L.A. without a Map

- | Finnland/Großbritannien/Frankreich 1998 | 107 Minuten

Regie: Mika Kaurismäki

Ein junger schottischer Bestattungsunternehmer mit schriftstellerischen Ambitionen verliebt sich in eine amerikanische Touristin und reist ihr nach. Völlig überrascht von seinen ernsten Absichten, vertröstet ihn die junge Frau, die an ihrer Karriere als Schauspielerin arbeitet, um ihn schließlich doch zu erhören. Doch das junge Eheglück ist weiteren Belastungen im Schmelztiegel der Filmszene von Los Angeles ausgesetzt. Eine mit Filmzitaten gespickte, leichthändig inszenierte Komödie, die vor allem durch die launig aufspielenden Hauptdarsteller unterhält. Durch die zahlreichen Cameo-Auftritte bekannter Filmgrößen wird der Film zudem zu einer köstlichen Charade. - Sehenswert ab 14.
Zur Filmkritik

Filmdaten

Originaltitel
L.A. WITHOUT A MAP
Produktionsland
Finnland/Großbritannien/Frankreich
Produktionsjahr
1998
Produktionsfirma
Marianna Films/Dan Films/Euro American Films
Regie
Mika Kaurismäki
Buch
Mika Kaurismäki · Richard Rayner
Kamera
Michel Amathieu
Musik
Sebastian Cortella
Schnitt
Ewa J. Lind
Darsteller
David Tennant (Richard) · Vinessa Shaw (Barbara) · Vincent Gallo (Moss) · Julie Delpy (Julie) · Joe Dallesandro (Michael)
Länge
107 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 6; f
Pädagogische Empfehlung
- Sehenswert ab 14.
Externe Links
IMDb | TMDB

Diskussion
Der finnische Filmemacher Mika Kaurismäki erreichte nie den Kultstatus seines Bruders Aki und verschwand nach einigen respektablen (Programm-)Kinoerfolgen in den 80er-Jahren („Schatten im Paradies“, fd 26 851; „Zombie and the Ghost Train“, fd 29 751) im filmischen Mittelmaß. Nun legt er mit dieser internationalen Großproduktion eine Komödie vor, deren leichten, präzise getimten Inszenierungsstil man ihm eigentlich nicht zugetraut hätte. Der auf einem autobiografisch gefärbten Roman basierende Film erzählt die Geschichte des jungen schottischen Bestattungsunternehmers Richard, der davon träumt, Schriftsteller zu werden. Hals über Kopf verliebt er sich in die amerikanische Touristin Barbara, die er auf einem Friedhof kennen lernt. Ihre eher beiläufige Einladung, doch vorbeizuschauen, wenn er zufällig in Los Angeles sei, setzt er sofort in die Tat um – und bringt die überraschte Barbara in arge Bedrängnis. Denn die Kellnerin bastelt gerade an ihrer Schauspiel-Karriere und möchte es sich wegen Richard nicht mit ihrem Gelegenheitsliebhaber Patterson verderben, der sich für einen kommenden Regie-Star hält. So vertröstet sie Richard und überlässt dem Führerscheinlosen ihr Auto – woraufhin er erst mit der Polizei, dann mit dem skurrilen Gitarristen Moss Bekanntschaft schließt, der ihn als Untermieter aufnimmt und ihm einen Job als Pool-Reiniger besorgt. Während Richard Barbara allmählich von seinen ernsten Absichten überzeugt, verliebt sich Moss in ihre Kollegin Julie. Barbara vermittelt Richard an einen Agenten und willigt schließlich in die Heirat ein. Patterson aber lockt Barbara mit einer Hauptrolle in seinem ersten großen Film – und damit in sein Bett. Richard dreht durch, wird verhaftet und des Landes verwiesen. Frustriert nimmt er wieder seine Tätigkeit als Bestattungsunternehmer auf – bis eines Tages Barbara wieder auf dem Friedhof steht.

Was sich da in schön komponierten CinemaScope-Bildern abspielt, sieht auf den ersten Blick aus wie eine der üblichen Geschichten mit dem Thema „Junge trifft Mädchen, verliert es, und trifft es schließlich wieder“. Der Reiz des Films liegt eindeutig darin, wie er erzählt und inszeniert ist, vor allem aber ist er bis in die kleinste Nebenrolle hinein hervorragend besetzt. Zudem hat Mika Kaurismäki tief in die Zitatenkiste der Filmgeschichte gegriffen: Richards und Barbaras ausgelassener Stadtbummel in Bradford erinnert an die frühen Filme von Richard Lester, in einem Kino sehen sie sich Aki Kaurismäkis „Das Leben der Bohème“ (fd 29 437) an, und Barbara wirkt mit ihrem lila Regenschirm wie eine Reminiszenz an Catherine Deneuve in Jacques Demys „Die Regenschirme von Cherbourg“ (fd 30 511). Später trifft man auf Anouk Aimeé, eine andere Demy-Darstellerin, der in Los Angeles eine Retrospektive gewidmet ist, Amanda Plummer wundert sich, dass nach einer ausschweifenden Party ihr Pool mit „Blut“ gefüllt ist, Warhol-Star Joe Dallessandro kann als angeblicher Starfotograf nicht die Finger von Barbara lassen. Monte Hellman, Mentor der amerikanischen Independent-Szene, hat ebenso einen Kurzauftritt wie Bond-Bösewicht Robert Davi, und natürlich dürfen in einem Kaurismäki-Film die „Leningrad Cowboys“ nicht fehlen. Der hübscheste Gag ist der Auftritt Johnny Depps als lebendes „Dead-Man“-Plakat, der seinem Fan Richard in kniffligen Lebensfragen Entscheidungshilfen gibt. Runden solch originelle „Sidekicks“ die Inszenierung ab, so sind die vier Hauptdarsteller das Salz in der Suppe. Vincent Gallos freakige Art steht in wunderbar schrägem Kontrast zu Julie Delpys umwerfender Naivität, die schier aus dem Häuschen über Richards europäisch-romantische Ader ist. David Tennants „Unterspielen“ korrespondiert wunderbar mit Vinessa Shaws Verve, deren schauspielerisches Charisma Schönheit und Intelligenz verbindet. Was aber wären diese „köstlichen Zutaten“ ohne ihren Zubereiter – und so gebührt Mika Kaurismäki die Ehre dieses bekömmlichen Film-„Gerichts“.
Kommentar verfassen

Kommentieren