Demenz und Alzheimer sind Themen, mit denen man sich in jungen oder mittleren Jahren meist allenfalls als pflegender Angehöriger/pflegende Angehörige auseinandersetzt; selbst davon betroffen sind meist ältere Menschen. Aber eben nur meistens, nicht immer. Das muss in der packenden Krimi-Dramaserie „Das Vergessen – Spurlos im Moor“ die fünfzigjährige Polizistin Pia Kraus (Julia Koschitz) erleben - bei ihr wird eine frühe Form der Alzheimer-Erkrankung diagnostiziert.
Die Bedrohung durch die allmähliche Erosion ihres Gedächtnisses trifft die Ermittlerin, die in einer Kleinstadt in Oberösterreich lebt, verheiratet und Mutter zweier Teenager-Kinder ist, umso härter, als sie mit einem besonders brisanten, sie persönlich betreffenden Fall konfrontiert ist: Ihre eigene Nichte, eine 17-jährige Jugendliche, ist nach einem Streit mit ihrer Mutter verschwunden wird vermisst.
Als klar wird, dass das Mädchen getötet wurde, will die Polizistin den Mord unbedingt aufklären. Doch der Fall erweist sich als äußerst abgründig. Und die Ermittlerin merkt nicht nur, dass sie selbst Menschen, die sie gut zu kennen glaubte, nicht trauen kann – sie verliert vor allem auch mehr und mehr das Zutrauen in sich selbst und die Verlässlichkeit des eigenen Gedächtnisses. Spätestens als es weitere Opfer gibt, wird klar, dass sie verzweifelt gegen die Zeit anarbeiten muss.
Die sechsteilige Serie entfaltet sich als düster-schwerblütige Mischung aus Dorfkrimi und Psychodrama. Dem niederschmetternden Verlust, den der Tod der 17-jährigen Schülerin für die Familie bedeutet, steht der drohende Selbstverlust der Polizistin gegenüber. Dabei nimmt sich die Inszenierung genug Zeit, um die Hauptfigur und ihre Befindlichkeit eindringlich auszuloten, ohne darüber die „Whodunit“-Spannung und das Vorantreiben der Ermittlungsarbeit aus den Augen zu verlieren.
Mit zunehmendem Fortgang zeigen sich allerdings manche Defizite. Während neben dem Kriminalfall die mentale Veränderung der Protagonistin im Mittelpunkt steht, bleiben die anderen Protagonisten eindimensional. Die stimmige Kameraarbeit, die die herbstliche Moorlandschaft, in der die Serie angesiedelt ist, ebenso atmosphärisch umzusetzen versteht wie die Eindrücke von Pias durch die Krankheit verzerrte Wahrnehmung, und die Hauptdarstellerin sorgen aber trotzdem dafür, dass die Serie solide unterhält. – Ab 16.