein Nachruf auf Erika Richter findet sich hier.


Chadwick Boseman (29.11.1976-28.8.2020)

Mit nur 43 Jahren starb der afroamerikanische Schauspieler an einem Krebsleiden, zwei Jahre nachdem er durch seine Rolle als „Black Panther“ im gleichnamigen Superhelden-Film zur Ikone des schwarzen Selbstbewusstseins geworden war. Auch in seinen anderen Filmrollen wie als Bundesrichter in „Marshall“ oder James Brown in „Get on Up“ verkörperte er oft afroamerikanische Ikonen; zum Vermächtnis wurde sein Auftritt als Jazz-Trompeter in „Ma Rainey’s Black Bottom“.

Ein Nachruf auf Chadwick Boseman findet sich hier.


Birol Ünel (18.8.1961-3.9.2020)

Der deutsch-türkische Schauspieler war eine Naturgewalt, die sich nicht um die Gepflogenheiten der Filmbranche scherte und trotz gefeierter Auftritte unter der Regie von Thomas Arslan, Pia Marais und Heinrich Breloer ein Außenseiter blieb. Zum Höhepunkt seiner wechselvollen Karriere wurde die Rolle des selbstzerstörerischen Alkoholikers in „Gegen die Wand“.

Ein Nachruf auf Birol Ünel findet sich hier.


Annie Cordy (16.6.1928-4.9.2020)

Die Belgierin war jahrzehntelang ein gefeierter Chanson-, Musical- und Operettenstar und zuerst auch im Kino vor allem in leichten Stoffen zu sehen. Ab 1970 trat sie immer wieder auch als Charakterdarstellerin hervor, die sich in „Die Katze“ als Geliebte von Jean Gabin und in „Unternehmen Feuertor“ (1971) als Krankenschwester im Zweiten Weltkrieg bewährte. Auch im Alter erhielt sie noch dankbare Rollen wie als Altersheim-Ausbrecherin in „Zu Ende ist alles erst am Schluss“ (2014).


Jirí Menzel (23.2.1938-5.9.2020)

Der tschechische Regisseur und Schauspieler fabulierte in seinen Filmen oft über den „kleinen Mann“ im Strudel der Zeitläufte oder als Spielball der Politik. Mit Witz, großer Lebenslust und der Kunst, auf dem schmalen Grat zwischen Lachen und Weinen zu balancieren, steuerte er zur tschechoslowakischen „Neuen Welle“ einige der besten Werke wie „Liebe nach Fahrplan“ und den lange verbotenen „Lerchen am Faden“ bei. Zeitweilig mit Berufsverbot belegt, kehrte er mit Schelmenstücken wie „Heimat, süße Heimat“ zurück und trat bis ins Alter in meist tragikomischen Rollen auch selbst vor die Kamera.

Ein Nachruf auf Jiri Menzel findet sich hier.


Ronald Harwood (9.11.1934-8.9.2020)

Seine Erfahrungen als Assistent des Schauspielers Donald Wolfit verarbeitete der in Südafrika geborene Brite mit dem erfolgreichen Theaterstück „The Dresser“, das 1983 verfilmt wurde. Dafür schrieb Harwood ebenso das Drehbuch wie für weitere Adaptionen seiner Stücke, die oft um Geschehnisse aus der Nazi-Zeit und dem Zweiten Weltkrieg kreisten. Wahrgenommen wurden im Kino jedoch vor allem seine gelungenen Bearbeitungen komplexer Buchvorlagen wie „Der Pianist“ (2002), „Oliver Twist“ (2005) und „Schmetterling und Taucherglocke“ (2007).


Diana Rigg (20.7.1938-10.9.2020)

Berühmt wurde die britische Schauspielerin in den 1960er-Jahren als selbstbewusste Agentin in der Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ und in „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ als die einzige Frau, die den Spion und Frauenhelden James Bond je zum Traualtar führte. Jenseits ihres Status als Stilikone schätzte sie auf der Leinwand, im Fernsehen und insbesondere im Theater vor allem abgründige Rollen wie in „Theater des Grauens“ oder „Das Böse unter der Sonne“, bei denen ihre Attraktivität und ihr leicht ironischer Ausdruck in die Irre führen und Boshaftigkeit, Sarkasmus, aber auch Verlorenheit verraten konnten.

Ein Nachruf auf Diana Rigg findet sich hier.


Enrique Irazoqui (5.7.1944-16.9.2020)

Der spanische Laiendarsteller wurde mit 19 Jahren von Pier Paolo Pasolini für die „Jesus“-Rolle in „Das 1. Evangelium – Matthäus“ besetzt und unterbrach in Abständen seine Arbeit als habilitierter Hispanist für weitere Filmauftritte. In Milo Raus experimenteller Beschäftigung mit den Lehren von Jesus aus Nazareth in „Das Neue Evangelium“ (2020) war Irazoqui als Johannes der Täufer zu sehen.

Enrique Irazoqui (imago/Everett Collection)
Die Rolle seines Lebens: Enrique Irazoqui (© imago/Everett Collection)

Joachim Kunert (24.9.1929-18.9.2020)

Der Regisseur aus Berlin zählte zum Urgestein der DEFA. Schon kurz nach dem Krieg volontierte er bei Wolfgang Staudte und Kurt Maetzig. Er erwies sich als versierter Handwerker, der in großen Kinobildern zu inszenieren verstand und dem DDR-Kino Klassiker wie „Die Abenteuer des Werner Holt“ bescherte. Anfang der 1970er-Jahre wechselte er zum Fernsehen, wo er bis zur Wende ambitionierte Literaturadaptionen umsetzte.

Ein Nachruf auf Joachim Kunert findet sich hier.


Michael Chapman (21.11.1935-20.9.2020)

Die frühen Arbeiten von Martin Scorsese profitierten maßgeblich vom Talent des Kameramanns, der die atmosphärische Paranoia von „Taxi Driver“ ebenso meisterte wie die schonungslosen Boxszenen in „Wie ein wilder Stier“. Einfallsreich mit Schwarz-weiß-Bildern spielte er auch bei der Krimiparodie „Tote tragen keine Karos“. Unter seinen Mainstream-Filmen stach besonders die actionreiche Kinoversion von „Auf der Flucht“ heraus.


Michael Lonsdale (24.5.1931-21.9.2020)

Der französisch-britische Schauspieler war ein wahrer Komödiant, der im komischen Fach ebenso glänzte wie im tragischen, auf der Leinwand wie auch auf der Bühne. Bis ins hohe Alter stand er vor der Kamera, oft als Bourgeois mit Abgründen oder als Priester oder Mönch. In internationalen Produktionen wie „Der Schakal“ oder „München“ setzte er subtile Akzente, ließ sich aber auch vom Avantgarde-Kino von Alain Robbe-Grillet und Marguerite Duras locken.

Ein Nachruf auf Michael Lonsdale findet sich hier.


Michael Gwisdek (14.1.1942-22.9.2020)

Der Berliner Schauspieler träumte vom Anfang seiner Karriere an vom Film und fand im DDR-Kino schöne Bewährungsproben als Antiquitätenhändler in „Jadup und Boel“ oder als Boxer und Kriegsheimkehrer in „Olle Henry“. Als launiger Exzentriker steigerte er seine Beliebtheit im wiedervereinigten Deutschland, wo er zwei „Deutsche Filmpreise“ für „Nachtgestalten“ und „Oh Boy“ gewann.

Ein Nachruf auf Gwisdek findet sich hier.


Juliette Gréco (7.2.1927-23.9.2020)

In Erinnerung bleibt sie vor allem als charismatische Ikone des französischen Chansons, konnte daneben aber auch eine erfolgreiche Filmkarriere vorweisen. Nachdem Jean Cocteau sie in „Orphée“ als existenzialistische Version einer Bacchantin besetzt hatte, spielte sie in Frankreich unter der Regie von Renoir und Melville, in Hollywood bei John Huston und Henry King.

Ein Nachruf auf Juliette Gréco findet sich hier.


Wladimir Yordanoff (28.3.1954-6.10.2020)

Auf Frankreichs Bühnen auch für seine Hauptrollen gefeiert, spielte der französisch-monegassische Darsteller im Kino nur im Hintergrund, wo er allerdings rege Beschäftigung fand. Agnès Jaoui und Jean-Pierre Bacri schrieben ihm für „Typisch Familie!“ (1996) die dankbare Rolle eines oberflächlich erfolgreichen, aber verunsicherten Unternehmers; zudem gaben ihm Regisseure wie Patrice Chéreau, Margarethe von Trotta und Roman Polanski markante kleinere Auftritte.


Erich Gusko (19.2.1930-10.10.2020)

Der ostdeutsche Kameramann besaß ein offenes Ohr für den Wunsch nach Experimenten und unterstützte den ästhetischen Mut von Joachim Herz’ Filmoper „Der fliegende Holländer“. Daneben schätzten auch Egon Günther und Kurt Maetzig die Zusammenarbeit mit Gusko, der ihre ästhetischen Intentionen in eindringliche Bilder verwandelte.

Ein Nachruf auf Erich Gusko findet sich hier.


Rhonda Fleming (10.8.1923-14.10.2020)

Die rothaarige US-Schauspielerin wurde in den 1940er-Jahren zunächst oft als Opfer oder Femme fatale im Film noir besetzt. Zudem nutzten Abenteuerfilme in Technicolor ihr attraktives Äußeres. In den 1950er-Jahren bewährte sie sich auch in anderen Genres von Monumentalfilmen („Semiramis, die Kurtisane von Babylon“) bis zum Western („Zwei rechnen ab“).


David Slama (19.2.1946-15.10.2020)

Der aus Prag stammende Kameramann verhalf den Ruhrpott-Filmen von Adolf Winkelmann von „Die Abfahrer“ (1978) bis „Junges Licht“ (2016) zum authentischen Look. Außerdem drehte er aufwändige Fernseharbeiten wie „Unsere Mütter, unsere Väter“ und mehrere Folgen der Krimireihe „Spuren des Bösen“.


Wojciech Pszoniak (2.5.1942-19.10.2020)

Der polnische Schauspieler war ab „Die Hochzeit“ (1972) einer der bevorzugten Darsteller von Andrzej Wajda in den 1970er-Jahren. 1981 emigrierte Pszoniak nach Frankreich, spielte in Wajdas „Danton“ (1982) Robespierre und weitere beachtete Parts wie den Schachgroßmeister in „Duell ohne Gnade“ (1984). Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus kehrte er in seine Heimat zurück und blieb durch Auftritte wie dem von den Nazis ermordeten Kinderarzt in dem Drama „Korczak“ (1990) weiter gefragt.


Marge Champion (2.9.1919-21.10.2020)

Die elegante Tänzerin stand als junge Frau den Disney-Zeichnern Modell für die Figuren von „Schneewittchen“ und der Fee in „Pinocchio“. Gemeinsam mit ihrem Mann Gower Champion bereicherte sie Musicals wie „Mississippi-Melodie“ (1951) und „Jupiters Liebling“ (1955) mit einfallsreichen Tanz-Duos. Charakterrollen spielte sie in „Der Partyschreck“ (1968) und „Der Schwimmer“ (1968).


Sean Connery (25.8.1930-31.10.2020)

Als weltgewandter Geheimagent James Bond wurde der Schotte Anfang der 1960er-Jahre über Nacht berühmt und prägte das Bond-Image für immer. Mit seiner selbstironisch gebrochenen Maskulinität konnte er sich bald auch jenseits der Agenten-Reihe im Kino erfolgreich einrichten und meisterte Charakterparts wie in „Ein Haufen toller Hunde“ oder „Sein Leben in meiner Gewalt“. In zunehmendem Alter versteifte er sich nicht weiter auf zupackende Helden, sondern meisterte erfolgreich den Wechsel zu Mentoren-Figuren.

Ein Nachruf auf Sean Connery findet sich hier.

Der beste Bond aller Zeiten: Sean Connery (© Fox)
Der beste Bond aller Zeiten: Sean Connery (© Fox)

Geoffrey Palmer (4.6.1927-5.11.2020)

Der britische Charakterdarsteller wurde aufgrund seines verdrießlich aussehenden Bulldoggen-Gesichts oft als humorloser und steifer Zeitgenosse besetzt. Mit unerschütterlichem Mienenspiel bereicherte er so britische Sitcom-Klassiker wie „The Fall and Rise of Reginald Perrin“ und „As Time Goes By“, aber auch Kinofilme als Richter („Ein Fisch namens Wanda“), königlicher Arzt („King George“), treuer Sekretär der Königin Victoria („Ihre Majestät, Mrs. Brown“) oder Admiral („Der Morgen stirbt nie“).


Fernando E. Solanas (16.2.1936-7.11.2020)

Der argentinische Filmemacher verstand sich von Anfang an als politischer Künstler, der mit der Filmkunst die ausbeuterischen Verhältnisse seines Landes durchsichtig machen wollte. Die Militärdiktatur zwang ihn 1976 ins Exil nach Paris, wo er Migrantengeschichten wie „Tango“ und „Süden (Sur)“ drehte. Nach seiner Rückkehr 1989 setzte er sich auch als Politiker aktiv für seine Ziele ein.

Ein Nachruf auf Fernando E. Solanas findet sich hier.


Gernot Roll (9.4.1939-12.11.2020)

Der Look der „Heimat“-Filme von Edgar Reitz machte den Kameramann berühmt. Daneben sind aber mehr als 120 weitere Filme und Serien mit seinem Namen verknüpft, Prestigeobjekte wie „Rossini“ und Doku-Dramen wie „Die Manns“. Bei manchen Filmen von der Joseph-Roth-Adaption „Radetzkymarsch“ über die Klamotte „Ballermann 6“ bis zum Kinderfilm „Der Räuber Hotzenplotz“ übernahm er mit schwankendem Resultat auch die Regie.

Ein Nachruf auf Gernot Roll findet sich hier.


Soumitra Chatterjee (19.1.1935-15.11.2020)

Indiens bekanntester Regisseur Satyajit Ray engagierte den jungen Schauspieler 1959 für die Hauptrolle im Abschluss seiner „Apu“-Trilogie und arbeitete bis 1990 weitere 13 Mal mit ihm zusammen. Daneben fand der Darsteller im bengalischen Kino rege Beschäftigung mit rund 200 Filmauftritten und zahlreichen Filmpreisen.


Michel Robin (13.11.1930-18.11.2020)

Der knorrige französische Schauspieler war neben einer glanzvollen Bühnenkarriere ein versierter Nebendarsteller im Kino, der mit subtilem, oft fast schüchternem Spiel auch kleine Auftritte mit Leben gestalten konnte und von renommierten Regisseuren wie Costa-Gavras, Francis Veber, Claude Chabrol, Jean-Pierre Jeunet, Benoît Jacquot und Alain Resnais eingesetzt wurde. In die Kinogeschichte schrieb er sich vor allem mit der Hauptrolle des aufmüpfigen alten Knechts im Schweizer Kinohit „Kleine Fluchten“ (1979) ein.


Daria Nicolodi (19.6.1950-26.11.2020)

Die italienische Schauspielerin trat für ihren zeitweiligen Lebenspartner Dario Argento während und nach ihrer Beziehung in zahlreichen seiner Kult-Horrorfilme vor die Kamera und schrieb mit ihm gemeinsam das Skript zu „Suspiria“. Ihre Aura der bedrohten, aber wehrhaften Heldin variierte sie in weiteren Gialli. Abweichungen von diesem Image gelangen ihr etwa mit Ettore Scolas Tragikomödie „Macaroni“.


David Prowse (1.7.1935-28.11.2020)

Der größte Filmerfolg des Engländers war der Auftritt hinter der Maske von Darth Vader in der originalen „Krieg der Sterne“-Trilogie von 1977 bis 1983. Mit einer Körpergröße von rund zwei Metern war der ursprüngliche Bodybuilder und Gewichtheber zudem ein naheliegender Kandidat für Rollen als bedrohlicher Leibwächter wie in „Uhrwerk Orange“ oder als Frankenstein-Monster.


Hugh Keays-Byrne (18.5.1947-1.12.2020)

In zwei unterschiedlichen Widersacher-Auftritten in der dystopischen Actionfilm-Reihe „Mad Max“ hinterließ der englisch-australische Schauspieler Eindruck. Im ersten Film von 1979 war er der Anführer einer brutalen Biker-Gang, in „Mad Max: Fury Road“ (2015) erschien er als patriarchaler Diktator „Immortan Joe“ hinter einer furchteinflößenden Maske. Außerdem war er in weiteren australischen Filmen wie etwa „Mad Dog – Der Rebell“ (1976) und in Werner Herzogs „Wo die grünen Ameisen träumen“ (1984) zu sehen.


Jutta Lampe (13.12.1937-3.12.2020)

Mit der Gründung der Berliner „Schaubühne“ in den 1970er-Jahren wurde die fragil wirkende deutsche Schauspielerin zum Theaterstar, zu deren wenigen Kino-Auftritten dann auch einige Bühnenadaptionen wie „Sommergäste“ (1975) und „Das weite Land“ (1986) zählten. In genuinen Filmstoffen glänzte Jutta Lampe bei Margarethe von Trotta in „Schwestern oder Die Balance des Glücks“ (1979) und „Die bleierne Zeit“ (1981).

Ein Nachruf auf Jutta Lampe findet sich hier.

Eine große Schauspielerin: Jutta Lampe (imago/Drama-Berlin.de)
Eine große Schauspielerin: Jutta Lampe (imago/Drama-Berlin.de)

François Leterrier (26.5.1929-4.12.2020)

Der Franzose spielte die Hauptrolle eines von den Nazis inhaftierten Résistance-Mitglieds in Robert Bressons „Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen“ (1956), stieg danach jedoch auf die Regiearbeit um. Durch ihre stilistische Konsequenz beachtet wurden der Krimi „Ein König allein“ (1963), die selbstreflexive, psychologisch genaue Studie eines zweifelnden Regisseurs in „Privat-Vorstellung“ (1973) und die melancholische Ehekomödie „Besuch Mama, Papa muss arbeiten“ (1978).


Kim Ki-duk (20.12.1960-11.12.2020)

Der südkoreanische Regisseur war ab den 1990er-Jahren einer der gefeierten Protagonisten des internationalen Gegenwartskinos, dessen Werke zwischen Gewalt und Spiritualität changierten und die Untiefen der modernen Gesellschaft ausloteten. Mit seiner meditativen Studie „Frühling, Sommer, Herbst, Winter ... und Frühling“ (2003) entwarf er ein universelles Bild von der moralisch-ethischen Verfasstheit der Menschen. Für seine Läuterungsgeschichte „Pieta“ (2012) gewann er den Goldenen Löwen in Venedig; in „Arirang“ (2011) unternahm er eine schonungslose Auseinandersetzung mit seiner eigenen Persönlichkeit.

Ein Nachruf auf Kim Ki-duk findet sich hier.


Caroline Cellier (7.8.1945-15.12.2020)

Die französische Schauspielerin zeigte in ihren Rollen eine faszinierende Mischung aus verführerischen und zurückhaltenden Elementen. Claude Chabrol verhalf ihr als schuldbewusster Mitwisserin in „Das Biest muss sterben“ (1969) zum Durchbruch, in Edouard Molinaros „Die Filzlaus“ (1973) war sie die selbstsichere Frau eines Selbstmordkandidaten, in „Teuflische Umarmung“ (1984) eine Liebeskonkurrentin ihrer frühreifen Tochter. Prägnante Hauptrollen hatte sie als Spielerin in „Poker“ (1987) und nach 15 Jahren erneut von ihrem Mann umworbene Ehefrau in „Das Zebra“ (1992).


Claude Brasseur (15.6.1936-22.12.2020)

Der Sohn des französischen Theater- und Filmstars Pierre Brasseur machte sich rasch selbst einen Namen und etablierte sich mit „Die Außenseiterbande“ (1964) im Kino. Mit seiner bodenständig-charismatischen Erscheinung war er in Komödien wie „Ein Elefant irrt sich gewaltig“ (1976), Thrillern wie „Der Polizeikrieg“ (1979) und Historienfilmen wie „Ein Abendessen mit dem Teufel“ (1992) gleichermaßen eindrucksvoll. Große Publikumserfolge erzielte er als überforderter Vater in den „La Boum“-Filmen (1980/82).

Ein Nachruf auf Claude Brasseur findet sich hier.


Robert Hossein (30.12.1927-31.12.2020)

Als Schauspieler spielte der Franzose ab den 1950er-Jahren zuerst meist zwielichtige und unsympathische Charaktere, erweiterte seine Bandbreite aber bald mit vielschichtigeren Rollen u.a. auch in eigenen Regiearbeiten. Viele von diesen wie „Nachts fällt der Schleier“ (1958) und „Der Mann, der Peter Kürten hieß“ (1964) brachen mit vertrauten Genreregeln und offenbarten Interesse an fatalistischen Weltbildern und rituellen Vorgängen. Nach einer auch durch die Ablehnung seiner Werke durch die Nouvelle-Vague-Generation erzwungenen Pause meldete sich Hossein in den 1980er-Jahren noch mit seiner werkgetreuen „Les Misérables“-Adaption (1982) als Regisseur und als Charakterdarsteller etwa in Claude Lelouchs „Ein jeglicher wird seinen Lohn empfangen...“ (1981) zurück.


Joan Micklin Silver (24.5.1935-31.12.2020)

Die US-amerikanische Regisseurin kam über Lehr- und Kurzfilme zum Kino, wo sie 1975 mit dem historischen Einwanderer-Drama „Hester Street“ das „New Hollywood“-Kino um eine jüdische und eine weibliche Perspektive bereicherte. Auch wenn sie stets eher ein Geheimtipp blieb, trugen ihre weiteren Filme wie das Zeitungsdrama „Zwischen den Zeilen“ (1977), die Liebesgeschichte „Sarah und Sam“ (1988) und der Historienfilm „Im Angesicht meiner Feinde“ (1997) weiter zu ihrem Renommee bei.

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