Im Dutzend billiger (2003)

Komödie | USA 2003 | 98 Minuten

Regie: Shawn Levy

Persönliche Karrierepläne der Eltern wirbeln einen perfekt eingespielten kinderreichen Haushalt durcheinander und sorgen bis zum sentimentalen Happy End für Verunsicherung. Remake der gleichnamigen populären Hollywood-Komödie von Walter Lang aus dem Jahr 1950, das ganz auf seinen hyperaktiven, wild grimassierenden Hauptdarsteller zugeschnitten ist und dabei letztlich nur beliebiger Slapstick-Komik Vorschub leistet. (Fortsetzung: "Im Dutzend billiger 2 - Zwei Väter drehen durch") - Ab 10 möglich.

Filmdaten

Originaltitel
CHEAPER BY THE DOZEN
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2003
Regie
Shawn Levy
Buch
Sam Harper · Joel Cohen · Alec Sokolow
Kamera
Jonathan Brown
Musik
Christophe Beck
Schnitt
George Folsey
Darsteller
Steve Martin (Tom Baker) · Bonnie Hunt (Kate Baker) · Piper Perabo (Nora Baker) · Tom Welling (Charlie Baker) · Hilary Duff (Lorraine Baker)
Länge
98 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 10 möglich.
Genre
Komödie

Heimkino

Die umfangreichen Extras beinhalten u.a. einen dt. untertitelbaren Audiokommentar des Regisseurs und einen dt. untertitelbaren Audiokommentar der Kinderdarsteller. Des weiteren anbei sind ein Feature mit 11 im Film nicht verwendeten Szenen (18 Min.) sowie ein Storyboard/Film-Vergleich.

Verleih DVD
Fox (16:9, 1.85:1, DD5.1 engl./dt.)
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Diskussion
Steve Martin gibt das Tempo vor: Im Laufschritt überquert er als zwölffacher Familienvater Tom Baker die Straße. Mit beschwingtem Lächeln stimmt er den Grundton einer extragroßen Familienkomödie an. Überschwänglich strahlend, sitzt er mit seinen Lieben an der ausgedehnten Frühstückstafel, und selbst als die Kröte seines Sohnes Mark ins Rührei platscht, bringt ihn das nicht aus der Fassung; auch wenn darauf eine ganze Kette polternder Missgeschicke folgt. Spielerisch meistert Tom mit Ehefrau Kate das alltägliche Durcheinander, sportlich nimmt er die Herausforderung Großfamilie an: hier ein komisches Gesicht schneiden, dort ein Klaps auf die Schulter, rasch ein paar liebevolle Scherze, wohlgemeinte Ratschläge und wenn nötig, auch ein komprimiertes Vater-Sohn-Gespräch. Die Großfamilie Baker führen ein idyllisch betriebsames Leben. Bis Tom eines Tages seinen Traumjob angeboten bekommt: als Coach seiner ehemaligen Uni-Footballmannschaft. Gegen den erklärten Willen des Familienrats setzen die Eltern den Umzug vom ländlichen Midland, Illinois, nach Chicago durch, womit der Familienfriede fürs Erste dahin ist. Auf ihren neuen Schulen werden die Kinder gehänselt. Der Antrittsbesuch ihrer Nachbarn, deren normierte, spaßfreie Kleinfamilie als Gegenmodell zu den lebhaften Bakers entfaltet wird, endet damit, dass Tom und der Nachbarsjunge an einem Deckenleuchter baumeln. Das vereinsamte Einzelkind ist vom Baker-Clan dennoch begeistert und lädt dessen komplette Kinderabteilung zu seiner Geburtstagsfeier ein. Dass die langersehnten Spielkameraden dort alles auf den Kopf stellen, bis das Geburtstagskind mit gebrochenen Beinen im Krankenhaus landet, steigert dessen Enthusiasmus nur noch. Die Nebenbotschaft ist deutlich: Lieber zu viele als zu wenig Kinder.

Das moralische Hauptaugenmerk des Films aber ruht nicht auf familiärer Quantität, sondern Qualität. An Liebe, Spaß und Abenteuer mangelt es den Baker-Kindern nicht, dafür aber bald schon an Zuwendung. Mutter Kate veröffentlicht ihr autobiografisches Buch „Im Dutzend billiger“ und wird auf Werbetour geschickt. Für Tom bedeutet das, dass er sich neben seinem neuen Job fortan allein um die Kinder kümmern muss, denn ein Babysitter lässt sich nicht finden. Seine älteste Tochter Nora ist zwar bereit, vorübergehend wieder zu Hause einzuziehen, doch als ihr Freund, ein schauspielerisch dilettierender Beau, das Opfer ausgeklügelter Streiche wird und Reißaus nimmt, schließt sie sich ihm an. Ihrem Temperament und ihren Einfällen überlassen, geraten die Kinder zusehends außer Kontrolle. Doch als Tom daraufhin das Football-Training ins heimische Wohnzimmer verlagert, reagiert sein Boss entsetzt. Unweigerlich steuern die Eltern auf einen Scheideweg zwischen Familien- und Karriereträumen hin. Bei einem Dutzend Kinder kapituliert selbst Hollywood vor der Realität, zumindest ein Stück weit, da es sich die sentimentale Pointe eines glücklichen Ausklangs nicht nehmen lässt.

Mit seiner Botschaft ist Regisseur Shawn Levys jüngstes Glied in einer Kette konventioneller Komödien („Voll verheiratet“, fd 35 880, „Lügen haben kurze Beine“, fd 36 202) ganz und gar ein Familienfilm. Humoristisch knüpft das Remake an den vielköpfigen Kinderspaß aus der gleichnamigen Verfilmung aus den 1950er-Jahren (fd 11 266) des autobiografischen Buchs der Familie Gilbreth an. Im Mittelpunkt des Figurenensembles aber stehen nicht diffuse Kindermassen oder die Mutter, sondern wie einst bei Heinz Erhardt („Vater, Mutter und neun Kinder“, fd 7672) der Vater und der Komiker. Steve Martin gestikuliert und grimassiert nach allen Registern und spielt dennoch nur dem heimlichen Star zu, den die Regie in turbulent-elaborierten Choreografien genüsslich in Szene setzt – einem großen Komödianten der ersten Filmstunde: dem Slapstick.

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