Wenn Liebe so einfach wäre

Komödie | USA 2009 | 120 Minuten

Regie: Nancy Meyers

Eine Frau beginnt bei der College-Abschlussfeier des gemeinsamen Sohns eine Affäre mit ihrem längst wieder verheirateten Ex-Ehemann. Vergnügliche Liebeskomödie, die ihre mangelnde Realitätsnähe durch schlagfertige Dialoge, gelungene Situationskomik und ein feines Gespür für Timing wettmacht, wobei glänzende Schauspieler die Genrekonventionen charmant mit Leben füllen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
IT'S COMPLICATED
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2009
Regie
Nancy Meyers
Buch
Nancy Meyers
Kamera
John Toll
Musik
Heitor Pereira · Hans Zimmer
Schnitt
Joe Hutshing · David Moritz
Darsteller
Meryl Streep (Jane) · Steve Martin (Adam) · Alec Baldwin (Jake) · John Krasinski (Harley) · Caitlin Fitzgerald (Laureen)
Länge
120 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie | Liebesfilm

Heimkino

Verleih DVD
Universal (16:9, 1.85:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Universal (16:9, 1.85:1, dts-HDMA engl., dts dt.)
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Diskussion
„It’s Complicated“: So nüchtern wie treffend lautet der Titel dieser Komödie in seiner Originalfassung, was um Längen besser ist als seine schwammige deutsche Entsprechung. Wie schon bei Nancy Meyers letzten Filmen, „The Holiday“ („Liebe braucht keine Ferien“, fd 37 949) oder „Something’s Gotta Give“ („Was das Herz begehrt“, fd 36 345), dokumentiert sich hier erneut die unselige Tendenz deutscher Verleiher zu faden, austauschbaren Titeln; Hauptsache, die Botschaft „Liebeskomödie“ wird darüber transportiert. Auch wenn Meyers hauptsächlich Liebeskomödien schreibt, dreht und produziert, so sind sie normalerweise gerade eines nicht, nämlich fade oder austauschbar. Das liegt schon daran, dass sie meist auf ein Cast zurückgreifen kann, das man in diesem Genre eher selten antrifft. Diesmal glänzen Meryl Streep und Alec Baldwin als geschiedenes Ehepaar, das rund ein Jahrzehnt nach der Trennung plötzlich wieder Gefühle und (sexuelle) Leidenschaft füreinander entwickelt. Insbesondere Baldwin ist perfekt in der Rolle des gemütlichen Machos Jake, der Streep nach 20 Ehejahren wegen einer wesentlich jüngeren Frau sitzen ließ – und der sich jetzt, Jahre später, in zweiter Ehe verheiratet mit der noch immer knackigen, aber auch anstrengenden Agness, nach dem beschaulichen Leben an der Seite seiner Jane zurücksehnt. Kaum jemand dürfte den beseelten Gesichtsausdruck nach dem Sex mit der Ex im Verbund mit dem hintergründigen Oneliner „Home, sweet home“ ähnlich überzeugend wie Baldwin hinbekommen. Der schwergewichtige Schauspieler scheint dafür geboren, solche changierenden Typen zu spielen, ein bisschen schmierig, ziemlich bequem und dabei auch noch kindisch – aber eben doch auch sehr sympathisch: gewissermaßen der innere Schweinehund in uns allen. Neben dieser schillernden Figur fällt die weibliche Hauptrolle ein wenig ab, doch Streep wäre nicht Streep, wenn sie ihre deutlich eindimensionalere Protagonistin Jane nicht immer noch herzzerreißend frisch, lebhaft und nuanciert interpretieren würde. Jane ist eine Überfrau mit Karriere, Kindern, besten Freundinnen, attraktivem Äußeren, tollem Haus – und damit eher einem Märchen als der Realität entsprungen, was für das generelle Setting der Geschichte wie die materielle Situierung aller Figuren gilt: Jake ist Anwalt, Jane die Eigentümerin einer Nobel-Bäckerei in Santa Barbara, der Dritte im Bunde – Steve Martin als Nebenbuhler um Janes Gunst – arbeitet als Architekt. Alle scheinen enorm erfolgreich im Job zu sein, nebenbei aber mehr als ausreichend Zeit für amouröse Eskapaden zu haben. Man lebt in traumhaften Anwesen inmitten von Grün oder mit Blick über den Pazifik und logiert auf Reisen in Luxushotels. Den Architekten Adam lernt Jane bezeichnenderweise kennen, als sie ihre ohnehin schon ausladende Designerküche um einen großzügigen Anbau erweitern lassen will. Auch das Verhältnis von Jane und Jake zu ihren drei wohlgeratenen erwachsenen Kindern scheint völlig ungetrübt von irgendwelchen Konflikten, zumindest bis zu der Affäre, die die Ex-Gatten bei der College-Abschlussfeier ihres gemeinsamen Sohnes beginnen. Die Realität sollte man also vor der Kinotür lassen, wenn man seinen Spaß an „Wenn Liebe so einfach wäre“ haben will. Ist diese Bedingung erfüllt, steht dem Vergnügen wenig im Wege. Das liegt vor allem an der wunderbaren Schauspielerriege, aber auch an Meyers’ versiertem Handwerk in Sachen Buch und Regie, das seinen Niederschlag in witzigen Dialogen, sich abstrus entwickelnden Situationen und einem guten Timing findet. Ganz ohne Klischees – etwa einem Joint und dessen Wirkung – kommt diese Komödie zwar nicht aus; auch bewegt sich der Film stets innerhalb der standardisierten Parameter seines Genres. Diese aber werden auf geschickte Weise genutzt, indem der Fokus wie schon in „Was das Herz begehrt“ auf die in der Gattung Liebeskomödie vernachlässigte ältere Generation gerichtet und die Ausgangsidee des Rollentauschs pointenreich entfaltet wird: aus der betrogenen Ehefrau wird die Geliebte, aus dem Ex-Gatten der heimliche Lover. Man mag dem Film vorwerfen, dass sich diese Fifty- und Sixtysomethings reichlich albern, manchmal geradezu infantil verhalten, also nicht viel anders als die Teens und Twens, die das Genre normalerweise prägen. Doch um eine ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung mit den Themen der zweiten Lebenshälfte ist es „Wenn Liebe so einfach wäre“ auch gar nicht zu tun. Dieser Film ist die reine Unterhaltung – und sogar sehr vergnügliche.

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